Das Menschenbild in Thomas Hobbes "Leviathan"


Hausarbeit, 2003

13 Seiten, Note: 1 - 2


Leseprobe

Inhalt

I. Hinführung

II. Kurzbiographie Thomas Hobbes
1. Theoretische Anthropologie
1.1 Empfindung und Vorstellung
1.2 Das Denken
1.3 Die Sprache
2. Praktische Anthropologie
2.1 Hobbes’ Theorie der Handlungsmotivation – willentliche Bewegungen
2.2 Der Einfluss der Vernunft auf die menschlichen Neigungen
2.3 Die Bedeutung der Leidenschaften
2.4 Das Streben nach Macht – Eskalation des Machtstrebens

III. Bibliographie

I. Hinführung:

Die in den Kapiteln 1-16 des Leviathan vollzogene Beschreibung der menschlichen Anthropologie bildet die Basis der Hobbesschen politischen Philosophie.

Thomas Hobbes entwickelt in den Anfangskapiteln seines Werks einen Menschen, dem – von Empfindungen und Leidenschaften geprägt, mit der Kunst der Sprache und der Fähigkeit des Denkens ausgestattet – die „Verfolgung seiner Interessen in einer Welt aus Knappheit, Konkurrenz und Wettbewerb nur leidlichen Erfolg beschert“[1]. Durch die Beschreibung dieses Menschenbildes legt Hobbes den Grundstein für seine vertragstheoretische Konzeption.

Durch die folgende Hausarbeit soll ein Überblick über die Hobbessche Anthropologie gegeben werden, einige theoretische Aspekte wie Empfindungen und Vorstellung, das Denken und die Sprache werden im ersten Kapitel näher beschrieben. Das zweite Kapitel widmet sich der „praktischen Anthropologie“[2], der Handlungsmotivation und dem Einfluss von Vernunft und Leidenschaften auf das menschliche Handeln; abschließend wird das Machtstreben der Hobbesschen Menschen und die Eskalation dieses Strebens nach Macht beschrieben.

II. Kurzbiographie Thomas Hobbes

Thomas Hobbes (*5. April 1588; † 3. Dezember 1679), englischer Philosoph und Staatstheoretiker.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hauptwerke:

Anfangsgründe des Naturrechts (1640); De Cive (1642); Leviathan (1651); De Corpore (1655); De Homine (1658).

1. Theoretische Anthropologie

1.1 Empfindung und Vorstellung

Nach Thomas Hobbes ist die Empfindung der Ursprung aller menschlichen Gedanken. Die Empfindung ist das Resultat eines unmittelbaren – wie beim Schmecken oder Fühlen – oder mittelbaren – beim Hören, Sehen, Riechen – ausgeübten Drucks seitens des äußeren Körpers, der durch einen Gegendruck des Körperinnern, des Herzens beantwortet wird, das sich von ihm befreien will. Diese scheinbar nach außen gerichtete Bewegung wird vom Menschen als Empfindung bezeichnet und etwa als Ton vom Ohr wahrgenommen[3].

Die einzelnen Empfindungen werden allerdings nicht durch jede neue Sinneswahrnehmung gelöscht – jedoch können sich die nach außen gehenden Bewegungen, der vom Herz ausstrahlende Gegendruck, abschwächen; als Folge davon behält der Mensch auch nach dem „Schließen der Augen […] ein Bild des gesehenen Dings zurück […]“, dieses ist aber „dunkler als im Augenblick des Sehens.“[4] Das nach dem ersten Objekt gesehene „verdunkelt“ dieses also, die beim Sehen des ersten „Dings“ verspürte Empfindung „zerfällt“; diese zerfallenen Empfindungen werden als Vorstellungen oder Einbildungen, der Prozess des Zerfalls als Erinnerung bezeichnet.[5]

Eine Akkumulation von Erinnerung nennt Hobbes Erfahrung; Erfahrung ermöglicht das Zusammenfügen verschiedener Vorstellungen „zu komplexen Vorstellungen in gegenständlicher und insbesondere zeitlicher Hinsicht, wobei nicht jede komplexe Vorstellung ein externer Gegenstand oder ein Ereignis zu korrespondieren braucht.“[6]

Hobbes verdeutlicht dies am Beispiel eines Kentaur, der Vorstellung eines aus menschlichem Oberkörper und Pferdelaib zusammengesetzten Fabelwesens, die durch das Sehen eines Pferdes und das spätere Sehen eines Menschen entstanden ist[7].

1.2 Das Denken – discursus mentalis

Als Denken (discursus mentalis) bezeichnet Thomas Hobbes eine Gedankenfolge oder –reihe, von der es zwei verschiedene Arten gibt: eine ungesteuerte, absichtslose, die „zusammenhängend wahr- genommene Vorgestellungen lediglich assoziativ verbindet“[8] und eine auf ein bestimmtes Ziel gerichtete, dadurch geregelte Art der Gedankenfolge.

Diese geregelte Art der Gedankenfolge wird durch die Absicht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, auf die dafür notwendigen „Mittel und Schritte“ gelenkt, „die aufgrund von Erfahrung, d.h. der Erinnerung an frühere Ereignisfolgen, bekannt sind und gleichsam abgerufen werden können.“[9]

Vorausschauendes Denken, also die Deutung eines Ergebnisses einer bestimmten Handlung, ist durch Erfahrung möglich: man schaut zurück auf den Verlauf ähnlicher, vergangener Handlungen oder Ereignisse und ist dadurch in der Lage, bestimmte Prognosen zu erstellen. Aus Erfahrung kann also eine Deutungsmöglichkeit für Zukünftiges erwachsen, und diese Art des Denkens wird von Hobbes als Klugheit bezeichnet.[10]

Allerdings ist solch eine Zukunftsprognose, also die Anwendung „der Folgen vergangener Handlungen auf eine gegenwärtige“[11], lediglich eine „Fiktion des Geistes“, sicherer wird die Zukunftsdeutung erst durch „Vernunft und Wissenschaft“, wodurch „sichere Kausalerkenntnis verbürgt“ wird, „die die Zufälligkeit der Zukunft mindert“.[12]

1.3 Sprache

Im Gegensatz zu Erinnerungen, den Rohstoffen der Klugheit, die immer konkret und einzigartig sind, ist die Vernunft eine menschliche Fähigkeit, die ausgebildet werden muss[13] ; Vernunft ist ein „Addieren und Subtrahieren“[14] mit Begriffen, mit Namen. Folglich sind sprachliche Fähigkeiten die Voraussetzung für Vernunft (à Kapitel 2.2, dort wird der Vernunftbegriff näher erläutert, seine Bedeutung innerhalb der Hobbesschen Anthropologie verdeutlicht werden).

[...]


[1] Chwaszcza (1996), S. 83

[2] Ebenda, S. 84

[3] Vgl. Leviathan, S.11 f.

[4] Vgl. Leviathan, S. 13

[5] Vgl. Leviathan, S. 14

[6] Chwaszcza (1996), S.86

[7] Vgl. Leviathan, S. 14

[8] Chwaszcza (1996), S. 86

[9] Ebenda

[10] Vgl. Leviathan, S. 21

[11] Leviathan, S. 21

[12] Chwaszcza (1996), S. 87

[13] vgl. Chwaszcza (1996), S. 87

[14] Leviathan, S. 32

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild in Thomas Hobbes "Leviathan"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Grunarbeitskreis
Note
1 - 2
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V20518
ISBN (eBook)
9783638243735
ISBN (Buch)
9783656069096
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenbild, Thomas, Hobbes, Leviathan, Grunarbeitskreis
Arbeit zitieren
Torben Wengenroth (Autor), 2003, Das Menschenbild in Thomas Hobbes "Leviathan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20518

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