„Ich will nur das Allerbeste für mein Kind, schließlich soll es ein Einser-Kandidat in der Schule werden.“ Mit diesen Worten meldete eine Mutter während meines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) ihr Kind im BLC (Bambini Learning Center) an.
Da stellt sich für mich die Frage: Was ist denn das Allerbeste für ein Kind bezüglich der späteren „Schulkarriere“? Kann nur durch frühkindliche Förderung ein erfolgreicher Schulstart, mündend in eine hervorragende Schullaufbahn, gewährleistet werden? Oder haben eher die Eltern das Allerbeste für ihr Kind im Sinn, die ihrem Kind „Das-Kind-sein“ gönnen?
Diese Fragen erörtert die folgende Arbeit. Dabei wird zunächst einmal ein geschichtlicher Abriss geliefert, der die Entstehung der Fragestellungen wiederspiegelt, dann wird die Entwicklung der Kindheitsforschung geschildert, um anschließend unterschiedliche Ansätze der frühkindlichen Förderung vorzustellen, mündend in persönliche Erfahrungen während meines FSJs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtliche Entwicklung der Arbeit im Kindergarten
3. Kindheitsforschung
4. Schulfähigkeit
5. Moderne Arbeitsansätze im Kindergarten
6. Die „Bambini Oase“ und das „BLC“
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht kritisch den wachsenden Trend der frühkindlichen Leistungsförderung. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob ein erfolgreicher Schulstart und eine spätere Schullaufbahn zwingend durch eine intensive, vorzeitige Förderung gewährleistet werden müssen oder ob dieser Druck zulasten einer kindgerechten Entwicklung geht.
- Historische Entwicklung der Schnittstelle zwischen Kindergarten und Grundschule
- Wandel der Kindheitsforschung und moderne Anforderungen an Kinder
- Kritische Analyse von Frühförderprogrammen und Lernzentren
- Perspektiven aus der Praxis: Fallbeispiel „Bambini Oase“ und „BLC“
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Förderung und dem Recht auf Kindsein
Auszug aus dem Buch
4. SCHULFÄHIGKEIT
Heutzutage ist es die Pflicht des Kindergartens, die Schulfähigkeit gezielt vorzubereiten, so auch Reinhold Christiani. Es muss so sein, dass jedes Kind ohne Probleme in die Grundschule – „als der Schule für alle Kinder des Volkes“ – aufgenommen wird und dort auch bleibt. „Auf der institutionellen Ebene ist das Erreichen der Schulfähigkeit eine gemeinsame Aufgabe aller an der Erziehung eines Kindes Beteiligten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit sicherzustellen, dass die Anschlussfähigkeit zwischen den Systemen Kindergarten und Grundschule berücksichtigt wird.“.4
„Beim Schulanfang sind Kinder unter anderem mit den folgenden neuen Bedingungen und Verhaltensforderungen konfrontiert:
- Neue Anforderungen im motorischen Bereich: Schulisches Lernen verlangt einerseits eine beträchtliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit und verstärkt auch Bewegungskontrolle, andererseits eine Verlagerung und Differenzierung der Motorik.
- Neue Anforderungen im sozialen Bereich: In der neuen Schule finden sich Kinder ganz plötzlich in einem neuen und ungewohnten Sozialverband wieder. Neue Anstrengungen der Einordnung müssen vollzogen werden. Zudem sind die ehemals Großen nun wieder die Kleinen mit vielen unangenehmen Konsequenzen. Hinzu kommt, dass soziale Beziehungen abgebrochen und neue aufgebaut werden müssen.
- Neue Anforderungen im kognitiven Bereich: Hier vollziehen sich ganz einschneidende Veränderungen, da Lernen nicht nur neue Formen finden muß, sondern auch weniger selbstbestimmt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand eines persönlichen Praxisbeispiels den Leistungsdruck bei Eltern hinsichtlich der Schullaufbahn ihrer Kinder und leitet die Forschungsfrage nach dem Sinn frühkindlicher Förderung ein.
2. Geschichtliche Entwicklung der Arbeit im Kindergarten: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Kooperation zwischen Kindergarten und Schule nach und beschreibt die Entstehung des Bildungsauftrags an die Grundschule.
3. Kindheitsforschung: Hier wird die Entwicklung der Kindheit als Lebensabschnitt beleuchtet, die durch soziale Veränderungen, kleinere Familienstrukturen und ein verändertes Verständnis der kindlichen Akteursrolle geprägt ist.
4. Schulfähigkeit: Das Kapitel definiert Schulfähigkeit als gemeinsame Aufgabe und benennt die motorischen, sozialen und kognitiven Herausforderungen, denen Kinder beim Übergang in die Schule begegnen.
5. Moderne Arbeitsansätze im Kindergarten: Es werden verschiedene pädagogische Ansätze wie der Situationsansatz und der wissenschaftsorientierte Ansatz gegenübergestellt, die darauf zielen, den Übergang in die Schule zu erleichtern.
6. Die „Bambini Oase“ und das „BLC“: Dieses Kapitel liefert einen Einblick in die Praxis einer privaten Krippeneinrichtung und deren Förderprogramme unter Einbeziehung persönlicher Erfahrungen.
7. Fazit: Das Fazit plädiert für einen Mittelweg zwischen Förderung und kindlicher Freiheit und betont die Bedeutung emotionaler Zuwendung gegenüber rein leistungsorientierten Frühförderkursen.
Schlüsselwörter
Frühkindliche Förderung, Schulfähigkeit, Kindergarten, Grundschule, Bildungsauftrag, Kindheitsforschung, Lernzentren, Leistungsdruck, Schulerfolg, Vorschulerziehung, Pädagogik, Situationsansatz, Übergang, Kindsein, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch von Eltern nach intensiver Frühförderung und der Notwendigkeit einer kindgerechten Entwicklung vor dem Schuleintritt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert auf die geschichtliche Entwicklung des Kindergartens, die wissenschaftlichen Grundlagen der Kindheitsforschung, das Konzept der Schulfähigkeit und eine kritische Auseinandersetzung mit modernen kommerziellen Lernangeboten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob durch frühkindliche Förderung ein erfolgreicher Schulstart garantiert werden kann oder ob der Fokus stärker auf dem Recht des Kindes, „Kind zu sein“, liegen sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur, ergänzt durch reflektierte persönliche Praxiserfahrungen während eines freiwilligen sozialen Jahres.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und psychologischen Grundlagen der Schulfähigkeit sowie die Ausbreitung privater Lernzentren und vergleicht diese kritisch mit pädagogischen Empfehlungen namhafter Erziehungswissenschaftler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Frühkindliche Förderung, Schulfähigkeit, Kindheitsforschung, Lernzentren und Leistungsdruck.
Wie bewertet die Autorin den Trend zu privaten Lernzentren wie „FasTracKids“?
Die Autorin betrachtet diesen Trend kritisch und weist auf die Gefahr hin, dass bei zu starker Ausrichtung auf Leistung und Wissensanhäufung die emotionale Zuwendung und die kindliche Entwicklung auf der Strecke bleiben könnten.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule bei?
Die Kooperation wird als unabdingbar für einen kontinuierlichen Bildungs- und Erziehungsprozess angesehen, wobei der Fokus auf inhaltlicher Abstimmung liegen sollte.
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- Karolin Strohmeyer (Author), 2011, Frühkindliche Förderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205233