Schreibabys: Ursachen – Folgen – Lösungsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2012
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Früher wurde der erste Schrei eines Neugeborenen innig erwartet, denn man glaubte, dass die kindliche Lunge sich nur so vollständig zur Aktivitätsaufnahme entfalten könnte. Mit zunehmender Sensibilisierung für den Säugling wird heutzutage das Schreien – welches uns ein Leben lang begleiten wird bis hin zur Pubertät oder bis man selber Eltern wird – eher negativ assoziiert. Die Gründe des gelegentlichen Schreiens sind Unwohlsein und ein unerfülltes Bedürfnis wie z.B. eine volle Windel oder Hungergefühl. Einige junge Säuglinge schreien aber auch ohne erkennbare und erklärbare Ursache und dies besonders häufig. Viel Schreien stärkt nicht die Lunge, sondern kann die Interaktion vom Säugling zur Bezugsperson beeinträchtigen[1]. Aus diesem Grund sind auch die meisten Eltern mit diesen sogenannten „Schreibabys“ überfordert, auf dieses Phänomen nicht vorbereitet und stehen daher der Situation hilflos gegenüber[2]. Unterschiedliche Studien zeigen, dass 8-29% aller gesunden Säuglinge von exzessiven Schreien betroffen sind.[3] Zudem kommt es auch zu einer Belastung der Partnerschaft und ggf. auch der Beziehung zu Familienmitgliedern, die meinen, es besser zu wissen im Umgang mit „Schreibabys“.

Wichtig finde ich, das Thema besser zu durchleuchten und daher notwendig, das Thema auch in der Öffentlichkeit zu behandeln um Eltern, insbesondere Müttern, Mut zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und es Lösungen für ihr Problem gibt.

In meiner Arbeit möchte ich – als Lehramtsstudentin und „irgendwann“ Mutter – zunächst definierend auf die unterschiedlichen Schreitypen und deren Ursachen eingehen, um dann den Schwerpunkt auf Lösungsmöglichkeiten für Eltern und Hilfestellungen für Eltern von Seiten der Pädagogen zu legen.

2. Schreibabys

2.1 Definition

Von einem „normalen“ Schreiverhalten ist die Rede, wenn Säuglinge mit zwei Wochen etwa eineinhalb bis zwei Stunden pro Tag und vier bis sechs Wochen etwa zwei bis drei Stunden am Tag schreien. Nach diesem Alter nimmt das Schreien kontinuierlich ab. Bei Babys findet das Schreien meistens in den frühen Abendstunden statt, später verteilt sich das Schreien mehr auf den Tag. „Dieser Verlauf des Schreiens gehört zur normalen Entwicklung des Kindes und ist Ausdruck der Bewältigung seiner Entwicklungsaufgaben.“[4] Die Dreierregel, welche 1954 von dem amerikanischen Kinderarzt Morris Wessel formuliert wurde, definiert, ab wann das Schreien eines Säuglings als exzessiv zu beurteilen ist. Gemäß der „Wessel-Criteria“-Regel handelt es sich um ein Schreibaby, wenn die Schrei- und Unruheanfälle über mehr als 3 Stunden pro Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche und über mehr als 3 Wochen andauern. Übermäßiges bzw. exzessives Schreien ist zum Leidwesen der Eltern gar nicht so selten, mittlerweile wird dies in den ersten drei Monaten bei jedem achten bis zehnten Säugling beobachtet.

2.2 „Schreitypen“

Das Schreien ermöglicht Babys, sich ihren Eltern gegenüber auszudrücken und sie auf ihre Grundbedürfnisse aufmerksam zu machen. Das Schreien ist nur eine Möglichkeit sich mitzuteilen, jedoch die wirksamste. Jedes Baby schreit dabei auf unterschiedliche Weise (Schreiintensität) und jedes Mal, wenn das Baby schreit, klingt es anders. Die meisten Eltern „erschließen die Wünsche des Kindes nicht nur aufgrund des Schreiens, sondern vor allem auch aus der Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens“.[5] Dr. Joachim Bensel[6] und sogenannte „Schreiakustiker“ können Schreie unterscheiden. In einem „Schrei-Wörterbuch“ unterscheidet Bensel zwischen sechs unterschiedlichen „Schreitypen“:

1. „Der Sehnsuchts-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Kontaktlaute)

Dieser findet statt, wenn das Baby bemerkt, dass keiner mehr im Raum oder in seiner Nähe ist. Zuerst wird daraufhin ein kurzer „Kontakt-Laut“ ausgesendet. Wenn darauf keiner reagiert, geht die Sirene los. Die beste Reaktion ist schnell zum Baby hinzugehen und es in den Arm zu nehmen.

2. „Der Hunger-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Trinklaute)

Das Baby weint und gleichzeitig z.B. schmatzt es oder saugt an seiner Faust/ Finger. Das anfängliche Quengeln formt sich in ein energisches Schreien nach Nahrung um (s. Kapitel 1.2.1). Zunächst sollte man als Elternteil überlegen, wann die letzte Mahlzeit stattgefunden hat und dann ggf. die Brust oder Brei anbieten und schauen was passiert.

3. „Der Müdigkeits-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Schlaflaute)

Das Baby meckert und reibt sich dabei die Augen (s. Kapitel 1.2.2). Kommt es trotz der anstehenden Müdigkeit nicht zum Schlafen wird das Schreien lauter und energischer. Die beste Reaktion ist abwarten und in der Nähe bleiben. Gesagt wird, dass Babys ab sechs Monaten nach einer kurzen Weinphase häufig von selbst einschlafen.

4. „Der Schmerz-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Unmutslaute)

Das Baby weint und schreit mit allen Kräften. Es lässt sich kaum noch beruhigen und anfassen (s. Kapitel 1.2.3). „Der Schmerz-Schrei“ ist dabei der schrillste und intensivste Laut im Schrei-Repertoire. Hierbei sollte man als Elternteil möglichst schnell reagieren. Zunächst sollte geprüft werden ob ein Schmerz der Auslöser ist, den man als Elternteil beseitigen kann, wie z.B. den wunden Po oder eine Beule an der Stirn. Wenn man den Schmerz nicht definieren kann, sollte man den Kinderarzt aufsuchen.

5. „Der Stress-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Unmutslaute)

Das Baby krümmt sich und ballt die Fäuste. Der anfänglich kurze schrille Schreiausruf entwickelt sich zu einem untröstlichen Weinen. Die beste Reaktion ist die Störquelle, oft Lärm oder Überstimulation zu reduzieren bzw. auszuschalten. Eine vertraute Umgebung oder ein vertrauter Gegenstand, sowie Ruhe können helfen.

6. „Der Langeweile-Schrei“ (gehört zur Kategorie der Unmutslaute)

Das Baby strampelt und rudert mit den Armen und Füßen. Es wird gejammert und genölt. Ratsam ist es mit dem Baby liebevoll und normal zu reden. Bekannte Umgebung und Personen, aber auch das Fenster mit abwechslungsreicher Umwelt, können ablenken.

Und dann gibt es noch die Kategorie der Wohligkeitslaute, wenn das Baby vor sich hin brabbelt, fröhlich quietscht und mit sich und der Welt zufrieden ist und eigentlich gar keinen Kontakt sucht.

[...]


[1] Bensel, J. und Haug-Schnabel, G.: Primär exzessives Schreien in den ersten drei Lebensmonaten. In: Keller, H. (Hrsg.) Handbuch der Kleinkindforschung, 2. rev. Aufl., Bern, 1997.

[2] http://www.morgenpost.de/familie/article1144398/Was_man_tun_kann_um_Schreibabys_zu_beruhigen. html

[3] Hofacker, Nikolaus von und Papousek, M. und Jacubeit, T. und Malinkowski, M.: Rätsel der Säuglingskoliken: Ergebnisse, Erfahrungen und therapeutische Interventionen. Aus: Münchner Sprechstunde für Schreibabies – Montasschrift Kinderheilkunde Bd. 147. Berlin, 1999.

[4] Trapmann, Hilde und Rotthaus, Wilhelm: Auffälliges Verhalten im Kindesalter: Handbuch für Eltern und Erzieher. Dortmund, 2004, S. 221.

[5] ebd., S. 119.

[6] Bensel, Joachim: Was sagt mir mein Baby, wenn es schreit? – Wie sie ihr Kind auch ohne Worte beruhigen und verstehen können. Ratingen, 2003.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Schreibabys: Ursachen – Folgen – Lösungsmöglichkeiten
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V205234
ISBN (eBook)
9783656331988
ISBN (Buch)
9783656332428
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schreibabys, ursachen, folgen, lösungsmöglichkeiten
Arbeit zitieren
Karolin Strohmeyer (Autor), 2012, Schreibabys: Ursachen – Folgen – Lösungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205234

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