E-Learning in der Bundeswehr

Theoretische Evaluation von computerunterstützter Ausbildung


Hausarbeit, 2012

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. E-Learning in der Bundeswehr
2.2. CUA-Lernprogramm Wachdienst in der Bundeswehr
2.3. Grundlagen der Evaluation
2.4. Evaluation von E-Learning, Erfolgsmessung im E-Learning
2.5. Subjektorientierte Evaluation

3. Aufbau des Versuches und der Evaluation
3.1. Prüfgruppe und Kontrollgruppe, Versuchsdesign
3.2. Entwicklung der Kurzinterview-Fragen
3.3. Entwicklung der Fragebögen zum quantitativen Anteil
3.4. Entwicklung der Prüfung zum qualitativen Anteil
3.5. Einordnung der Evaluation

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

E-Learning gewinnt sowohl in der zivilen Aus- und Weiterbildung als auch in der bundeswehrinternen Ausbildung weiterhin an Bedeutung. Grundlegend wichtig bei allen Lehr- / Lernverfahren ist die konstante Evaluation, um ein hohes Niveau und damit eine sinnvolle und nachhaltige Ausbildung gewährleisten zu können.

Die Hausarbeit beginnt mit einem theoretischen Anteil, in welchem zuerst die Grundlagen des E-Learning in der Bundeswehr im Allgemeinen und des CUA- Lernprogramms Wachdienst in der Bundeswehr im Besonderen aufgeführt werden. Daran anschließend werden die allgemeinen Grundlagen von Evaluation und dem Sonderfall Evaluation von E-Learning erläutert. Der theoretische Anteil wird durch eine kurze Einführung in das Modell der subjektorientierten Evaluation von Zimmer und Psaralidis beschlossen.

Im zweiten Teil der Hausarbeit wird der grundsätzliche Versuchsaufbau besprochen sowie die Fragebögen und Prüfungen sowohl für den quantitativen als auch den qualitativen Anteil der Evaluation exemplarisch entwickelt. Abschließend wird die Hausarbeit eingeordnet und besprochen, inwieweit die gewonnenen Ergebnisse einer solchen Studie weitere Aussagekraft und Gültigkeiten haben können.

Im Rahmen der Hausarbeit werden mehrere Quellen genutzt, die als Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch eingestuft sind. Dies macht es notwendig, sich nur grundsätzlich auf diese Dokumente zu beziehen, ermöglicht jedoch keinen Detailbezug, da ein direktes Zitieren durch den Vertraulichkeitsgrad dieser Dokumente verboten wird.

Es ist derzeit nicht geplant, die Studie in der Praxis umzusetzen, es handelt sich hier um eine rein konzeptionell-theoretische Entwicklung einer möglichen Evaluation, die zum Ziel hätte eine Steigerung der Handlungskompetenz im betreuten, zusätzlichen, Einsatz von CUA-Software im Vergleich zu einer herkömmlichen Frontalunterrichtsmethode zu eruieren.

Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten wird im Rahmen dieser Hausarbeit auf die weibliche Form von Personengruppen verzichtet werden.

2. Grundlagen

2.1. E-Learning in der Bundeswehr

In der Rahmenweisung Fernausbildung in der Bundeswehr wird E-Learning als computerunterstütztes Lernen definiert, bei dem das Selbststudium den Hauptteil einnimmt und Kommunikation, so sie stattfindet, nicht moderiert wird. Kooperative Wissensaneignung wird hierbei nicht berücksichtigt. Als Erweiterung dieses sehr enggefassten Begriffs wird der Begriff Fernausbildung eingeführt, der die Konzepte virtuelle Gruppenkooperation, verteiltes Klassenzimmer und individuelles Fernlernen umfasst. Dazu kommen die Konzepte computerunterstützte Ausbildung (CUA) und computerunterstützte Sprachausbildung (CUSA). CUA kann sowohl im Rahmen der Fernausbildung (insbesondere im Verfahren verteiltes Klassenzimmer) als auch klassisch in der Präsenzausbildung (in Lehrgängen oder in der Ausbildung in den Kasernen) eingesetzt werden, bedarf jedoch grundsätzlich der Begleitung eines Ausbilders. Um den Stellenwert der Fernausbildung in der Bundeswehr einordnen zu können, ist zu beachten, dass Fernlehrgänge den regulären Präsenzlehrgängen an den Schulen der Bundeswehr annährend gleichgestellt sind. Obwohl der Lehrgangsteilnehmer in seiner regulären Dienststelle und in seinem normalen Unterstellungsverhältnis verbleibt, ist er innerhalb des Tagesdienstes für die Telekooperationsphasen freizustellen und darf keine anderen Aufträge übertragen bekommen. Seine direkten Vorgesetzten sind im gleichen Zusammenhang dazu angehalten, der Fernausbildung wo immer möglich Vorrang einzuräumen (vgl. Schneiderhan, 2008, VS-NfD).

Grundsätzlich sollen die Fernausbildung und E-Learning-Ressourcen in der Bundeswehr standardisiert gestaltet und verwandt werden, es ist gemäß der Rahmenweisung nicht ratsam, auf unteren Ebenen eigene Fernlern- und E- Learning-Konzepte zu entwickeln, da hierdurch kein Mindestqualitätsstandard gewährleistet werden könne. Dies gelte es im Sinne einer qualitativ hochwertigen Ausbildung in allen Tätigkeitsbereichen der Bundeswehr zu vermeiden (vgl. Schneiderhan, 2008, VS-NfD).

Ziele der Fernausbildung im Allgemeinen und auch der CUA (einschließlich ihres Einsatzes in Präsenzlehrgängen / - ausbildungen) sind die Steigerung von Handlungskompetenz und Einsatzfähigkeit, die Erhöhung der Ausbildungsqualität, die Erreichung der Unabhängigkeit von Lernzeit und -ort sowie die Verkürzung und Ergänzung von Präsenzausbildung. Hierbei ist besonders herausgehoben, dass das Lernen mithilfe von E-Learning - Mitteln auch weltweit möglich ist, also auch die selbstständige Aus- und Weiterbildung während eines Auslandseinsatzes ermöglichen kann. Als weiteres Ziel wird definiert, die Ausbildung wirtschaftlicher zu gestalten und den selben Lernerfolg durch geringeren Ressourceneinsatz zu gewährleisten (vgl. Schneiderhan, 2008, VS-NfD). Dies kann beispielsweise bedeuten, dass Mechaniker der Bundesmarine ihre theoretische Einweisung in Fregatten am Computer erhalten, da die Schiffe selbst sich häufig in Einsätzen befinden und damit nicht für die Ausbildung zur Verfügung stehen.

Die Einführung von CUA - Lernprogrammen begann laut Bing (2002, S. 49) bereits in den 1980er Jahren. Seit dieser Einführung wurden mehr als 1000 Unterrichtseinheiten durch die Privatindustrie für die Bundeswehr entwickelt, die durch eine nicht näher bekannte Anzahl von bundeswehrintern entwickelten Programmen ergänzt werden. CUA - Lernprogramme bilden auch heute noch die Grundlage in vielen Ausbildungsbereichen der Bundeswehr, was laut Bing (2002, S. 49) zu einem umfangreichen Fachwissen im Bereich Entwicklung und Design dieser Art Lernprogramm innerhalb der Bundeswehr führte. Die CUA - Lernprogramme spielen auch im täglichen Dienstbetrieb eine große Rolle. Während beispielsweise Fernlehrgänge der Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr, wie die Lehrgänge zum IT - Sicherheitsbeauftragten oder zum IT - Offizier, als vollständige Fernausbildung nach dem Konzept verteiltes Klassenzimmer geplant (IT - Offizier) oder schon durchgeführt (IT - Sicherheitsbeauftragter) wurden (vgl. Afheldt und Fernolend, 2009), werden die CUA - Programme häufig in der individuellen Weiterbildung sowie in der Präsenzausbildung genutzt. Insbesondere in der Ausbildung von Offizieren findet dies häufig Anwendung, da hier speziell im Bereich Taktik ein vergleichsweise großes Angebot von CUA - Lernprogrammen (beispielsweise Lernprogramme zu den in der NATO verwandten taktischen Zeichen oder die so genannte Taktische Weiterbildung für Offiziere (vgl. Streitkräfteamt, Verzeichnis Digitale Ausbildungshilfmittel)) exisitiert.

2.2. CUA-Lernprogramm Wachdienst in der Bundeswehr

Das CUA - Lernprogramm Wachdienst in der Bundeswehr wurde 1996 durch die Firma Diehl Munitionssysteme erstellt und 2004 letztmalig grundlegend überarbeitet, es unterliegt der Einstufung Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch, weshalb im Rahmen dieser Kurzvorstellung zwar auf den Aufbau des Programmes, nicht jedoch auf konkrete Inhalte eingegangen werden kann.

Das Programm richtet sich sowohl an Lehrende, die im Rahmen eines Präsenzlehrgangs das Thema Wachausbildung behandeln, als auch an Individuallernende die vergangene Ausbildungsinhalte wiederholen und bereits bekannte Kenntnisse auffrischen wollen. Zur Unterbrechung der Ausbildung und Wiederaufnahme am gleichen Fortschrittspunkt ist es möglich den Zwischenstand auf einem Datenträger zu speichern, so dass die Ausbildung nicht jedes Mal neu begonnen werden muss.

Das Lernprogramm ist für die Anwendung bei vier verschiedenen Zielgruppen erstellt worden:

- Soldaten in der Ausbildung zum Wachsoldaten (Torposten, Streife)
- Soldaten in der Ausbildung zum Wachhabenden
- Soldaten in der Ausbildung zum Offizier vom Wachdienst[1]
- Zivile Wachpersonen in der Ausbildung zum Wachschichtführer

Das gesamte Lernprogramm ist in die vier Kapitel Grundlagen des Wachdienstes, Rechtsgrundlagen, Aufgaben des Wachhabenden, Aufgaben des Offiziers vom Wachdienst gegliedert. Die Soldaten in der Ausbildung zum Wachsoldaten bearbeiten nur die ersten beiden Kapitel, diejenigen in der Ausbildung zum Wachhabenden die ersten drei Kapitel, die Soldaten in der Ausbildung zum OvWa[2] sowie die zivilen Wachpersonen den Gesamtumfang. Die Kapitel sind in weitere Unterkapitel aufgeteilt, deren Lerninhalte anhand von Bildschirmpräsentationen (inkl. Grafiken und Bildern) sowie Videoabschnitten vermittelt werden. Jede Bildschirmseite lässt sich beliebig oft wiederholen um eventuell auftretende Unklarheiten zu beseitigen.

Am Ende jedes Kapitels steht eine Lernzielkontrolle mit jeweils zehn Fragen bei deren Ergebnisauswertung sowohl die Prozentzahl richtig beantworteter Fragen als auch die Unterkapitel, die einer wiederholten Bearbeitung bedürfen, aufgeführt werden. Jedoch ist der Fortschritt in das nächste Kapitel auch ohne Wiederholung möglich. Die Entscheidung, inwieweit die durch das Programm vorgeschlagenen Wiederholungen durchgeführt werden müssen, trifft also entweder die Lehrperson oder im Individuallernprozess der das Lernprogramm nutzende Soldat selbst.

2.3. Grundlagen der Evaluation

Evaluation, präzisiert die wissenschaftliche Evaluation, „ist ziel- und zweckorientiert. Sie hat primär das Ziel, praktische Maßnahmen zu überprüfen, zu verbessern und über sie zu entscheiden.“ (Wottawa & Thierau, 1990, zitiert nach Preußler, 2011, S. 30) Grundlegend wichtig ist laut Wottawa und Thierau (1990, zitiert nach Preußler, 2011, S. 30) auch, dass jegliche Evaluation immer gemäß den aktuellen wissenschaftlichen Techniken und Forschungsmethoden durchgeführt wird. Preußler (2011, S. 32) fasst den Begriff der Evaluation wie folgt zusammen: „Bei einer Evaluation handelt es sich immer um eine Bewertung. Diese muss nachvollziehbar und an bestimmten Rahmen- bedingungen orientiert sein und geschieht somit nicht auf einer alltäglichen Grundlage.“

Es gibt zwei Arten der Evaluation: summative und formative Evaluation.

Preußler (2011, S. 33) schreibt formativen Evaluationen eine prozessbegleitende Durchführung zu, die der Optimierung in der Durchführungsphase dient. Demgegenüber stehen die summativen Evaluationen, die erst nach Ende eines Prozesses durchgeführt werden. Sie haben den Zweck, den jeweiligen Prozess im Falle einer Wiederholung verbessern zu können. Des Weiteren werden Evaluationen laut Preußler (2011, S. 33) in interne und externe Evaluationen eingeteilt. Interne Evaluationen können hierbei auch als Selbstevaluationen bezeichnet werden, da sie vom Prozessinitiator selbst durchgeführt werden. Eine externe Evaluation kann beispielsweise durch unabhängige Forschungsinstitute durchgeführt werden. Diese vier Aspekte von Evaluation lassen sich in folgendem Schaubild darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Formen von Evaluation (nach Preußler, 2011, S. 34)

Weiterhin können im Rahmen von Evaluationen qualitative sowie quantitative Methoden verwandt werden. Als qualitative Methoden sind gemäß Preußler (2011, S. 40) Interviews sowie Beobachtungen zu bezeichnen. Schriftliche Fragebögen, Tests oder Experimente werden unter den quantitativen Methoden eingeordnet. Während ein Großteil der Studien nur qualitativ oder quantitativ angelegt ist, ist es jedoch durchaus auch möglich, beide Methodenarten zu verwenden, getrennt auszuwerten und die gewonnenen Erkenntnisse in der anschließenden Diskussion beziehungsweise Interpretation zusammenzuführen. So können Interviews als qualitative Methode beispielsweise dabei helfen, in Fragebögen gewonnene Erkenntnisse weiter zu verdichten und zu vertiefen.

Für die in quantitativen Studien genutzten Fragebögen sind verschiedene Skalenniveaus möglich: die Nominalskala, die Ordinalskala, die Intervallskala und die Ratioskala. Im Rahmen dieser Hausarbeit wird die Ordinalskala verwandt werden, weshalb nur diese hier kurz beschrieben wird. Eine Ordinalskala ist laut Hayes (1994, S. 73) eine Skala, in der eine Rangfolge der möglichen Antworten festgelegt, der Abstand zwischen den einzelnen Antwortmöglichkeiten nicht quantifizierbar ist. Dies beschreibt auch Preußler: „Zwischen `stimme eher zu´ und `stimme eher nicht zu´ kann - je nach subjektivem Empfinden der Testpersonen - ein nur sehr geringer Abstand sein, zwischen `stimme eher nicht zu´ und `stimme überhaupt nicht zu´ ein sehr großer“ (Preußler, 2011, S. 41).

2.4. Evaluation von E-Learning, Erfolgsmessung im E-Learning

Laut Ehlers (2011, S. 75) habe die Evaluationsforschung im Bereich E- Learning bisher nur wenige verallgemeinerbare Ergebnisse erbracht, weshalb in diesem Bereich hauptsächlich mit Evaluationskonzepten, also nicht feststehenden Evaluationsmethoden gearbeitet werden müsse. Dies wird auch von Magenheim & Schwill (2012, S. 43) bemerkt, die ausführen, dass ein Großteil der bis dato durchgeführten Studien darankrankten, dass die untersuchten Szenarien eher erfahrungsbildend seien und nur wenige konkrete Forschungsfragen gestellt und beantwortet würden. Durch die dort wirkenden, schwer zu erfassenden Einflussgrößen könne oft nicht erkannt werden, welche dieser Parameter wirklich Einfluss auf die untersuchten Lernprozesse hatten.

[...]


[1] Dieser Begriff kann irreführend sein. Auch Unteroffiziere mit Portepee werden als Offizier vom Wachdienst eingesetzt.

[2] Abk. für Offizier vom Wachdienst

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
E-Learning in der Bundeswehr
Untertitel
Theoretische Evaluation von computerunterstützter Ausbildung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Anwendungsbezogene Bildungsforschung
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V205299
ISBN (eBook)
9783656322979
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
e-learning, bundeswehr, theoretische, evaluation, ausbildung
Arbeit zitieren
Frank Micklisch (Autor), 2012, E-Learning in der Bundeswehr , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205299

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