Das Rom des ersten Jahrhunderts vor Christus war gezeichnet durch ein Leiden der Republik, welches dann um die Jahrhundertmitte durch Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) beendet worden war. Nach den Iden des März 44 v. Chr. begann Augustus den Kampf gegen die Mörder des Adoptivvaters und nach erfolgreicher Beendigung der Vendetta und Wiederherstellung der pietas, begann Augustus bedeutende restaurative Maßnahmen in Rom. Er veranlasste große Schenkungen, begann viele Baumaßnahmen und sorgte für seine Veteranen. Am 13. Januar 27 v. Chr. legte Augustus sogar seine außerordentlichen Vollmachten nieder und gab dem Senat die Verfügungsgewalt über die res publica zurück. Auch wenn man sich in der Forschung einig ist, dass er dies nur tat, um zu vermeiden, dass er die gleichen Fehler wie sein Vater begeht, war er sich dennoch der Tatsache bewusst, dass ihm im Vertrauen des Volkes ähnliche Vollmachten wiedergegeben werden würden, woraus dann auch das Prinzipat entstand. Diese allgemeine Schilderung der Situation jener Zeit soll auch die Umstände verständlich machen, welche das Wirken vieler Gelehrter und Schriftsteller beeinflussten. Der Protagonist dieser Arbeit, Vergil (70 – 19 v. Chr.), lebte in dieser Zeit und war ein Zeitgenosse Augustus’. Vergil wurde schon vor den Arbeiten an der Aeneis von Augustus’ Taten inspiriert und beeinflusst. Als Augustus 36 v. Chr. Dem Räuberunwesen in Italien ein Ende bereitete und begann die Verhältnisse zu ordnen, brachte diese Entwicklung Vergil dazu, seinen Friedenshoffnungen bereits in der Georgia Ausdruck zu verleihen. In seinem letzten großen Werk, der Aeneis, sollte sogar auftragsgemäß ein Augustuskult verarbeitet werden und in die mythologischen Zusammenhänge eingeflochten werden.
Diese Arbeit soll sich mit der Einbindung eines Augustuskultes in die Aeneis beschäftigen. Zudem soll die mythologische Bedeutung des Werkes und sein Wert für die römische Gesellschaft betrachtet werden. Welche Rolle spielte Augustus in der Aeneis und welcher metaphorischer Vergleich verbirgt sich für die römische Kultur darin?
Hierzu wird zunächst der Autor näher behandelt und sein Verhältnis zu Augustus. Anschließend wird das Werk untersucht, wobei hier weniger Wert auf die Handlung gelegt wird, sondern mehr auf die Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Autor
III. Die Aeneis
IV. Die Aeneis und Augustus
V. Die Mythologie der Aeneis
VI. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Einbindung des Augustuskultes in Vergils Epos "Aeneis" und analysiert die mythologische Bedeutung des Werkes für die römische Gesellschaft sowie die metaphorische Rolle von Augustus in der Erzählung.
- Historischer Kontext von Augustus und Vergil
- Strukturelle und inhaltliche Analyse der Aeneis
- Literarische und mythologische Parallelen zwischen Aeneas und Augustus
- Die Funktion des Epos als Mittel zur Legitimierung römischer Herrschaft
Auszug aus dem Buch
IV. Die Aeneis und Augustus
Wie bereits erwähnt muss Vergil ein freundschaftliches Verhältnis zu Augustus gehabt haben und dessen Person in die Rolle des Aeneas eingearbeitet haben. Dies geschah jedoch nicht nur in Form einiger Parallelen, welche den Augustus betreffen, wie z.B. die clemetia, sondern hatte mythologische und politisch-ideologische Hintergründe. Vergil hat sich besonders durch die Taten des Augustus inspirieren lassen, wie bereits im Zusammenhang mit der Georgia erwähnt wurde. Zu diesem Zweck begleitete er den Herrscher auch auf dessen Griechenlandreise und zögerte dafür auch die Fertigstellung des Werkes hinaus.
Da Vergil auf der Rückreise verstarb gilt das Werk als unvollendet. Aber um auf den Einbau des Augustus zurückzukommen, so ist es „wichtig [...] in diesem Zusammenhang, daß die Iuppiter-Venus-Szene offenbar unter dem Einfluß des Triupmphes des Jahres 29 steht.“ Augustus übernahm das Verständnis seines Adoptivvaters, von göttlicher Abstammung zu sein. „Die beiden Gründergestalten Aeneas und Romulus sind göttlicher Abstammung: Aeneas ist Sohn der Venus, Romulus Sohn des Mars.“ Demzufolge führt sich Augustus auch auf diese beiden Figuren der Romgründung zurück und es etablierte sich ein Verständnis, diese Tätigkeit der Romgründung zu vollenden und das Ergebnis zu schützen und zu wahren. Durch numismatische Funde ist belegt, dass der Kult um die Gründerfiguren in augusteischer Zeit einen besonderen Hochpunkt erlebt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das politische Umfeld des ersten Jahrhunderts vor Christus und führt in die Absicht der Arbeit ein, die Verknüpfung des Augustuskultes mit Vergils Aeneis zu untersuchen.
II. Der Autor: Dieses Kapitel skizziert das Leben und Wirken Vergils, seinen sozialen Status sowie seine persönliche und künstlerische Beziehung zu Augustus.
III. Die Aeneis: Hier wird der Inhalt des Epos zusammengefasst, wobei insbesondere die Irrfahrt des Aeneas und die Parallelen zur homerischen Dichtung erläutert werden.
IV. Die Aeneis und Augustus: Dieser Abschnitt analysiert die gezielte Einarbeitung augusteischer Ideologie und mythologischer Bezüge in die Aeneis, um den Kaiser als Vollender des römischen Geschickes darzustellen.
V. Die Mythologie der Aeneis: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der Sage als Kodifizierung römischer Tradition und die göttliche Abstammung des Protagonisten als Mittel zur Identitätsstiftung.
VI. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, wie die Aeneis als Baukasten zur Legitimierung römischen Handelns diente und ein kollektives Bewusstsein innerhalb der römischen Gesellschaft schuf.
Schlüsselwörter
Vergil, Aeneis, Augustus, Römische Religion, Mythologie, Aeneas, Pietas, Augustus-Kult, Kaiserzeit, Römische Identität, Heldenepos, Romgründung, Ideologie, Herrscherlegitimation, Antike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Verflechtung der Aeneis von Vergil mit dem politischen Aufstieg und der Ideologie des Kaisers Augustus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Augustuskult, die mythologische Legitimierung römischer Herrschaft und der Vergleich zwischen Aeneas als mythischem Helden und Augustus als realem Herrscher.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Vergil Augustus in die Aeneis integriert hat, um das Handeln des Kaisers mythologisch zu begründen und ihm eine göttliche Vorsehung zuzuschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine literatur- und ideengeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Primärquellen (Aeneis) und einschlägiger Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Person Vergils, die Untersuchung der Struktur der Aeneis, die Aufarbeitung der Parallelen zwischen Augustus und Aeneas sowie die mythologische Einordnung des Epos.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Aeneas", "Augustus", "Pietas", "Mythologie" und "Legitimierung".
Inwiefern spielt der Begriff der "Pietas" eine Rolle für Aeneas?
Die Pietas ist für Aeneas das zentrale Pflichtgefühl gegenüber den Göttern und den Ahnen, welches ihn antreibt, den göttlich vorherbestimmten Auftrag zur Romgründung zu erfüllen.
Welchen Zweck erfüllt die Anachronie in der Darstellung des Augustus?
Vergil nutzt Anachronismen wie die Schildbeschreibung des Aeneas, um den späteren Triumph des Augustus in einer Zeit vorwegzunehmen, in der er historisch noch nicht stattfand, wodurch Augustus als historisches Ziel und Vollender der Gründung erscheint.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Röder (Autor:in), 2010, Vergils Aeneis - Eine Untersuchung im Rahmen der römischen Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205300