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Frauen und Männer im Drama 'DantonsTod' von Georg Büchner

Titel: Frauen und Männer im Drama 'DantonsTod' von Georg Büchner

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2012 , 22 Seiten , Note: "-"

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In den Figuren der Frauen und Männer von „Dantons Tod“ spiegeln sich bestimmte Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die ihre Beziehungen zueinander entscheidend beeinflussen. Es handelt sich dabei keineswegs um zweitrangige oder nebensächliche, sondern um ganz zentrale Aspekte der Handlung, die ein gebührendes Maß an
Aufmerksamkeit verdienen. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern hat auf das Geschehen, soweit es von den männlichen Protagonisten als politische Figuren bestimmt wird, nur geringe Auswirkungen. Auf der Ebene persönlicher Beziehungen mit den Frauen treten uns die Revolutionäre jedoch als Privatpersonen gegenüber. Sie ermöglichen uns Einblicke in ihr Innenleben und offenbaren uns Ausschnitte aus ihrer Gedanken- und Gefühlswelt. Auf diese Weise tritt ihre Komplexität und Widersprüchlichkeit deutlicher in Erscheinung. Weil sie nicht nur als politische Funktionsträger in öffentlichen Räumen auftreten, sondern als menschliche Individuen auch von Ängsten und Zweifeln geplagt werden und wechselnden Stimmungen unterworfen sind, gewinnen sie an psychologischer Tiefenschärfe.
Andererseits können Julie und Lucile als ihren Männern in selbstloser Liebe ergebene, unschuldige Opfer der Revolution angesehen werden. Sie verkörpern ein Liebesideal, das sich nicht im irdischen Leben erschöpft, sondern auch im Angesicht des Todes und über den Tod hinaus Erfüllung und Trost verspricht. Die Revolutionäre scheinen jedoch im Hier und Jetzt verwurzelt und ganz mit ihrer Rolle als politische Handelnde beschäftigt zu sein. Während die beiden Frauen ohne die Bürde geschichtlicher Verantwortung und aus freier Willensentscheidung sich in ein unvermeidliches Schicksal fügen, verzetteln sich die Männer in ideologischen Streitgesprächen, die tiefe Gräben zwischen ihnen
aufreißen und ins Uferlose führen. Wie Danton werden sie von quälenden Schuldgefühlen geplagt und schwanken zwischen einer demonstrativ-nihilistischen Haltung und Todesangst.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Thematische Aspekte im Überblick

Die Revolutionäre als politische Figuren und menschliche Individuen

Selbstlose Liebe und die Bürde geschichtlicher Verantwortung

Danton als fragwürdiger Held

Epikureische Genussmentalität und Entwürdigung der Frau

Marion: Verkörperung der Sinnlichkeit

Utopie uneingeschränkter Sinnenfreude

Weibliche Kommunikationsfähigkeit und männlicher Fatalismus

Öffentlichkeit und Privatsphäre

Wandel im Verhältnis der Geschlechter

Die Ausgangssituation: Wirklichkeit und Wunschdenken

Einschätzung der politischen Lage

Die wahren Verhältnisse

Julie und Danton: Liebe bis in den Tod

Ungewissheit, Zweifel, Entfremdung

Überraschende Liebeserklärung: "Ich liebe dich wie das Grab"

Todessehnsucht: "Du süßes Grab"

Brüchige Dialogstruktur

Der Mensch als Marionette

"Der Fluch des Muss"

Der herzlose Ehemann: Dumas als Kontrastfigur

Julies stilles Scheiden aus der Welt: "Es ist so hübsch Abschied zu nehmen ..."

Marion und Danton: Überwindung der Individualität und Sehnsucht nach Verschmelzung

Lucile und Camille: Liebe und Empfindsamkeit

Die Männer unter sich: Wandel zu mehr Menschlichkeit und Gemeinschaft

Prostitution: das Thema der käuflichen Liebe

Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen in Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ unter besonderer Berücksichtigung der Dynamik zwischen Frauen und Männern sowie der Einflüsse des historischen Revolutionskontextes auf das private Handeln der Figuren.

  • Die psychologische Differenzierung der Charaktere jenseits ihrer politischen Funktionen.
  • Der Kontrast zwischen männlichem Fatalismus und weiblicher, selbstloser Liebesfähigkeit.
  • Die Rolle der Prostitution als Ausdruck sozialer Not und männlicher Entwürdigung.
  • Die literarische Verarbeitung von Weltanschauungen wie Epikureismus, Nihilismus und Fatalismus.
  • Die Bedeutung von Kommunikation und Isolation im Angesicht von Tod und politischem Scheitern.

Auszug aus dem Buch

Ungewissheit, Zweifel, Entfremdung

Am Beginn der Szene tritt uns Danton mit seiner Frau Julie als Privatperson entgegen. Dieser Szenenausschnitt offenbart charakteristische Merkmale beider Figuren und wirft ein Licht auf ihr Verhältnis zueinander. Dabei ist von entscheidender Bedeutung, dass sie in einem Raum zusammentreffen, der ein intimes Gespräch zwischen zwei Liebenden im Grunde gar nicht zulässt. In dieser Umgebung spricht man eine Sprache voller Anzüglichkeiten, voller doppeldeutiger Anspielungen mit sexuellem Hintergrund, voller zotiger Nebenbedeutungen und Obszönitäten.

Bezeichnenderweise bedient Danton sich als erster dieser Ausdrucksweise: Er beobachtet eine „hübsche Dame“ – eine Bezeichnung, die hier als euphemistische Umschreibung für ein Freudenmädchen aufgefasst werden kann – beim Kartenspiel und verwendet die Begriffe „Cæur“ und „Carreau“ spöttisch mit einem anzüglichen Nebensinn. Damit banalisiert er ein Verhalten, das auf sexuellen Lustgewinn ausgerichtet ist.

Julies Sprechweise hebt sich ganz und gar davon ab. Sie spricht unzweideutig, ohne Anzüglichkeiten und versteckte Ironie. Ihre Sprache bewegt sich auf der Ebene ihrer persönlichen Beziehung zu Danton. Im Unterschied zu Dantons einleitender Bemerkung spricht sie nicht über die Personen in ihrer Umgebung, sondern richtet sich direkt an ihn mit einer persönlichen Botschaft und fasst das, was sie meint, in schlichte Worte: „Glaubst du an mich?“ (I/1, 5) Aber Danton weicht ihr aus und flüchtet sich ins Allgemeine: „Was weiß ich. Wir wissen wenig voneinander.“ (ebd.) Aus dem vertrauten „du“ in Julies Frage wird ein unverbindliches „wir“ im Sinne von „man“, d. h. die Menschen im Allgemeinen.

Zusammenfassung der Kapitel

Thematische Aspekte im Überblick: Einleitende Betrachtung der Figurenkonstellation, die zeigt, wie private Beziehungen der Akteure ihre Komplexität und menschliche Verletzlichkeit offenbaren.

Die Ausgangssituation: Wirklichkeit und Wunschdenken: Analyse der ersten Szene, in der das politische Scheitern Dantons und seiner Gefährten durch eine Diskrepanz zwischen epikureischen Idealen und der blutigen Realität deutlich wird.

Julie und Danton: Liebe bis in den Tod: Detaillierte Untersuchung des privaten Verhältnisses zwischen Danton und Julie, das geprägt ist von Entfremdung, Sehnsucht nach dem Tod und letztlich einer verbindenden Akzeptanz des Endes.

Marion und Danton: Überwindung der Individualität und Sehnsucht nach Verschmelzung: Deutung der Marion-Szene als Ausdruck Dantons Bedürfnisses nach sinnlicher Entgrenzung und Flucht vor der eigenen Identität.

Lucile und Camille: Liebe und Empfindsamkeit: Charakterisierung der Beziehung zwischen Lucile und Camille, wobei Luciles höhere Sensibilität und ihre schließliche öffentliche Willensentscheidung hervorgehoben werden.

Die Männer unter sich: Wandel zu mehr Menschlichkeit und Gemeinschaft: Darstellung des Reifungsprozesses der männlichen Protagonisten, die angesichts des nahenden Todes ihre Isolation überwinden und menschliche Nähe finden.

Prostitution: das Thema der käuflichen Liebe: Untersuchung der Prostitution als Symptom für die Entwürdigung durch die neue Elite und als Zeichen sozialer Unterdrückung.

Zusammenfassung und Ausblick: Resümee des Annäherungsprozesses der Geschlechter und der Erkenntnis, dass eine positive politische Perspektive innerhalb des Dramas ausbleibt.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Dantons Tod, Revolution, Geschlechterverhältnis, Danton, Julie, Lucile, Camille, Epikureismus, Nihilismus, Fatalismus, Prostitution, Entfremdung, Todessehnsucht, Menschlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die interpersonellen Beziehungen in Georg Büchners „Dantons Tod“ und untersucht, wie das Spannungsfeld zwischen der privaten Lebenswelt und dem historischen Revolutionsgeschehen das Verhalten und die Kommunikation der Figuren bestimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen das Verhältnis der Geschlechter, die epikureische Lebensphilosophie, die Rolle der Prostitution als gesellschaftliches Symptom sowie die Entwicklung von Zerrissenheit hin zu menschlicher Gemeinschaft unter dem Eindruck des nahenden Todes.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Protagonisten durch zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere durch die Liebe, versuchen, mit den existenziellen Ängsten und dem politischen Scheitern in den Wirren der Revolution umzugehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch den Rückgriff auf zeitgenössische Dokumente und historische Hintergründe eine tiefgehende Interpretation der Figurenkonstellationen und ihrer Sprache ermöglicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Ausgangssituation, den privaten Liebesbeziehungen, den thematischen Motiven wie der Sinnlichkeit und Prostitution sowie der Entwicklung der Männer zu mehr gemeinschaftlicher Verbundenheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Danton, Julie, Lucile, Epikureismus, Nihilismus, Fatalismus, menschliche Gemeinschaft und die Ambivalenz zwischen privater Gefühlswelt und politischer Zwangslage.

Wie unterscheidet sich Lucile in ihrer emotionalen Wahrnehmung von Julie?

Während Julie eine gefasste und ruhige Haltung bewahrt und den Tod in privater Stille akzeptiert, zeigt sich Lucile wesentlich empfindsamer und instabiler; sie verfällt dem Wahn und wählt schließlich einen lauten öffentlichen Protest als letzte Willensentscheidung.

Welche Funktion hat die Marion-Szene innerhalb des Dramas?

Die Marion-Szene verdeutlicht Dantons Suche nach einer utopischen Sinnenfreude, die ihn von der historischen Realität entfremdet und seinen Wunsch nach Überwindung der Individualität spiegelt, während sie gleichzeitig die soziale Notlage der Prostituierten kontrastierend beleuchtet.

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Details

Titel
Frauen und Männer im Drama 'DantonsTod' von Georg Büchner
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Philosophische Fakultät)
Note
"-"
Autor
Hans-Georg Wendland (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V205312
ISBN (eBook)
9783656320265
ISBN (Buch)
9783656320890
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen männer drama dantonstod georg büchner
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hans-Georg Wendland (Autor:in), 2012, Frauen und Männer im Drama 'DantonsTod' von Georg Büchner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205312
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Leseprobe aus  22  Seiten
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