Die Darstellung zukünftiger Gesellschaften in der Science-Fiction-Literatur in H.G. Wells "Die Zeitmaschine"


Studienarbeit, 2011
22 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Problematik des Begriffs Science-Fiction
2.1 Typologisierung der Science-Fiction
2.2 Das Motiv der Zeitreise

3. Gesellschaftsdarstellung in Die Zeitmaschine
3.1 Eloi und Morlock als Klassenvertreter der Industrialisierung
3.2 Literarischer Darwinismus am Beispiel von Eloi und Morlock
3.3 (Anti-)Utopische Darstellung in Wells Die Zeitmaschine

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit untersucht Die Darstellung zukünftiger Gesellschaften in der Science-Fiction-Literatur in H.G. Wells „ Die Zeitmaschine “, dabei wird wie folgt vorgegangen:

Kapitel 2 bemüht sich erstens um eine Definition des Begriffs Science-Fiction, geht auf damit verbundene Problematiken ein, wobei hier die Forschungsposition von Sarah Pohlmann herangezogen wird, splittet den Terminus etymologisch im Sinne Peter Schlobinskis und Oliver Siebolds, verweist auf differente Definitionstraditionen nach Ulrich Suerbaum, exemplifiziert an den Begriffsbestimmungen von Robert A. Heinlein und Theodore Sturgeon, ehe auf eine weit gefasste Definition von Ulrich Suerbaum verwiesen wird. In einem zweiten Schritt wird versucht Science-Fiction von der phantastischen Literatur abzugrenzen, wobei hier die Thesen von Andreas Ohme, Karlheinz Steinmüller, Florian Marzin und Tzvetan Todorov zum Tragen kommen.

Anschließend wird knapp auf eine Typologisierung von Karlheinz Steinmüller verwiesen und der hierfür essentielle Terminus Novum nach Darko Suvin erläutert, ehe im abschließenden Teil des Kapitels auf das Motiv der Zeitreise, mit Konnexion auf die Relativitätstheorie Albert Einsteins einerseits und dem Aufzeigen der Beziehung des Primärtextes Die Zeitmaschine auf das Motiv der Zeitreise andererseits, mittels der Forschungspositionen von Harald Lesch, Harald Zaun, Peter Schlobinski und Oliver Siebold erläutert wird.

Kapitel 3 fragt konkret nach der Darstellung zukünftiger Gesellschaften , wobei in drei Schritten vorgegangen wird:

Punkt 3.1 schlägt eine Schneise zum viktorianischen England und sucht Parallelen zwischen der Klassengesellschaft Englands und den fiktiven Zukunftsgesellschaften im Primärtext. Wesentliche Positionen sind hierbei jene von Martin Middeke, Karl Marx, Johannes Rüster und Elmar Schenkel.

Im Punkt 3.2 wird der Einfluss der Thesen Darwins auf das Primärwerk sowie die Influenz des Sozialdarwinismus´ auf den Autor Herbert George Wells diskutiert. Als Forschungspositionen sind hier Rudolf Beck, Konrad Schröder, Gertrud Lehnert-Rodieck und Fritz-Wilhelm Neumann zu nennen.

Punkt 3.1 widmet sich der Darstellung von Utopie und Antiutopie im Primärwerk, wobei zuallererst der Begriff Utopie, beziehungsweise knapp dessen Historie erläutert werden soll, ausgehend von den Thesen Uwe Spörls und Richard Saages, ehe im Anschluss die Bedeutung von Dystopie auf das Primärwerk, nach HansUlrich Seeber diskutiert wird.

Das gesamte Kapitel 3 bemüht sich bei allen genannten Punkten stets nach konkreter Lokalisierung von Beispielen im Primärwerk.

Kapitel 4 fasst die wesentlichen Forschungsergebnisse in einem Fazit zusammen. Kapitel fünf verweist auf die verwendete Literatur.

2. Definition und Problematik des Begriffs Science-Fiction

Torben Schröder weist treffend auf die Tatsache hin, dass es keine Mühe bedeutet mit dem Terminuns Science-Fiction diverse Motive zu assoziieren, eine genauere Bestimmung des Begriffs zu liefern hingegen stellt ein äußerst schwieriges Unterfangen dar, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass der Terminus Science-Fiction „[...] seit Beginn der Begriffsbenutzung in unterschiedlicher Form verwendet wurde.“[1]

In nachfolgender Betrachtung soll der Begriff durch eine zweistufige Vorgehensweise, nämlich einerseits durch die Angabe diverser Definitionsversuche seitens der Forschungsliteratur, andererseits durch die Abgrenzung anderer, sozusagen verwandter Gattungen konkretisiert werden. Ein Verständnis für die Bestimmung des Begriffs benötigt eine literaturhistorische Untersuchung, denn „[...] Sciencefiction ist nie ein klar umrissener Begriff gewesen, was mit der Entstehungsgeschichte zusammenhängt.“[2] Zeitlich lässt sich die erstmalige Verwendung des Begriffs 1851 datieren, innerhalb einer Erörterung über The Poetry of Science im Essay A little earnest Book upon a great old Subject [3], welches von William Wilson verfasst wurde.[4] Geprägt wurde er jedoch erst von Hugo Gernsback, welcher das erste Science- Fiction-Magazin die Amazing-Stories publizierte und wodurch die Bezeichung Science-Fiction künftig zur Kennzeichnung von Geschichten verwendet wurde, für welche vorher Termini wie beispielsweise „voyages extraordinaires“, „scientific romances“, „technische Utopie“, etc. Verwendung fanden.[5] In Deutschland setzte sich der neue Terminus Science-Fiction als Genrebezeichnung erst später durch, so waren die Termini „Utopischer Roman“ oder „Zukunftsroman“ bis in die 50er und 60er Jahren gebräuchlich. [6] Was ist nun aber unter dem Begriff Science-Fiction zu verstehen? Eingehens lohnt es sich den Begriff etymologisch zu untersuchen, wodurch man beim Terminus Science-Fiction die Wörter „[...] Science (Wissenschaft) und Fiction (lat. Fictio = Einbildung, Annahme)“[7] isolieren kann, welche die bestimmenden Merkmale widerspiegeln. Retrospektiv auf Hugo Gernstback bezogen handelt es sich hierbei um die „[...] literarische Verarbeitung wissenschaftlicher Sachverhalte […].“[8]

In der Debatte um eine Bestimmung von Science-Fiction gilt es, nach Ulrich Suerbaum, zwischen zwei Definitionstraditionen, deren Anhänger er „Puristen“ und „Universalisten“ nennt zu differenzieren.[9]

Die Puristen stellen das Motiv der Wissenschaftlichkeit ins Zentrum der Überlegungen, was hinsichtlich der Gattungsbezeichnung als sinnvoll erscheint, jedoch außer Acht lässt, dass wissenschaftliche Stringenz aus der Sicht der Gattungshistorie keineswegs originäres Element der Science-Fiction darstellt, womit der puristische Ansatz „[...] eher als terminologisch-reduktionistische [...]“ Position angesehen werden kann, welche die, wie es Andre Müller treffend formuliert, „[...] ursprünglich herterogen-synthetische Natur des Genres [...]“, sowie „[...] jede ästhetische Qualität und die Strategien der narrativen Vermittlung ignoriert.“[10]

Exemplarisch für den puristischen Ansatz kann die Definition von Robert A. Heinlein herangezogen werden, demnach es sich bei Science-Fiction um folgendes handelt:

„A realistic speculation about possible future events, based [...] on adequate knowledge of the real world, past and present, and on a thorough understanding of the nature and significance of the scientific method.“[11]

Universalisten weisen dem Wissenschaftlichkeitskriterium hingegen jediglich einen nachrangigen Platz zu, legen vermehrt Augenmerk auf allgemeinere Kriterien, wobei sich eine humanistische Tendenz herauskristallisiert. Prototypisch hierfür kann die Definition des Science-Fiction-Autors Theodore Sturgeon herangezogen werden:

„A science fiction story is a story build around human beings, with a human problem and a human solution which would not have happened at all without its scientific moment“[12]

Ob nun puristischer oder universalistischer Ansatz, es kann beiden als problematisch angerechnet werden, dass eher versucht wird einen Anspruch an das Genre zu formulieren als sich tatsächlich um eine Definition zu bemühen. Auch andere Definitionsversuche, so Torsten Schröder, wie beispielsweise jener von Reimer Jehmlich, der darauf plädiert „[...] tunlichst nicht von der Modifikation science [...]“[13] auszugehen um eine verwertbare Definition zu erhalten, damit widerrum den Stellenwert der Wissenschaft herabstuft, auch im Sinne von Edmund Crispin, der anstelle von Wissenschaftlichkeit innerhalb einer Science-Fiction Geschichte den Aspekt der Technologie betont, so lässt sich hierbei immer Schlussfolgern, dass eine Konzentration auf technische sowie naturwissenschaftliche Aspekte keineswegs allen Geschichten, die unter dem Topos Science-Ficion subsumiert werden, gerecht wird. [14]

In der Debatte um eine mögliche Definition sei hier abschließend, bevor versucht werden soll das Genre Science-Fiction von der phantastischen Literatur abzugrenzen, noch auf ein Zitat von Ulrich Suerbaum verwiesen, welches innerhalb der Sekundärliteratur oftmals zitiert wird:

„Die Gattung Science Fiction ist die Gesamtheit jener fiktiven Geschichten, in denen Zustände und Handlungen geschildert werden, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht möglich und daher nicht glaubhaft darstellbar wären, weil sie Veränderungen und Entwicklungen der Wissenschaft, der Technik, der politischen und gesellschaftlichen Strukturen oder gar des Menschen selbst voraussetzen. Die Geschichten spielen in der Regel, aber nicht mit Notwendigkeit, in der Zukunft.“[15]

Wie in diesem Kapitel einleitend erwähnt, soll nun versucht werden das Genre Science-Fiction von der phantastischen Literatur abzugrenzen. Beginnend sei auf die Tatsache hingewiesen, dass Termini wie beispielsweise Phantastik, Science-Fiction, etc.[16] als „[...] zusammengehörig empfunden werden“[17], oder wie Andreas Ohme es treffend formuliert, scheinen die Termini ScienceFiction und Phantastik, auf irgendeine Art und Weise miteinander verbundene, literarische Konstrukte darzustellen. Gemeinsam ist beiden, dass die in diesen Werken kreierte Welt, oder auch nur einzelne Partikel von ihr, in teils sogar radikaler Abweichung zur real Existierenden steht.[18]

Diese Dialektik zwischen realer und fiktiver Welt dient auch Karlheinz Steinmüller, der in seine Überlegungen das Dreigespann Realistische-, Phantastische-, und Science-Fiction-Literatur miteinbezieht:

„In der realistischen Literatur wird eine Welt vorausgesetzt, die im Prinzip unserer empirisch erfahrbaren Wirklichkeit entspricht. Die Welt der phantastischen Literatur weicht [...] erkenntlich von unserer Wirklichkeit ab.“[19]

[...]


[1] Torben Schröder: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres, Münster: LIT Verlag 1998, Seite 6.

[2] Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J Verlag 2004, Seite 29.

[3] William Wilson: A Little Earnest Book Upon A Great Old Subject: With the Story of the Poet- Lover. Kessinger Publishing, LLC 2007.

[4] Manfred Nagl: Sciencefiction. Ein Segment populärer Kultur im Medien- und Produktverbund. Literaturwissenschaft im Grundstudium; Bd. 5. Tübingen: Gunter Narr Verlag, Seite 17.

[5] Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J Verlag 2004, Seite 29.

[6] Torben Schröder: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres, Münster: LIT Verlag 1998, Seite 6.

[7] Peter Schlobinski, Oliver Siebold: Wörterbuch der Science-Fiction. Frankfurt am Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften 2008, Seite 7.

[8] Ebd.

[9] Ulrich Suerbaum, Ulrich Broich, Raimund Borgmeier: Science fiction: Theorie und Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild. Stuttgart 1981.

[10] Andre´ Müller: Film und Utopie. Positionen des fiktionalen Films zwischen Gattungstraditionen und gesellschaftlichen Zukunftsdiskursen. Berlin: LIT Verlag 2010, S.82.

[11] Robert A. Heinlein, zitiert nach Suerbaum, in : Suerbaum et al 1981, S.9.

[12] Theodore Sturgeon, zitiert nach Ulrich Suerbaum, in: Suerbaum et al 1981, S.9

[13] Reimer Jehmlich und Hartmut Lück: Die deformierte Zukunft. Untersuchungen zur Science Fiction. München 1974, Seite 19.

[14] Torben Schröder: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres, Münster: LIT Verlag 1998, Seite 8-10.

[15] Ulrich Suerbaum, Ulrich Broich, Raimund Borgmeier: Science fiction: Theorie und Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild. Stuttgart 1981. Seite 10; Anzumerken bei diesem Zitat ist, dass Suerbaum selbst relativiert, dass eine Definition wie diese zwar sehr weit gefasst, jedoch nicht allgemein gültig ist.

[16] Aber auch Termini wie Utopie und Fantasy sind an dieser Stelle ergänzend zu nennen, sollen aber um nicht Begriffsverwirrung zu fördern an dieser Stelle ausgeblendet werden.

[17] Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J Verlag 2004, Seite 28.

[18] Andreas Ohme: Phantastik - Science Fiction - Utopie. Versuch einer Begriffsabgrenzung (am Beispiel ausgewählter Texte Stanislaw Lems). In: Michael Düring und Ulrike Jekutsch (Hrsg.): Stanislaw Lem - Mensch, Denker, Schriftsteller. Beiträge zu einer deutsch-polnischen Konferenz im Jahr 2000 in Greifswald und Szczecin. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2005, Seite 70.

[19] Karlheinz Steinmüller: Gestaltbare Zukünfte. Zukunftsforschung in der Science Fiction. Werkstattbericht 13. Gelsenkirchen: SFZ 1995, Seite 12.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung zukünftiger Gesellschaften in der Science-Fiction-Literatur in H.G. Wells "Die Zeitmaschine"
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte der Medienkulturen)
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V205342
ISBN (eBook)
9783656316312
ISBN (Buch)
9783656319047
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Zeitmaschine;, H.G. Wells;, Herbert George Wells;, The time machine;, Marxismus;, Zukunft;, Science-Fiction;, Eloi;, Morlok;, Die Darstellung zukünftiger Gesellschaften;
Arbeit zitieren
Andreas Plank (Autor), 2011, Die Darstellung zukünftiger Gesellschaften in der Science-Fiction-Literatur in H.G. Wells "Die Zeitmaschine", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205342

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