Planspiele im Fach "Politik und Wirtschaft"

Analyse eines Planspiels


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 13


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Planspiele
2.1 Geschichte, Definition und Kennzeichen
2.2 Ablauf eines Planspiels
2.3 Ziele, Chancen und Gefahren

3 Das Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“
3.1 Beschreibung des Planspiels
3.2 Analyse des Unterrichtsmaterials
3.3 Eigenständige Bewertung des Materials

4 Fazit

5 Literatur

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern das Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“ nach Klippert (vgl. 2008, S. 124-138) im Unterrichtsfach Politik und Wirtschaft eingesetzt werden kann. Trotz eines breiten Methodenrepertoires in der politischen Bildung beherrschen größtenteils einseitige Methodenauswahl, rein kognitive und rezeptive Lehr- und Lernarrangements, Lehrerdominanz sowie geringe Schüler/-innenorientierung und Partizipationsmöglichkeiten der SuS das Unterrichtsgeschehen im Politikunterricht (vgl. Scholz 2007, S. 547-548). Aus unterschiedlichen Gründen werden auch Planspiele nur selten in der schulischen politischen Bildung eingesetzt, obwohl diese neben inhaltlichen Fähigkeiten zum einen in besonderem Maße die Kompetenzbereiche politische Handlungs- und Urteilsfähigkeit sowie methodische Fertigkeiten und zum anderen fachübergreifende soziale und kommunikative Kompetenzen fördern, wie in der folgenden Darstellung erläutert wird. Aufgrund dieser Diskrepanz erschien es mir sinnvoll, ein ausgewähltes Planspiel detailliert zu analysieren und dessen Praxistauglichkeit für den Politikunterricht zu untersuchen.

Im ersten Abschnitt wird die Methode des Planspiels im Allgemeinen erläutert. Dabei wird zunächst auf dessen Geschichte, Definition und Kennzeichen eingegangen. Außerdem wird der Ablauf eines Planspiels geschildert. Des Weiteren wird auf Ziele, Chancen und Gefahren der Methode eingegangen. Der zweite Abschnitt bildet den Hauptteil und befasst sich mit dem ausgewählten Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“ nach Klippert. Dieses wird zunächst inhaltlich und in Bezug auf den Ablauf beschrieben. Daraufhin folgt eine ausgiebige Analyse des Planspiels nach dem Kriterienkatalog „Kriterien für die Analyse von Unterrichtsmaterialien in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung“, welcher vom Institut für Sozialwissenschaften in Gießen entwickelt wurde und im Anhang beigefügt ist. Dazu gehört auch am Ende eine eigenständige Bewertung des Materials aus meiner Sicht. Zum Schluss folgt ein Fazit, in dem ich die wichtigsten Erkenntnisse aus der Arbeit noch einmal zusammenfasse.

2 Planspiele

2.1 Geschichte, Definition und Kennzeichen

Seit ungefähr 5000 Jahren werden Planspiele schon durchgeführt – bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings vorwiegend als strategisches Spiel für militärische Zwecke. Danach fanden diese erstmals auch Anklang als Trainingsmethoden im Bereich der Wirtschaft bei der Aus- und Weiterbildung von Führungskräften. Ab den 50ern des letzten Jahrhunderts wurden sie auch in der Schule eingesetzt und seit den 60ern auch zumindest in der politischen Erwachsenenbildung. Bis heute werden diese allerdings kaum im politischen Schulunterricht eingesetzt (vgl. Massing 2007, S. 163).

Eine eindeutige Definition gibt es für das Planspiel nicht, sondern es besteht eher Unklarheit in Bezug auf den Begriff. Nach Meyer sind „Planspiele (…) komplex gemachte Rollenspiele mit klaren Interessengegensätzen und hohem Entscheidungsdruck“ (Meyer 1987, S. 366). Es zeigt sich dabei eine starke Ähnlichkeit zu Rollenspielen. Ähnlich zum Rollenspiel ist, dass bei beiden die einzelnen SuS verschiedene Rollen übernehmen und innerhalb derer Möglichkeiten und Grenzen agieren. Der entscheidende Unterschied dabei ist, dass im Rollenspiel die Personen einer eindeutigen Rolle zugeordnet werden, bspw. der des Vaters oder einer Lehrerin, und dass im Planspiel die Spielerinnen und Spieler vielmehr einer politischen Meinung oder Haltung einer politisch-/gesellschaftlichen Gruppe, Institution oder Organisation zugeordnet werden. Es geht also im Planspiel gegenüber dem Rollenspiel weniger um das Verhalten oder die Gefühle eines Einzelnen, als um eine klare, festgelegte Haltung einer Gruppe. Das Planspiel ist also formalisierter. Zwar lassen sich die Charaktere auch im Planspiel lebensweltnah nachspielen, aber dennoch begrenzt. Zusammengefasst lässt sich dazu sagen, dass beim Rollenspiel das soziale Lernen und beim Planspiel das politische Lernen stärker im Vordergrund stehen (vgl. Massing 2007, S. 164). Thematisch bezieht sich das Planspiel auch weniger auf Alltagsereignisse der SuS, als vielmehr auf komplexe und zum Teil auch schülerferne Themen (vgl. Klippert 2008, S. 25).

Planspiele sollen ein Modell der Wirklichkeit abbilden. Zwei Anforderungen an das Planspiel sind zum einen die Repräsentation und zum anderen die Reduktion. Die Repräsentation meint, dass das Abbild des Modells im Planspiel – Nachbildung eines wirklichen, idealen oder erfundenen Modells – durch Gemeinsamkeiten in Struktur und Prinzip mit dem Realmodell vergleichbar sein sollte. Unter Reduktion wird verstanden, dass das geschaffene Abbild zwar vereinfacht wird, um im Unterricht einsetzbar zu sein, dieses aber dennoch die wesentlichen Aspekte des Realmodells beinhalten muss, um keine Irritationen zu erschaffen (vgl. Massing 2007, S. 164-165).

Planspiele im Politikunterricht beinhalten politische Entscheidungsprozesse, bei denen jeweils ein Problem, welches tatsächlich vorhanden oder erfunden ist, gelöst werden soll. Der Konflikt soll also zwischen verschiedenen Positionen innerhalb des Spiels zu einer Lösung gebracht werden.

Dabei finden zur Bewältigung des Konflikts Kommunikationsprozesse innerhalb der Gruppen mit derselben Haltung statt – also Bestimmung der Taktik, Festlegung der Kompromissbereitschaft etc. – sowie Interaktionsprozesse zwischen meinungsverschiedenen Gruppen. Darunter fällt diskutieren, Bündnispartner finden usw. Neben der Lösung des Konflikts werden hier also eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, deren Folgen die Mitspieler so erkennen und erlernen (vgl. ebd. 2007, S. 165).

Es gibt also verschiedene Handlungsaspekte innerhalb des Planspiels: Probleme werden untersucht, Alternativen werden abgewogen, Strategien und Taktiken werden festgelegt und es werden dabei immer wieder Entscheidungen getroffen. Für die Auswahl der Themen, in denen Planspiele eingesetzt können, bedeutet das, dass diese vor allem im Bereich von politischen Entscheidungsprozessen und damit auch von Systemstrukturen eingebettet werden können. Dabei wird erlernt, welche Abhängigkeiten der Einzelne oder eine Gruppe zu Systemen und deren Strukturen besitzt und welche Interessen, Machtstrukturen und Zwänge bei politischen Entscheidungsprozessen eine Rolle spielen. Wie oben schon angedeutet sind Planspiele also problemorientiert, da das Spiel auf einem Konflikt aufbaut, der zu lösen ist. Erst während des Spiels wird sich das notwendige Wissen angeeignet (vgl. ebd. 2007, S. 165-166).

2.2 Ablauf eines Planspiels

Ein Planspiel ist formal nach Massing (vgl. 2007, S. 169-173) in die drei Phasen Vorbereitungsphase, Spielphase und Reflexionsphase eingeteilt. Der einstündigen Vorbereitungsphase bestehend aus Spieleinführung, Informationsphase und Ausarbeitungsphase ist die Vorbereitung der Lehrperson vorangestellt – Auswahl des Spiels, Materialien besorgen und Räumlichkeiten reservieren. In der ersten Unterrichtsstunde findet zunächst die Einführung in das Spiel statt, in der transparent der genaue Ablauf, die Arbeitsweise und der inhaltliche Zusammenhang erläutert werden. Danach erhalten die SuS in der Informationsphase einen kurzen Text, der ihnen den Konflikt und das Ziel des Planspiels erläutert. Im Anschluss daran werden möglichst homogene Spielgruppen gebildet sowie tragende Rollen wie Moderator durch leistungsstarke SuS besetzt. Diese finden sich dann in der Ausarbeitungsphase zusammen und informieren sich über ihre spezielle Rolle und klären Verständnisfragen (vgl. ebd. 2007, S. 169-171).

Nun folgt die etwa fünfstündige Spielphase, die aus der Meinungs- und Willensbildungsphase, der Interaktionsphase und der Anwendungsphase besteht. In der ersteren finden sich die einzelnen Spielgruppen wieder zusammen und beraten sich darüber, welche Ziele und Interessen sie besitzen, legen eine Hierarchie fest, welche dieser besonders wichtig sind, welche Strategien und Taktiken sie zur Zielerreichung einsetzen und welche Kompromisse möglich wären. Hierbei ist es wichtig, dass diese Ergebnisse dokumentiert werden, um eventuelle, spätere Konflikte aufzulösen (vgl. ebd. 2007, S. 171-172).

In der Interaktionsphase bewegen sich die Gruppen nun aufeinander zu und verhandeln miteinander. Hierbei treffen sich die einzelnen Gruppen auch immer wieder untereinander, um die Verhandlungsergebnisse zu diskutieren und neue Strategien oder Kompromissmöglichkeiten zu definieren. Die Phase sollte mit einer klaren Position und Strategie der einzelnen Gruppen beendet werden. Diese Phase ist sehr schüleraktiv und zeitaufwendig, so dass es sehr sinnvoll ist, diese in einer Doppelstunde durchzuführen. Zwei Einzelstunden führen hierbei oftmals zu einem Spannungsabfall. Da in dieser Phase der Ablauf und die Ergebnisse nicht besonders transparent ablaufen, bietet es sich an, diese Phase in der Reflexionsphase noch einmal speziell zu besprechen (vgl. ebd. 2007, S.172).

Im Anschluss daran folgt die Anwendungsphase, die wie eine Konferenz durchgeführt wird. Jede Gruppe kann durch einen Gruppensprecher hierbei ihre Position, Argumente und Vorschläge referieren. Danach müssen die Gruppen einen Kompromiss bzw. eine Lösung finden. Dieser Zwang soll besonders die politische Wirklichkeit, die sehr oft von diesen Entscheidungszwängen geprägt ist, widerspiegeln. Es ist daher wichtig, ein Zeitlimit für die Entscheidung zu setzen und bei möglicher Zeitüberschreitung eine Abstimmung zu erzwingen. Die nicht diskutierenden Gruppenmitglieder beobachten und protokollieren die eigene oder andere Gruppen (vgl. ebd. 2007, S. 172-173).

Zuletzt folgt die Reflexionsphase, bei der es schwierig ist, den Übergang zwischen Handeln aus der vorherigen Phase und Denken in dieser Phase zu meistern. Daher ist es sinnvoll vor der eigentlichen Reflexion zunächst einmal die SuS nach ihrem ersten Eindruck zu fragen, um sich allmählich von ihrer Rolle zu distanzieren. Danach folgt eine inhaltliche Auswertung des Planspiels. Darin werden die relevanten Ergebnisse noch einmal besprochen, politische Kategorien wie Macht oder Interessen, die vorkamen, thematisiert und die Erfahrungen und Erkenntnisse verallgemeinert und auf andere Politikbereiche angewandt. Außerdem wird diskutiert, ob das Planspiel realitätsnah war. In der Oberstufe wäre es zudem noch möglich auf der Metaebene darüber zu reden, ob die Methode des Planspiels an dieser Stelle geeignet war (vgl. ebd. 2007, S. 172-173).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Planspiele im Fach "Politik und Wirtschaft"
Untertitel
Analyse eines Planspiels
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V205379
ISBN (eBook)
9783656323952
ISBN (Buch)
9783656324935
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
planspiele, fach, politik, wirtschaft, analyse, planspiels
Arbeit zitieren
Johannes Kolb (Autor), 2012, Planspiele im Fach "Politik und Wirtschaft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205379

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