Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern das Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“ nach Klippert (vgl. 2008, S. 124-138) im Unterrichtsfach Politik und Wirtschaft eingesetzt werden kann. Trotz eines breiten Methodenrepertoires in der politischen Bildung beherrschen größtenteils einseitige Methodenauswahl, rein kognitive und rezeptive Lehr- und Lernarrangements, Lehrerdominanz sowie geringe Schüler/-innenorientierung und Partizipationsmöglichkeiten der SuS das Unterrichtsgeschehen im Politikunterricht (vgl. Scholz 2007, S. 547-548). Aus unterschiedlichen Gründen werden auch Planspiele nur selten in der schulischen politischen Bildung eingesetzt, obwohl diese neben inhaltlichen Fähigkeiten zum einen in besonderem Maße die Kompetenzbereiche politische Handlungs- und Urteilsfähigkeit sowie methodische Fertigkeiten und zum anderen fachübergreifende soziale und kommunikative Kompetenzen fördern, wie in der folgenden Darstellung erläutert wird. Aufgrund dieser Diskrepanz erschien es mir sinnvoll, ein ausgewähltes Planspiel detailliert zu analysieren und dessen Praxistauglichkeit für den Politikunterricht zu untersuchen.
Im ersten Abschnitt wird die Methode des Planspiels im Allgemeinen erläutert. Dabei wird zunächst auf dessen Geschichte, Definition und Kennzeichen eingegangen. Außerdem wird der Ablauf eines Planspiels geschildert. Des Weiteren wird auf Ziele, Chancen und Gefahren der Methode eingegangen. Der zweite Abschnitt bildet den Hauptteil und befasst sich mit dem ausgewählten Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“ nach Klippert. Dieses wird zunächst inhaltlich und in Bezug auf den Ablauf beschrieben. Daraufhin folgt eine ausgiebige Analyse des Planspiels nach dem Kriterienkatalog „Kriterien für die Analyse von Unterrichtsmaterialien in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung“, welcher vom Institut für Sozialwissenschaften in Gießen entwickelt wurde und im Anhang beigefügt ist. Dazu gehört auch am Ende eine eigenständige Bewertung des Materials aus meiner Sicht. Zum Schluss folgt ein Fazit, in dem ich die wichtigsten Erkenntnisse aus der Arbeit noch einmal zusammenfasse.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 PLANSPIELE
2.1 GESCHICHTE, DEFINITION UND KENNZEICHEN
2.2 ABLAUF EINES PLANSPIELS
2.3 ZIELE, CHANCEN UND GEFAHREN
3 DAS PLANSPIEL „EIN BETRIEB SOLL VERLAGERT WERDEN“
3.1 BESCHREIBUNG DES PLANSPIELS
3.2 ANALYSE DES UNTERRICHTSMATERIALS
3.3 EIGENSTÄNDIGE BEWERTUNG DES MATERIALS
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die didaktische Eignung und Praxistauglichkeit des Planspiels „Ein Betrieb soll verlagert werden“ im Fach Politik und Wirtschaft. Dabei wird analysiert, inwieweit die Methode Planspiel zur Förderung politischer Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie zur Verzahnung ökonomischer und politischer Lerninhalte im Schulunterricht beitragen kann.
- Grundlagen, Geschichte und Ablauf von Planspielen im Politikunterricht
- Chancen und methodische Herausforderungen bei der Durchführung von Planspielen
- Detaillierte didaktische Analyse des Modells „Ein Betrieb soll verlagert werden“
- Verzahnung von betriebswirtschaftlichen und politisch-gesellschaftlichen Fragestellungen
- Anforderungen an die Lehrperson bei der Moderation von Planspielen
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung des Planspiels
In dem Planspiel „Ein Betrieb soll verlagert werden“ nach Klippert (vgl. 2008, S. 124-138) geht es inhaltlich um das Problem, dass das sogenannte Unternehmen „Strumpf-AG“ plant, ein Werk im deutschen Ort Wollau zu schließen, um die Produktion in einem osteuropäischen Niedriglohnland die Produktion fortzuführen. Dies hätte negative Folgen für die Arbeitnehmer und die Gemeinde. Folgende Gruppen setzen sich mit diesem Konflikt auseinander: die Geschäftsleitung der Strumpf-AG, der Betriebsrat der Wollauer Strumpffabrik, der Stadtrat der Gemeinde Wollau, die Kredit-AG als Hausbank des Unternehmens, das Amt für Wirtschaftsförderung und die Redaktion des Wollauer Anzeigers (vgl. ebd. 2008, S. 124).
Wollau selbst als Kleinstadt mit etwa 9.000 Einwohnern hat kaum wirtschaftliche Infrastruktur und wird als rückständige Region sogar staatlich gefördert. Daher gibt es nur wenige Gewerbesteuereinnahmen und eine hohe Arbeitslosigkeit. Das Werk der Strumpf-AG in Wollau umfasst 520 Arbeitsplätze. Die Schließung des Werks wäre also eine enorme Belastung für die Gemeinde (vgl. ebd. 2008, S. 124). Die Strumpf-AG, die verschiedene Strumpfarten und Unterwäsche produziert, möchte diese Fabrik in Polen oder Ungarn fortführen, um aufgrund der dortigen, niedrigen Löhne Produktionskosten einzusparen. Die jeweiligen Interessengruppen des Spiels vertreten dazu gegensätzliche Meinungen. Hauptdiskussionspunkte sollen die Fragen sein, ob das Werk verlagert wird, wenn ja, in Polen oder Ungarn, welche Möglichkeiten zum Erhalt des Werks in Wollau bestehen, inwiefern man die Wollauer Fabrik in ein modernes Lager- und Vertriebszentrum umwandeln kann und wie ein möglicher Sozialplan bei kompletter oder teilweise Stilllegung des Werks aussehen kann (vgl. ebd. 2008, S. 124-127).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zur Fragestellung bezüglich des Einsatzes des Planspiels im Politikunterricht und Erläuterung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2 PLANSPIELE: Theoretische Grundlegung mit Definitionen, methodischen Abläufen sowie einer Diskussion der Chancen und Risiken von Planspielen in der politischen Bildung.
3 DAS PLANSPIEL „EIN BETRIEB SOLL VERLAGERT WERDEN“: Konkrete inhaltliche Beschreibung, detaillierte fachliche sowie didaktische Analyse des gewählten Materials und abschließende persönliche Bewertung.
4 FAZIT: Synthese der Ergebnisse mit der Empfehlung zum Einsatz der Methode unter Berücksichtigung der notwendigen Flexibilität der Lehrkraft.
Schlüsselwörter
Planspiel, Politik und Wirtschaft, Politische Bildung, Arbeitsplatzexport, Strumpf-AG, Handlungsorientierung, Rollenspiel, Betriebswirtschaft, Didaktik, Kompetenzorientierung, Mitbestimmung, Standortfaktoren, Entscheidungsdruck, Sozialformen, Politische Urteilsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Eignung des Planspiels „Ein Betrieb soll verlagert werden“ für den Politikunterricht, um zu prüfen, ob und wie diese Methode trotz institutioneller Hürden erfolgreich eingesetzt werden kann.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die zentralen Themen sind politische und soziale Bildung durch handlungsorientierte Methoden, die Verknüpfung von ökonomischen und politischen Inhalten sowie die Analyse von Entscheidungsprozessen in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Praxistauglichkeit des Klippert-Planspiels zu bewerten und konkrete Empfehlungen für eine erfolgreiche Umsetzung im Unterrichtsalltag zu geben.
Welche methodische Vorgehensweise wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Einführung in die Planspielmethode, gefolgt von einer strukturierten Analyse des spezifischen Materials anhand didaktischer Kriterien und des hessischen Lehrplans.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Planspiel inhaltlich vorgestellt, das Material nach Kriterien wie Sachrichtigkeit, Aktualität und didaktische Eignung geprüft sowie eine eigene Bewertung vorgenommen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Planspiel, Politik und Wirtschaft, Handlungsorientierung, Kompetenzorientierung und Arbeitsplatzexport.
Wie bewertet der Autor die Komplexität des Planspiels?
Der Autor stuft die Komplexität als eine Stärke für den Lerneffekt ein, warnt jedoch gleichzeitig, dass sie Schüler überfordern kann, sofern die Lehrkraft die Informationsmenge nicht durch gezielte Dosierung steuert.
Warum wird die Rolle der Lehrkraft als so kritisch hervorgehoben?
Da die Qualität des Planspiels stark von der Moderation abhängt, muss die Lehrkraft den Überblick behalten, Impulse zur rechten Zeit setzen und sicherstellen, dass die Schüler nicht nur spielen, sondern ernsthaft lernen.
- Arbeit zitieren
- Johannes Kolb (Autor:in), 2012, Planspiele im Fach "Politik und Wirtschaft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205379