Das altägyptische Neue Reich brachte eine ganz enorme Prachtentfaltung hervor, die sich neben dem königlichen Palast auch im Privatbereich bemerken lässt. Der luxuriöse Lebensstil spiegelt sich dabei vor allem in den alltäglichen Gebrauchsgegenständen, wie den Gefäßen wieder. So wurde neben der reinen Funktionsfähigkeit auch auf eine ansprechende Gestaltung Wert gelegt.
Diese Hinwendung zur prachtvollen Gestaltung selbst einfacher Behältnisse, lässt sich auch bei vielen Gefäßen aus der Amarnazeit belegen, die zugleich auch einen enormen Formenreichtum aufweisen. Dieser reicht von einfachen bemalten Tonkrügen bis zu figuralen Gefäßen aus farbigem Glas. Einen Höhepunkt erreichten die figuralen Gefäße schließlich in den großformatigen Salbgefäßen aus dem Grabschatz des Tutanchamun.
Der vorliegende Text gibt eine kurze Darstellung zu den vielfältigen Gefäßen der Amarnazeit, wobei anhand ausgewählter Beispiele auch auf Typologie und Motive, sowie auf den möglichen Verwendungszweck verwiesen werden soll. Abschließend wird zudem auf die Alabastergefäße Tutanchamuns eingegangen, die Meisterwerke der figuralen Gefäßkunst darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Vorbemerkung zum Fundort Amarna
3. Funde aus Amarna
4. Glas in Amarna
5. Zur Typologie
6. Das Berliner Bes-Gefäß
7. Zwei Alabastergefäße aus der Amarnazeit
8. Elegante Formen: Figurale Gefäße
9. Ein Gefäß in Fischform
10. Ein kunsthistorischer Ausblick: Alabastergefäße aus dem Grabschatz des Tutanchamun
11. Objektverzeichnis
12. Anhang - Die Könige der Amarnazeit
13. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Vielfalt und künstlerische Gestaltung ägyptischer Gefäße aus der Amarnazeit und setzt diese in Bezug zu den herausragenden Prunkgefäßen aus dem Grabschatz des Tutanchamun, um deren typologische Merkmale, Verwendung und symbolische Bedeutung zu beleuchten.
- Analyse der keramischen und gläsernen Funde aus Amarna
- Untersuchung von Typologie und dekorativen Motiven der Gefäße
- Kulturhistorische Einordnung figuraler und symbolträchtiger Objekte
- Vergleichende Betrachtung der Alabastergefäße aus dem Grab des Tutanchamun
- Diskussion des symbolischen Gehalts von Darstellungen (z. B. Wiedergeburtssymbole)
Auszug aus dem Buch
Das Berliner Bes-Gefäß
Eines der auffälligsten und formschönsten Gefäße der ausgehenden 18. Dynastie ist diese Vase mit Bes-Maske (Kat. 23). Bes war ein zwergenhafter, krummbeiniger Dämon mit grotesker Fratze, der dem Schutz des Wohnhauses dienlich war. Mit seinem makabren Äußeren, dem breiten Maul mit herausgestreckter Zunge, der platt gedrückten Nase, schuppigen Bartsträhnen, dem Federkopfschmuck und den aufgerichteten Tierohren, verschreckt Bes mit seiner Hässlichkeit alle bösen Mächte.
Das Gefäß selbst ist eine wahre Rarität, da sich zum einen nur recht wenige Bes-Gefäße erhalten haben, zum anderen kein zweites in dieser Größe (H. 50 cm) bekannt ist. Auch die Darstellung des Dämons selbst zeigt einige Auffälligkeiten ohne bekannte Parallele, so die labbrigen Wülste, die das Gesicht zu beiden Seiten hin nach unten hin begrenzen und wohl als Arme zu interpretieren sind. Unklar ist auch, ob es sich bei dem kleinen Knauf unterhalb der Zunge um den Bauchnabel oder den Phallus des Dämons handeln soll.
Das Gefäß ist seiner Sonderstellung wegen bekannt und steht im Verdacht aus Amarna zu kommen (es könnte allerdings auch dem Palast Amenophis III. in Malkatta entstammen). Die genaue Herkunft ist ungewiss, bekannt ist nur, dass es aus der Sammlung von Bissing stammt und 1927 ins Ägyptische Museum Berlin gelangte. Sollte die Vermutung von Amarna als Herkunft jedoch korrekt sein, so wäre das Stück noch wesentlich sensationeller. Amarna war schließlich die Stadt des von Echnaton zum Staatsgott erhobenen Aton, der in Amarna einzig als Sonnenscheibe dargestellt wurde. Letztlich verdrängte Echnatons Gott alle anderen Gottheiten, machte nichtmals vor dem Unterweltglauben halt. Dabei entsandte der König sogar Leute aus, die überall im Land Namen und Bild des thebanischen Amuns, des bisherigen Hauptgottes, tilgen sollten. Wie auch andere Kleinfunde bezeugen, scheint ein Großteil der Bevölkerung nur wenig Interesse an der wohl auch aus staatspolitischen Gründen konzipierten Aton-Religion gehabt zu haben, weswegen diese Leute wohl noch (evtl. im Verborgenen) ihren alten Kulten treu blieben. So würde sich auch das Bes-Gefäß erklären lassen, das streng genommen gar nicht aus Amarna stammen dürfte, da dort (offiziell) nur Aton verehrt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert die Prachtentfaltung unter Amenophis III. und deren Fortsetzung im luxuriösen Lebensstil der 18. Dynastie, der sich in hochwertigen Gebrauchsgegenständen widerspiegelt.
Eine Vorbemerkung zum Fundort Amarna: Dieses Kapitel verortet Amarna zeitlich und politisch als Zentrum unter Echnaton und definiert den Fundkontext der untersuchten Objekte.
Funde aus Amarna: Hier werden unterschiedliche Gefäßtypen aus Amarna vorgestellt, von einfachen Tonkrügen bis zu aufwendigen Glaskunstwerken.
Glas in Amarna: Die Bedeutung und Herstellung von polychromen Glasgefäßen als Spezialität der Amarna-Handwerker werden hier erläutert.
Zur Typologie: Dieses Kapitel klassifiziert die in Amarna häufig auftretenden Gefäßformen und beleuchtet deren kunsthistorische Einordnung.
Das Berliner Bes-Gefäß: Eine detaillierte Untersuchung des singulären Bes-Gefäßes, seiner Ikonografie und seiner problematischen Herkunftszuweisung.
Zwei Alabastergefäße aus der Amarnazeit: Vorstellung zweier bedeutender Alabasterobjekte, die einen Einblick in die königliche Kunstproduktion dieser Zeit geben.
Elegante Formen: Figurale Gefäße: Untersuchung des Trends zu figurativen Kosmetikgefäßen, die Diener oder andere Gestalten darstellen.
Ein Gefäß in Fischform: Fokus auf ein spezielles gläsernes Fischgefäß als Beispiel für das hohe handwerkliche Können und die Symbolik der Wiedergeburt.
Ein kunsthistorischer Ausblick: Alabastergefäße aus dem Grabschatz des Tutanchamun: Abschließende Betrachtung der hochkomplexen Prunkgefäße aus dem Grabschatz, die religiöse Motive in meisterhafter Steinbearbeitung zeigen.
Objektverzeichnis: Ein detailliertes Verzeichnis der im Text behandelten Stücke inklusive technischer Daten und Literaturhinweisen.
Anhang - Die Könige der Amarnazeit: Eine chronologische Übersicht der Herrscher der Amarnazeit.
Literatur: Bibliografische Zusammenstellung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Amarna, Ägyptische Kunst, Keramik, Glasgefäße, Alabastergefäße, Tutanchamun, Echnaton, Figurale Gefäße, Kosmetikgefäße, Archäologie, 18. Dynastie, Grabschatz, Ikonografie, Kunsthandwerk, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht ägyptische Gefäße der Amarnazeit und vergleicht diese mit den Prunkgefäßen aus dem Grabschatz Tutanchamuns, um künstlerische Trends, Herstellungstechniken und symbolische Bedeutungen zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Typologie ägyptischer Gefäße, die Glaskunst in Amarna, die Verwendung von Alabaster sowie die ikonografische Bedeutung figuraler Darstellungen im Kontext von Luxus und Wiedergeburt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Gefäßkultur der Amarnazeit zu geben, die künstlerische Qualität der Objekte zu würdigen und die Verbindung zur späteren Produktion der Prunkgefäße Tutanchamuns aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse der Objekte, deren formale Beschreibung, Einordnung in typologische Reihen und den Vergleich mit bekannten Fundstücken aus zeitgenössischen Grabkontexten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von keramischen und gläsernen Funden aus Amarna, eine typologische Klassifikation, Fallbeispiele wie das Bes-Gefäß und die Analyse der aufwendigen Alabastergefäße des Grabschatzes von Tutanchamun.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Amarna, 18. Dynastie, ägyptische Gefäßkunst, Glaskunst, Alabaster, Bes-Gefäß und die ikonografische Symbolik der Wiedergeburt.
Warum wird dem Bes-Gefäß eine besondere Bedeutung beigemessen?
Das Bes-Gefäß ist aufgrund seiner Größe, der einzigartigen Darstellung und der ikonografischen Abweichungen eine Rarität, die Fragen zur religiösen Praxis in Amarna aufwirft.
Welche Rolle spielen die Alabastergefäße in Tutanchamuns Grab?
Sie werden als technische und künstlerische Meisterwerke betrachtet, die komplexe religiöse Motive, wie das Sema-Taui-Motiv, in einer Weise umsetzen, die weit über rein funktionale Gebrauchsgegenstände hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Patrick Farsen (Autor:in), 2012, Ägyptische Gefäße - Bemerkungen zu den dekorierten und figuralen Gefäßen aus der Amarnazeit und den Prunkgefäßen des Tutanchamun, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205386