Theoretisch praktikable Wirtschaftsethik durch Bildung und Erziehung


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2013
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangsproblematik

3. Das menschliche Handeln als Ansatzpunkt einer angemessenen Wirtschaftsethik

4. Das reale menschliche Handeln und seine Folgen für eine angemessene Wirtschaftsethik

5. Die unberechtigte Kritik gegen eine individualistische Wirtschaftsethik

6. Bildung und Erziehung des Einzelnen als Lösungsansatz für eine angemessene Wirtschaftsethik

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Gegensatzproblem zwischen den beiden Disziplinen die der Wirtschaft und die der Ethik, ist eines der größten Probleme, welches sich bei der Konstruierung einer angemessenen Wirtschaftsethik ergibt. Ausgehend von der Frage inwiefern ist es möglich die beiden Disziplinen Wirtschaft und Ethik miteinander, für eine sinnvolle Konstruktion einer angemessenen Wirtschaftsethik zu vereinbaren, versucht diese Arbeit einen Lösungsansatz zu entwickeln, welcher dieser Problemstellung gerecht wird. Natürlich kann durch diese Arbeit, auf Grund des begrenzten Rahmens, keine umfassende Lösung dieses Problems entwickelt werden. Sie dient vielmehr als Anstoß sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und einen möglichen Lösungsansatz des Problems vereinfacht darzustellen. Um das Kernproblem dieser Arbeit zu skizzieren wird zunächst in einem ersten Schritt die Ausgangsproblematik skizziert. Anhand der beiden derzeitig in der wirtschaftsethischen Diskussion bestehen Theorien der ökonomischen Ethik und der integrativen Wirtschaftsethik wird gezeigt, dass derzeitig keine Lösung existiert welche eine angemessene theoretisch praktikable Wirtschaftsethik ermöglicht. Für die Entwicklung eines möglichen Lösungsansatzes wird in einem weiteren Schritt versucht Unterschiede und vor allem Gemeinsamkeiten der beiden Disziplinen Wirtschaft und Ethik aufzuzeigen. Durch die Reflexion auf die reale Lebenswelt wird das menschliche Handeln, als gemeinsamer Ausgangspunkt für einen Lösungsansatz herauskristallisiert. Im Folgenden werden die Folgen des menschlichen Handelns in Bezug auf ihre wirtschaftsethische Relevanz, in Hinblick auf die Konstruktion einer angemessenen Wirtschaftsethik diskutiert. Schließlich wird versucht die Kritik gegen eine individualistische Wirtschaftsethik zu widerlegen und die Probleme einer institutionellen Wirtschaftsethik aufzuzeigen. Zusätzlich werden Überlegungen darüber angestellt wie das menschliche Handeln beeinflussbar ist und abschließend ein Lösungsansatz dargestellt der eine Steuerung des menschlichen Handelns ermöglichen könnte und somit eine mögliche Konkurrenz gegenüber den derzeitig herrschenden Diskussionen darstellt.

2. Ausgangsproblematik

Die Frage danach, wie man die beiden Disziplinen Ökonomik und Ethik im Sinne einer Wirtschaftsethik vereinbaren kann, ist einer der Streitpunkte in der noch jungen Disziplin der Wirtschaftsethik. Es gab in der Vergangenheit mehrere theoretische Versuche sich dieser Problematik zu stellen. Die wohl bekanntesten beiden sind auf der einen Seite „Die integrative Wirtschaftsethik“ von Peter Ulrich und auf der anderen Seite „Die ökonomische Ethik“ von Karl Homann und Christoph Lütge. Beschäftigt man sich mit diesen beiden Theorien so wird schnell klar, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Standpunkte im Sinne einer Wirtschaftsethik handelt. Während Ulrich in seiner Theorie vorschlägt die Wirtschaft in die Ethik zu integrieren, so lassen Homann und Lütge lieber der Wirtschaft den Vorrang vor der Ethik. Fügt man nun zu dieser Tatsache den Baustein der theoretischen Umsetzbarkeit beider Theorien in der Realität hinzu, so wird schnell klar, dass beide Theorien erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Wenn Ulrich glaubt, dass er die Wirtschaftssubjekte durch die Erweiterung der ökonomischen Rationalitätsidee zum ethisch vernünftigen Wirtschaften bringen kann, während diese in der Realität bei der Verwaltung von knappen Ressourcen nur sehr gering zugänglich sind für moralische Denkweisen, dann gehört dazu schon eine gewisse Blauäugigkeit, zumal die ökonomischen Kalküle nicht vor dem wirtschaftlichen Handeln der Menschen entstanden sind sondern als idealisiertes Abbild des menschlichen Handelns zu sehen sind. Eine Änderung der wirtschaftlichen Rationalitätsidee und deren Kalküle würde also in der Realität, ohne die Androhungen politischer Sanktionen für die nicht Einhaltung, schlichtweg nichts bewirken da die Wirtschaftssubjekte sie aus dem reinem Trieb des ökonomischen Gewinnstrebens nicht anerkennen und unterwandern würden. Auf weitere Mängel dieser Theorie werden wir noch etwas später zurückkommen. Aber nicht nur Ulrichs sondern auch Homann und Lütges Theorievorschlag birgt erhebliche Mängel in sich, welche die Theorie für die Praxis untauglich machen. Zwar ist der Grundgedanke Wirtschaftsethik als eine allgemeine Ethik mit ökonomischer Methode[1] zu betrachten, nicht grundsätzlich fehlerhaft gedacht, die Umsetzung, die sie vorschlagen, ist jedoch höchst bedenklich. Die Geschichte lehrt uns, dass der Versuch enge Spielregeln und Spielzüge für wirtschaftliche Handlungen und Handlungsbedingungen zu schaffen zum Scheitern verurteilen ist, da es langfristig zur so genannten Schattenwirtschaft und zum Wohlfahrtsverlust einer Gesellschaft führt. Beispielhaft kann hier die Geschichte der DDR angeführt werden. Nach heutigem Wissensstand geht man davon aus, dass lediglich die Schaffung von Handlungsbedingungen (Rahmenbedingungen) sinnvoll für eine vernünftige Marktwirtschaft ist.[2] Auch von philosophischer Seite können Bedenken gegen die Einführung von Spielregeln für das wirtschaftliche Handeln vorgebracht werden. So kann man sagen, dass die Einführung von solchen Regeln immer einen Verlust von Freiheit menschlichen Handelns darstellt und sich die Frage stellt, wer solche starken Regeln überhaupt durchsetzen sollte und mit welchen Konsequenzen. Wie kurz ausgeführt wurde bringen beide Theorievorschläge, vor allem in der Anwendbarkeit für die Praxis erhebliche Probleme mit sich. Die Frage wie die beiden normativen Theorien Ethik und Ökonomik miteinander sinnvoll und praktikabel zu vereinbaren sind, ist eine Frage, bei der man bei dem Menschenbild innerhalb dieser Theorien ansetzen muss um sie beantworten zu können.

3. Das menschliche Handeln als Ansatzpunkt einer angemessenen Wirtschaftsethik

Zunächst muss einmal geklärt werden was man unter den Begriffen Ethik und Ökonomik versteht. Unter Ethik versteht man gemeinhin die wissenschaftliche Disziplin bzw. Theorie der Moral,[3] hingegen für Ökonomik eine geeignete Definition zu finden ist schon etwas schwieriger. Eine der bekanntesten Definition beschreibt die Ökonomik als Wissenschaft von der Wirtschaft, was allerdings teilweise zu Schwierigkeiten führt da sich die Wissenschaft durch ihren Gegenstandsbereich definiert.[4] Aus diesem Grund soll hier die Definition von Lionel Robbins als Grundlage gelten nach der Ökonomik die Wissenschaft ist, welche das menschliche Verhalten untersucht als eine Beziehung zwischen Zielen und knappen Mitteln, die unterschiedliche Verwendung finden können.[5] Der Frage, der man sich zu aller erst zuwenden muss, wenn man Ethik und Wirtschaft im Sinne einer angemessenen Wirtschaftsethik miteinander vereinbaren will, ist die Frage danach was diese beiden normativen Theorien von einander grundlegend unterscheidet und welche Gemeinsamkeiten sie in sich bergen. Natürlich kann man wie Homann und Lütge es tun diese Frage umschiffen indem man sagt es gibt zwei Theorieoptionen, die eine schreibt den Gegensatz zwischen Wirtschaft und Moral fest und die andere betrachtet die Ökonomie als Fortsetzung der Ethik aus der sie entstanden ist.[6] Aber löst das entscheiden für die zweite Positionen die tatsächlichen Gegensätze dieser beiden Theorien auf oder ist sie viel mehr eine eigentliche Flucht vor dem Gegensatzproblem? Auch Ulrich umschifft mit seinem Vorschlag für eine integrative Wirtschaftsethik das Gegensatzproblem gekonnt. Er glaubt das sich das Problem dieser Zwei-Welten-Konzeptionen, wie er es nennt, von allein auflöst wenn man nur die wirtschaftlich Rationalitätsidee erweitert, hin zu einer Vernunftethik des Wirtschaftens.[7] Diese Vorgehensweise des Umschiffens des eigentlichen Gegensatzproblems stellt beide Theorievorschläge schon im Ansatz auf ein wackliges Fundament, in dem Sinne das diese Theorien keine fundamentalen Lösungen für die Vereinbarkeit der beiden Theorien Wirtschaft und Ethik sein können. Um die wirklich grundlegenden Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Ethik und der Ökonomik erfassen zu können, muss man zu allererst auf das Menschenbild schauen welches hinter beiden Theorien steht. Nun ist es selbst für jemanden der nur über elementare Kenntnisse der Ökonomie verfügt nicht schwierig zu erkennen, dass der Ökonomik ein negatives ja fast schon Hobbessches Menschenbild vorausgeht. Die Ökonomik geht davon aus, dass der Mensch ein habgieriger, egoistischer Nutzenmaximierer ist, welcher nichts tut ohne seines eigenen Vorteils willen. Die Ethik hingegen versteht den Menschen, spätestens seit Aristoteles „zoon politicon“ als ein gesellschaftliches eher altruistisches Wesen. Schon hieran wird die Diskrepanz zwischen der Ethik und der Ökonomik deutlich sichtbar. Was haben aber diese beiden Theorien gemeinsam? Besitzen Sie einen gemeinsamen Punkt der es ermöglicht Sie miteinander zu vereinbaren? Die Antwort auf diese Frage lautet ja. Beide Theorien sowohl die Ethik als auch die Ökonomik beschäftigen sich, wenn auch vielleicht auf unterschiedliche Art und Weise, mit dem menschlichen Handeln. Die Ethik tut dies zum Beispiel im Sinne der Moral um klassifizieren zu können was moralisch richtig oder falsch ist, die Ökonomik zum Beispiel im Sinne der Rationalität, um Handlungsanweisungen geben zu können welche den Nutzen der Individuen maximieren. Zu dieser Gemeinsamkeit kommt noch ein Faktum hinzu welches sich aus der Realität ableiten lässt. Ein realer Mensch vereint beide Potentiale die des Altruismus und die des Egoismus in sich. Er denkt einerseits an sich, wenn es darum geht zumindest seine Grundbedürfnisse zu befriedigen und andererseits an seine Mitmenschen wenn es darum geht nicht einsam leben zu wollen. Kant bezeichnete diese zweite Eigenschaft einst als die ungesellige Geselligkeit die ein Mensch sucht.[8] Aus dieser Eigenschaft des Menschen ergibt sich, dass bei realen menschlichen Handlungen beide Theorien die der Ökonomik und die der Ethik eine Rolle spielen. Beide Theorien idealisieren demzufolge nur einen Teil eines realen Menschen und dessen Handlungen. Wenn aber beide Theorien bei realen menschlichen Handlungen wirklich eine Rolle spielen, dann muss es auch möglich sein beide Theorien im Sinne einer angemessenen Wirtschaftsethik miteinander zu vereinbaren. Der Grund dafür warum dies nur in der Realität gelingen kann, wenn man vom realen menschlichen Handeln ausgeht wird im folgendem Punkt dieser Arbeit ausgeführt.

[...]


[1] Homann/Lütge, Einführung in die Wirtschaftsethik, S. 19

[2] Diese Schlussfolgerung resultiert aus den gängigen Wirtschaftstheorien unter anderem von Adam Smith, Walras, Jevons, Cournot und Gossen

[3] Vgl. Höffe, Otfried, Lexikon der Ethik, S. 61

[4] Vgl. Homann/Suchanek, Ökonomik Eine Einführung, S. 2

[5] Vgl. Homann/Suchanek, Ökonomik Eine Einführung, S. 3

[6] Vgl. Homann/Lütge, Einführung in die Wirtschaftsethik, S. 19 - 20

[7] Vgl. Ulrich, Peter , Integrative Wirtschaftsethik, S.117

[8] Vgl. Weischedel, Wilhelm, Kant Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie etc., S. 37

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Details

Titel
Theoretisch praktikable Wirtschaftsethik durch Bildung und Erziehung
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V205427
ISBN (eBook)
9783656351429
ISBN (Buch)
9783656351450
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Ökonomische Ethik, Integrative Wirtschaftsethik, Erziehung
Arbeit zitieren
1. Staatsexamen Wirtschaft u. Verwaltung/Ethik Florian Jakubowski (Autor), 2013, Theoretisch praktikable Wirtschaftsethik durch Bildung und Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205427

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