Das Gegensatzproblem zwischen den beiden Disziplinen die der Wirtschaft und die der Ethik, ist eines der größten Probleme, welches sich bei der Konstruierung einer angemessenen Wirtschaftsethik ergibt. Ausgehend von der Frage inwiefern ist es möglich die beiden Disziplinen Wirtschaft und Ethik miteinander, für eine sinnvolle Konstruktion einer angemessenen Wirtschaftsethik zu vereinbaren, versucht diese Arbeit einen Lösungsansatz zu entwickeln, welcher dieser Problemstellung gerecht wird. Natürlich kann durch diese Arbeit, auf Grund des begrenzten Rahmens, keine umfassende Lösung dieses Problems entwickelt werden. Sie dient vielmehr als Anstoß sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und einen möglichen Lösungsansatz des Problems vereinfacht darzustellen. Um das Kernproblem dieser Arbeit zu skizzieren wird zunächst in einem ersten Schritt die Ausgangsproblematik skizziert. Anhand der beiden derzeitig in der wirtschaftsethischen Diskussion bestehen Theorien der ökonomischen Ethik und der integrativen Wirtschaftsethik wird gezeigt, dass derzeitig keine Lösung existiert welche eine angemessene theoretisch praktikable Wirtschaftsethik ermöglicht. Für die Entwicklung eines möglichen Lösungsansatzes wird in einem weiteren Schritt versucht Unterschiede und vor allem Gemeinsamkeiten der beiden Disziplinen Wirtschaft und Ethik aufzuzeigen. Durch die Reflexion auf die reale Lebenswelt wird das menschliche Handeln, als gemeinsamer Ausgangspunkt für einen Lösungsansatz herauskristallisiert. Im Folgenden werden die Folgen des menschlichen Handelns in Bezug auf ihre wirtschaftsethische Relevanz, in Hinblick auf die Konstruktion einer angemessenen Wirtschaftsethik diskutiert. Schließlich wird versucht die Kritik gegen eine individualistische Wirtschaftsethik zu widerlegen und die Probleme einer institutionellen Wirtschaftsethik aufzuzeigen. Zusätzlich werden Überlegungen darüber angestellt wie das menschliche Handeln beeinflussbar ist und abschließend ein Lösungsansatz dargestellt der eine Steuerung des menschlichen Handelns ermöglichen könnte und somit eine mögliche Konkurrenz gegenüber den derzeitig herrschenden Diskussionen darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangsproblematik
3. Das menschliche Handeln als Ansatzpunkt einer angemessenen Wirtschaftsethik
4. Das reale menschliche Handeln und seine Folgen für eine angemessene Wirtschaftsethik
5. Die unberechtigte Kritik gegen eine individualistische Wirtschaftsethik
6. Bildung und Erziehung des Einzelnen als Lösungsansatz für eine angemessene Wirtschaftsethik
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Gegensatzproblem zwischen Ökonomik und Ethik, um einen theoretisch praktikablen Lösungsansatz für eine Wirtschaftsethik zu entwickeln, der auf dem realen menschlichen Handeln und dessen Beeinflussbarkeit basiert.
- Kritische Auseinandersetzung mit ökonomischer Ethik und integrativer Wirtschaftsethik
- Analyse des realen Menschenbildes jenseits idealisierter Nutzenmaximierung
- Die Rolle des menschlichen Handelns als Ausgangspunkt der Vereinbarkeit von Ethik und Ökonomie
- Grenzen kollektiver Reglementierung und institutioneller Wirtschaftsethik
- Bildung und Erziehung als primäre Lösungsansätze zur Förderung moralischen Handelns
Auszug aus dem Buch
4. Das reale menschliche Handeln und seine Folgen für eine angemessene Wirtschaftsethik
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Menschen die im Sinne der Ökonomie handeln. Das Hauptbestreben solcher Menschen ist die Gewinnmaximierung bzw. Bedürfnisbefriedigung zu dem Zweck Wohlstand zu schaffen. Diesem Streben wird alles andere wie z.B. moralische Werte, Solidarität etc. untergeordnet, weil diese Faktoren dazu führen, wie Homann und Lütge schon beschrieben haben, dass man für Konkurrenten systematisch ausbeutbar wird. Jetzt könnte man natürlich dem Vorschlag von Ulrich folgen und sagen na gut wenn jeder Mensch moralische Werte in die ökonomischen Vernunft mit einbezieht, dann löst sich das Problem der gegenseitigen Ausbeutung von ganz allein auf. Das Problem hierbei ist allerdings, dass dies nicht so einfach umsetzbar ist. Integriert man moralische Werte in die ökonomische Vernunft bedeutet dies für alle Beteiligten, aus ökonomischer Perspektive, einen Verlust an Wohlstand. Warum dies so ist liegt an den menschlichen Vorstellungen was man unter Wohlstand versteht. Wohlstand, in den Köpfen der Menschen ist nämlich vorrangig der absolut gesehen für sie mögliche materiell erreichbare Wohlstand. Dies führt dazu, dass nahezu alle Menschen in der Realität dazu geneigt sind immer erst zu optimieren und dann über Werte wie Moral usw. nachdenken. Diese Wertvorstellung von Wohlstand bekommt ein Mensch bereits im Kindesalter anerzogen. In der Realität wird sich demnach also keiner darüber Gedanken machen, wie es Ulrich fordert, ob seine Handlung gegenüber allen Betroffenen legitim vertretbar ist wenn es darum geht seinen eigenen Nutzen zu maximieren.
In diesem Sinne ist derzeitig eher das hobbessche Menschenbild dem des altruistischen vorgeordnet. Nun tritt allerdings bei einem Menschen, nach der Sättigung bestimmter Grundbedürfnisse, so etwas ein wie das Nachdenken über seine Mitmenschen. Vor allem wohlhabendere Menschen beteiligen sich aus verschiedensten Gründen an der Bekämpfung von Armut oder sozialer Ungerechtigkeit. Natürlich liegt dies zum einen daran, dass diese Menschen tendenziell materiell gut abgesichert sind und es ihnen demzufolge leichter fällt von ihrem Vermögen etwas abzugeben. Aber warum geben sie überhaupt etwas von ihrem Vermögen ab?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das zentrale Problem der Vereinbarkeit von Wirtschaft und Ethik und stellt den Fokus auf das menschliche Handeln als Ausgangspunkt eines neuen Lösungsansatzes vor.
2. Ausgangsproblematik: Dieses Kapitel analysiert die Unzulänglichkeiten existierender Ansätze wie der ökonomischen Ethik und der integrativen Wirtschaftsethik hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit.
3. Das menschliche Handeln als Ansatzpunkt einer angemessenen Wirtschaftsethik: Es wird die Diskrepanz zwischen den idealisierten Menschenbildern von Ökonomik und Ethik aufgezeigt und das menschliche Handeln als verbindende Basis identifiziert.
4. Das reale menschliche Handeln und seine Folgen für eine angemessene Wirtschaftsethik: Die Untersuchung zeigt, dass reales menschliches Handeln durch ein Spannungsfeld zwischen Eigennutz und Altruismus geprägt ist, was einfache Regelmodelle ineffektiv macht.
5. Die unberechtigte Kritik gegen eine individualistische Wirtschaftsethik: Das Kapitel setzt sich kritisch mit institutionalistischen Ansätzen auseinander und argumentiert, dass eine Wirtschaftsethik zwingend am Individuum ansetzen muss.
6. Bildung und Erziehung des Einzelnen als Lösungsansatz für eine angemessene Wirtschaftsethik: Hier wird dargelegt, dass nachhaltige moralische Handlungsänderungen nur durch Bildung und Erziehung in jungen Jahren erreicht werden können.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration von Ethik und Ökonomik nur über die individuelle Ebene der Persönlichkeitsbildung gelingen kann, statt durch bloße externe Regeln.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsethik, Ökonomik, Ethik, menschliches Handeln, Nutzenmaximierung, Altruismus, Sozialisation, Bildung, Erziehung, Handlungsbedingungen, institutionelle Ethik, Individualethik, ökonomische Rationalität, Moral, Werte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konstruktion einer praktikablen Wirtschaftsethik, die den Widerspruch zwischen ökonomischem Handeln und ethischen Anforderungen auflösen möchte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild in der Ökonomie, die Grenzen externer Regulierungen, die Rolle des Altruismus im Handeln sowie die Bedeutung von Bildung und Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen Lösungsansatz zu entwickeln, der Wirtschaft und Ethik vereint, indem er das reale menschliche Handeln als Ausgangspunkt nimmt und dessen Prägung durch Sozialisation in den Fokus rückt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Auseinandersetzung mit bestehenden wirtschaftsethischen Theorien, die durch eine philosophische Reflexion auf das Menschenbild und das reale Handeln ergänzt wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen aktueller Theorien, hinterfragt das egoistische Menschenbild der Ökonomie und begründet, warum Regulierungen allein versagen, während Erziehungsmaßnahmen langfristige Wirksamkeit versprechen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wirtschaftsethik, Handlungsrationalität, Individualität, Bildung, Erziehung und ökonomische Nutzenmaximierung sind die zentralen Begriffe.
Warum hält der Autor institutionalistische Ansätze für unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass externe Regeln die Freiheit einschränken und oft umgangen werden, da sie nicht den Grundstein des Handelns – das einzelne Subjekt – adressieren.
Warum spielt die Erziehung eine so zentrale Rolle für den Lösungsansatz?
Weil das menschliche Handeln und die Wertvorstellungen eines Menschen maßgeblich im kindlichen Alter geprägt werden und somit eine nachhaltige Basis für moralisches Wirtschaften in der Zukunft bilden.
- Arbeit zitieren
- 1. Staatsexamen Wirtschaft u. Verwaltung/Ethik Florian Jakubowski (Autor:in), 2013, Theoretisch praktikable Wirtschaftsethik durch Bildung und Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205427