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Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs in dem Roman "Die Verzauberung"

Titel: Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs in dem Roman "Die Verzauberung"

Examensarbeit , 2012 , 67 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Britta Baier (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Roman "Die Verzauberung" teilt wie kein zweites Werk des österreichischen Autors Hermann Broch die Meinungen seiner Leserschaft innerhalb und außerhalb der Forschung. Der Roman bleibt in seiner Popularität hinter der drei Jahre zuvor abgeschlossenen Romantrilogie "Die Schlafwandler" und noch weiter hinter Brochs berühmtestem Roman "Der Tod des Vergil" zurück. Die Rezeption schlägt sich auch in der Verteilung des Forschungsinteresses nieder, was sich an konkreten Zahlen belegen lässt.[...] Gegenstand meiner Untersuchung ist eine Besonderheit in Brochs Roman, nämlich die
Verseinlagen innerhalb des epischen Textes. Die Verseinlage ist eine in der Forschung noch wenig beachtete Form, was daran deutlich wird, dass lediglich drei bekannte wissenschaftliche Arbeiten sich explizit mit Verseinlagen befassen. Zu den in der "Verzauberung"
auftretenden lyrischen Einlagen existiert bisher in der Forschung noch keine gesonderte Analyse.
([...]Ausschnitt des Fazits:)
Die vorliegende Analyse konnte plausibel nachweisen, dass eine Deutung des Werks als allegorisch angelegter antifaschistischer Roman, so naheliegend diese Auslegung zunächst scheinen mag, einen zu engen Horizont eröffnet und zentrale Aspekte des Werkes unberücksichtigt lässt. Eine rein historisch-soziologische Deutung vernachlässigt, dass Broch in der Verzauberung sowohl inhaltlich als auch ästhetisch ein ideologisches Konstrukt entwirft, das in großen Teilen keine konkreten Bezüge zur Zeitgeschichte aufweist. Diesem Modell liegen auch nicht die Antipoden rational versus irrational zugrunde, wie dieses Zitat impliziert - eine vereinfachende Deutung des Romans als mythoskritisch, wie sie in einigen Forschungstexten vorgenommen wird, ist selbst nach einer oberflächlichen Lektüre der theoretischen Schriften Brochs nicht mehr haltbar. In diesen müssen Rationalität und Irrationalität mit dem Ziel der Erkenntnis stets zusammenwirken.[...]Im Hinblick auf die Verseinlagen lässt sich abschließend feststellen, dass diese zwar durch ihre ungewöhnlichen Gestaltungsweisen nicht unmittelbar eingängig und ihre Funktionen nicht in ihrem ganzen Umfang ohne Hintergrundwissen erschließbar sind, sie nach einer Einarbeitung jedoch Wirkungsweisen offenbaren, die auf schlüssige Weise den Gesamttext stützen und in Bezug auf den kunsttheoretischen Hintergrund sogar in einzigartiger Weise das zugrundeliegende Denkmodell veranschaulichen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung – Hinführung zur zentralen Fragestellung

II. Hauptteil

1. Gattungstheoretische Einordnung

2. Die Abschnitte in gebundener Rede

2.1 Gebete und Gesänge während des Steinsegens

2.1.1 Romananalyse

2.1.2 Formale Versanalyse

2.1.3 Funktionsanalyse

2.2 Das Marschlied

2.2.1 Romananalyse

2.2.2 Formale Versanalyse

2.2.3 Funktionsanalyse

2.3 Gesänge während und nach der Bergkirchweih

2.3.1 Romananalyse

2.3.2 Formale Versanalyse

2.3.3 Funktionsanalyse

2.4 Die Begegnung zwischen Landarzt und Agathe

2.4.1 Romananalyse

2.4.2 Formale Versanalyse

2.4.3 Funktionsanalyse

2.5 Mutter Gissons Tod

2.5.1 Romananalyse

2.5.2 Formale Versanalyse

2.5.3 Funktionsanalyse

3. Funktionen der gebundenen Rede

3.1 Akzentuierung zentraler Textstellen

3.2 Charakterisierung der Figuren und Denkmodelle

3.3 Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der in Hermann Brochs Roman Die Verzauberung eingebetteten lyrischen Abschnitte. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese Verse über ihre rein formale Gestaltung hinaus dazu beitragen, das komplexe, metaphysische Weltkonzept des Autors zu vermitteln und die Figurenkonstellation sowie die Erzählhaltung kritisch zu reflektieren.

  • Gattungstheoretische Einordnung von Lyrik und gebundener Rede in epischen Texten
  • Strukturelle Analyse der Versgruppen innerhalb der verschiedenen Romanabschnitte
  • Untersuchung der rhetorischen Mittel und deren Auswirkung auf die Lesewahrnehmung
  • Deutung der lyrischen Einlagen als Instrument zur Vermittlung eines metaphysischen Sinngehaltes

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Formale Versanalyse

Die erste Verseinlage des Kapitels ist die Begrüßungsstrophe, mit der Irmgard als Bergbraut den Pfarrer willkommen heißt:

I.

Gelobt sei Jesus Christ

Was im Berg gefangen ist

Durch ihn befreit werden solle

Vertrieben Satan und Unholde

Alles Böse weiche von dannen

In Jesu und Marien Namen.

Äußerlich auffällig an der Verseinlage ist zunächst die Abwesenheit von Satzzeichen, ein Merkmal, das in unregelmäßiger Weise auch bei anderen Verseinlagen auftritt. Nach Burdorf ist das Fehlen von Satzzeichen ein Indiz dafür, dass ein „Text [...] als Sprechvorlage, als eine Partitur, konzipiert“ ist. Innerhalb der drei Möglichkeiten der Umsetzung von gebundener Sprache – still gelesen, laut rezitiert oder gesungen – stellt diese Darstellungsform also eine Schwerpunktsetzung zur auditiven Umsetzung dar. Da der Gesamtroman jedoch offensichtlich nicht auf die Form der auditiven Umsetzung hin angelegt ist (dagegen spricht schon die bloße Länge sowie die an anderen Stellen übliche Interpunktion) handelt es sich offenbar um eine Besonderheit, die auf die Rezeptionswirkung abzielt. Die Assoziation des Lesers verursacht in dessen Vorstellung den Eindruck von vorgetragenen Versen, der natürlich fiktiv bleibt. Dieser in seinen Folgewirkungen phantasieanregende Formaspekt verringert die Distanz zwischen Leser und Text, da jene subjektive sprachliche Ausdeutung des Lesers an dieser Stelle miteinbezieht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung – Hinführung zur zentralen Fragestellung: Das Kapitel erläutert die Rezeptionsgeschichte von Brochs Die Verzauberung und stellt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung von Versen als Grenzerscheinungen zwischen Epik und Lyrik heraus.

1. Gattungstheoretische Einordnung: Hier werden die methodischen Grundlagen für die Analyse der im Roman vorkommenden gebundenen Rede im Kontext der Gattungslehre definiert.

2. Die Abschnitte in gebundener Rede: Dieser Hauptteil gliedert sich in fünf thematische Gruppen von Verseinlagen, die jeweils einer Romananalyse, einer formalen Versanalyse und einer Funktionsanalyse unterzogen werden.

3. Funktionen der gebundenen Rede: Dieses Kapitel fasst die in den Detailanalysen gewonnenen Erkenntnisse werkübergreifend zusammen und leitet zentrale Funktionen für das Gesamtkonzept des Romans ab.

III. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und nimmt eine kritische Einordnung der Ergebnisse im Hinblick auf bisherige Forschungsmeinungen vor.

IV. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Hermann Broch, Die Verzauberung, gebundene Rede, Lyrik im Roman, Metaphysik, Erzählstruktur, Romananalyse, Versanalyse, Moderne Literatur, Weltkonzept, Mythos, Logos, Sprachkritik, Gattungstheorie, Rezeptionsästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Funktion der eingestreuten lyrischen Passagen in Hermann Brochs Roman "Die Verzauberung" und deren Beitrag zum Verständnis des gesamten literarischen Werkes.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentral sind die Gattungsgrenzen zwischen Epik und Lyrik, das metaphysische Weltbild des Autors und die rhetorische Gestaltung der Verse im Roman.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Verse durch ihre besondere Form dazu dienen, das metaphysische Konzept des Romans zu stützen und die Erzählhaltung gegenüber den Figuren zu charakterisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein werkimmanenter Ansatz gewählt, der Romananalyse, formale Verslehre und Funktionsbestimmungen miteinander kombiniert.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert systematisch fünf Gruppen von Verseinlagen, wobei jede Gruppe nach Inhalt, formalem Aufbau (Metrum, Reim) und ihrer erzähltechnischen Funktion untersucht wird.

Welche Keywords kennzeichnen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Hermann Broch, Metaphysik, Lyrik im Roman, Romananalyse und Sprachstruktur.

Warum verwendet Broch in einem epischen Roman lyrische Formen?

Die Arbeit legt dar, dass die lyrischen Formen genutzt werden, um eine transzendente Ebene zu evozieren, die mit der rein rationalen Sprache der Prosa allein nur schwer darstellbar wäre.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Landarztes in Bezug auf die Lyrik?

Der Landarzt fungiert als eine erzählende Instanz, deren eigene Urteilsfähigkeit durch die lyrischen Einlagen und die Reflexion über diese in ein kritisches Licht gerückt wird.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit über die Rezeption der Verse?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Verse ein differenziertes Hintergrundwissen erfordern, um ihre volle Bedeutung und ihre Stützung des Gesamtdenkmodells entfalten zu können.

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Details

Titel
Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs in dem Roman "Die Verzauberung"
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,0
Autor
Britta Baier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
67
Katalognummer
V205429
ISBN (eBook)
9783656317920
ISBN (Buch)
9783656332374
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionen rede hermann brochs roman verzauberung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Britta Baier (Autor:in), 2012, Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs in dem Roman "Die Verzauberung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205429
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Leseprobe aus  67  Seiten
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