Die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarken-Vereins


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012
4 Seiten

Leseprobe

Über die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarkenvereins

Noch 40 Jahre nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde in einem Flugblatt des Deutschen Ostmarkenvereins (DOV) der mangelnde Zusammenhalt der Deutschen im Osten des Reiches kritisiert. Die Verfasser befürchteten, ausgehend von dieser Situation, die Verdrängung des ihrer Meinung nach zu schwachen deutschen Bevölkerungselements aus den preußischen Ostprovinzen.[1]

Vergleicht man diese im Flugblatt gefundene Aussage mit der in der Historiographie vorherrschenden Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt die Spaltung zwischen Polen und Deutschen bereits vollzogen und die Zuordnung zur jeweiligen Nation das allem übergeordnete Merkmal zur Bestimmung der eigenen Identität war, wird ein Widerspruch erkennbar:

Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgeschlossene Projekt „Nationsbildung“ war nämlich aus Sicht der Mitglieder des DOV noch unvollendet. Eine „dauerhafte und unbestrittene Sicherung der preußischen Ostmarken für das Deutsche Reich und Volk“ schien noch nicht erreicht.[2] Daraus abgeleitet lässt sich folgenden Frage stellen:

Wäre es überhaupt möglich gewesen eine Stufe der nationalen Integration der deutschen Ostprovinzen zu erreichen, die die Mitglieder des DOV zufriedengestellt hätte?

Der Historikerin Anne-Marie Thiesse folgend waren enorme Anstrengungen notwendig, um den Prozess der Bildung nationaler Identitäten erfolgreich durchzuführen. Teilweise müssen erst extreme Unterschiede zwischen den Bewohnern eines Staatsgebietes überwunden werden. Dies geschah im Falle des Deutschen Reiches und anderer europäischer Nationalstaaten durch die Konstruktion gemeinsamer Merkmale. Thiesse listet diese in ihrem Forschungsbeitrag „National identities“ auf. Sie nennt in ihrer „identity checklist“ beispielsweise Gründerväter, Sprache, Erinnerungsorte, gemeinsame gesellschaftliche Wertevorstellungen usw. als Kennzeichen eines Volkes.[3]

Im Folgenden sollen die Ziele des DOV zunächst herausgearbeitet werden, die gleichzeitig den von ihm gewünschten Idealzustand der Ostprovinzen konstruierten. Anschließend werden diesem die im Flugblatt gelisteten Probleme gegenübergestellt. Das Miteinbeziehen der Lösungsvorschläge soll dann eine abschließende Betrachtung ermöglichen, die den Wert der Quelle für die Beantwortung der Forschungsfrage bestimmen lässt.

[...]


[1] Flugblatt „Die praktische Arbeit des Deutschen Ostmarken-Vereins.

In: Grabowski, Sabine: Deutscher und polnischer Nationalismus. Der Deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straz 1894-1914 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 3), 1998 Marburg (Zugl. Univ. Diss. 1997 Düsseldorf), S. 347-350.

[2] Deutscher Ostmarkenverein (Hg.): Die Deutsche Ostmark, 1913 Lissa i. P., S.567.

[3] Thiesse, Anne-Marie: National identities. A Transnational Paradigma. In: Dieckhoff, Alain; Jaffrelot, Christophe (Hg.): Revisiting Nationalism. Theories and Processes (CERI series in Comparative Politics and international Studies), 2005 London, S.123-125.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarken-Vereins
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2012
Seiten
4
Katalognummer
V205484
ISBN (eBook)
9783656330288
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DOV, Ostmark, Posen, Nationalismus
Arbeit zitieren
Nils Wöhnl (Autor), 2012, Die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarken-Vereins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205484

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