Horaz – Ars Poetica: Interpretation der Verse 179 bis 201


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Metrische Analyse

2. Übersetzung

3. Einzelerkärungen
3.1. Atreus
3.2. Kadmos
3.3. Chor
3.4. Medea
3.5. Prokne
3.6. Tragödie

4. Interpretation

5. Resümee

6. Bibliographie

1. Metrische Analyse

Aut igitur res in scaenis aut acta refertur.[1]

180

segnius irritant animos demissa per aurem
quam quae sunt oculis subiecta fidelibus et quae
ipse sibi tradit spectator. non tamen intus
digna geri promes in scaenam, multaque tolles
ex oculis quae mox narret facundia praesens:

185

ne pueros coram populo Medea trucidet,
aut humana palam coquat exta nefarius Atreus
aut in avem Procne vertatur, Cadmus in anguem.
quodcumque ostendis mihi sic, incredulus odi.

neve minor neu sit quinto productior actu

190

fabula, quae posci vult et spectanda reposci.
nec deus intersit, nisi dignus vindice nodus
inciderit; nec quarta loqui persona laboret.
actoris partis chorus officiumque virile
defendat, neu quid medios intercinat actus

195

quod non proposito conducat et haereat apte.
ille bonis faueatque et consilietur amice
et regat iratos et amet peccare timentis;
ille dapes laudet mensae brevis, ille salubrem
iustitiam legesque et apertis otia portis;

200

ille tegat commissa, deosque precetur et oret,
ut redeat miseris, abeat fortuna superbis.

2. Übersetzung

Die Handlung wird entweder auf der Bühne aufgeführt oder sie wird berichtet.

(180)

Was durchs Ohr eingeht, erregt die Geister weniger als das, was den verlässlichen Augen vorgelegt wird und was der Zuschauer selbst bei sich aufnimmt.

Führe dennoch nicht auf die Bühne, was würdig ist, im Innern geführt zu werden und bringe vieles aus dem aus den Augen, was bald die gegenwärtige Beredsamkeit erzählt.

(185)

Medea soll ihre Kinder nicht vor den Augen des Volkes ermorden oder der schändliche Atreus Menschenfleisch nicht öffentlich kochen, noch soll Prokne in einen Vogel und Kadmos in eine Schlange verwandelt werden.

Was auch immer du mir auf diese Weise zeigst, hasse ich ungläubig.

Und nicht kürzer oder länger als fünf Akte sei das Stück,

(190)

welches will, dass man zu sehen es verlangt und wiederaufführt.

Ein Gott greife nicht ein, wenn nicht eine Verwicklung sich ereigne, die einem Retter würdig ist; und eine vierte Person bemühe sich nicht zu reden.

Der Chor übernehme die Rolle des Schauspielers und stehe seinen Mann und er besinge nicht zwischen den Akten,

(195)

was nicht zum Thema gehört und sich nicht sinnvoll anschließt.

Er unterstütze die Guten und berate freundlich; er beherrsche die Zornigen und helfe denjenigen, die fürchten zu irren;

er lobe die Freuden des einfachen Mahls und Heil bringende Gerechtigkeit und Gesetze und Frieden bei offenen Toren;

(200)

Er bewahre Anvertrautes und flehe und bete zu den Göttern, dass das Glück den Elenden wiedergegeben werde und den überheblichen fernbleibe.

3. Einzelerkärungen

3.1. Atreus

Atreus ist in der griechischen Mythologie ein Sohn der Pelops. Er war König von Mykene, Ehemann der Aërope und Vater von Agamemnon und Menelaus. Jede neue Generation wurde vom Pech verfolgt, da Pelops vom sterbenden Myrtilos verflucht worden war. Atreus Bruder Thyestes versuchte das Königreich Mykene an sich zu reißen und verführte Aërope, woraufhin dieser von Atreus verbannt wurde. Als scheinbares Versöhnungsangebot lud Atreus seinen Bruder jedoch später zum Festessen, bei welchem Atreus Thyestes das Fleisch der Kinder dessen vorsetzte. Thyestes aber floh und ehelichte seine Tochter. Der Fluch setzte sich auch in den folgenden Generationen fort. Allerdings wird die Geschichte der Brüder unterschiedlich überliefert.[2]

3.2. Kadmos

Kadmos in der griechischen Mythologie der legendäre Gründer der Stadt Theben, Sohn des Königs Agenor von Tyros in Phönizien und Bruder der Europa, die vom Göttervater Zeus – diesmal in Bullengestalt – verschleppt worden war. Kadmos wurde beauftragt, seine Schwester wieder zurückzubringen. Auf Anraten des Orakels von Delphi brach er die Suche ab; stattdessen wurde ihm prophezeit, dass er eine Kuh antreffen würde, der er folgen sollte, bis diese sich niederlegte. Genau an dieser Stelle sollte er die Stadt Theben erbauen, deren Thron er erst einige Jahre später besteigen würde. Zeus gab ihm dann Harmonia, die Tochter von Ares und Aphrodite, zur Frau, mit der Kadmos vier Töchter und zwei Söhne hatte. Der König verzichtete aber noch zu Lebzeiten auf seine Krone zugunsten des Pentheus, verließ Theben zusammen mit Harmonia und die beiden zogen sich nach Illyrien zurück, wo sie in Schlangen verwandelt und von Zeus nach Elysion versetzt wurden.

3.3. Chor

Der Chor (griech. choros, „der Tanz“) bot im antiken Griechenland bei wichtigen religiösen Feiern den Tanz dar meist unter der Leitung eines sogenannten Chorführers. Eine ähnliche Bedeutung hatte der Chor in Tragödie und Komödie. Die attische Tragödie ist, wie man annimmt, gar erst aus einem lyrischen Tanzlied hervorgegangen, zu Ehren des Dionysos, wohingegen die Komödie wohl eher aus fröhlicheren Musikstücken stammt. Es war Aufgabe des Chores, zur Flötenmusik lyrische Texte singen. Dabei war er normalerweise maskiert und trat in der Tragödie als eine Art Charakter geschlossen auf, der Teil der Handlung ist und das Geschehen so mitbestimmt, was Horaz auch in seiner Ars Poetica beschreibt. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. jedoch verliert der Chor vermehrt an Bedeutung, gilt oft lediglich als musikalische Begleitung zur Handlung oder tritt sogar nur zwischen den Akten auf, bis er schließlich in den römischen Fassungen der griechischen Tragödien und in den Komödien des Terenz und Plautus ganz verschwindet. Gegen diese Entwicklung kämpft Horaz allerdings in seiner bereits oben angesprochenen Ars Poetica an, was später in dieser Arbeit noch detaillierter ausgeführt werden soll.

[...]


[1] Text aus: Quintus Horatius Flaccus, Opera, hrsg. von D.R. Shackleton Bailey (München: Saur, 2001).

[2] M.C. Howatson (Hrsg.), The Oxford Companion to Classical Literature (Oxford et al.: Oxford University Press, 1989).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Horaz – Ars Poetica: Interpretation der Verse 179 bis 201
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Horaz - Ars poetica
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V205518
ISBN (eBook)
9783656319726
ISBN (Buch)
9783656320593
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interpretation, metrik, metrische analyse, übersetzung, atreus, kadmos, chor, medea, prokne, tragödie, dichtkuns, horatius, quintus, flaccus
Arbeit zitieren
David Stehling (Autor), 2010, Horaz – Ars Poetica: Interpretation der Verse 179 bis 201, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205518

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