Der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist nunmehr seit Jahren Gegenstand von vielerlei Diskussions- und Interpretationsinhalten. In dieser Arbeit wird ein Blick auf die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die internationale Arbeitsteilung geworfen. War China ehemals als die „Werkbank der Welt“ bekannt, ist diese, nach Kriterien wie der massenhaften Herstellung von Fertigwaren durch ein schier nicht enden wollenden Pool von günstigen Arbeitskräften geschaffene Betitelung inzwischen weniger geläufig. Grund dafür ist, dass China sich weiterentwickelt hat im Industrialisierungsprozess. Zu erläutern, was dies jedoch genau bedeutet, ist Ziel dieser Arbeit. Weiterhin soll dieser Prozess in einen Zusammenhang gestellt werden mit einem regionalspezifischen, ostasiatischen Entwicklungsmuster, das es zu beschreiben gilt.
Zunächst sind bestimmte Grundlagen der internationalen Arbeitsteilung und der Außenhandelstheorie zu klären. Anschließend werden die dargestellten Modelle auf China angewandt, wobei versucht wird, sowohl den durchlaufenden Entwicklungsprozess, als auch die dadurch neu auftretenden Herausforderungen an China heraus zu kristallisieren. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass sich China in einem Prozess befindet, den bereits andere ostasiatische Nationen absolviert haben, wobei außer Frage steht, dass es in jedem Fall nationalspezifische Eigenarten gibt. Die Gemeinsamkeiten sind daher im Folgenden genauso hervorzuheben, wie auch das Einzigartige, und es gilt der beispiellosen Rasanz des Entwicklungsprozesses Rechnung zu tragen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Modellrahmen der internationalen Arbeitsteilung und der Außenhandelstheorie
1.1 Ricardo´s Modell der komparativen Kostenvorteile
1.2 Das Heckscher / Ohlin - Modell
1.3 Das Fluggänsemodell
2. Chinas veränderte komparative Vorteile im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung
2.1 Strukturelle Transformation in China
2.2 Veränderung von komparativen Vorteilen und kommende Herausforderungen an China
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas auf die internationale Arbeitsteilung. Ziel ist es, den Transformationsprozess des Landes vor dem Hintergrund ostasiatischer Entwicklungsmuster theoretisch einzuordnen, die veränderten komparativen Vorteile zu analysieren und zukünftige wettbewerbsstrategische Herausforderungen zu identifizieren.
- Grundlagen der Außenhandelstheorie (Ricardo, Heckscher-Ohlin)
- Anwendung des Fluggänsemodells auf Chinas industrielle Entwicklung
- Analyse der strukturellen Transformation Chinas seit 1978
- Untersuchung des Wandels von arbeitsintensiven zu kapitalintensiven Exporten
- Diskussion über Wettbewerbsfähigkeit und Standortfaktoren
Auszug aus dem Buch
1.1 Ricardo´s Modell der komparativen Kostenvorteile
Der britische Nationalökonom David Ricardo stellte erstmals in seinem Werk On the Principals of Political Economy and Taxation im Jahr 1917 sein Modell der komparativen Kostenvorteile vor. Ricardo untersuchte im Rahmen der Außenhandelstheorie, aus welchen Gründen Staaten Handel miteinander betreiben und unter welchen Gegebenheiten dies ökonomisch sinnvoll ist. Sein Modell beruht dabei auf der Berücksichtigung von Opportunitätskosten, d.h. Kosten, die beim Herstellen einer Leistung durch den Verzicht entstehen, mit dem dafür verwandten Aufwand eine andere Leistung zu produzieren. Ein komparativer Vorteil eines Landes entsteht für Ricardo in seinem Modell dadurch, wenn die Opportunitätskosten bei der Herstellung eines Gutes in einem Land niedriger sind, als in einem anderen, und es damit relativ günstiger produzieren kann.
Damit grenzte sich Ricardo von dem Gedankengut von Adam Smith ab, der einen Außenhandel von Ländern nur als sinnvoll erachtete, wenn ein direkter Vorteil besteht. Ein Beispiel wird Ricardo´s Modell verdeutlichen: In einem von Ricardo geschaffenen Szenario existieren zwei Länder A und B, die beide zwei Güter X und Y produzieren. Der einzige, auf die Produktion einwirkende Faktor ist dabei Arbeit, die beiden Länder unterscheiden sich daher auschließlich in ihrer Produktivität in der Herstellung der beiden Güter.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Chinas ein und skizziert das Ziel, diesen Prozess mithilfe etablierter Außenhandelsmodelle und des ostasiatischen Entwicklungsmusters zu analysieren.
1. Modellrahmen der internationalen Arbeitsteilung und der Außenhandelstheorie: Das Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen dar, indem es das Modell von Ricardo, das Heckscher-Ohlin-Modell sowie das Fluggänsemodell zur Erklärung internationaler Handelsstrukturen präsentiert.
2. Chinas veränderte komparative Vorteile im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung: Hier wird der theoretische Rahmen auf China angewandt, wobei die strukturelle Transformation und der Wandel der komparativen Vorteile infolge des rasanten Wachstums untersucht werden.
3. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass China einem typischen ostasiatischen Entwicklungsmodell folgt und nun die Herausforderung bewältigen muss, von einer ressourcengetriebenen zu einer innovationsgetriebenen Wirtschaft zu gelangen.
Schlüsselwörter
China, internationale Arbeitsteilung, Außenhandelstheorie, komparativer Vorteil, Fluggänsemodell, Heckscher-Ohlin-Modell, wirtschaftliche Entwicklung, Transformation, industrielle Entwicklung, Direktinvestitionen, Wettbewerbsfähigkeit, Standortfaktoren, Opportunitätskosten, Faktorintensität, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und dessen Auswirkungen auf die globale Arbeitsteilung sowie die damit verbundenen Veränderungen der komparativen Vorteile des Landes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Anwendung klassischer und moderner Außenhandelstheorien auf den Fall China sowie die Untersuchung von Industrieprozessen und Standortentwicklungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den wirtschaftlichen Transformationsprozess Chinas theoretisch zu erklären und die neuen wettbewerbsstrategischen Anforderungen an den Wirtschaftsstandort herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Anwendung ökonomischer Modelle (Ricardo, Heckscher/Ohlin, Akamatsu, Porter) auf die aktuelle wirtschaftliche Situation Chinas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der internationalen Arbeitsteilung und die anschließende empirische Anwendung dieser Modelle auf die chinesische industrielle Transformation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Internationale Arbeitsteilung, Komparativer Vorteil, Fluggänsemodell und Wirtschaftstransformation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die chinesische Entwicklung vom klassischen Ricardianischen Modell?
Während Ricardo primär auf Produktivitätsunterschiede fokussiert, berücksichtigt die Analyse Chinas zusätzliche Dynamiken wie die veränderte Faktorausstattung, ausländische Direktinvestitionen und den technologischen Reifeprozess.
Was bedeutet der Begriff "Flying Geese Model" in diesem Kontext?
Das Fluggänsemodell beschreibt ein sequentielles Muster der industriellen Aufholung, bei dem Industrien von technologisch weiter entwickelten Ländern auf Nachzügler übertragen werden, was Chinas Aufstieg und seine Rolle in der Region erklärt.
Welche Herausforderungen identifiziert der Autor für Chinas Zukunft?
Der Autor benennt steigende Arbeitskosten und eine aufgewertete Währung als Herausforderungen, die China zwingen, die "factor-driven stage" zu überwinden und stärker in technologische Innovationen zu investieren.
- Citar trabajo
- Martin Sprenger (Autor), 2012, Internationale Arbeitsteilung und Chinas veränderte komparative Vorteile in Folge der wirtschaftlichen Entwicklung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205527