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Bedeutung bestimmter Sozialisationsbedingungen für die Entstehung eines autoritären Charakters am Bsp. der Erziehung in der DDR

Title: Bedeutung bestimmter Sozialisationsbedingungen für die Entstehung eines autoritären Charakters am Bsp. der Erziehung in der DDR

Term Paper , 2002 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Kai Peschel (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Summary Excerpt Details

Autoritär ausgerichtete, undemokratische Regierungssysteme verfügten in der
Vergangenheit auch immer über eine Basis in der Bevölkerung, die nicht gezwungen
werden mußte, den von oben herab verordneten Idealen zu folgen. Totalitäre
Regime, wie zum Beispiel das der Nationalsozialisten im Dritten Reich, brauchten zu
ihrer Existenz immer auch einen bestimmten Rückhalt bei den Menschen. Die Frage,
die sich daraus ableitet, ist die nach den Gründen für die Unterstützung solche r
Systeme. Hier ist der Blick auf sogenannte autoritäre Einstellungen bei Menschen zu
richten.
Aber auch rechtsextreme Einstellungen und Handlungsweisen sind eine Ausprägung
des sogenannten autoritären Charakters und für uns heute ein wesentlich
bedeutsameres, weil aktuelleres Problem.
Regelmäßig werden besonders in Ostdeutschland Gewalttaten von
Rechtsextremisten gegen Ausländer, Obdachlose oder politisch anders Eingestellte
verübt. Angesichts der Häufigkeit dieser Taten muß man leider schon fast von
Normalität sprechen.
Das Problem scheint noch größer, angesichts von Daten, die sogar von einer weiter
ansteigenden Zahl der besonders gewaltbereiten rechtsextremistischen Skinheads
sprechen. Von ihnen wurden 1991 4200 gezählt, 1999 sind es schon 9000 Persone n
gewesen.
(Bundesministerium des Innern [Hrsg.], Verfassungsschutzbericht 1999, Berlin 2000,
S. 28f)
Ich werde deshalb die Frage untersuchen, ob bestimmte Bedingungen existieren, die
zur Ausprägung autoritärer Einstellungen bei Menschen führen.
Außerdem werde ich versuchen, die Gültigkeit bestimmter wissenschaftlicher
Erklährungsansätze am Beispiel der Sozialisation in der DDR zu überprüfen.
Hat dieses autoritär ausgerichtete System besonders stark zu autoritären
Einstellungen oder Verhaltensweisen bei den Menschen geführt?
Autoritarismus wird in der Sozialpsychologie als die Einstellung eines Menschen
bezeichnet, der eine hohe Bereitschaft zu konformen Verhalten, die Tendenz zur
Unterwerfung unter Stärkere und zur Beherrschung Schwächerer aufweist. Außerdem zeichnet er sich durch eine übermäßige Kontrolle der eigenen Gefühle
und Impulse, Intoleranz, sexuelle Prüderie, Ethnozentrismus und Antisemitismus
aus. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung und Entstehung des autoritären Charakters

2.1. Die Ich-Schwäche als zentrale, psychologische Ursache für Autoritarismus

2.2. Aggression und Unterwürfigkeit als Folge der Ich-Schwäche

2.3. Die Auswirkung politischer und gesellschaftlicher Bedingungen auf die Ausbildung des autoritären Charakters

3. Fazit

4. Literaturliste

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen, die zur Ausprägung autoritärer Einstellungen führen, und prüft die Gültigkeit wissenschaftlicher Erklärungsansätze am Beispiel der Sozialisation in der ehemaligen DDR.

  • Analyse der Ich-Schwäche als psychologische Ursache für Autoritarismus.
  • Zusammenhang zwischen familiären Sozialisationsmustern und autoritärem Charakter.
  • Einfluss gesellschaftlicher Transformationsprozesse (speziell in Ostdeutschland) auf rechtsextreme Tendenzen.
  • Die Rolle von politischer Apathie und Entfremdung bei der Entstehung autoritärer Orientierungen.

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Ich–Schwäche als zentrale psychologische Ursache für Autoritarismus

Die Ich-Schwäche wird als entscheidenste Voraussetzung für die verschiedenen Elemente des autoritären Charakters angesehen. Die Ursache für diese Ich Schwäche sehen Adorno, Fromm und die anderen Vertreter der Theorie des autoritären Charakters in der bürgerlichen Sozialisation begründet, die es dem Kind oft nicht erlaubt, ein starkes Ich auszubilden. Die Autorität wird in das von Freud definierte Über-Ich verinnerlicht. Laut dieser Theorie ist die nun entstandene innere Herrschaft inform des Über-Ich eine wesentlich Effektivere Form der Kontrolle, als die Herrschaft äußerer Autoritäten und Strafandrohungen.

Diese Ich-Schwäche, also das Fehlen einer stabilen innermoralischen Instanz, ein Hauptmerkmal von autoritären Einstellungen, wird sehr stark durch Forderungen der Eltern an das Kind befördert, „...sich an kleinliche, vorgegebene Regeln anzupassen und den weitgehenden Verzicht darauf, die Anforderungen an das Kind zu begründen und ihren Bezug zu allgemeinen Werten oder Prinzipien zu verdeutlichen.“ So Hopf unter Bezugnahme auf Else Frenkel-Brunnswik. (Hopf, 2000, S. 34f)

Die Kinder, deren Eltern besonders durch körperliche Strafen, den Entzug von Vorteilen oder Liebe, entsprechenden Drohungen und die Ignorierung des Kindes auf ihre Machterhaltung aus waren, sind am wenigsten in der Lage, eigene Normen zu verinnerlichen oder Schuldgefühle zu entwickeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz autoritärer Einstellungen im Kontext rechtsextremer Gewalt und definiert den Begriff des Autoritarismus sowie die Zielsetzung der Untersuchung.

2. Beschreibung und Entstehung des autoritären Charakters: Dieses Kapitel widmet sich den theoretischen Grundlagen der autoritären Charakterstruktur und deren Ursprüngen in gesellschaftlichen sowie familiären Prägungen.

2.1. Die Ich-Schwäche als zentrale, psychologische Ursache für Autoritarismus: Hier wird die Ich-Schwäche als Resultat einer bestimmten Sozialisationspraxis analysiert, die die Ausbildung moralischer Autonomie behindert.

2.2. Aggression und Unterwürfigkeit als Folge der Ich-Schwäche: Das Kapitel untersucht, wie sich Ich-Schwäche in autoritärer Unterwürfigkeit gegenüber Machtpersonen und gleichzeitig in Aggression gegen Schwächere manifestiert.

2.3. Die Auswirkung politischer und gesellschaftlicher Bedingungen auf die Ausbildung des autoritären Charakters: Der Fokus liegt auf den soziologischen Faktoren, insbesondere den Desintegrationsprozessen in der ehemaligen DDR, die autoritäres Denken begünstigten.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass spezifische Erziehungsstile und soziale Umweltfaktoren maßgeblich zur Entstehung autoritärer Charaktere beitragen, und plädiert für eine stärkere präventive Kinder- und Jugendförderung.

4. Literaturliste: Die Literaturliste dokumentiert die verwendeten Quellen, darunter Klassiker der Autoritarismusforschung sowie aktuelle Studien zu Rechtsextremismus und Sozialisation.

Schlüsselwörter

Autoritarismus, Autoritärer Charakter, Ich-Schwäche, Sozialisation, DDR, Rechtsextremismus, Politische Apathie, Erziehung, Fremdenfeindlichkeit, Desintegration, Über-Ich, Bindungsforschung, Antisemitismus, Konformität, Vorurteile.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Bedingungen, die bei Menschen zur Entstehung autoritärer Einstellungen führen, insbesondere unter Berücksichtigung von Sozialisationserfahrungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die psychologischen Aspekte des Autoritarismus, die Rolle der familiären Erziehung, soziale Integrationsprozesse und die politische Mentalität in Deutschland, speziell im Osten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob bestimmte Sozialisationsbedingungen existieren, die autoritäre Einstellungen fördern, und inwieweit das DDR-System solche Prägungen bei den Menschen begünstigt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender sozialpsychologischer und soziologischer Forschungsliteratur, um die Gültigkeit von Erklärungsansätzen an empirischen Befunden zu überprüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Konzepte wie die "Ich-Schwäche", autoritäre Unterwürfigkeit, Aggression, die Bedeutung der frühen Kindheit sowie der Einfluss staatlicher Strukturen in der DDR auf die Persönlichkeitsbildung diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Autoritarismus, Ich-Schwäche, Sozialisation, Rechtsextremismus und politische Apathie.

Welche Rolle spielt die "Ich-Schwäche" bei der Entstehung von Autoritarismus?

Laut den zitierten Theorien verhindert eine mangelnde Ich-Stärke die Ausbildung eines eigenständigen Gewissens, wodurch das Individuum anfälliger für externe, autoritäre Regeln und ideologische Unterwerfung wird.

Inwieweit hatte das DDR-System einen Einfluss auf autoritäre Einstellungen?

Die Arbeit argumentiert, dass staatliche Strukturen, die Anpassung und Gehorsam erforderten, sowie die fehlende Auseinandersetzung mit demokratischen Werten in der DDR einen fruchtbaren Boden für autoritäre Denkmuster schufen, die auch nach 1989 fortbestanden.

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Details

Title
Bedeutung bestimmter Sozialisationsbedingungen für die Entstehung eines autoritären Charakters am Bsp. der Erziehung in der DDR
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Kai Peschel (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V20557
ISBN (eBook)
9783638244046
Language
German
Tags
Bedeutung Sozialisationsbedingungen Entstehung Charakters Erziehung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kai Peschel (Author), 2002, Bedeutung bestimmter Sozialisationsbedingungen für die Entstehung eines autoritären Charakters am Bsp. der Erziehung in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20557
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