Grundfragen, Widersprüche, Balancen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe

Zur Diskussion der professionellen Handlungskompetenzen


Bachelorarbeit, 2012
36 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Soziale Arbeit in der Gesellschaft - Rahmenbedingungen sozialpädagogischen Handelns
2.1 Soziale Arbeit als Arbeit in Fällen
2.2 Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit - Wende in der Professionalität
2.3 Der professionelle Habitus

3. Die Sozialpädagogische Familienhilfe
3.1 Die Familie als Ausgangspunkt
3.2 Die Familie in der Kinder- und Jugendhilfe
3.3 Hilfe zur Selbsthilfe im Kontext „Freiwilligkeit“ und Fremdplatzierung

4. Zur Diskussion der Qualifikation in der Sozialen Arbeit, unter besonderer Berücksichtigung der Sozialpädagogischen Familienhilfe
4.1 Qualifikation und Kompetenz - Eine Begriffsnäherung
4.2 Qualifikationen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe
4.3 Kompetenzen der Familienhelfer in der Sozialpädagogischen Familienhilfe

5. Zusammenfassung / Ausblick

Literatur:

1. Einleitung

Während eines 6-wöchigen Praktikums bei einem freien Träger der Kinder-und Jugendhilfe in Halle (Saale) war es möglich, mehrere Situationen in der Sozial- pädagogischen Familienhilfe kennenzulernen. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Professionalisierung in genannter Institution in diesem Bereich noch im Anfangsstadium befindet, so dass diese Beobachtung zur Ideenfindung des Themenkomplexes der vorliegenden BA-Arbeit beitrug. Anhand der vorliegen- den Bachelorarbeit wird eine theoretische Annäherung an die Diskussion über die Handlungskompetenzen und die Professionalität in der Sozialpädagogi- schen Familienhilfe angestrebt. Dabei werden zwei wichtige Perspektiven be- leuchtet: Eine erste Betrachtungsweise der Sozialpädagogischen Familienhilfe ist der Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“, denn in jeder Familie muss anfäng- lich geklärt werden, inwieweit die Fremdhilfe förderlich ist und an welchem Punkt sie das genaue Gegenteil bewirkt. Zweitens ist zu betrachten, welche professionellen Kompetenzen Familienhelfer mitbringen müssen, die ein hohes Maß an Organisation erfordern.

Zu untersuchen ist daher die erkenntnisleitende Fragestellung der BA-Arbeit, wie professionelle Handlungskompetenzen bez ü glich der sozialpädagogischen Familienhilfe in der Literatur diskutiert werden.

In Kapitel 2 erfolgt eine Einordnung des Themas. Sozialpädagogische Fami- lienhilfe ist, wie der Name schon verrät, eine Form der sozialpädagogischen Intervention. Diese findet innerhalb der Gesellschaft statt. Demnach werden Rahmenbedingungen für ein professionelles Handeln abgesteckt und ein all- gemeines Modell von nicht erlernbaren professionellen Handlungskompetenzen dargestellt.

In Kapitel 3 erfolgen die Begriffsbestimmung der sozialpädagogischen Fami- lienhilfe und deren Einordnung in die Kinder- und Jugendhilfe. Dabei gilt es auch zu erörtern, wie der Begriff der Familie zu erklären ist. Im Folgenden wird der erste zu untersuchende Aspekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Kontext von Freiwil- ligkeit und Fremdplatzierung beleuchtet, denn die Abnahme von alltäglichen Arbeiten oder gar die Entmündigung der Familie ist dem Grunde nach nicht Be- standteil der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Folglich ist zu klären, an wel- chem Punkt die Sozialpädagogische Familienhilfe anfängt und wie weit sie ein- schreiten darf. (vgl. BMFSFJ 1999, S.7 f., Conen 2011, S. 434) Anschließend werden in Kapitel 4 erforderliche professionellen Kompetenzen seitens der Familienhelfer beleuchtet. Dementsprechend spielt die Professiona- lität eine wichtige Rolle, denn es ist „kein Zustand, der erreicht werden kann, sondern eine Kompetenz, die sich situativ immer wieder neu als berufliche Leis- tung zu bewähren und weiterzuentwickeln hat“. (Gieseke 2010, S. 243) Durch die Verankerung der Sozialpädagogischen Familienhilfe 1991 im Kinder- und Jugendhilfegesetz ist ein erneuter Aufschwung der familienaufsuchenden Arbeit zu verzeichnen. Dies begründend ist es notwendig, professionell zu arbeiten, da Klienten auch ein Wunsch- und Wahlrecht bezüglich der Hilfe besitzen. (vgl. Petko 2004, S. 18)

Dem zu Folge muss das Handeln muss in einen organisatorischen Rahmen gesteckt werden, der das professionelle Arbeiten legitimiert. Professionelle Arbeit etabliert sich in Prozessen der Interaktion. Die Qualität lässt sich nur als Prozessqualität des Handelns bestimmen. (vgl. Dewe/Wagner 2006, S. 51) Auf das Thema der Organisation wird im letzten und abschließenden Kapitel 5 nur kurz Bezug genommen, da die Ausführung dieses Gesichtspunktes den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.

Im Jahr 1997 entwickelte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, und Jugend zusammen mit dem Deutschen Jugendinstitut erstmals ein auf ei- nem Forschungsprojekt basierendes Handbuch zur Sozialpädagogischen Fami- lienhilfe. Hauptaufgabe bestand darin, „einen grundlegenden Beitrag zur Siche- rung von fachlich-methodischen Standards und von erforderlichen organisato- risch-materiellen, personellen und kooperativen Arbeitsvoraussetzungen zu leisten“. (BMFSFJ 1999, S. 1) Dieses Handbuch stellt neben den anderen wich- tigen Werken, bezüglich des Themas, eine Grundlage der zu verfassenden Ba- chelorarbeit dar. Im Laufe der Arbeit werden Berufsbezeichnungen ins Feld ge- führt. Dabei ist durchgehend, auch wenn die maskuline Schreibweise gewählt ist, von weiblichen und männlichen Fachkräften die Rede.

2. Die Soziale Arbeit in der Gesellschaft - Rahmenbedingungen sozialpädagogischen Handelns

In modernen Gesellschaften wird vorausgesetzt, dass eine Arbeit ein Paket an Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten mitzubringen hat. Dieses Kapitel soll sich der Professionalität in der Sozialen Arbeit widmen. Dabei soll nicht ausschließ- lich die Sozialpädagogische Familienhilfe betrachtet werden, die einen Teilbe- reich der Sozialen Arbeit umfasst. Die Anforderungen, die laut dem Bundesmi- nisterium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ 1999) an einen Familienhelfer gestellt werden, sind in der Literatur diskutierte Sachverhalte für die Soziale Arbeit im Allgemeinen. Beispielsweise wird hier geschrieben: „Pro- fessionalität hat als Basis theoretisches und praktisches Wissen, das über All- tagstheorien hinausgeht, muss sich aber durch Evaluation immer wieder neu hinterfragen“. (BMFSFJ 1999, S. 96) Dewe et al. hat diesen Aspekt bereits 1993 in Bezug auf „Professionalität in der sozialen Arbeit zwischen Ausbil- dungswissen und berufspraktischem Können“ herausgearbeitet. (Dewe et al 1993, S. 7) Es geht ihm um „die Beantwortung der schwierigen Frage der - ge- rade nicht direkten - Transformierbarkeit des in vornehmlich distanzierter und auch handlungsentlasteter Perspektive gewonnenen wissenschaftlich- fallübergreifenden Wissens in die alltagsweltliche und berufliche Praxis, wo vor- rangig Fallspezifisches und Individuelles je kontextspezifisch zum Tragen kommt“. (Dewe 1993, S. 36) Betrachtet man sich diesen Satz näher, kommen hier wichtige Sachverhalte zum Vorschein, die es gilt aufzuarbeiten, um sich dem Thema zu nähern.

Insofern ist es wichtig, eine Betrachtung der Professionalität in der Literatur mit dem Gegenstand der Sozialen Arbeit zu vollziehen. Diese Arbeit versteht sich jedoch nicht als umfassende Aufarbeitung der Diskussion, sondern greift ledig- lich wesentliche Punkte heraus. Als Erstes wird der Bezug zur Fallarbeit aufge- arbeitet, denn „die Fallförmige Organisation der Sozialen Arbeit rückte ins Zent- rum theoretischer Debatten“. (Braun/Graßhoff/Schweppe 2011, S. 19) Über diesen Fallbezug ergibt sich auch eine Wende in der Diskussion um die Profes- sionalität in der Sozialen Arbeit. Dabei spielt die Lebensweltorientierung eine wichtige Rolle, die betrachtet wird, um daran anschließend ein Modell professionellen Handelns vorzustellen, welches sich auf nicht erlernbaren Kompetenzen bezieht. (vgl. Becker-Lenz/Müller 2009)

2.1 Soziale Arbeit als Arbeit in Fällen

Beschäftigt man sich näher mit der Sozialen Arbeit, so stellt man fest, dass diese durch einen Bezug zu Fällen gekennzeichnet wird. „Fallarbeit kann als eine zentrale Aufgabe und Herausforderung für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen beschrieben werden“. (Braun/Graßhoff/Schweppe 2011, S. 9) In historischer Perspektive lassen sich dabei viele Bezugspunkte der Sozialen Arbeit zur Fallarbeit nachzeichnen. Einige davon werden hier vorgestellt.

Es ist festzuhalten, dass für das Verstehen von Fallarbeit in der Sozialen Arbeit die im anglo-amerikanischen Raum bestehende Auseinandersetzung über das Verfahren des Social Casework eine primäre Bedeutung hat. Zu einer unbe- dingt erwähnenswerten Persönlichkeit sollte in diesem Zusammenhang Mary Richmond (1861-1928) genannt werden. Sie zählt zu den zentralen Vertreterin- nen des amerikanischen Casework. Das am häufigsten diskutierte Werk trägt den Namen „Social Diagnosis“ (1917). In dieser Publikation wird erstmals der Versuch unternommen, jahrelang bearbeitete Fälle zu systematisieren. Außer- dem werden dieser Abhandlung nach bedeutsame sozialarbeiterische Bedin- gungen zu Grunde gelegt, welche als wegweisend zu deuten sind: (vgl. Braun/Grasshoff/Schweppe 2011, S. 14, Galuske/Müller 2005, S. 493)

„1. Ein Begriff von Person, der nicht reduktionistisch gefasst ist, sondern das Individuum im Kontext mit der sozialen Umwelt ‚interaktiv‘ auslegt.
2. Eine Systematisierung von Diagnose als Voraussetzung für den Hilfeprozess
3. Eine Idee einer ‚pädagogischen‘ Beziehung, die nicht ausschließlich asymmetrisch gefasst wird, sondern auch einen ‚plan of participation‘ beinhaltet“. (Braun/Grasshoff/Schweppe 2011, S. 14, Hörster 2005, S. 549)

Diese Arbeit wurde 1926 im deutschen Raum von Alice Salomon(1872-1948) aufgearbeitet. Allerdings fand dieser Ansatz in der deutschen Diskussion um Fürsorge weniger Einbindung. (vgl. Galuske/Müller 2005, S. 494) Weiteren Einfluss auf die Fallarbeit ist der Wissenschaft der Psychologie zuzu- schreiben. Seit den 1950er Jahren hat diese Strömung eine verändernde Wir- kung auf die Fallarbeit. In dieser Traditionslinie wird die Fallarbeit als Einzelfall- hilfe vor allem auf die Verbindung des Sozialpädagogen zum Klienten hin aus- geführt. Als letzte hier dargestellte Perspektive ist die kasuistische zu nennen. Den Ausgangspunkt nimmt hier der Versuch der Behandlung des Theorie- Praxis-Problems. Diese Sichtweise soll eine Verbindung zwischen dem abstrak- ten wissenschaftlichen Wissen auf der einen Seite und dem Handlungswissen auf der anderen Seite herstellen. (vgl. Hörster 2005, S. 551) Hier wird nicht die Lösung problematisiert, sondern der Fall und das Verstehen desselben gerät in den Blick der Diskussion. „Kasuistik versucht professionelles Handeln systema- tisch so zu irritieren, dass neue Perspektiven im sozialpädagogischen Fallver- stehen entstehen können“. (Braun/Grasshoff/Schweppe 2011, S. 18, vgl. insbe- sondere Hörster 2005, S. 1 f.) Dabei handelt es sich um eine methodische Ver- gegenständlichung von Handlungsalternativen und dem Sichtbarmachen mögli- cher konträrer Entscheidungen und den damit verbundenen Konsequenzen. Demgemäß erweist sich das Begreifen um den Fallbezug als relevant, da es in engem Verhältnis zur Lebensweltorientierung steht. Dewe et al. (1993) merkt an, dass die Handlungen in der Sozialen Arbeit im Normalfall auf vielschichtige Thematiken bezogen sind, die „immer in fallspezifischen Konkretionen“ auftre- ten. (Dewe et al. 1993, S. 11) Jedwedes Problem des Alltagslebens kann Ge- genstand der Sozialen Arbeit werden. Diese Wende in der Betrachtung der Ge- genständlichkeit von Sozialer Arbeit erfordert ein Umdenken bezugnehmend auf die Professionalität. (vgl. Galuske/Müller, S. 490)

2.2 Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit - Wende in der Professionalität

Sobald eine ausgeübte Tätigkeit zum Beruf erhoben werden will, so muss sie über individuelle, spezialisierte Herangehensweisen verfügen, die in Konkur- renz zu ähnlichen Berufen stehen. Sofern unter Professionalität eine „begründe- te, wissensbasierte Anleitung zum planvollen, strukturierten Vorgehen zur Er- reichung eines avisierten Ziels“, so kann man erkennen, dass eine Arbeit, die sich diese Charakteristiken nicht zueigen macht, kaum höhere gesellschaftliche Anerkennung erreichen wird. (Galuske/Müller 2005, S. 486) In diesem Zusam- menhang etablierten sich in den 1960er und 1970er Jahren Modelle der Profes- sionalität, die in expertokratischer Weise versuchten, spezialisiertes Wissen zur Lösung von sozialen Problemen zu Rate zu ziehen. (vgl. Dewe et al. 1993, S. 12) Experten verfolgen mit den durchzuführenden Handlungen ein ganz be- stimmtes Ziel, die Abnahme von lebensweltorientierten Entscheidungen, wel- ches durch einen einzig „richtigen Weg“ ableitend begründet wird. (Dewe et al. 1993, S. 13) Es kann durchaus mit dem aus der Naturwissenschaft kommenden Regel- und Gesetzanwendung verglichen werden. Allerdings wird dabei unter- schlagen, dass sich im sozialpädagogischen Bereich keine eindeutige Zu- kunftsprognose erstellen lässt, sonder eine Betrachtung im Nachhinein erfolgt. (vgl. Dewe et al. 1993, S. 13)

Infolge eines Umdenkens, welches in den 1970er Jahren wesentlich von Hans Thiersch beeinflusst wurde, kam die Erkenntnis, dass sich Handlungen in der Sozialen Arbeit immer auf Probleme und Ereignisse beziehen, die mit der alltäglichen Lebenswelt der Klienten verwoben sind. (vgl. Braun/Grasshoff/Schweppe 2011, S. 20, Thiersch/Grunwald/Köngeter 2005, S. 165) Diese Sicht war keine neue, brachte allerdings einen neuen Blickwinkel, den der „fallspezifischen Eigenart“, denn genau diese Einzigartigkeit zeichnet die Soziale Arbeit aus. (Braun/Grasshoff/Schweppe 2011, S. 20) Es ist eben nicht denkbar, wie es eine expertokratisch ausgelegte Professionalität vorsieht, ausschließlich Regeln anzuwenden, sondern muss ein breites Spektrum an „Unterstützungsangeboten für die Bewältigung von lebenspraktischen Krisen“ bereitstellen. (Dewe et al. 1993, S. 14)

Das Verstehen um die Spezifik eines wie auch immer gearteten Falles gründet sich nicht ausschließlich auf wissenschaftlichem Wissen, denn die Beziehung zwischen Helfer und Klient erfordert auch seine Interpretation und dazu gehört wiederum Wissen, welches sich durch Erfahrungen angesammelt hat. Eine blo- ße Anwendung von erlernten Regelwerken hilft hier nicht weiter. Dessen muss sich ein professioneller Helfer bewusst sein. Auch kann man sich solch eine „professionelle Handlungskomponente“ nicht durch eine institutionalisierte Aus- bildung aneignen. (Dewe et al. 1993, S. 15) Es wird eine Unerlässlichkeit einer spezifischen Gesinnung in der Sozialen Arbeit diskutiert, „basierend auf berufs- ethischen Maximen und Zentralwerten“. (Becker-Lenz/Müller 2009, S. 199) So unterschiedlich die Ansätze auch sein mögen, knüpfen sie alle an der Persön- lichkeit der Helfenden an. In dieser Betrachtungsweise ist Professionalität „(auch) eine Frage des Habitus“. (Becker-Lenz/Müller 2009, S. 200)

2.3 Der professionelle Habitus

Es steht außer Frage, dass zu einem professionellen Handeln ein fachspezifisches Wissen gehört. Auch wurde im Verlauf des Kapitels schon herausgestellt, dass allein das fachspezifische Wissen nicht ausreichend für professionelles Handeln ist. Laut Dewe (2009) heißt dies, dass „Theorie nicht in der Praxis zur Anwendung kommt“. (Dewe 2009, S. 101) Es werden Bestandteile benötigt, die nicht erlernbar sind und die sich alle auf die individuelle Fähigkeiten des Helfers beziehen. (vgl. Becker-Lenz/Müller 2009, S. 199)

Bereits in der Antike sind Bezüge zum Habituskonzept erkennbar. Bei Aristote- les finden sich Merkmale des bis heute verwendeten Konzeptes darin, dass Handlungen die Beschaffenheit des Habitus bestimmen. Im gleichen Moment wiederum handelt dieser aus seinem Habitus heraus. (vgl. Aristoteles ~322 v.Chr., 2. Kap.) Bei Bourdieu (1987) findet sich dieses Konzept exakter aus- buchstabiert wieder. Subjekte verinnerlichen die von außen herangetragenen Strukturen, die dadurch Habitusformen entwickeln, die ihrerseits wiederum sinnstiftend fungieren. (vgl. Bourdieu 1987, S. 102 ff.) Auf Basis dieser Interpre- tation des Habitus finden sich viele Theorien bezüglich eines professionellen Habitus in der Sozialen Arbeit. Beispielsweise fordert Dewe (2009) die Habitualisierung der „reflexiven Professionalität“. (Dewe 2009, S. 89) An dieser Stelle lässt sich festhalten, dass Helfer neben erlernbarem Wissen auch über Kompe- tenzen, Normen und eine der Durchführungspraxis der Sozialen Arbeit ange- messenen Einstellung verfügen sollten. (vgl. Becker-Lenz/Müller 2009, S. 202) Ein diesem Ideal nahekommendes Modell eines professionellen Habitus haben Becker-Lenz und Müller (2009) erarbeitet. Voraussetzungen für solch ein Kon- zept sind ihrer Meinung nach „a) ein spezifisches Berufsethos, b) die Fähigkeit zur Gestaltung eines Arbeitsbündnisses und c) die Fähigkeit des Fallverstehens unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse“. (Becker-Lenz/Müller 2009, S. 210) Helfer in der Sozialen Arbeit haben einen Auftrag zu bestimmen und zu erfüllen, die Interessen der Klienten zu wahren und dementsprechend die Helfer-Klient Beziehung adäquat zu organisieren. Dies setzt eine Verinnerli- chung von elementaren Prinzipien voraus, die eine Abweichung nur in außer- gewöhnlichen Situationen erlaubt. (vgl. Becker-Lenz/Müller 2009, S. 210) Fol- gende Abbildung ist als Empfehlung einer sozialarbeiterischen Grundhaltung zu verstehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Sozialarbeiterische Grundhaltung nach Becker-Lenz/Müller (Becker-Lenz/Müller 2009, S. 212 f.)

Ein auf dieser Basis entwickelter Habitus ist Voraussetzung für eine funktionale Formung einer Klient-Helfer Beziehung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Grundfragen, Widersprüche, Balancen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Untertitel
Zur Diskussion der professionellen Handlungskompetenzen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Erziehungswissenschaften)
Note
2.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V205607
ISBN (eBook)
9783656322795
ISBN (Buch)
9783656325192
Dateigröße
1973 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundfragen, widersprüche, balancen, sozialpädagogischen, familienhilfe, diskussion, handlungskompetenzen
Arbeit zitieren
Michael Rückwaldt (Autor), 2012, Grundfragen, Widersprüche, Balancen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205607

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