Welche Abschlüsse sind an Berufsbildenden Schulen möglich?


Seminararbeit, 2004

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und Struktur des Bildungswesens

3. Historische Debatte zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung

4. Berufbildende Schulen in Niedersachsen
4.1. Die Berufsschule
4.2. Die Berufsfachschule
4.3. Die Fachoberschule
4.4. Die Berufsoberschule
4.5. Das Fachgymnasium
4.6. Die Fachschule

5. Abschließende Betrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeiten werde ich mich mit den Abschlüssen an berufsbildenden Schulen auseinandersetzen.

Die Vorstufe zu meiner eigentlichen Aufgabe bilden der Aufbau und die Struktur des Bildungswesens in Deutschland. Auf diesem Hintergrundwis- sen baut der nächste Gliederungspunkt auf, der die historische Debatte über Allgemein- und Berufsbildung zum Inhalt hat. Als wichtige Vertreter dieser Kontroverse werden hierbei Wilhelm von Humboldt und Georg Kerschen- steiner aufgeführt und kurzbiographisch dargestellt. Diese dem Hauptthema vorangestellten Grundlagen dienen dem besseren Verständnis des Kernthe- mas.

Ziel meiner Arbeit ist es, die Abschlüsse, die an berufsbildenden Schulen erlangt werden können, herauszuarbeiten. Hierzu werde ich ganz detailliert auf die einzelnen Schulformen eingehen, sprich, Berufsschule, Berufsfachschule, Fachoberschule, Berufsoberschule, Fachgymnasium, Fachschule, und die Kennzeichen, Fachrichtungen, Aufnahmevoraussetzungen und Abschlüsse aufzeigen. Die Reihenfolge ergibt sich aus der Vorgabe der Verordnung über berufsbildende Schulen in Niedersachsen.

Abschließend werde ich auf die Problemstellung eingehen und die Frage diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass an den verschiedenen Schulen die ver- schiedensten allgemeinen Schulabschlüsse zu erreichen sind, aber kaum berufsspezifische.

2. Aufbau und Struktur des Bildungswesens

Da die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer sozialer Föderalstaat ist, bedeutet das für das Bildungswesen, dass jedes der sechszehn Bundesländer seine eigene Gesetzgebung hat.

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBF) ist für bestimmte Aufgabenbereiche im Bildungssektor zuständig. Wenn Bedarf für Abstimmungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern besteht, finden diese „im Bundesrat, in der Bund- Länder- Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), (...)im Wissenschaftsrat und im Planungsausschuss für den Hochschulbau statt.“ (Döbert, 2002, S.96f.) Die Zusammenarbeit und Koordination in Bildungsangelegenheiten zwischen den Ländern ermöglicht die ständige Konferenz der Kultusminis- ter der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK). (vgl. ebd.)

Das gesamte Bildungswesen in Deutschland ist vom Deutschen Bildungsrat durch einen Strukturplan in fünf Bereiche gegliedert.

Der Elementarbereich beinhaltet den Kindergarten und die Vorschule.

Zum Primarbereich gehört die vierjährige Grundschule. Im Alter von sechs Jahren ist es verpflichtend diese Schule zu besuchen.

Der Sekundarbereich ist untergliedert in die Sekundarstufe I , die bis zur 10. Jahrgangsstufe geführt wird, und die Sekundarstufe II, die alle über die neun- bis zehnjährige Schulpflicht hinausgehenden Bildungsgänge beinhal- tet.

Zu Beginn des 5. Schuljahres wechseln die Schüler in die Haupt-, Realschu- le oder das Gymnasium. In Niedersachsen existiert an dieser Stelle noch die schulformunabhängige Orientierungsstufe, die während der Übergangsphase von der Primar- in die Sekundarstufe der Förderung, Beobachtung und Ori- entierung dienen soll. (vgl. Döbert, 2002, S.94f.) Sie wird jedoch flächende- ckend zum 31.07.04 aufgelöst.

Eine der sogenannten weiterführenden Schulen ist die Hauptschule. Sie führt die Klassen fünf bis neun und bietet ein freiwilliges 10. Schuljahr an. Sie ermöglicht vor allem den Weg in die duale Berufsausbildung. Mit höhe- ren Ansprüchen und den Klassen 5 bis 10 ist die Realschule die nächste wei- terführende Schule. Das Gymnasium stellt die höchsten Ansprüche an die Schüler(innen). Der Besuch dauert in der Regel neun Jahre (ab 2007 8 Jah- re) und führt zum Abitur. Das Gymnasium ist somit die einzige Schulart, die sowohl den Sekundarbereich I als auch II umfasst. Ferner gibt es die Ge- samtschule, die alle drei Schularten verbindet. Man kann hier den Haupt- oder Realschulabschluss erhalten und hat unter bestimmten Voraussetzun- gen die Möglichkeit, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Zusätzlich gibt es in Deutschland spezielle Schulen, die Sonderschulen, für Lern-, Körper- und Sprachbehinderte, die prinzipiell die gleichen Abschlüsse vermitteln. Zum Sekundarbereich II gehören neben der beruflichen Oberstufe auch die berufsbildenden Schulen, die unter Punkt 4 vorgestellt werden.

Der Tertiärbereich umfasst Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten.

Schließlich dient der Quartiärbereich der Erwachsenen- und Weiterbildung, die beispielsweise an Volkshochschulen in Anspruch genommen werden kann. (vgl Leischner, 1993, S.19f.). In diesen Bereich lassen sich auch die Fachschulen einordnen, die später ausführlich beschrieben werden. (vgl. Schanz, 2001, S.181)

3. Historische Debatte zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung

Bereits im 19. Jahrhundert, als das deutsche Bildungssystem die allgemeine von der beruflichen Bildung trennte, entwickelte sich eine Diskussion über die gesellschaftliche Stellung dieser Bildungswege.

Ein wichtiger Vertreter der allgemeinen Bildung und Befürworter einer sys- tematischen Trennung des Begriffspaares war Wilhelm von Humboldt, 1767-1835. Er war als Gelehrter und Politiker seiner Zeit tätig, der sich stets seinen philosophisch- ästhetischen und sprachwissenschaftlichen Interessen widmete. Nach seinem Studium war er zunächst am Berliner Kammerge- richt tätig. 1809 wurde der gute Freund von Schiller und Goethe in das preußische Innenministerium berufen. In dieser Zeit gründete er die Hum- boldt- Universität zu Berlin und das humanistische Gymnasium. Als Staatsminister wirkte er bis zu seiner Entlassung 1819 in vielen Städten und Angelegenheiten. Humboldt war ein führender Vertreter des Neuhumanis- mus, der die humanistische Bewegung ab 1750 bezeichnet. (vgl. Brockhaus, 1989, S.298ff.)

Er erwartete den Fortschritt der Gesellschaft, der durch die richtige Bildung erreicht werden kann. Die richtige Bildung beschäftigt sich seiner Meinung nach nicht mit dem Gewerbe, sondern mit dem menschlichen Wesen. Er definierte Bildung als den „Weg der Individualität zu sich selber, dieser Weg aufgefasst als unendliche Aufgabe, so daß [!] Bildung nicht abschließ- bar sei, vielmehr das ganze Leben über währe.“ (Blankertz, 1982, S.101) Die Bildung hat also vor der beruflichen Bildung Priorität. Diese funktiona- lisiert seiner Meinung nach lediglich die Menschen für wirtschaftliche Zwe- cke und macht sie für Lohnarbeit tauglich. (vgl. Horney, 1970, S.1272ff.) Für die Aufwertung der beruflichen gegenüber der allgemeinen Bildung setzte sich verstärkt Georg Kerschensteiner, 1854- 1932, ein. In München geboren, arbeitete er zunächst als Volksschul- später als Gymnasiallehrer an verschiedenen Orten. Ab 1895 war er als Stadtschulrat in München mit der Organisation und Bildungsplanung des Städtischen Schulwesens tätig. In dieser Zeit gründete er die deutsche Berufsschule. 1912 war er Reichstags- abgeordneter, ab 1920 Honorarprofessor an der Münchener Universität. (vgl. Horney, 1970, S.30ff)

Kerschensteiner erkannte, dass die Lehrlinge eine mangelhafte pädagogi- sche Betreuung erhielten, durch die man kaum zu wirklicher Bildung ge- langte. So setzte er sich zum Ziel, Schulen zu schaffen, die diese Aufgabe übernehmen würden. Die berufliche Orientierung und Allgemeinbildung müssen miteinander verknüpft werden, so Kerschensteiner. (vgl. Wilhelm, 1991, S. 113ff.) Diese Fortbildungsschulen „müssen die Idee des Berufes zur Grundlage der Bildung machen. ,Allgemeinbildung´ und ,Berufsbildung´ sind in Wahrheit kein Gegensatz, sie sind keine Alternative, zwischen der der Lehrling zu wählen hätte, sondern (...): An der Pforte der allgemeinen Menschenbildung steht (notwendigerweise) die Berufsbil- dung!“ (ebd., S.114)

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass auch heute noch die allgemeinbildenden Schulen, vor allem das Gymnasium, über ein gesellschaftlich höheres Ansehen verfügen und mit besseren beruflichen Chancen und Positionen in Verbindung gebracht werden.

[...]

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Details

Titel
Welche Abschlüsse sind an Berufsbildenden Schulen möglich?
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Einführung in die Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V205656
ISBN (eBook)
9783656326472
ISBN (Buch)
9783656327097
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufsbildende Schule, Abschlüsse, Bildungswesen
Arbeit zitieren
Dipl.-Kml. Claudia Küper (Autor), 2004, Welche Abschlüsse sind an Berufsbildenden Schulen möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205656

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