Die 'Klage' der Margarete von Österreich über Vater Maximilian I. und Neffen Karl (V.)

(Cod. 2584, Wien, ÖNB) Erlebnislyrik - Literarisches Manifest - Politisches Signal


Forschungsarbeit, 2012
123 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Einleitung

1. Die Complainte und die ihr zu Grunde liegenden realen Erlebnisvorgänge

2. Die Complainte als dichterische Verarbeitung der dramatischen Ereignisse
2.1 Ein übler Streich mit Folgen
2.2 Beteuerung von Liebe und Loyalität
2.3 Margarete und der Hof
2.4 Margaretes Trauma und Trauer
2.5 Rondeau und letztes Gedicht

3. Die Bedeutung von A L C H im Schmuck der Randleisten

4. Höfisches Publikum und mögliche Wahrnehmung der Klagen
4.1 Die Gedichte und das Anspruchsniveau der 'corrections'
4.2 Literarische Vorbilder und biographische Verweise
4.3 Francoise de Luxembourg eine Freundin der Dichtkunst ?

5. Fürstenhöfische Renaissancekultur in Mecheln?
5.1 Literarischer Diskurs des Adels
5.2 Gesellige Konversation am Hof ?
5.3 Förderung der großen Humanisten am Hof Margaretes ?
5.3.1 Jean Lemaire de Belgas
5.3.2 Erasmus von Rotterdam
5.3.3 Cornelius Agrippa von Nettesheim
5.4 Anmaßung und Scheitern
5.5 Castigliones Tugend der Lässigkeit und der Hof in Mecheln

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit stellt einen weiteren Versuch dar, zu verstehen, mit welchen Intentionen im Umfeld der Habsburger zur Zeit Maximilians I. literarische Texte produziert wurden und welche Botschaft sie welchem Publikum vermitteln sollten. Da die territorialen und machtpolitischen Interessen der Habsburger um 1500 längst eine europäische und darüber hinaus gehende Dimension angenommen haben, darf man auch hier davon ausgehen, dass die produzierten literarischen Texte sich im Geflecht der an den Höfen Europas geschätzten Dichtungen bewegten und eigene Positionen zum Tragen bringen wollten. Der frühe Versuch europäischer Eliten eine Vereinheitlichung der europäischen Territoren zu bewirken, wäre hier, so könnte man sagen, zu beobachten.

Der Verdacht steht im Raum und wird durch die vorliegende Arbeit erhärtet, dass der Diskurs, den der hohe europäische Adel mittels poetischer Literatur führt und der von seinen politischen Interessen und Absichten nicht zu trennen ist, bisher noch kaum in seiner Dimension ausgelotet wurde.

Leider finden diesbezügliche Forschungen, die zu einer veränderten Wahrnehmung unseres Bildes von Spätmittelalter und Früher Neuzeit beitragen könnten und geeignet wären den Prozess der Ausbildung des frühneuzeitlichen Staates begreifbarer zu machen, in diesem unseren Lande kaum Interesse. Misst man dieses jedenfalls an der Unterstützung durch öffentliche, wie private Institutionen, deren eigentliche erklärte Aufgabe die Förderung solcher historischen Erkenntnisse wäre.

Mein Dank gilt daher wiederum Einzelnen, Prof. Ernst Erich Metzner von den Frankfurter Altgermanisten und dem Informatiker Fred Arend, die durch ihr Wirken dazu beitrugen, dass die vorliegende Studie zu Ende geführt werden konnte.

Einleitung

Der größte Teil der Gedichte der Margarete von Österreich befindet sich in drei Handschriften, den so genannten Albums poétique der königlichen Bibliothek in Brüssel.[1] Es sind Sammelhandschriften, die sowohl eigene Gedichte als auch Dichtungen aus dem Kreis ihrer Höflinge beinhalten und für Margarete selbst angelegt und geschrieben wurden. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich jedoch auf den Band Complainte sur les malheurs de l'archiduchesse Marguerite, Ms. 2584, der Nationalbibliothek in Wien.[2]

Das volkssprachliche französische 'Klage'-Gedicht der Margarete von Österreich, Complainte genannt[3], ist in der Ich-Form geschrieben und sein Inhalt sind Liebesklagen, die sich an einen Mann wenden, dessen Name nicht genannt wird.[4] Durch das Einführungs-Rondeau auf Fol. 1a der Handschrift, das mit anderer Tinte die Devise Margaretes trägt, „Fortune Infortune fortune“ und vermutlich von der Hand der Prinzessin selbst stammt[5] ist die Autorschaft Margaretes erwiesen. Die zehn ganzseitigen Illuminationen der Handschrift lassen sich, so wie das Gedicht selbst, nicht eindeutig entschlüsseln, so Catherine M. Müller.[6] Das Besondere der Handschrift besteht darin, dass, im Unterschied zum allgemein üblichen Schmuck der Randleisten von Handschriften in Form von Ranken- und Blätterwerk, Blumen, Früchten und Tieren, die Ränder der Textseiten des Manuskripts mit recht abstrakten Verzierungen geschmückt sind und vier Buchstaben in wechselnder Reihenfolge immer wiederkehren. Da sie einmal um eine ganze Seite (fol. 5) durchgehend zu zwei Buchstabengruppen verschlungen sind, wobei A,L und C,H je eine Gruppe bilden, wird des Rätsels Lösung erleichtert. Die Buchstaben stehen für Antoine de Lalaing, Comte d' Hoogstraeten.[7] Antoine de Lalaing (1480-1540) ist unbestritten der große Favorit am Hof von Mecheln. Er steht bereits in den Diensten von Margaretes Bruder Philipp, genannt der Schöne (1478-1506), und begleitet diesen als Kämmerer auf seiner Reise nach Spanien 1501. Über diese Reise verfasst Antoine de Lalaing eine Schrift. Nach dem tragischen Tod Philipps des Schönen ist es Antoine de Lalaing, der von Maximilian I. beauftragt wird, die verwitwete Margarete zu überzeugen den Hof von Savoyen zu verlassen und nach Mecheln zurückzukehren, um als Statthalterin der burgundischen Niederlande zu fungieren und um sich als Beschützerin und Pflege-Mutter hier um ihre Neffen und Nichten zu kümmern.[8] Aus einer berühmten flandrischen Familie stammend, heiratet Lalaing die ältere und reiche Witwe des Jean von Luxemburg, Isabella von Culembourg und wird so Graf von Hoogstraeten. 1516 wird Lalaing Finanzminister der Niederlande. Von 1517 an bezahlt Margarete ihm eine Pension von tausend Livres für die Verwaltung ihrer eigenen Finanzen, 1522 wird er Gouverneur von Holland, 1524, nachdem der Platz durch Gorrevods Scheiden frei geworden ist, Chevalier d' honneur und damit der erste Mann am Hof Margaretes'.[9] Wiederholt wird Lalaing von Margarete mit wertvollen Geschenken bedacht. Es sei evident, dass ihre Geschenke als Gunstbezeugung an ihren langjährigen Ratgeber und Gefährten beabsichtigt waren, so Dagmar Eichberger.[10]

Nach Josef Strelka gibt die Buchstabenfolge der Randzeichnungen den Namen des „geheimnisvollen Herren“ preis, an den sich das Gedicht wendet.[11] Die Liebesklagen sind ihm der beste Beweis, dass sich Margarete und Lalaing geliebt haben.[12] Dies sieht auch Dagmar Eichberger so, die vermutet nach 1505 habe sich eine wie immer geartete Romanze zwischen Margarete und dem gleichaltrigen Antoine entwickelt. Die Complaintes seien als „eine wenig verschlüsselte Anspielung auf diese schicksalhafte Begegnung“ zu verstehen, die Margarete jedoch aus Rücksicht auf ihre hervorgehobene Stellung und politischen Pflichten öffentlich auch mittels ihres allegorischen Gedichts in die Schranken verwiesen habe.[13] Ebenso geht Ursula Tamassino davon aus, dass Antoine de Lalaing Margaretes Herzen nahe stand, die Complaintes seien geeignet dies zu bezeugen .[14] Bei den Versen handele es sich „um Erlebnislyrik im besten Sinne des Wortes“, so Strelka.[15] Bereits im Eingangsrondo sieht er die „Echtheit dieses Gefühls“ voll und ganz manifestiert. Etwa in den Versen „Denn sein bin ich und mehr als man glaubt „ (Vers 8) oder “Denn ganz habe mein Herz ich ihm gegeben“ (Vers 14). Es habe sich bei der Beziehung zwischen Margarete und Antoine um eine Art Liebe gehandelt die fleischliche Begierde ausgeschlossen hat, vermutet Strelka. Die Annahme einer Mutterschaft Margaretes im Falle von Philippe de Lalaing, eines natürlichen Sohnes des Grafen, habe sich seit der Kenntnis eines zeitgenössischen Dokuments, das Isabeau, bâtarde d' Haubourdin als Mutter Philipps nennt, als falsch erwiesen. Isabeau könne aber der Grund für Antoines Untreue und eine Hauptursache für Margaretes Klagen gewesen sein.[16] Der Vermutung einer Liebesbeziehung zwischen Antoine und Margarete komme schon deshalb Wahrscheinlichkeit zu, weil selbst engere Beziehungen zwischen fürstlichen Personen und Höflingen an den Renaissancehöfen die allgemeine Regel waren.[17] Dass es sich bei dem Beziehungsverhältnis um die „presence of a deep spiritual and emotional relationship“ gehandelt habe[18], mache schon der strenge Ehrenstandpunkt (S. 24, 26. 32) deutlich, den die Verfasserin betone und die wiederholte Bekundung ihrer Festigkeit als Witwe (Seite 27, 29).[19] Diese Ansicht einer Beziehung von Antoine und Margarete, die ohne sexuelle Komponente gewesen sei, teilt auch Dagmar Eichberger. Kein Hinweis auf irgendein unmoralisches Verhalten, dass den guten Ruf der Regentin in den Niederlanden habe beflecken können, sei zu verzeichnen.[20] Sie weist darauf hin, dass Antoine de Lalaings Ehefrau, Elisabeth van Culemborch, sehr stark in das Leben am Hof eingebunden war. Als dame d' honneur war ihr die Aufsicht über die jungen Hofdamen übertragen und sie nahm am täglichen Leben am Hof teil. Wie Antoine hatte auch Elisabeth einen eigenen Raum in der erzherzoglichen Residenz.[21]

Den Umstand, dass „die Dichtung bewußt oder unbewußt so abgefaßt ist“[22], dass zu ihrem „restlosen Verständnis“, wie zu „zweifelsfreier und nur eine Deutung zulassender Kommentierung“ wohl die „genaue Detailkenntnis der realen Erlebnisvorgänge“ notwendig wäre, den Strelka konstatiert[23], macht auch Catherine M. Müller zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen. Das Gedicht von 400 Versen sei durch eine irreführende Geschlossenheit charakterisiert, um besser seine doppelte Funktion zu erfüllen , in Liebesdingen sowohl als in höfischen. Das Rätsel der teilweise verschlüsselten Botschaft sei letztlich nur vom gemeinten Adressaten zu dechiffrieren, aber darüber hinaus enthalte das Gedicht eine globale Bedeutung, die auch von den anderen Mitgliedern des Hofes verstanden werden konnte. Ohne Zweifel habe es nur in einem sehr eingeschränkten Milieu zirkuliert, stimmt sie Strelka zu. Die höfische Literaturproduktion am Anfang des 16. Jahrhunderts trage häufig einen doppelten Charakter, Poesie zu sein, die momentane Zeitumstände behandle und gleichzeitig von zeitloser Gültigkeit sein zu wollen. Aufgrund ihrer Einschätzung, dass die privaten Aspekte und die der konkreten Zeitumstände der Dichtung uns wahrscheinlich immer wieder zu entweichen scheinen und Raum für zweifelhafte Spekulation geben, widmet sich C. M. Müller in ihrer Studie der Aufgabe, den literarischen und künstlerischen Aspekten des Werkes nachzugehen, die von der Kritik bisher nur zögerlich behandelt worden seien.[24]

Sie geht von der Möglichkeit aus, dass weder die Klagen der Margarete, noch das von Antoine de Lalaing gezeichnete Bild und diesbezügliche moralische Einlassungen, etwas mit den historischen Personen zu tun haben, sondern dass die Nennung der Protagonisten nur ein Mittel ist, um poetische Distanz herzustelllen, zwischen demjenigen, der empfindet und dessen Herz sich ergießt und demjenigen, der sich schriftlich ausdrückt, ein Gedicht verfasst. Jenseits der Frage der realen Identität der Figuren und des speziellen Bandes das sie vereint, sowie des höfischen Ränkespiels, gehe es darum, sich auf die Poetik zu konzentrieren, die Margaretes' Werk kennzeichne.[25]

Die Tatsache, dass das Gedicht der Wiener Handschrift ÖNB 2584 sich wie ein Brief an einen Geliebten lesen lässt, sei keineswegs ohne Bedeutung. Erlaube dies doch eine Selbstverortung als Klagegesang im Feld der elegischen Poesie und könne vorzüglich gleichermaßen die Assoziation des Bedauerns und des Schreibens hervorrufen.[26] Das Allegorische Universum, das Margarete aufruft[27] 'Bonne Amour', 'Foy', 'Honneur', 'Bon Espoir', 'Bonne Voye', 'Faulx Abuz', 'Faulx Danger' etc., diene dazu einen Dialog zwischen den unterschiedlichen Stimmen der Gedanken zu bewirken, so Catherine M. Müller. Das lyrische Ich stelle so die Widersprüche einer Seele dar, die mit dem Leiden der Liebe behaftet ist und als Beute preisgegeben. Die allegorischen Personifikationen greifen in jeder der zehn Strophen des Gedichts ein. Manchmal erfolge dies in positiver Gestalt, um eine optimistische Vision der menschlichen Bestimmung zu geben und einem Gefühl der Achtung für den Geliebten Ausdruck zu verleihen, manchmal in negativer Form, um die Enttäuschung gegenüber Gefühlsbindungen und solchen sozialer Art zu bezeichnen, die den Hof beherrschen.[28]

Die paradoxe Formel „Im Hoffen bin ich hoffnungslos“[29] bezeichne zutreffend die doppelte Funktion der Bedeutung des poetischen Wortes von der Hoffnung aus Verzweiflung, der Enttäuschung der Hoffnung wegen, der Euphorie des Kreativen durch die Depression des Leidens wegen oder aber das Glück des Schreibens aus Leiden am Leben. C. M. Müller stellt die rhetorische Frage: „Wird nicht alles Schreiben im Grunde aus Leid geboren?“[30] In jedem Fall sei diese Formel das , was die Troubadours suggerierten, die nicht singen konnten, es sei denn wegen der Abwesenheit der Dame; weil Sie ihnen mangelt bewirkt Sie das Hervorsprudeln des amourösen Wunsches, dann des Gesanges. C. M. Müller folgert daraus: Um besser die Liebe sterben lassen zu können, ohne ihr vollständiges Verschwinden in Kauf nehmen zu müssen, habe Margarete von Österreich als Erbin der trobairiz, dann der höfischen Dichterinnen des 15. Jahrhunderts, eine literarische Pose eingenommen, die eine verweinte Stimme der Liebenden verkörpert, welche sich genau in der Bewegung der grand chant courtois verortet und das Echo der Klagen mittelalterlicher Dichterinnen vollendend, versuche, eine Wiedergeburt des Ideals der fin'amor zu erreichen. Dies in einem höfischen Umfeld, in dem es zu einem leeren Wort geworden war, losgelöst von Aufrichtigkeit und herabgewürdigt zu gefälligem Naturalismus. Die wahre Liebe, von der Complainte gepredigt, nehme die Konzeption der reinen Liebe wieder auf, weil sie ohne all die fleischlichen Herabwürdigungen versehen ist, die die „amitié honnête“ der Renaissance ankündige. Wie die höfischen Dichterinnen stelle Margarete ein weibliches Ich auf die Beine, welches sich durch eine außergewöhnliche Leidensfähigkeit auszeichne („moy, dolente, la plus qui sit en vie“, I:8). Diese Übersteigerung der repräsentativen Codes der weiblichen Stimme mache aus der Klage ein auserwähltes Zeichen (signe d' élection) und ein Kunstwerk jenseits des Gewöhnlichen (savoir faire hors du commun). Sagen, dass der Schmerz niemals einen solchen Grad erprobt hatte, gleiche der bekräftigenden Aussage, er habe sich niemals ebenso stark ausdrücken können, wie in ihrem Gedicht. Das also was jeder Troubadour in Anspruch nahm, sich als den einzigen unter den Liebenden zu erklären, der wisse auserlesen zu lieben und unter den Poeten von der Dame in ihrer Vollkommenheit zu singen.[31]

Jedoch bekomme diese Haltung, von einem weiblichen Autor beansprucht, einen andererseits polemischen Sinn. Diese zu sein, die am meisten leide, bedeute nicht nur allein, sich zur Anklägerin des Geliebten zu machen und mittels ihm einer herabgesetzten Anschauung der Dienstminne, wie sie den Hof beherrsche, sondern Anspruchstellerin einer anderen Ethik zu sein, jener eines goldenen Zeitalters des Höfischen, der eines Wegs zu einer anderen, dem Liebeskult angemessenen Ästhetik: der amourösen Elegie. Das Beklagen als literarischer Imperativ werde so als einziges Genre präsentiert, das geeignet sei die Hoffnung auf eine lyrische Poesie zu transportieren, die zur melodischen Verkörperung werden und folglich mit diesem Ideal übereinstimmen könne. Dies sei es, was uns die letzten Verse der Complainte vermitteln sollten.[32] Zum Verdruss der Sprecherin der Complainte, die ihren Kummer dem Geliebten mitteilt, sind der Schmerz und die Einsamkeit unausweichlich.

Die Bevorzugung der traurigen Einsamkeit vor den Vergnügungen des Hofes, ist sie nichts anderes als eine Beanspruchung von Freiheit, ein Freiheitsverlangen in Liebesdingen, im Moralischen und Literarischen, der Bedingungen in denen die weibliche Stimme eingeschränkt ist, fragt Catherine M. Müller und antwortet; die Passagen, in denen sich die Klagende Zug um Zug vor dem Geliebten Gehör verschafft, der Schreiberin der Klage (la scriptrice de la plainte) als auch der P e r s o n ( la p e r s o n a de la poétesse) der Dichterin ließen dies in jedem Fall vermuten.[33]

Wird die Complainte der Margarete von Österreich also bei Catherine M. Müller als poetisches Programm gelesen, dass das Unbehagen an der zeitgenössischen Literatur ebenso zum Ausdruck bringe, wie das Unbehagen am höfischen Leben und als Manifest des Freiheitsverlangens der weiblichen Stimme verstanden werden könne, so sieht Josef Strelka in der Complainte, wie erwähnt , vorzüglich Erlebnislyrik, die auf „ein sehr reales und tatsächliches Erleben bezogen“[34], echtes Gefühl zum Ausdruck bringe.[35] Bestätigt sieht er dies vor allem auch durch die Abwesenheit von leerem Reimgeklingel und recht wenig sinnvoller Wortspielereien, wie sie bei den Poeten der Zeit in der französischen Lyrik (Rhetoriqueurs) üblich waren.[36] In den Dichtungen Margaretes' herrsche gegenüber der sprachakrobatischen Kompliziertheit jener Poeten wohltuende Einfachheit. Der Grund dafür liege jedoch nicht darin, dass man Margarete gleichsam als „Amateur'-Dichterin“ bezeichnen könne, sondern sei eben weitestgehend sozial-psychologischer Natur.[37] Anders als beispielsweise im Livre du coeur d' amour espris des René von Anjou seien die Allegorien bei Margarete nicht zum Selbstzweck erstarrt, sondern eben in symbolischer Weise auf eine reales tatsächliches Erleben bezogen.[38] Wenn auch die Complainte der Margarete in paarweise gereimten décasyllabes verfasst seien, einem lange vernachlässigten Metrum, das Octavien de Saint-Gelais durch seine Heroiden wieder zu Ehren gebracht habe und in dem auch Lemaire seine berühmten Briefe des grünen Liebhabers abgefasst hatte. Ein Metrum, das sich nach dem Urteil der Rhetoriqueurs besonders für die Abfassung der Gattung Complainte eigne. Die Complainte der Margarete seien jedoch ohne den hier geforderten erhabenen Stil gedichtet und seien so in gleicher Weise verfasst, wie die Complainte, die Margarete als Nachruf auf ihren Vater Maximilian verfasst habe.[39]

Die bisher zusammen getragenen wesentlichen Aspekte zu den Complainte[40] der Margarete von Österreich sollen hier erneut unter einem zwar bereits eingeforderten, aber bisher nicht realisierten Blickwinkel betrachtet werden. Der scheinbare Gegensatz, Erlebnislyrik[41] zu sein und andererseits Manifest und Signal[42], das im von Margarete geschätzten Stil verfasst wird, soll sich hierbei ebenfalls klären. Klage-Gedichte mit der Bezeichnung Complainte im Titel[43], die von der Konjunktur des Lasters und vom Verfall der Tugenden handeln, moralische Urteile fällen, anklagen und zu einem besseren Lebenswandel aufrufen, sind zur Zeit Margaretes' bereits eine etablierte Gattung.[44] Die Einschätzung der Forschung, dass zu einem angemessenen Verständnis der Klagen wegen deren Umschreibungen und Verschlüsselungen, Detailkenntnisse der realen Erlebnisvorgänge notwendig seien, wird hier erneut aufgenommen und zur Grundlage der Interpretation gemacht.

Die Complainte wird auf der Basis eines solchen Entschlüsselungs-Versuchs hier einerseits als Darstellung von wirklich Empfundenem verstanden, andererseits als auch bewusst kalkuliertes Signal an den Hof. Allerdings nicht im Sinne eines Freiheitsverlangens d e r weiblichen Stimme[45], sondern um die individuell eigene Positionierung Margaretes in einer konkreten politischen Situation deutlich zu machen. Nicht als Vorkämpferin für die weibliche Sache wäre Margarete dann mit ihren Klagen zu verstehen, sondern vor allem als eine Anspruchstellerin, die ihr Privileg und ihre Favoritenrolle durch ihre unbezweifelbare Loyalität legitimiert sieht und einklagt. Zum Verständnis dieser Einschätzung ist es vordringlich notwendig die dramatischen Ereignisse zu rekonstruieren, deren Ergebnisse die Complainte sind, die also, so die hier vertretene These, den Schlüssel zum Verständnis der Klagen darstellen.

1. Die Complainte und die ihr zu Grunde liegenden realen Erlebnisvorgänge

Als Verantwortlicher für die Erziehung Karls wird im Mai1509, in Karls zehntem Lebensjahr, Guillaume de Croy, Herr von Chièvres (1458-1521) von Maximilian berufen.[46] Bei den de Croy handelt es sich um ein altes französisch-burgundisches Adelsgeschlecht. Bereits Guillaumes Vater, Philippe I. de Croy (1435-1511) wurde nach dem Tod Marias von Burgund (1582) mit der Erziehung ihres Sohnes Philipp (1478-1506) betraut. Er war seit 1457 Kammerherr des burgundischen Herzogs Philipp des Guten und seit 1473 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Ebenso wird Guillaume de Croy 1491 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und 1494 zum offiziellen Ratgeber des Herzogs Philipp von Burgund ernannt. Während des Aufenthalts Herzog Philippes in Kastilien (1501-1503) ist Guillaume Mitglied des Regentschaftsrates und seit 1503 Statthalter von Namur. 1504 wird Guillaume an den Hof gezogen und 1505 durch Herzog Philipp für die Zeit seiner Abwesenheit in Spanien zum Gouverneur bestellt. Nach dem Tod Philipps ernennt Maximilian I. Chièvres zum Gouverneur seiner Enkelkinder und beauftragt ihn 1509 dann schließlich mit Karls Erziehung.

Maximilian setzt am 18. März 1507 seine Tochter Margarete als Statthalterin der Niederlande ein und überantwortet seine Enkel Karl (geb. 1500), Eleonore (geb. 1498), Isabella (geb. 1501) und Maria (geb. 1505) nach dem Tode seines Sohnes Philipp (25. Sept. 1506) ihrer Obhut, da Mutter Juana geistig-psychisch dazu nicht in der Lage schien.[47] Im Juni 1507 wird Karl in Mecheln von den Generalstaaten zum neuen Herrscher proklamiert, seine Tante Margarete ist Vormund für ihn und seine Schwestern. Nachdem Maximilian Margarete im Frühjahr 1507 berufen hatte, erbaut Margarete gegenüber dem altmodischen Herzoghof in Mecheln, wo die Kinder wohnten, ein modernes Palais im Renaissancestil, den ersten dieses Landes.[48] Der eigentliche Unterricht lag von der Kinderzeit an bei Niederländern und Spaniern: Robert von Gent, Adrian Wiele, Juan de Anchiata und Luis Vaca.[49] Der junge Karl wird von seinen Zeitgenossen als mittelgroßer überaus magerer, höchst schwermütiger Junge mit blasser Gesichtsfarbe beschrieben, dessen schwächlicher Körper und häufige Unpässlichkeit seiner Umgebung große Sorgen bereiteten. Kühl, schweigsam, unbeweglich „wie eine Bildsäule“ sei er nicht stark an Studien interessiert gewesen und habe sich nur mit Schwierigkeiten ausdrücken können.[50] Der fürstliche Knabe fühlt sich offenbar trotz seiner zarten Gesundheit mehr zu körperlichen Übungen hingezogen als zu Büchern und den Sprachen. Gerühmt wird seine Geschicklichkeit im Reiten und im Kampfspiel. Sein Wille beherrscht den zarten Körper.[51] Den Hauptteil des Unterrichts, den Chièvres erteilt machen ritterliche Übungen aus. Reiten und Jagen, Übung in allen Waffen, Schwert und Lanze und jeglichem Schießgewehr. „Hier war offenbar der Ansatzpunkt, um den zarten, von der Natur scheinbar benachteiligten Jungen behutsam, geduldig energisch von einem kleinen Erfolg, einem kleinen Sieg über Schwäche und Verzagtheit zum nächsten zu führen und so nach und nach zu Stolz und Selbstbewußtsein“ zu bringen[52]. Chièvres ist nicht nur Großkämmerer, Erzieher, väterlicher Freund und Ratgeber, Chièvres ist Vater-Ersatz.[53] Genau genommen sogar „mehr, als ein Vater je hätte sein können; er verläßt ihn nicht einmal nachts.“[54], teilt mit ihm das Schlafgemach, „damit er, sollte er erwachen, jemanden hat, mit dem er sich unterhalten kann“.[55] Wenn Chièvres gegenüber der körperlichen Ertüchtigung, den ritterlichen Künsten, den gelehrten Unterricht beschränkt, so sei es denkbar, Chièvres habe geahnt oder gewusst, dass sein Schützling in den Leibesübungen am besten zu sich selbst finde. Peter Lahnstein zieht aber auch in Erwägung, eine aus der Rittertradition herkömmliche Geringschätzung von Bücherweisheit und Kathederwissen könne im Spiel gewesen sein.[56]

Kein Wunder sei es also angesichts dieses Hintergrundes, wenn der erste Kämmerer Chièvres durch seine Art „ungemessenen“ Einfluss auf den Fürsten hatte, so Karl Brandi.[57]

Die Konstruktion der Erziehung Karls birgt Konfliktpotential.[58] Denn ab 1509 ist sowohl der von Maximilian zur Leitung Karls berufene Chièvres als Ersatz-Vater für Karls Erziehung zuständig, als auch die, von einer Generalstatthalterin zur Regentin beförderte Ersatz-Mutter Margarete.[59]

Auf Drängen Margaretes wird der ganze Hof jetzt neu organisiert. Zwei Spanier, Dr. Mota als Karls Almosenier und der Bischof von Badajoz, Alonso Manrique werden in die Kapelle berufen, Michel Pavne wird Beichtvater.

Heinrich VIII. wird 1509 König und Margarete geht bei ihren Plänen für Karls Zukunft von einer dynastischen Verbindung mit dem englischen Königshause aus. Nach dem Scheitern der Verbindung Karl – Claudia (Tochter des französischen Königs Ludwig XII.)[60] also die Verbindung Karl - Mary (Schwester Heinrichs VIII.). Am 16. August 1513 siegt der englische König als Mitglied der Heiligen Liga von 1511 über die Franzosen bei Guinegate, dank Maximilians Rolle als Feldhauptmann. In einem Brief an seinen Enkel vom Anfang September 1513 kennzeichnet Maximilian die Franzosen als „die Erbfeinde unseres Hauses“ (anchiens et encoires naturelz ennemis de nostre maison de Bourgogne).[61] Chièvres unterhält mit der französisch-freundlichen Partei kastilischer Adliger, Anhängern Philipps des Schönen und Gegnern Ferdinands von Aragon, gute Beziehungen. Ferdinand entsendet als Beobachter und Gegenspieler dieser Juan de Lanuza und Juan d' Aragonan an den burgundischen Hof, wohl um eine Entfernung Chièvres und Don Juan Manuels aus der Nähe Karls zu bewirken, wie ein Schreiben des englischen Agenten Spinelly an seinen König nahe legt.[62] Als eine „Zettelei“ der Kastilianer und ihrer Freunde mit Frankreich aufgedeckt wird, kommt es zur Verhaftung von Diego de Castro.[63] In diesem Zusammenhang trifft sich Margarete mit Maximilian, bespricht sich gründlicher noch mit dem König von England und das Ergebnis der Besprechung ist die gegen den burgundischen Adel gerichtete Ordonnanz von Lille vom 19. Oktober 1513. Sie legt fest, dass die oberste Leitung Karls von den beiden Großvätern und dem König von England je durch einen Vertreter übernommen werden sollte. Maximilian bestellte den Pfalzgrafen Friedrich, Ferdinand den Herrn von Lanuza, Heinrich VIII. den Floris Egmont, Herrn von Isselstein.[64] Unter diesen Umständen machte Karl nach schmeichelhafter Aufforderung Margaretes seinen ersten Staatsbesuch beim mutmaßlich zukünftigen Schwager, dem englischen König. Wohl um die neue Lage zu konsolidieren und Ferdinand ihre volle Unterstützung zu zeigen[65], geht Margarete noch einen Schritt weiter und lässt am 17. Jan. 1514 den Führer der Adligen aus Kastilien, einst Hauptstütze ihres verstorbenen Bruders, Don Juan Manuel, verhaften. Dies ebenfalls mit der Zustimmung Maximilians.[66]

Die neue Lage hätte nicht nur den Verlust des Einflusses Chièvres auf Karl bedeutet, sondern mit diesem verbunden wohl auch einen Verlust an politischer Bedeutung für den hohen burgundischen Adel. Mit der Festsetzung des Führers des kastilischen Adels hätte dieser Bedeutungsverlust dann auch dem hohen kastilischen Adel gegolten. Dies jeweils zu Gunsten einer Zentralisierung der Macht bei der königlichen Herrschaft, bzw. im Falle der Niederlande von dessen Regentin. Offensichtlich erwartete Margarete, dass sich der Hohe Adel klaglos mit dieser neuen Lage abfinde und ihre Dominanz bei der Leitung Karls endgültig geklärt sei. Hierzu kommt es jedoch nicht. Ein Sturm der Entrüstung folgt der Tat. Mit einer feierlichen Deputation protestieren die Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies am 20. Januar 1514 gegen die Verletzung der Ordenssatzung, die mit der Festsetzung ihres Ordensbruders Don Juan Manuel, über ihre Köpfe hinweg, gegeben ist.[67] Die Deputation wird vom jungen Karl im Schmuck des Ordens angeführt. Margarete verweist Karl sein Auftreten und kann gegenüber den Protestierenden die Unterstützung Maximilians für ihre Maßnahme geltend machen.[68] Im Falle Don Juan Manuels wird durch die Übergabe an den Kaiser eine Lösung gefunden.[69]

Margarete geht weiterhin von einer engen Anbindung an das englische Königshaus aus, da Maximilian ihr seine zwischenzeitlich entschiedenen Heiratspläne für seine Enkel verheimlicht hat.[70] Ludwig XII. hatte Ferdinand von Aragon den Vorschlag einer Heirat seines Lieblingsenkels Ferdinand mit seiner Tochter Renate angeboten und Maximilian geht nach anfänglichem Zögern auf diesen Vorschlag ein. Ohne Heinrich VIII. in die Verhandlungen einzubeziehen schließen deshalb Maximilian und König Ferdinand mit Frankreich am 13. März 1514 einen Waffenstillstand. Im April ändern der spanische König und Maximilian bezüglich der Heirat ihres Enkels Ferdinand mit der französischen Prinzessin Renée erneut ihre Pläne und beschließen, die Prinzessin mit ihrem Enkel Karl zu vermählen, der im Mai eigentlich die englische Prinzessin Maria ehelichen sollte. Ferdinand II. und Maximilian I. vereinbaren diese Heiratspläne sowohl vor Margarete als auch vor dem englischen König geheim zu halten.[71]

Beide sind in die von Ludwig XII. aufgestellte „diplomatische Falle“ getappt, denn Ludwig XII. lässt die Absprachen sofort Heinrich VIII. mitteilen. Über den Verrat und Treuebruch empört widerruft Heinrich VIII. das Verlöbnis seiner Schwester mit Karl und gibt seine Schwester Ludwig XII. zur Frau.[72]

Das Bündnis mit England gegen Frankreich ist somit gelöst. Im Vertrag von London (7. August 1514) gibt Heinrich VIII. Frankreich freie Hand zur Rückeroberung von dessen „rechtmäßigen Besitzungen“[73]. Damit droht ein neuer Angriff Frankreichs auf Mailand, wobei im Kampf gegen Venedig, trotz einiger Erfolge der Kaiserlichen in Friaul, noch keine entscheidende Wendung eingetreten war.

Statt der Durchführung der Ordonnanz von Lille, die mit dem Ausscheiden des englischen Königs hinfällig geworden ist, betreiben die burgundischen Stände jetzt „hinter Margaretes Rücken“ die vorzeitige Großjährigkeitserklärung Karls.[74] Als engem Vertrauten Karls sichert dies Chièvres und damit auch dem burgundischen Adel den politischen Einfluss. Ohne Verhandlungen mit Margarete gibt Maximilian den burgundischen Ständen sein Einverständnis zur „Emanzipation“ Karls[75]. Dies sicherlich nicht nur wegen der erheblichen finanziellen Mittel, die Maximilian deshalb zufließen.[76] Er kann sich in der veränderten politischen Lage, die ein potentielles Zusammengehen von Frankreich und England denkbar erscheinen lässt, nicht auch noch eine Rebellion des burgundischen Adels leisten, wie er zwischen 1486-1489 als Abfall fast des ganzen alten Hochadels während der ersten Regentschaft Maximilians stattgeffunden hatte[77] und bei dem in erster Linie die Geschlechter der Lannoy und Croy den ihm noch ergebenen Teil des Hochadels gebildet hatten.[78]

Mit der am 5. Januar 1515 erfolgten Proklamation der Großjährigkeit des Herzogs Karl von Burgund im Ständesaal des Hofes zu Brüssel wird Chièvres von Karl zum leitenden Minister ernannt und am nächsten Tag endet mit der offiziellen Abdankung die Regentschaft Margaretes. Chièvres führt jetzt gemeinsam mit Adrian von Utrecht und Jean de Sauvage die politischen Geschäfte der niederen Lande von Burgund. Somit gewann im Kampf zwischen Chièvres und Margarete um die Leitung Karls und die Bestimmung der Politik der Niederlande Chièvres die Oberhand.

Zwar mischten sich in Briefen Margaretes an Maximilian „Unwillen und verletzter Stolz“[79] angesichts der neuen Lage, jedoch auch wenn Erzherzogin Margarete nicht mehr Regentin ist, bleibt sie mit ihrem Hof doch „erste Dame des Landes, Tochter des Kaisers und der Marie von Burgund“[80], der weiterhin politisches Gewicht zukommt, auch wenn das höfische Leben jetzt vorwiegend in Brüssel stattfindet, in dem Karl und seine ältere Schwester Eleonore Quartier beziehen.

2. Die Complainte als dichterische Verarbeitung der dramatischen Ereignisse

Das ganze Ausmaß der persönlichen Katastrophe mit der sich Margarete konfrontiert sieht, die Enttäuschung durch Maximilian, von dem sie sich verraten fühlt, wird ihr zwischen Mitte und Ende 1514 bewusst geworden sein und die Complainte dürften somit großen Teils als Versuch zu verstehen sein, durch beschreibende Verschriftlichung der eigenen Gefühle von der eigenen Enttäuschung und Panik Abstand zu gewinnen. Dem Schreiben als Mittel der Konfliktbewältigung dürfte schon deshalb zentrale Bedeutung zuwachsen, da die weise Fürstin sich nach Christine de Pizan in einer solchen Situation extremer Besonnenheit befleißigen sollte, sie sich also nicht einfach an Freunde und Verwandte am Hof wenden kann, um diesen ihre wahren Gefühle mitzuteilen und sich damit Erleichterung zu verschaffen. Denn, so rät Christine de Pizan; die weise Fürstin werde „zunächst niemanden merken lassen, daß sie etwas weiß und diese Leute deshalb für ihre Feinde hält.“[81] Nicht nur fanden ja die unter ihrer Regie angebahnten freundschaftlichen Beziehungen zum englischen Hof ein brüskes Ende.[82] Insbesondere die auch ihr vorenthaltenen Geheimverhandlungen der Großväter Maximilian und Ferdinand von Aragon mit dem französischen König, zwecks Heirat zwischen Enkel Ferdinand und Tochter Renate des Königs Ludwig XII., dürften bei Margarete Entsetzen und das Gefühl betrogen worden zu sein, hervorgerufen haben.[83] Scheinbar, davon musste Margarete ausgehen, befand sie sich mit ihren Initiativen ja in voller Übereinstimmung mit ihrem Vater. Da Maximilian I. offenbar alles verhindern wollte, das die Geheimverhandlungen mit dem französischen König gefährdet hätte, hatte er wohl auch gegenüber Margarete in seinen Briefen Normalität vorgetäuscht.[84] Diese Täuschung könnte es sein, die Margarete in ihren Versen dem Vater hier vorwirft und deren Grausamkeit ihr gegenüber sie anprangert.[85]

Hattest du nicht ein grausames und hartes Herz.

Mich zu täuschen, die dir nur dienen wollte

Mich jämmerlich dahin siechen ließest

Da es dir gefiel mich zu töten und zu vernichten

Wusstest du nicht zum Schein mir zu schreiben

Niemals hatte ich gefürchtet solche Sorgen erdulden zu müssen[86]
(S. 28)

Ebenso musste Margarete davon ausgehen, dass sie bei ihrem entschiedenen Vorgehen gegen konspirative Machenschaften einzelner Adliger mit Frankreich, dem „Erbfeind“, in voller Übereinstimmung mit Maximilian handelt, zumal nach der Verabschiedung der Ordonnanz von Lille vom 19. Okt. 1513, die geeignet schien ihre Position bei der Leitung Karls (V.) als auch die der Regentin der Niederlande zu stärken. Musste ihr die Ordonnanz wiederum doch nur als konsequente Umsetzung der Versprechen Maximilians nach dem gemeinsamen Sieg mit Heinrich VIII. bei Guinegate erscheinen. Nach der siegreichen 'Sporenschlacht' vom 16. August 1513 kommt es zu einem gemeinsamen Treffen von Margarete von Österreich, Maximilian I. und dem englischen König Heinrich VIII. in Lille und Tournai.[87] Offensichtlich hatte Maximilian I. bei dieser Gelegenheit seiner Tochter versprochen, er werde für Veränderungen sorgen, die ihr das Leidvolle beim Regieren der Niederlande und der Aufsicht über ihren Neffen Karl (V.) nehmen würden. In ihren Klagen erinnert sie ihn an dieses ihr gegebene Versprechen.

Du hast mir versprochen als ich dich auf dem Schlachtfeld traf (S. 28)

Du werdest für Veränderungen meiner leidvollsten Angelegenheiten sorgen[88]

2.1 Ein übler Streich mit Folgen

Noch den feierlichen Protest der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies am 20. Januar 1514 unter der Führung ihres Neffen Karl (V.) gegen die Verhaftung eines Mitglieds des Ordens, Don Juan Manuel, Führer der Adligen aus Kastilien, konnte Margarete ja als Ungehörigkeit ihres Neffen ihr gegenüber begreifen, die auf zu großen Einfluss des Herrn von Chièvres zurückzuführen sei. Ihr Gedicht

Cest bien assez sans auoir merite (Strelka, S. 24)

scheint von dieser Gemütslage zu künden. Die Verse wenden sich offenbar an Karl (V.):

Es ist mehr als genug ohne dass ich es verdiene

Werde ich angefeindet ganz nach deinem Willen

Würdest du dich übler und stärker an mir rächen wollen

Allein wegen dir fühle ich mich als gescheiterter Fremder

Gut es scheint mir es sollte deiner Selbstgefälligkeit genügen

Das Herz das du gegen mich hast übervoll um es sagen[89]

Noch geht Margarete hier offenbar davon aus, dass Maximilian auf ihrer Seite ist und nur ihr Neffe, dem natürlich als Maximilians designiertem Nachfolger zentrale Bedeutung zukommt, ihr übel mitspielt. Ihren Ärger und ihren Verdruss in dieser Situation lässt Margarete in dem selbem Gedicht einige Verse weiter ebenfalls zum Ausdruck kommen. Sie weist Karl (V.) darin wegen seiner üblen Streiche ihr gegenüber zu recht und wünscht von ihm und seinem schlechten Umgang in Ruhe gelassen zu werden.

Ich erkläre dass es mir nicht bewusst ist

Wenn ich nicht weiß es mit Geduld zu ertragen

Überzeuge dich deinen stolzen Sinn zu lassen

Und mir den Ertrag meines Lebensalters zu belassen[90]

Weil deine schlechten Streiche mir sehr missfallen

und dein darüber hinaus noch üblerer Umgang

Lass mich mein Leben leben und erweise mir den geschuldeten Respekt

Bleib mir fern und verschone mich mit deiner Respektlosigkeit
(Strelka, S. 24)

Erst gegen Ende des Jahres 1514 wird Margarete wohl dann das ganze Ausmaß ihres Irrtums bewusst. Was ihr da von Vertrauten am Hof zugetragen wird übertrifft all ihre Vorstellungen und löst Entsetzen bei ihr aus.[91]

Seit es mir zu Ohren gekommen ist was ich demnächst machen soll

Würde ich dich nicht lieben so würde ich zurücktreten[92] (Streilka, S. 29)

Weil an allen Stätten an denen mir etwas von dir zugetragen wird

Die Träne mir ununterbrochen ins Auge fließt

Und ich deshalb gezwungen bin die Gesellschaft zu meiden[93] (Strelka, S. 31)

Wegen mir wirst du niemals solches Leid/solche Zweideutigkeiten erfahren

Wie du sie zuvor übtest und von denen ich in Kenntnis gesetzt wurde[94] (S. 32)

Maximilian, ihr Vater, dem sie in Liebe zugetan ist und auf den sie baut, ist offensichtlich bereit ihr die Regentschaft zu entziehen.[95] Sie fragt Maximilian in ihrem Gedicht womit sie diese Grausamkeit verdient habe, sie, die alle diese Mühen aus Liebe zu ihm auf sich genommen habe, trotz der eigenen großen Trauer.[96]

Was habe ich dir getan dass du dich so grausam verhältst

Ich habe kein todeswürdiges Verbrechen begangen

Als das dich zu sehr geliebt zu haben

Die in großer Trauer alles in Angriff genommen hat (Strelka, S. 31)

Margarete wirft Maximilian in diesen Versen empört vor, er habe sich in Herzensangelegenheiten vollständig geändert, er habe mit seinem Verhalten der wahren Liebe den Krieg erklärt.

Aber in der Liebe hast dich so sehr verändert

Hättest du nicht in dieser Sache der wahren Liebe den Krieg erklärt[97] (Strelka, S.31)

Er sei falsch und verlogen zu ihr, die ihn liebe. Seine schönen Reden hätten nichts anderes bezweckt als Missbrauch mit ihr zu treiben, aber ihr Herz werde ihm Nichts (Rien wird an dieser Stelle durch ein groß geschriebenes R hervorgehoben, H. H.) mehr glauben.

Um so mehr als ich sehe dass dein Herz falsch und verlogen ist

Zu der deren Liebe du besitzt

Dein schönes Reden bezweckt nichts anderes als mit mir Missbrauch zu treiben

Aber mein Herz wird dir Nichts mehr glauben.[98] (Strelka, S. 31)

Margarete wirft Maximilian vor, sie habe immer die Hoffnung gehabt er sorge sich um ihr Wohlergehen, müsse nun aber feststellen, dass all sein Gerede nur der Unterhaltung diente. Sie jedenfalls habe einen andere Idee von der Liebe.

Ich habe zu nichts anderem Hoffnung gehabt als dass du mein Wohlergehen willst

All dein Gerede dient nur der Unterhaltung

Ich liebe besser und auch wenn mein Glaube keine Wohnstatt mehr kennt

Um Gutes oder Freude in schlechten Tagen zu haben[99] (Strelka, S. 31)

Margarete geht davon aus, Maximilian habe beim Beschluss ihr durch die Großjährigkeitserklärung ihres Neffen Karl (V.) die Regentschaft zu entziehen Entscheidungsfreiheit gehabt und versteht die politische Entscheidung daher als Zeugnis mangelnder Zuneigung des Vaters zu seiner Tochter. Statt Liebe sieht sie nur Gleichgültigkeit bei Maximilian ihr gegenüber, die in seinem unverbindlichem Gerede zum Ausdruck komme. Sie verweist darauf, dass sie alleine ihm zu Gefallen die schwierige Aufgabe der Regentschaft der Niederlande übernommen habe. Insbesondere in einem Teil der Dichtung (Strellka S. 31) spricht Margarete auch (für Eingeweihte) deutlich vom Schuldigen an dieser Entwicklung, dem Maximilian jedoch Gehör schenke.

Ich bin hier alles in allem dir zu Gefallen

In latenter Bereitschaft für eine zu große auszufüllende Aufgabe

Nachlässig bin ich niemals gewesen in den Territorien

Hättest du nicht in dieser Sache der wahren Liebe den Krieg erklärt

Weil alles andere ist dir in Gänze bekannt gewesen

Und durch s e i g n e u r[100] ist es dir nicht vorenthalten worden

Aber in Herzensangelegenheiten hast du dich so sehr verändert

Als man dir empfahl die Regentschaft zu ändern

Habe ich Unrecht wenn ich mich über dich beklage

Und wenn ich mein Geschrei und meine Klagen mache

Um so mehr ich sehe dass dein Herz falsch und verlogen ist

zu der deren Geliebter du bist

So bin ich nicht in diesen Dingen

Es ist nicht angebracht dass du hierzu sprichst und schwörst

Ich glaube nichts (c r o y r i e n)[101] und seit er es nicht will

wird anderes als Essen meine Mahlzeit sein[102] (Strelka, S. 31)

Die Wortwahl des Gedichts (Strelka S. 31) dürfte in kaum verschlüsselter Form von dem reden, den Margarete als den Verantwortlichen der Ereignisse ausmacht, den sie für die treibende Kraft von Maximilians „grausamer“ Entscheidung gegen sie hält:

Guillaume de C r o y, S e i g n e u r de Chièvres lautet der Titel ihres Rivalen bei der Leitung Karls, sowie der Geschicke der Niederlande.

Wird das Gedicht (Strelka, S. 31) noch überwiegend vom Gefühl geprägt unverschuldet ein Unrecht zu erleiden, von Empörung, Zorn und Enttäuschung, so setzen sich die folgenden Gedichte mit möglichen Bedenken und Sorgen Maximilians und des Hofes in dieser Lage auseinander.

Denn es handelt sich ja nicht nur um einen „einfachen“ Tochter-Vater Konflikt. Die Frage, die sich für den Hof in Mecheln und Maximilian stellt, ist ja die der Reaktion Margaretes auf die ihr zugetragenen Nachrichten, die beabsichtigte Neuordnung der Regentschaft der Niederlande betreffend. Noch ist ja Margarete die Regentin. Sie ist die Tochter der Maria von Burgund, die testamentarisch ihre Kinder als Erben eingesetzt hatte. Da ihr Bruder Philipp verstorben ist, kann somit sie sich als die legitime Regentin der burgundischen Niederlande begreifen. Zwar verfügt Maximilian bis zur Großjährigkeit Karls über die Vormundschaft und Margaretes Regentschaft ist nur von ihm delegiert, jedoch mangelt es Maximilian I. an politischem Rückhalt in den Niederlanden. Widersetzt sich Margarete der vorzeitigen Großjährigkeitserklärung ihres Neffen, der wiederum in der Erbfolge als Sohn Philipps legitimer Nachfolger wäre und beansprucht Margarete bis auf weiteres Regentin zu bleiben, ergäbe sich eine prekäre politische Situation. Zumal sie sich Hilfe suchend an den französischen oder englischen König wenden könnte.[103]

2.2 Beteuerung von Liebe und Loyalität

Margarete nimmt in ihren folgenden Gedichten zu solchen Gefahren, die von ihr ausgehen könnten (bereits ab S. 29), eindeutig Stellung.

Du weißt zur Genüge dass ich nicht Sachen machen würde (Strelka, S. 29)

Für die ich wegen (Amts-) Missbrauchs eingeschlossen werden könnte[104]

Sie sichert Maximilian ihre Loyalität zu, eher würde sie den Tod in Kauf nehmen als ihn ihres Ansehens wegen scheitern zu sehen

Eher würde ich den Tod in Kauf nehmen

Als dich meines Ansehens wegen scheitern zu sehen[105] (Strelka, S. 29)

und weist Vermutungen zurück, ihr zukünftiges Verhalten könne durch Neid, Missgunst und Machtwillen geprägt sein.

Es sei vollkommen unangebracht ihr Verhalten mit Sorgen um ihre eigene Stellung und Eifersucht in Bezug auf den neuen Rang ihres Neffen Karl (V.) in Verbindung zu bringen.

Du kannst sagen es komme aus Eifersucht

Und wenn nicht aus zu viel so doch wegen einiger Sorgen

Wenn du das denkst so ist dies vollkommen unpassend

Weil der Glaube all meine wahre Zuflucht ist[106] (S. 32)

Margarete weist darauf hin, dass sie niemals eine so große Freude, wie den Herzogstitel und die Landesherrschaft angestrebt habe und auch ihre Besitzungen dort Karl (V.)überlassen wollte. Die Maßnahmen, die Karl getroffen habe und zu denen er ermuntert worden sei, habe sie denn auch fast ohne Verzug umgesetzt.

Du weißt wahrlich dass ich es nicht wollen würde

Und dass ich es nicht will dass mir so große Freude widerfährt

Außerdem wollte I ch (hier mit großem I, fett von H.H.) ihm meinen Teil überlassen

Ist er auch klein so ist er doch gut zugehörig[107]

Seit er machen kann was ihm gezeigt wird

Machte ich das kaum ohne Verzug[108] (S. 32)

Da Margarete weiß, dass einige der Äußerungen, die sie tätigte, als Angriff und Beleidigung missverstanden werden könnten und Maximilian dies auch seit einiger Zeit so verstanden habe und dies als Auftakt einer eskalierenden Konfrontation verstehen könnte, stellt sie klar, dass sie niemals zu solchen Untaten fähig wäre, mit denen er jedoch rechne. Margarete versichert ausdrücklich, dass Maximilian durch ihre Ehre und ihr Gewissen vor solchem geschützt sei.[109]

Wenn ich einige Angriffe/Beleidigungen gemacht haben sollte

Weil ich weiß gut dass du sie mir zugesellt hast

Du dies gedacht hast seit einiger Zeit

Ich würde das Schlechte nicht wollen das du voraussetzt

Aber das Ehre und auch Gewissen

Davor beschützen dazu gebe ich dir meine Versicherung

Du kannst sicher sein dass es damit so sein wird

Und dass Ehre dir Gnade gewähren wird[110] (Strelka, S. 32)

Margarete bittet Maximilian dringend, von der Idee einer Teilung der Herrschaft vor oder nach der Übernahme der Landesherrschaft durch Karl (V.) abzusehen. Maximilian solle von einer solch großen Verrücktheit Abstand nehmen, denn sie sehe dass die Herzen aller in diesem Fall von Schmerz ergriffen würden. Für ihren Teil sei sie zufrieden ihre Tage und Nächte in herrlicher Langeweile zu verbringen, bis er sein Werk vollendet habe. Nur solle er es so bewerkstelligen, dass ihm nicht Scham zum Schaden werde, denn sie, Margarete, wolle weiterhin, dass er der .I. (Imperator) bleibe.[111]

Ich bitte dich und setze dich unmissverständlich davon in Kenntnis

Vom Willen zu teilen davor oder danach

Dass du von solch einer großen Torheit Abstand nimmst

Weil ich hier Schmerz sehe der alle Herzen ergreift

Und für meinen Teil werden die Tage und Nächte

In herrlicher Langeweile dahingehen

Bis dein Werk vollendet ist

Aber setze es so ins Werk dass Scham dir nicht zum Schaden wird

Denn ich möchte gern dass das .I. dir wieder Stärke verleiht[112]

Margarete versichert, in der Frage der Großjährigkeitserklärung und Regentschaftsübernahme durch Karl (V.) keinen Druck ausüben zu wollen. Zwar sei es in ihren Augen falsch über die bestehende Lage hinaus jetzt mehr zu wollen, man hätte die Herrschafts-Übernahme besser in die Wege leiten können. Jedoch lobe sie alles das der aktuellen Lage Stabilität gebe. Margarete verweist in diesem Zusammenhang auf den guten Vorschlag, den sie Maximilian schon oft gemacht und bekräftigt habe. Er solle in dieser Frage zwar nicht glauben, sie sei völlig ohne Erwartungen noch im Gegenteil, dass sie mit nichts richtig zufrieden sei.

Aber für ihren Teil seien die Überlegungen in dieser Sache damit abgeschlossen. Sie sei im übrigen der Überzeugung, dass sie bis ans Ende ihres Lebens in der Freiheit des Denkens leben werde. Ihr Herz sei angefüllt mit Verzweiflung und Gedanken an den Tod,

der eines Tages kommen werde und von dem sie nicht wolle dass er sich all zu lang zurückhalte.

Zum Besten dieser Lage werde ich auf ihn keinen Druck ausüben

Sie liegen falsch in meiner Sicht der Dinge

Deswegen mehr haben zu wollen wenn man dies besser machen kann

Ich lobe das von ihnen welches die Situation stabilisiert

Den guten Vorschlag den ich dir gegenüber schon oft bekräftigt habe

Denke nicht ich habe nichts erwartet

Noch das ich mit nichts richtig zufrieden bin

Denn ich bin überzeugt mein Denken endet

In Freiheit solange ich noch am Leben sein werde

Mein Herz ist angefüllt mit Verzweiflung

Auch vom Tod der eines Tages kommen wird

Ich will nicht Gegenstand des Aufsparens sein[113]

Margarete wirft Maximilian vor, dass, wäre er sich im Glauben an ihre Beziehung sicher gewesen, er, wie in allen anderen Fällen die Angelegenheit überwunden hätte. Er aber habe es für möglich gehalten, ihr Verhalten ließe auf böse Absicht schließen. Ihr etwas ganz anderes unterstellend als dass sie seine liebende Freundin sei. Deshalb werde er von ihr alles bekommen, dass er gewünscht habe, nach ihrem Bedauern ihre Abdankung (apres moy regrect la retire). Denn letztlich sei Karl (V.) hier derjenige, der in allem der Herr sei und der ihr vor allen Freuden, die sie hatte, die Daseinsberechtigung sicherte. Hätte man in der Rechtsnachfolge nichts geändert und anderes beschlossen, hätte sie weiterhin nichts anderes gewollt als gegen Karl (V.) ihre Pflicht zu erfüllen. Denn Karl (V.) könne alles und sie wolle auch das dem so sei. Zwar zweifle Karl (V.) nicht an ihrem Übelwollen, jedoch auch wenn er viel falsch mache, lasse sie sich nicht beirren, sein hohes Lob und seine Ehre teilnahmsvoll zu begleiten.

Wenn du im Glauben große Sicherheit gehabt hättest

Hättest du es wie in allen anderen Fällen überwunden

Aber du hast es vorgezogen Bosheit zu unterstellen

Mir eine ganz andere Gesinnung zuschreibend als die deine Freundin zu sein

Und man wird alles das haben das du wünschst

Nach meinem Bedauern meine Abdankung

Denn er ist es dort der in allem der Herr ist

Der mir vor allen Freuden die Daseinsberechtigung sicherte

Hätte man es in der Rechtsnachfolge nicht anders beschlossen

Hätte ich es gewollt meine Pflicht ihm gegenüber gut zu erfüllen

Weil er alles kann und ich dies außerdem so will

Er glaubt daran dass an meinem Übelwollen kein Zweifel bestehe

Aber auch wenn er stark irrt lasse ich mich nicht beirren

Mich an seinem hohen Lob und seiner Ehre zu beteiligen.[114]

[...]


[1] Brüssel, Bibl. Roy. Die Albums umfassen drei Manuskripte. Das erste trägt den Titel Livre des Ballades, Ms. 10575, das zweite den Titel Chansons de Marguerite d'Austria, Ms. 11239 udnd das dritte den Titel Musique pour Marguerite d' Austria, Ms. 228. Josef Strelka: „Der burgundische Renaissancehof...“,1957, S. 56.

[2] Neben diesen Complaintes gibt es noch die Complainte que fait la fille unique de Maximilien Empereur depuis son dologeux trespas, Brüssel, Bibl. Roy., Ms. II, 119, fol. 132-133, Ms. 14864 bis 14865, fol. 18V und 19, Nationalbibliothek in Wien, Ms. 3391/57. J. Strelka, 1957, S. 168.

[3] Das Manuskript COD 2584 der Nationalbibliothek in Wien wird gemeinhin Complainte de Marguerite d' Autriche genannt. Catherine M. Müller, 2010, S. 75.

[4] Josef Strelka: „Gedichte Margarethe's“, 1954, S.8.

[5] J. Strelka, 1954, S. 13.

[6] Catherine M. Müller: „ La Poétique de Marguerite...“, 2010, S. 75.

[7] J. Strelka, S. 8.

[8] Dagmar Eichberger: „The culture...“, 2005, S. 292.

[9] J. Strelka, 1954, S. 8.

[10] D. Eichberger, „The culture...“ 2005, S. 293.

[11] J. Strelka, 1954, S. 8.

[12] J. Strelka, 1954, S. 9.

[13] D. Eichberger, 2002, S. 263.

[14] Ursula Tamassino: “Margarete...“. 1995, S. 290.

[15] J. Strelka, 1954, S. 15.

[16] Diese These Strelkas' unterstützt auch Tamassino 1995, S. 291: Margarete „mag die Enttäuschung vieler 'hoher Frauen' geteilt haben, die bemerken mußten, daß ihr Verehrer und vertrauter Freund nicht nur 'hehre Minne' im Sinn hatte, sondern auch ganz irdische Bedürfnisse.

[17] J. Strelka, 1954, S. 9.

[18] D. Eichberger, „The culture...“, 2005, S. 294.

[19] J. Strelka, 1954, S. 10.

[20] „But no hint of any immoral behavior emerged to blot the regent's reputation in the Netherlands.“ D. Eichberger, „The culture...“, 2005, S. 293.

[21] D. Eichberger, „The culture...“, 2005, S. 293.

[22] J. Strelka, 1954, S. 9.

[23] „Zumindest ein beträchtlicher Teil der Allegorien und Umschreibungen ist nur angewendet, um der Verschlüsselung und Geheimhaltung zu dienen, auf welche sich die Verse beziehen“.Zu restlosem Verständnis der „Klagen“ wie zu zweifelsfreier und nur eine Deutung zulassender Kommentierung derselben, reiche auch das vollständigste Emblematik-Handbuch wohl nicht aus, sondern nur die „genaue Detailkenntnis der realen Erlebnisvorgänge könnte dazu führen.“ J. Strelka, 1954, S. 20.

[24] Catherine M. Müller, 2010, .S. 76.

[25] C. M. Müller, 2010, S. 76.

[26] C. M. Müller verweist auf die Héroides von Ovid und hier speziell auf die Verse der Sappho (Brief XV, v.7), 2010, S. 78.

[27] Die Literatur der Zeit überhaupt und besonders die Literatur der Renaissance sei von weitestgehender Allegorierungssucht beeinflusst. Strelka führt de la Marches' Chevalier déliberé, Le Francs' Champion des Dames, Boutons' Mirroir des Dames, Lemaires' Couronne Margaritique, Molinets' Berarbeitung des Rosenromans etc.an. Josef Strelka, 1954, S. 16.

[28] C. M. Müller, 2010, S.76.

[29] „En esperant je me desespere“ (III, 4) C. M. Müller, 2010, S. 79.

[30] Toute écriture ne nait-elle pas sur fond de deuil? C. M. Müller, 2010, S. 79.

[31] C. M. Müller, 2010, S. 79.

[32] Je n'ay plus rien pour moy que Vraye Amour

Qui faict mon cueur souppirer sans sejour

Piteusement. Hellas! moy, trop dolente,

Que pourray faire si pour toy ne lamente ?

Aultre espoir n'ay pour te bien aymer

Que d'avoir dueil et regrect trop amer. C. M. Müller, 2010, S. 80.

[33] C. M. Müller, S. 2010, S.80.

[34] J. Strelka, 1954, S. 16.

[35] Den Inhalt der Verse bilde „der Ausdruck zarter, weiblicher Gefühle, wobei der bereits für Margarethe als typisch bezeichnete Grundton elegischer Ergebung in das Schicksal und unbeugsamer Seelenstärke zugleich vorherrscht.“ J. Strelka: „Der burgundische Renaissancehof...“, 1957, S. 55.

[36] J. Strelka, 1954, S. 11.

[37] J. Strelka, 1954, S. 12.

[38] J. Strelka, 1954, S. 16.

[39] Bei „den Reimen handelt es sich um gewöhnliche rimes plates ohne Alternance, wobei sich nebeneinander alle möglichen Arten von Cäsuren finden. Gekünstelte Reime sind eine Seltenheit und Ausnahmeerscheinungen, Akrostichonspielereien fehlen überhaupt, ja nicht einmal die Silbenzählung ist immer ganz korrekt durchgeführt.“ J. Strelka, 1954, S. 14.

[40] Mary Beth Winn verweist darauf, dass die Gedichte der Handschrift auf nur 15 Blättern im Volumen 32 X 22 cm, Platz finden, das Manuskript jedoch zehn ganzseitige Miniaturen beinhalte, für einen Text also von insgesamt nur 404 Versen. M. Beth Winn, „Marguerite...“, 1998, S. 158.

[41] Während Josef Strelka: „Gedichte...“ 1954, davon ausgeht, dass sich die Gedichte auf eine tatsächliche Liebesbeziehung Margaretes zu dem in den Buchstabenkombinationen A,L,C,H am Rande des Manuskripts genannten Antoine de Lalaing, Comte de Hoogstraten beziehen, versteht Dagmar Eichberger: „Leben mit Kunst...“, 2002, S. 333, die Gedichte als Klagelied der Regentin über den frühen Tod ihres zweiten Gatten, Philibert von Savoyen.

[42] Catherina M. Müller: „La Poétique...“, 2010.

[43] Im Altfranzösischen hat das Wort complainte – in größtmöglicher Verallgemeinerung – die Bedeutung „Klage“. Monika Wodsak: „Die Complainte“, 1985, S. 27.

[44] Von Rutbeufs Kreuzzugsdichtung, z.B. La Complainte de Constantinoble (ca. 1263/64), über Christine de Pizans' Compainte sur la folle de Charles VI. (1393), die Complainte de France von Charles d' Orléans (1433), in englischer Gefangenschaft geschrieben, bis zur von Jean Molinet verfassten Complainte de Grèce (1464) etwa. Monika Wodsak, 1985, S. 52.

[45] C. M. Müller, 2010, S. 80.

[46] Als Karl (V.) das neunte Jahr erreicht, wird seine Erziehung von der seiner Schwestern getrennt und seine Erziehung wird von Maximilina I. dem altburgundischen Edelmann Guillaume de Croy, Seigneur de Chièvres anvertraut. U. Tamussino, 1995, S. 150.

[47] Karl und seine drei Schwestern hätten als Waisen aufwachsen müssen, hätte sich nicht ihre Tante, die Errzherzogin Margarete von Österreich, liebevoll ihrer angenommen. Manuel F. Alvarez: „Karl V“, 1999, S. 16.

[48] Karl Brandi: „Kaiser Karl...“, 1938, S. 40. Der Umbau des hôtel de Savoie wird 1515 fürs erste beendet. A. M. Schlegelmilch: „Die Jugendjahre...“, 2011, S. 423.

[49] Karl Brandi, 1938, S. 41.

[50] Ernst Schulin: „Geschichte...“, 1999, S. 47.

[51] Karl Brandi, 1938, S. 42.

[52] Peter Lahnstein: „Auf den Spuren...“, 1979, S. 52.

[53] Ernst Schulin, 1999, S. 45, Peter Lahnstein, 1979, S. 52.

[54] Peter Lahnstein, 1979, S. 52, Karl Brandi, 1938, S.43, Manuel F. Alvarez, 1999, S. 17.

[55] Manuel Fernandez Alvarez, 1999, S. 17.

[56] P. Lahnstein, 1979, S. 53. Diese Vermutung dürfte zutreffen. Denn auch wenn sich Maximilian I. von seinen humanistischen Gelehrten und im Weißkunig gern als Wunderkind und unübertrefflich gelehrten Fürsten darstellen lässt und nur in den ersten autobiographischen Entwürfen vom Widerwillen des jungen Fürsten gegen die septem artes liberales, besonders die poetria die Rede ist (Jan Dirk Müller:“Gedechtnus“, 1982, S. 240) und seinem Enkel immer wieder nahe legt sich das Latein, die offizielle Sprache der Politik und Diplomatie gründlich an zueignen (Schlegelmilch, 2011, S. 178), kommt Maximilians tatsächliche Einstellung zur wünschenswerten Erziehung eines Herrschers doch eher in seiner Freude über die Erfolge Karls in den ritterlichen Disziplinen Reiten, Jagen, Umgang mit Schwert und Lanze etc. zum Ausdruck, wie sie sich in seinem immer wieder zitierten Satz vom 'nicht aus der Art geschlagenen' Enkel zeigt: Nous fumes bien jeuyeulz que nostre filz Charles prenne tant de plésir à la chasse; aultrement on pourra pensé aui fust bastart. Anna Margareta Schlegelmilch: „Die Jugendjahre...“, 2011, S. 94.

[57] K. Brandi, 1938, S. 43.

[58] Der Entscheidung für den geeigneten Erzieher waren wegen der großen Bedeutung des Amtes langwierige Verhandlungen zwischen dem Kaiser und seiner Tochter vorausgegangen. Margarete hätte lieber Herrn von Berghes, den Führer der englischen Partei auf diesem Posten gesehen als den frankreichfreundlichen Chièvres. U. Tamassino, 1995, S. 150. Nach Andreas Walther stellte die Wahl Chièvres, als Erzieher Karls durch Maximilian I., eine bewusste Beschränkung der „Aktionsfreiheit seiner Stellvertreterin“ dar, wie auch die für Margarete ausgestellte Bestallungsurkunde zur Regentin, vom 18. März 1509, bereits von empfindlichen Einschränkungen durch ausdrückliche Vorbehalte gekennzeichnet gewesen sei. Andreas Walther: „Die Anfänge...“ 1911, S. 77.

[59] „Margaret, who was both his aunt and foster mother.“ Dagmar Eichberger: Women of Distinction, 2005, S. 290. Die Einstellung Chiévres führt im Laufe der Zeit nicht selten zu Kontroversen mit Margarete, die sich darüber beklagt, dass man Karl (V.) bewusst ihrem Einfluss entziehe. Ursula Tamassino, 1995, S. 150.

[60] Am 4. April 1505 wird der Friedens- und Freundschaftsvertrag von Hagenau ratifiziert, der auf Vorschlag Ludwigs XII. eine Heirat zwischen Maximilians Enkel Karl (V.) und Ludwigs XII. Tochter Claudia vorsieht und damit scheinbar geeignet ist den Streit beider Herrscher um Mailand und Neapel auf „salomonische Weise“ zu lösen. Hermann Wiesflecker, 1991, S. 142. Wenige Monate nach Ludwigs XII. erfolgter Belehnung mit Mailand durch Maximilian I., widerruft Ludwig XII. jedoch diesen Heiratsvertrag. H. Wiesflecker, 1991, S.149.

[61] Karl Brandi, 1938, S. 45.

[62] „The ambassador of Aragon is endeavouring to remove Chiévres and his adherents from their places about the Prince, so as to replace them by persons agreeable to his master, and to drive Don Juan Manuel from the Court.“ Zit. nach Anna Margarete Schlegelmilch: „Die Jugendjahre...“, 2011, S. 111.

[63] Am oder vor dem 11. Juli 1513, da von diesem Datum ein Protokoll über ein Verhör de Castros vorliegt. Der Kastilier Diego de Castro, „Sekretär für die spanische Zunge“ am Hofe, habe versucht durch sein Intrigieren für Frankreich die politischen Pläne der Regentin zu durchkreuzen. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 113.

[64] Karl Brandi, 1938, S. 45.

[65] Um Ferdinand einen unzweifelhaften Beweis ihrer Gesinnung zu geben, so Karl Brandi, 1938, S. 46.

[66] Am 10. Januar 1514 gab der Kaiser die Erlaubnis, den Kastilianer zu verhaften, „wenn er sich nach dem Gesetz strafbar gemacht habe“. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 393. In einem streng vertraulichen Schreiben an Hans Renner, den Sekretär Maximilians, unterstützt Margarete Anfang November 1513 das dringende Anliegen Ferdinands von Aragon, Don Juan Manuel, den Anführer der Kastilier am Hofe aus der Umgebung Karls (V.) zu entfernen, zu dessen Bestem und im Interesse der Eintracht und der Allianz von Kaiser und König – damit diese nochmals gemeinsam gegen Frankreich vorgehen könnten. A. M. Schlegelmilch, 2011, S.113. Am 19. Mai musste Margarete dem Kaiser allerdings mitteilen, dass man keine Juan Manuel belastenden Schriftstücke gefunden habe. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 396.

[67] Bei den Manuels' handelt es sich um ein bedeutendes Adelsgeschlecht Altkastiliens, das mit dem Königsgeschlecht selbst verwandt ist und dessen Angehörige sich auf den Bischofssitzen von Santiago, Leon und Zamora befinden. Karl Brandi, 1938, S. 56. Don Juan Manuel erklärt aus dem Staatsgefängnis von Vilvorde brieflich: seine einzige Schuld sei die, nicht Diener des Königs von Aragon zu sein; wolle Margarete alle, die sich in derselben Lage befänden, bestrafen, so würden sehr wenige Kastilianer ohne Strafe bleiben. Als die Angehörigen des Gefangenen bei Margarete vorstellig werden, sichert sie ihnen zu, dass Juan Manuel nicht an König Ferdinand ausgeliefert werde. Ein Versprechen, dass sie im Gegensatz zu den zugesagten Hafterleichterungen auch einhält. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 393. Wie wichtig dieses Versprechen war und die ganze Dramatik der Ereignisse geht daraus hervor, dass schon seit Monaten ein von Ferdinand ausgerüstetes Schiff in einem niederländischen Hafen lag, mit dem Auftrag, den von Margarete auszuliefernden Juan Manuel an einen nur dem Führer des Schiffes bezeichneten Ort zu schaffen. A. Walther, 1911, S. 120.

[68] Unmittelbar im Anschluss an den Auftritt der Vliesritter vor der Regentin setzen diese ein Protestschreiben an den Kaiser auf, das von Karl als Duc Charles, chef et souverain und sieben Ordensrittern; Charles de Croy, Fürst von Chimay, Heinrich Graf von Nassau, den Seigneurs de Chièvres und de Sempy, de Beersel, du Roeulx und d'Ysselstein unterzeichnet wird. A.M. Schlegelmilch, 2011, S. 395.

[69] Karl Brandi, 1938, S.46. Allerdings zögert Margarete die Freilassung Juan Manuels bis Ende April hinaus und gestattet ihm nicht, vor seinem Aufbruch nach Wien seine Angelegenheiten in den Niederlanden zu ordnen und verlangte überdies, dass er für die Unkosten auf kam, die sein Gefängnisaufenthalt verursacht hatte. Zwar sei es üblich gewesen, dass Gefangene für die Unkosten auf kamen, die ein Gefängnisaufenthalt verursachte, dies jedoch nur wenn sie schuldig gesprochen wurden. Da dies bei Juan Manuel noch keineswegs der Fall war, habe sich Margarete hier abermals in Unrecht gesetzt. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 396.

[70] Noch Mitte April 1514 setzt sich Margarete in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Briefen an Maximilian I. für das Eheprojekt mit England ein und mahnt den Vater noch einmal Ende Mai an der „Dreieinigkeit“ mit Heinrich VIII. und Ferdinand festzuhalten. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 148.

[71] Maike Vogt-Lüerssen, S. 277.

[72] M. Hollegger, 2005, S.207.

[73] Manfred Hollegger, 2005, S. 208.

[74] Ernst Schulin, 1999, S. 47.

[75] Gegenüber dem englischen Gesandten beklagt sich Margarete „fast weinend“, der Kaiser habe „ohne ihre Kenntnis mit dem Herrn de Chièvres die Entlassung Karls aus der Vormundschaft abgemacht, zu großem Präjudiz für ihre Ehre“. In einer späteren Rechtfertigungsschrift führte sie aus, wenn sie über die Angelegenheit regrets empfunden habe, dann nur deshalb, weil man ihr die Schande angetan habe, die Verhandlungen hinter ihrem Rücken zu führen. U. Tamussino,1995, S. 167.

[76] Die Generalstaaten bewilligten für den Kaiser eine große Summe als Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass er eingewilligt hatte, dass sein Enkel Karl im Alter von erst 15 Jahren für volljährig erklärt würde. Manuel F. Alvarez, 1999, S. 18. Maximilian wird auch die 'Weiterzahlung seiner bisherigen Pension zugesichert. Karl Brandi, 1838, .S. 47.

[77] Andreas Walther: „Die Anfänge“, 1911, S. 10.

[78] A. Walther, 1911, S. 15. Der Wunsch Maximilians nach dem Frieden von Senlis, vom 23. Mai 1493, er möge Guillaume de Croy als Angehörigen der 14-köpfigen 'Regenterie', von der ihn im halbjährlichen Wechsel jeweils 2 Mitglieder begleiten sollten, zuerst bei sich haben, kann dann als Anerkennung dieser Loyalität Croys und dessen Einflusses auf Maximilian gewertet werden. A. Walther, 1911, S. 22. Erzherzog Philipp hat außer dem Hofstaat, dessen wichtigste Mitglieder vom König bestimmt werden, einen Rat von 14 Personenzur Seite, welcher den Namen 'Regenterie' führt und die Befugnisse einer oberen Regierungsbehörde ausübt. Zwei Mitglieder dieses Rates sind dem Hofe Maximilians zugeordnet und halten den König in laufender Kenntnis über die Ereignisse in den Niederlanden. Sigmund Adler: Die Organisation...“, 1886, S. 21.

[79] Karl Brandi, 1938, S.47.

[80] Karl Brandi, 1838, S. 49

[81] Christine de Pizan, Der Schatz der Stadt der Frauen, 1996, S. 94, im I. Teil, Kap. 16: „Hier folgt die vierte Lehre der Lebensklugheit: Wie die weise Fürstin ihr besonnenes Verhalten auch denen gegenüber aufrecht erhält, von denen sie weiß, daß sie sie nicht lieben und ihr mit Neid begegnen.“

[82] Das Jahresende 1513 und der Verlauf des folgenden Jahres ließen fast ausnahmslos alles zusammenbrechen, was die Regentin im Laufe ihrer Amtszeit aufgebaut hatte. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 114.

[83] Maximilian hätte seine Tochter und den König von England nicht ärger enttäuschen können als durch diesen unglückseligen politischen Seitensprung, so Hermann Wiesflecker, 1991, S. 295. Wie auch im Falle des Heiratsvertrages zwischen Enkelin Isabella und König Christian II. von Dänemark, den Maximilian seiner Tochter mit Schreiben vom 30.04.1512 mitteilt und von dem Margarete offensichtlich zuvor nicht unterrichtet worden war, gehe aus der Correspondance zwischen Maximilian I. und Margarete eindeutig hervor, dass der Kaiser seine Tochter wiederholt nicht in seine Pläne einweihte und sie an etlichen Entscheidungen, die ihre Aufgabe als Regentin und als Vormund tangierten, nicht beteiligte. Sie wurde oft vor vollendete Tatsachen gestellt, so A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 397.

[84] Am 7. August 1514 ließ Heinrich VIII. in London heimlich den Ehevertrag zwischen dem französischen König und seiner Schwester Maria Tudor unterzeichnen. Als sechs Tage später, am 13. August, deren Heirat per procurationem gefeiert wurde, war die niederländische Statthalterin sehr enttäuscht über das Verhalten des englischen Königs. Sie hatte nämlich immer noch keine Ahnung, dass ihr Vater und der spanische König ihren Neffen Karl bereits mit der französischen Prinzessin Renée verlobt hatten. Maike Vogt-Lüerssen: „Margarete“, 2010, S.280.

[85] Die wortwörtlichen Übersetzungen sind jenseits etwaiger Ansprüche sich der Ästhetik und Eleganz des Originals nähern zu wollen, nur als dem besseren Verständnis des von Margarete gemeinten Sinns dienend zu verstehen. Auch ihr Spiel mit Mehrdeutigkeiten wird in der Regel nicht thematisiert.

[86] Nauois tu pas le cueur cruel et dur. Denn hart und grausam war dein Herz De me tromper qui te voulloye servir Du täuschtest die dir dienen wollte En me laissant piteusement languir Und ließest mich erbärmlich schmachten Sil te plaisoit me tuer et occire (Übersetzung, Ursula Tamassino, 1995, S. 291. Ne scauois tu par semblant me lescrire Pas neusse crainct dendurer tel soucy (Strelka, 1954, S. 28)

[87] Dagmar Eichberger: „The Culture...“, 2005, S. 288.

[88] Tu me promis quant te trouuay aux champs Als ich dich traf, versprachst du mir Que changeroie mes tres douleurs champs Mein schmerzliches Geschick zu wandeln, (Strelka, S. 28) (Übersetzung von Ursula Tamassino, 1995, S. 291))

[89] Cest bien assez sans avuoir merite Je soye pugnye tout a ta volunte Vouldrois tu mieulx et plus forte te venger Que pour toy seul me faille lestranger Bien il me semble que il te doibt suffire Le cueur tu as enuers moy trop plain dire (Strelk, S. 24)

[90] Je diz que non et sur ma consience

Que ne scaroye le prendre en patience

Aduise toy laisse ton fier couraige

Et me laisse le surplus de mon aage

Car tes faulx tours me sont tropdesplaisans

Et tes rappors encores plus nuysans

Laisse moy viuve et me donne respit

Retire toy ne me soye plus despit (Strelka, S. 24)

[91] Im Dezember fanden Verhandlungen zwischen den Generalständen und Maximilian über das Ende der Vormundschaft Karls (V.) statt, an denen Chièvres nicht unwesentlich beteiligt war und die man vor Margarete streng geheim hielt. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 386.

[92] Sil me aduenoit que ie le puisse faire

Si ne vouldroys de taymer me retraire (Strelka, S. 29)

[93] Car en tout lieu si de toy me souuyent

La lerme en loeil incessanment me vient

E suys contraincte denlaisser compagnie (Strelka, S. 31)

[94] Jamais en moy tu nauras tel deuys

Que tu as eu ainsy quil mest aduis (Strelka, S. 32)

[95] Margarete wird von der Absicht einer vorzeitigen Mündigkeitserklärung Karls, die ein Ende ihrer Regentschaft zur Folge hat, offenbar überrascht. Eine von ihr erwartete 'Emanzipation' Karls nach burgundischer Sitte, an seinem 15. Geburtstag, der also am bereits nahen 24. Februar 1515 erfolgt wäre (Schlegelmilch, 2011, S 385), könnte ihre Überraschung und ihr Entsetzen wohl kaum erklären, weshalb die Annahme A. Walthers treffen dürfte, dass Margarete die Hoffnung hegte, die Vormundschaft noch über das 15. Lebensjahr des Prinzen ausdehnen zu können. In ihrer Rechtfertigungsschrift vor dem Rat am 20. August 1515 behauptet Margarete dann allerdings, nicht über die Emanzipation Karls selbst habe sie „regret“ empfunden, sondern dass diese heimlich und ohne ihr Wissen betrieben wurde, man ihr die Schande angetan habe, die Verhandlungen hinter ihrem Rücken zu führen. A. Walther, 1911, S. 134.

[96] Que tay ie faict que tu metz si cruel

Je ne merit aucun crime mortel

Si ce nestoit pour tauoir trop ayme

Qui a grand dueil a moy tout entame (Strelka, S. 31)

[97] Car en amours tu es si tres changeant

Tu neusse point faict a vraye amour guerre (Strelka, S. 31)

[98] Ton beau parler point ne mabusera

Car le myen cueur de Rien ne te croyra (Strelka, S. 31)

[99] Je nay espoir que tu me vueille bien

Tout ton propos nest que pour entretien

Je layme myeulx et si ne foys seiour

Pour auoir bien ne plaisir en mal iour (Strelka, S. 31)

[100] Gesperrtes ist von mir hervorgehoben, H. H.

[101] Margarete gebraucht hier die Worte c r oy r i e n (Gesperrtes von H. H.)

[102] Je suys icy du tout pour ton plaisir

En latendant par vng trop grand loysir

Las si jamais ie neusse este sur terre

Tu neusse point faict a vraye amour guerre

Car toutes aultres teussent du tout congneu

Et pour seigneur ne teussent retenu

Car en amours tu es si tres changeant

Que lon te dict de varier regentschaft

Ay je donc tort si de toy ie me plains

Et si ie foys mes clameurs et mes plains

Puys que ie voy que ton cueur fault et ment

A ceste la qui tu es amant

Ce nest pas moy de cella ie ta seure

Il ne fault point que tu en parles et iure

Je ne croy rien et si ne le veulx pas

Daultre manger veulx faire mes repas (Strelka, S. 31)

[103] Die angespannte politische Situation und Besorgnis der neuen Machthaber über etwaige Schritte Margaretes, die die neuen Machtverhältnisse gefährden könnten, kommt wohl in deren Überwachung zum Ausdruck, die die neue Regierung für angezeigt hielt. Margaretes Post wird ihr vorenthalten oder verspätet übermittelt, wobei deutliche Spuren darauf hinweisen, dass die Briefe geöffnet wurden. Auch ihr Briefverkehr mit dem Kaiser wird kontrolliert. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 417. Margarete verschlüsselt im Gegenzug ihre Briefe, was sich noch für Dezember 1516 aus einem Schreiben des Kaisers an Margarete erschließen lässt. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 419. Margarete stellt auch ihr politisches Wirken keineswegs ein, sondern versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten Chièvres Politik entgegenzuarbeiten, indem sie sich um die Wiederbelebung der alten Beziehungen zu England bemüht, wobei sie sich auf eine kleine Gruppe von Adligen, vor allem der nördlichen Provinzen der Niederlande, stützen kann. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 416. Obwohl sie keine offizielle Funktion mehr innehatte sei es nicht gelungen sie völlig auszuschalten: „mit Margarete war weiterhin zu rechnen“. A. M. Schlegelmilch, 2011, S. 420.

[104] Tu scez assez que ie ne feray chose

Ou ie vueille estre par faulx abuz enclose (Strelka, S. 29)

[105] Plus tost la mort me vienne assaillir

Que par honneur ie te veuille faillir (Strelka, S. 29)

[106] Tu pourras dire quil vient par jalousie

Et que par trop vng peu ie men soucy

Si tu le pense tu es hors de propos

Car la creance est tout mon vray repos (Strelka, S. 32)

[107] Margarete verfügt seit 1509 über eine Reihe von Ländereien und Herrschaften, die sie sich als Zukunftssicherung bei ihrem Vater Maximilian für die Übernahme der Statthalterschaft Burgunds ausbedungen hat: Neben der Franche Comté (Freigrafschaft Burgund) auch kleinere Besitzungen. Ihr voller Titel lautete jetzt: Margarete von Gottes Gnaden Erzherzogin von Österreich und Herzogin von Burgund, Herzoginwitwe von Savoyen, Gräfin von Burgund, Charolais, Romont, Bâge en Villars, Dame von Salins, Malines, Château-Chinon, Noyers, Chaussin, La Perrière, von Bresse, Vaud und Faucigny. Margarete hatte jedoch bei Übernahme der Territorien versichern müssen, dass alle Besitztümer beim Haus Habsburg verbleiben würden und keinerlei Absicht bestünde, das Erbe ihrer Neffen und Nichten in irgendeiner Weise zu schmälern. Ursula Tamassino, 1995, S. 135.

[108] Tu scez de vray que ie ne le vouldroye

Et que ne vaulx maduenir si grand joye

Aussy ne veulx ie Je luy quicte ma part

Qui est petite comme bien il appert

Sil se pouoit faire que luy peusses donner

Je le feroys sans gueres seiourner (Stelka, S. 32)

[109] Margaretes persönlichen Grundsatz, allzeit Treue bewahren zu wollen, bestätigt auch ein anderes ihrer Gedichte in den Albums poétique: 'Toujours loyal' (Allzeit getreu)

Toujours loyal, quoy que adviennne Allzeit getreu, was immer auch geschieht

En tout et partout l' homme doit estre Das ist des Menschen Pflicht allüberall,

Tant soit il seculier ou prestre Ob er nun Gott gehört oder der Welt

Droit dit que loyalté l' on tienne Die Treu zu halten, wie das Recht befiehlt.

Dieu veult, certes, qu' on s'entretienne Gewiß will Gott, daß wir im Glück

En fortune bonne ou senestre Und auch im Unglück bleiben:

Toujours loyal Allzeit getreu.

Pouser le cas qui mesavienne Wenn das Unheil uns trifft,

Et que le tout ne vient a dextre Und nichts mehr gehet recht,

Je ne scay mieux du monde en l'estre Weiß ich nichts Beßres in der Welt

Pour l'homme, fors qu'i se mentienne Als standhaft sein und bleiben:

Toujours loyal Allzeit getreu

Übersetzung von Ursula Tamussino, 1995, S. 205.

[110] Si auoye faict quelque offence

Car ie scay bin que tu y as fiance

Tu as pense despuys vng peu de temps

Que ne vouldroye le mal que tu pretens

Mais que lhonneur et aussy concience

Il soit garde ie te donne asseurance

Tu es bien seur quil en sera ainsy

Et que honneur te prendra a mercy (Strelka, S. 32)

[111] Strelka vermutet „das geheimnisvolle Zeichen“ .I. stehe für Isabeau, bâtarde d' Haubourdin, eine Geliebte Lalaings', mit der dieser einen natürlichen Sohn, Philipp de Lalaing, hatte. Isabeau sei wohl der Grund für Lalaings Untreue und „eine Hauptursache“ von Margaretes' Klagen gewesen. Strelka, 1954, S. 9. Hingegen vermutet Mary Beth Winn, das Kürzel „I“ beziehe sich auf die mit Lalaing verheiratete „Isabelle“ de Culemborug, von der die Dichterin die Erwartung ausspreche, Isabelle werde helfen Lalaings fehlgeleitetes Verhalten und seine Untreue zu korrigieren, damit Lalaing Schande abwenden und Ehre behalten könne. Mary Beth Winn: „Marguerit“, S. 165. „the abbreviation ' I ' in line 263, which may refer to „Isabelle“ de Culembourg.

Das Zeichen .I. bezieht sich hier allerdings offenbar auf die Führungsrolle Maximilians. Sowohl im Hause Habsburg als auch in Europa solle Maximilian weiterhin der 1. sein und sich nicht von seinem Enkel Karl (V.) verdrängen, beschädigen lassen, was ihm Schande eintragen würde. Die Nr. 1. korrespondiert also vermutlich mit den Versen im Gedicht (S. 31) in denen Margarete auf Karl (V.) bezogen warnt, dieser habe sich abgekapselt und den Zugang zu sich aus Enttäuschung verschlossen:

Seht euch gut vor in welchem Ausmaß ihr euch unterwerfen müsst

Und wie viel Liebe euch das erlauben würde (Strelka, S. 31)

Car sans cesser dedans luy suys enclose

Par despoir qui (na) na son entree close

Gardez vous bien de tant vous y soubz mettre

Et quant amour le vous vouldroit permettre (Strelka, S. 31)

Margarete sieht also offenbar die Gefahr, dass Maximilian sich durch zu viel Nachgiebigkeit den Zugang zum verstockten Enkel erkaufen muss, um dann von diesem übergangen und beiseite geschoben zu werden und damit seine Stellung als Nr. I in der Familie als auch in Europa verliert. Margarete verwendet das Zeichen I als Bezeichnung für Imperator, so in der illuminierten Handschrift, des Sforza Stundenbuchs, die Margarete Karl V. anlässlich seiner Wahl zum Kaiser (Imperator) 1519 als Geschenk zugedacht hat. Auf fol. 213 befindet sich ein goldenes Porträt-Medaillon mit den verschlungenen Buchstaben K (Karolus) und I (Imperator). Dagmar Eichberger: „The culture of gifts...“, 2005, S. 291.

[112] Je te supplye de bien y aduiser

Auant que plus en vouloir diuiser

Retire toy dune si grand(e) follie

Car ie voy dueil qui en tout cueur sallie

Et de ma part les journees et les nuytz

Seront passez en merueilleux ennuytz

Jusques a ce que acheue ton ouraige

Mais faictz que honte ne te face dommaige

Mais ie veulx bien que. I. te radresse (Strelka, S. 32)

[113] A ce bien point ne luy feray presse

Elle vault bien a la veue de mes yeulx

Den auoir plus si ce puoit faire myeulx

Je la loue de ce quelle tient ferme

Le bon propos que bien souuent tafferme

ne pense point que ie aye nulle attente

Ne que de riens ie soye mal contente

Car sur ma foy ma pensee finera

En liberte tant que vie aura

Mon cueur remply de desperance

Aussy de mort qui de son iour sauance

Je ne veulx point estre delle espargne (Strelka, S. 33)

[114] Si tu auoye a foy grand seurete

Tout aultre cas tu auvoys surmonte

Mais tu retiens pour donner facherie

Lautre couleur a moy qui suys tamye

Et si auray tout ce quay desire

Si apres moy regrect la retire

Car cestuy la qui de tous est le maistre

De tous plaisiers il ma faict seure destre

Sil ne varie nayant aultre voulloir

Bien enuers luy veulx faire mon debuoir

Car il peult tout et aussi le veulx

En le croyant de mon mal ne me deulx

Car il vault tant que ne me puys lasser

De son bon lotz et honneur compasser. (Strelka, S. 33)

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Die 'Klage' der Margarete von Österreich über Vater Maximilian I. und Neffen Karl (V.)
Untertitel
(Cod. 2584, Wien, ÖNB) Erlebnislyrik - Literarisches Manifest - Politisches Signal
Autor
Jahr
2012
Seiten
123
Katalognummer
V205667
ISBN (eBook)
9783656334712
ISBN (Buch)
9783656334804
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiser Karl V., Kaiser Maximilian I., Konversationskultur, Baldesar Castiglione, Sprezzatura, Hofzeremoniell, Orden vom Goldenen Vlies, Antoine de Lalaing, Guillaume de Croy
Arbeit zitieren
Staatsexamen Lehramt für Gymnasien Horst Haub (Autor), 2012, Die 'Klage' der Margarete von Österreich über Vater Maximilian I. und Neffen Karl (V.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205667

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