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„Rein zum Verrücktwerden“ – Georg Heyms Figur des „Irren“ als Opfer gesellschaftlicher Zwänge

Title: „Rein zum Verrücktwerden“ – Georg Heyms Figur des „Irren“ als Opfer gesellschaftlicher Zwänge

Term Paper , 2012 , 11 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Wiebke Hugen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„So, und nun sollte die Welt etwas erleben.“ –
Georg Heyms Erzählung „Der Irre“ ermöglicht uns, seiner Figur ganz nahe zu kommen, indem der Leser große Teile der Geschichte aus der Perspektive des wahnsinnigen namenlosen Protagonisten wahrnimmt. Wir haben also teil an seinem – eigentlich als Rachefeldzug gegen seine Frau geplanten – Amoklauf von der Anstalt Richtung Stadtzentrum, bei dem „unschuldige Bürger“ auf denkbar brutale Art ihr Leben lassen müssen. Unwillkürlich begibt man sich auf die Suche nach der Motivation des „Irren“ und letztlich auch nach der des Autors, der uns jede Mordtat des Verrückten so schonungslos präsentiert. Dabei stößt der geneigte Leser auf Hintergründe, die ihn zum „Großen, Ganzen“ um die Erzählung führen: Die gezielte und durchdachte Nutzung des „Wahnsinns“ durch den Expressionisten Georg Heym, um einen neuen, kritischen Blick auf die Gesellschaft seiner Zeit zu ermöglichen, in der der „Irre“ letztlich nicht Täter, sondern Opfer und Unterdrückter ist. In der folgenden Auseinandersetzung mit Heyms Erzählung sollen deshalb die Hinweise aus dem Text mit den bekannten expressionistischen Mustern abgeglichen werden, um die Figur des „Irren“ im passenden literaturhistorischen Rahmen zu betrachten und so auch Auskunft über die Intention des Autors geben zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Figur des „Irren“ im expressionistischen Kontext

2.1. Perspektive und Erzählweise

2.2. Gesellschaftskritik und Wahnsinn als Utopie

3. Fazit und Interpretation

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Heyms Erzählung „Der Irre“ und analysiert, wie die Figur des „Irren“ als Opfer gesellschaftlicher Zwänge fungiert, um die expressionistische Sichtweise auf das Individuum in der Moderne kritisch zu beleuchten.

  • Darstellung des „Irren“ abseits psychiatrischer Fallstudien
  • Funktion der „verrückten Perspektive“ als erzähltechnisches Mittel
  • Konfrontation zwischen dem „neuen Menschen“ und bürgerlichen Normen
  • Die Rolle der Großstadt als Ort der Entfremdung
  • Der Wahnsinn als antibürgerliches „Aussteigermodell“

Auszug aus dem Buch

Die Funktion der „verrückten Perspektive“

Abgesehen davon, wie das „Irresein“ an sich zu bewerten ist, bot der Rückgriff auf dieses Motiv Georg Heym jedoch auch aus erzähltechnischer Sicht neue Möglichkeiten: Ein Verrückter als „Held“ ermöglichte dem Autor die von vielen Expressionisten programmatisch geforderte Auflösung der konventionellen Erzählweise: „Durch die Einführung des Verrückten legitimiert der Autor seine Intention, die dargestellte Welt zu verfremden, d. h. sie dem Leser in einer anomalen, verrückten Sicht zu zeigen.“ Erst in der Abbildung der „verrückten Perspektive“ des „Irren“ ist der Autor frei, alle konventionellen Handlungssequenzen fallen zu lassen. Durch dieses Erleben der Welt aus der Sicht des Geisteskranken, der letztlich nicht als Täter, sondern vielmehr als Opfer der seiner Umwelt erscheint, wird auch der Zustand einer allgemeinen gesellschaftlichen Deformation verdeutlicht; Norm und Normalität müssen dabei in Frage gestellt werden.

So klagt Heym, wie SULZGRUBER feststellt, letztlich den „gesellschaftlichen Wahnsinn“ an. Typisch ist in diesem Zusammenhang die Negativbewertung der Großstadt, in der niemand mehr auf den anderen achtet (was in der Erzählung etwa daran sichtbar wird, dass der „Irre“ den Menschen um ihn herum trotz eines großen Blutflecks auf der Weste nicht auffällt) und sich der Einzelne trotz der Masse von Leuten um ihn herum alleingelassen fühlt. SULZGRUBER bezeichnet den „Irren“ als einen „im expressionistischen Sinne Suchende[n]“, dessen eigentliches Ziel von Anfang an nicht ist, sich an seiner Frau zu rächen, sondern der Selbstverwirklichungsversuch eines unangepassten Ichs in einer Welt von durch Abstammung, Staat, Beruf und Familie unterworfenen Individuen. Indem der „Irre“ durch seinen Tod am Ende der Erzählung diesem defizitären System den Rücken zukehrt, erlangt er die „Einheit mit der Natur“ wieder, die dem Rest der Gesellschaft verwehrt bleiben muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Erzählung „Der Irre“ ein und benennt die Intention, die Figur nicht klinisch, sondern im gesellschaftskritischen Kontext des Expressionismus zu betrachten.

2. Die Figur des „Irren“ im expressionistischen Kontext: Das Kapitel analysiert die erzählerischen Mittel, wie die Perspektive des Wahnsinns genutzt wird, und diskutiert die Konfrontation zwischen dem Individuum und der entfremdeten Gesellschaft.

3. Fazit und Interpretation: Der Schlussteil fasst zusammen, dass Heyms Erzählung den Wahnsinn als antibürgerliches Aussteigermodell darstellt und das System der Moderne kritisch reflektiert.

Schlüsselwörter

Georg Heym, Der Irre, Expressionismus, Wahnsinn, Gesellschaftskritik, Moderne, Individuum, Außenseiter, Entfremdung, Natur, Perspektive, Utopie, Großstadt, Lebensgefühl, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht Georg Heyms Erzählung „Der Irre“ und analysiert, wie die Figur des Wahnsinnigen genutzt wird, um gesellschaftliche Normen und Zwänge zu kritisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die expressionistische Darstellung des „neuen Menschen“, die Entfremdung in der urbanen Moderne sowie der Wahnsinn als radikale Form der Selbstverwirklichung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der „Irre“ bei Heym nicht als medizinischer Fall, sondern als Opfer einer deformierenden Gesellschaft betrachtet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachspezifische Forschungsliteratur, um expressionistische Muster in Heyms Text aufzudecken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die erzählerischen Kniffe, die Rolle der Natur als Gegenwelt sowie das Verhältnis des Protagonisten zur „Masse Mensch“ und zu bürgerlichen Institutionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie Expressionismus, Wahnsinn, Entfremdung, Utopie und gesellschaftliche Normen.

Wie deutet die Arbeit den Mord an den Kindern durch den Protagonisten?

Die Autorin interpretiert die Gewalttaten als Ausbruch aus der gesellschaftlichen Ordnung und als Resultat der Unvereinbarkeit von entgrenzter Natur und bürgerlicher Zivilisation.

Warum wird der „Irre“ als „Gewinner“ bezeichnet?

Obwohl er stirbt, wird er im Text als Gewinner dargestellt, da er sich durch seinen Wahnsinn der gesellschaftlichen Kontrolle entzieht und in seinen Visionen eine letzte, absolute Freiheit erfährt.

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Details

Title
„Rein zum Verrücktwerden“ – Georg Heyms Figur des „Irren“ als Opfer gesellschaftlicher Zwänge
College
Free University of Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie )
Course
Georg Heym interdisziplinär gelesen
Grade
2,0
Author
Wiebke Hugen (Author)
Publication Year
2012
Pages
11
Catalog Number
V205716
ISBN (eBook)
9783656323648
ISBN (Book)
9783656328223
Language
German
Tags
Expressionismus Psyche Wahn Wahnsinn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wiebke Hugen (Author), 2012, „Rein zum Verrücktwerden“ – Georg Heyms Figur des „Irren“ als Opfer gesellschaftlicher Zwänge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205716
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