Sterbehilfe, gesellschaftskonforme Wege zum humanen Tod?

Ethische Betrachtungsweisen


Hausarbeit, 2008
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Sterben und Tod im Wandel
2.1 Sterben und Tod in der Vergangenheit
2.2 Sterben und Tod in der Gegenwart

3. Euthanasie - generell ein Ausweg für Menschen mit Problemen?
3.1 Körperliche Probleme
3.2 Geistige Probleme
3.3 Soziale Probleme

4. Euthanasie
4.1. Formen der Sterbehilfe
4.1.1 Sterbebegleitung
4.1.2 Indirekte Sterbehilfe
4.1.3 Passive Sterbehilfe
4.1.4 Aktive Sterbehilfe
4.2 Juristische Betrachtung der Sterbehilfe.
4.3 Ethische Betrachtung der aktiven Sterbehilfe
4.4 Theologische Betrachtung der aktiven Sterbehilfe
4.4.1 Die katholische Kirche
4.4.2 Die evangelische Kirche

5. Persönliches Resümee

6. Schlusswort..

7. Literaturverzeichnis..

1. Einleitung

Zur Zeit wird in der Politik wieder ein Thema konkret behandelt und debattiert. Es handelt von der sogenannten Patientenverfügung, die nicht nur Politiker beschäftigt, sondern jeden von uns dazu zwingt, sich mit dem Tod und dem Weg dorthin, auseinander zusetzen. Wie es bekannt ist, sterben die meisten Deutschen in Krankenhäusern und Altenheimen, oft nach einer langen Krankheit, oder allein; zu Hause sterben nur noch die wenigsten. Doch wie weit dürfen Mediziner gehen, wenn ein Patient nicht mehr ansprechbar ist und nur noch an Maschinen und Schläuchen hängt, oder ein schwerkranker oder alter Mensch sogar darum bittet, seinem Leben selbst ein Ende setzten zu dürfen? Wie weit darf ein Mensch also selbst bestimmen, wie weit seine Behandlung gehen soll, wenn diese Fälle eintreten?

„Konkret betrifft das nach Schätzungen des Justizministeriums etwa acht Millionen Deutsche, die für diesen Fall ein Schriftstück aufgesetzt haben, in dem sie beispielsweise über die Anwendung lebenserhaltender Maßnahmen bestimmen. Bisher war die Gültigkeit solcher Patientenverfügungen in manchen Fällen umstritten. Ärzte waren sich unsicher, wie weit sie dem Willen der Kranken folgen dürfen. Wo fängt Sterbehilfe an? Und lässt sich das Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient im Ernstfall durch die - manchmal ohne Beratung zustande gekommene - Verfügung ersetzen?“[1]

Um dieser Frage näher zu kommen, will ich in den folgenden Teilen einen Überblick geben, wie das Sterben und der Tod in der Vergangenheit über die Bühne des Lebens ging, über die Probleme der Menschen heute, die einzelnen Formen der Sterbehilfe, sowie die Betrachtung dessen durch die Institutionen der juristischen, theologischen und ethischen Seite.

2. Sterben und Tod im Wandel

2.1 Sterben und Tod in der Vergangenheit

In der Antike bis hin zum 5. Jahrhundert nach Christus nahm man den Tod und das Sterben als natürliches Schicksal an, das als Gesetz von der Natur gegeben war. Die Menschen fanden sich somit mit dem Tod ab und der Tod war für sie ein naher und vertrauter Bekannter. Die Vorstellung vom Tod war keinesfalls angsteinflössend, auch wenn man eine gewisse Distanz zu den Toten hielt.

Tote „galten als unrein. Jede Berührung - außer bei den Totenmählern – sollte deshalb vermieden werden.“[2] Um diese Berührung mit den Toten so gut wie es ging zu vermeiden, wurden sie deshalb eingeäschert und außerhalb der Städte beerdigt. Dies kann man noch sehr gut bei antiken Städten beobachten, wie z.B. Rom, deren Grabanlagen sich an der Via Appia befinden, außerhalb der Stadt.

Mit dem Einzug der Christen und deren Auferstehungsglauben veränderte sich auch die Einstellung zu den Toten. Die Toten wurden nun „in der Nähe von Märtyrern bestattet“[3], um die Gunst der Märtyrer vor Gott zu nutzen. Nach dem Glauben der Christen galten die Märtyrer als heilig und stiegen direkt nach ihrem Ableben in den Himmel auf. Über den Gräbern der Märtyrer wurden später Kirchen errichtet, die auch zur Bestattung der Christen dienten; um die sogenannten „Märtyrer-Kirchen“ entstanden Friedhöfe.[4]

Mit dem Wachsen der Städte wurden die zuvor ausgesiedelten Friedhöfe wieder in die Gemeinde integriert. Dieses hielt an bis ins 19. Jahrhundert, als die Toten wiederum aus den Städten verdrängt wurden. In den Dörfern sind die Toten jedoch bis heute noch meist bei den Kirchen zu finden.

Bis hin zum 14. Jahrhundert wurde gegen den Willen der Kirche als Ausdruck der Freude darüber, dass man selbst noch am Leben sei, auf den Gräbern der Toten, nach einem alten heidnischen Brauch, getanzt und sogar Markt gehalten.[5]

Im 15. Jahrhundert, nach dem Durchzug der Pest im vorhergegangenem Jahrhundert, verbildlichten die Menschen den Tod als Sanduhr tragendes Skelett. Er wurde zwar immer noch als Naturkraft verstanden, doch hatten die Menschen ihre Einstellung zu ihm geändert, sie begannen das Bedürfnis zu haben, sich auf den Tod vorbereiten zu müssen. Sie ängstigten sich, im Gegensatz zu heute, einen plötzlichen Tod zu erleiden, „ohne rechte Vorbereitung, ohne öffentliche Begleitung und Anteilnahme“[6]. Es galt als fluchbeladen und wurde als Bestrafung Gottes angesehen, so dass die sogenannten Verdammten „nur unter bestimmten Bedingungen kirchlich bestattet werden durfte[n]“[7].

Im 15. und 16 Jahrhundert wurde weder vom Priester noch vom Arzt erwartet, dass sie den Menschen bei ihrem Ableben beistanden.[8]

Die anhaltende Gleichheit vor dem Tod änderte sich zum 18./19. Jahrhundert mit der Ständeordnung. Wer es sich leisten konnte, verlängerte nun seine Lebenszeit durch die ärztliche Heilkunst. „Die jedem zugewiesene Lebenszeit galt nicht mehr als natürlich, sondern ein Leben“[9], dass so lang wie möglich mit Heilkunst erhalten wurde. Der „natürliche Tod“ galt nun nur mehr den Reichen, die Armen waren verdammt einen unnatürlichen, frühen Tod zu sterben. Die zuvor angenommene Sterbestunde, die Gott bestimmte, war nun nicht mehr der Grund des eintretenden Todes, sondern die Verursacher, Seuche, Unfall und Krankheit.

Ein Tod der „natürlich“, ohne Krankheit oder andere Einwirkungen eintrat, schmerzfrei und im hohen Alter war somit zu erstreben.[10]

Es wurde zur Aufgabe der Medizin, den Tod zu beherrschen.[11]

2.2 Sterben und Tod in der Gegenwart

„Falls es für uns ein Alterslimit gibt, scheinen wir es jedenfalls noch nicht erreicht zu haben. Die Lebenserwartung steigt von Jahr zu Jahr. In den Industrieländern ist sie in den letzten 150 Jahren um ganze 40 Jahre gestiegen. Heute gibt es 45-mal mehr Hundertjährige als im Jahr 1960. "Der medizinische Fortschritt, aber auch die veränderten Lebensbedingungen spielen dabei die größte Rolle", sagt Gabriele Doblhammer-Reiter. Dank Antibiotika und Impfungen sterben Menschen nur noch selten an Infektionskrankheiten. Es wird mehr auf Hygiene geachtet als noch vor 100 Jahren, und der verbreitete Wohlstand hat die Mangelernährung eingedämmt. Die Todesursachen haben sich dadurch verschoben. Die Menschen sterben heute vor allem an chronischen Krankheiten, wie Krebs oder Herz- Kreislauferkrankungen und auch diese können infolge des medizinischen Fortschritts immer besser behandelt werden. "Die Menschen bleiben immer länger gesund und werden älter", sagt Doblhammer-Reiter. Das belegt auch ihre Studie vom Mai 2007. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Uta Ziegler zeigt sie unter anderem, dass der Pflegebedarf in den letzten zwanzig Jahren nicht proportional zur Alterung der westdeutschen Bevölkerung angestiegen ist. Vielmehr sank das Risiko leicht, im Alter pflegebedürftig zu werden.“[12]

[...]


[1] http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/:Patientenverf%FCgungen-/625222.html?q=patientenverf%FCgung

[2] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.95

[3] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.96

[4] vgl. P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.96

[5] vgl P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.97-99

[6] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.101

[7] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.101

[8] vgl. P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.101-103

[9] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.104

[10] vgl. P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.104

[11] P.Neysters, K.-H.Schmitt: Denn sie werden getröstet werden, S.105

[12] Max-Planck-Gesellschaft, Presseinformation, G/2007(144), 27.Sept.2007 „Hundert wird bald jeder“ http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2007/pressemitteilung200709272/genPDF.pdf

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Sterbehilfe, gesellschaftskonforme Wege zum humanen Tod?
Untertitel
Ethische Betrachtungsweisen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Ethik
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V205756
ISBN (eBook)
9783656325451
ISBN (Buch)
9783656328155
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sterbehilfe, wege, ethische, betrachtungsweisen
Arbeit zitieren
Merle Willhöft (Autor), 2008, Sterbehilfe, gesellschaftskonforme Wege zum humanen Tod?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205756

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sterbehilfe, gesellschaftskonforme Wege zum humanen Tod?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden