Sexualität gehört für jeden Menschen zum Leben dazu. Für den einen mehr für den anderen weniger. Niemand würde bezweifeln, dass der Mensch ein sexuelles Wesen ist. Geht es aber um die Sexualität von Kindern, so scheiden sich die Geister.
Über Sexualität mit anderen Erwachsenen offen zu sprechen fällt den Meisten schwer, an Gespräche mit ihren kleinen Kindern ist da erst recht nicht mehr zu denken. Selbst in der Grundschule, wo Sexualität im Sexualkundeunterricht das erste Mal behandelt wird, geht es ausschließlich um biologische Sachverhalte, die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau und wie ein Baby im Bauch der Mutter zu Stande kommt und heranwächst. Eigenes Lustempfinden und Gefühle wie „verliebt sein“ sowie Homosexualität werden nur vereinzelt oder gar nicht behandelt.
Da ist es nicht verwunderlich, dass bei einem Großteil der Bevölkerung Unglauben und Skepsis vorprogrammiert ist, wenn sie sich nun den Titel „Sexuelle Übergriffe – Kinder als ‚Täter?!‘ “ dieser Arbeit betrachten.
Die Wenigsten können sich vorstellen, dass bereits Kindergartenkinder zu solch einem Verhalten fähig sind.
Dabei ist es auch für die ErzieherInnen nicht immer einfach die Grenze zwischen sexueller Aktivität und sexuellem Übergriff zu erkennen.
Zu Beginn jedes Kapitels bekommt der Leser nochmal eine ausführliche Einleitung, die auf die folgenden Themen vorbereitet.
Die Arbeit ist in vier Kapitel unterteilt. Als erstes werden die theoretischen Grundlagen aufgezeigt, die die Basis für die empirische Untersuchung bilden. Das Kapitel ist in die Hauptthemen, Sexualität, Sexuelle Aktivitäten von Kindern, Sexualerziehung und sexuelle Übergriffe unter Kindern gegliedert, die wiederum einzelne thematische Schwerpunkte bearbeiten.
Das zweite Kapitel behandelt schließlich die empirische Untersuchung der Arbeit. Hier wird der Verein Strohhalm e.V. und seine Arbeit vorgestellt, sowie das zentrale Erkenntnisinteresse, das Erhebungsdesign, die Durchführung der Untersuchung und das verwendete Auswertungsverfahren vorgestellt und erläutert.
Im dritten Kapitel werden schließlich die Interviewthemen der Erzieherinnen der vier Kindertageseinrichtungen dargestellt.
Letztendlich erfolgt im vierten Kapitel dann die Auswertung der Ergebnisse. Zudem werden die Schlussfolgerungen der Ergebnisse ausführlich erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I: Theoretische Grundlagen
1. Sexualität
1.1 Alltagsverständnis
1.2 Wissenschaftsverständnis
1.3 Erwachsenensexualität
1.4 Kindliche Sexualität
1.4.1 Zeitlicher Ablauf von sexueller Missbrauch
1.4.2 Kindliche sexuelle Bedürfnisse und sexueller Missbrauch
2. Sexuelle Aktivitäten von Kindern
2.1 Pädagogischer Umgang mit sexuellen Aktivitäten von Kindern
3. Sexualerziehung
3.1 Sexualerziehung in der Geschichte
3.2 Sexualerziehung in der Familie
3.2.1 Exkurs: Sexualerziehung und Homosexualität
3.2.2 Geschlechtstypische Erziehung
3.3 Sexualerziehung im Kindergarten
3.4 Sexualerziehung als Prävention vor sexuellem Missbrauch
4. Sexueller Übergriffe unter Kindern
4.1 Zentrale Merkmale sexueller Übergriffe
4.2 Ursachen für sexuelle Übergriffe
4.3 Folgen für die betroffenen Kinder
4.4 Fachlicher Umgang mit sexuellen Übergriffen in Kindergärten, nach Strohhalm e.V.
4.5 Sexualpädagogisches Konzept zum fachlichen Umgang mit Sexualität und Sexualerziehung
Kapitel II: Anlage der Untersuchung
1. Strohhalm e.V.
2. Das zentrale Erkenntnisinteresse
3. Das Erhebungsdesign
3.1 Wer soll befragt werden?
3.2 Auswahl der Untersuchungsmethode
4. Durchführung der Untersuchung
4.1. Kontaktaufnahme
4.2 Durchführung der Interviews
4.3 Nachbereitung der Interviews und Aufbereitung der Daten
5. Das Auswertungsverfahren
5.1 Kontrolle der Transkriptionen anhand der Tonbandaufnahmen
5.2 Identifizieren von Themenkomplexen
5.3 Themenanalyse
5.4 Bestimmung von Grundmustern auf der Basis thematisch geordneter Substrate
5.5 Konstruktion deskriptiver Modelle
Kapitel III: Betrachtung der Interviewthemen
1. Kindertageseinrichtung Rudolfplatz
1.1 Tagesstruktur
1.2 Die Stimmung in der Gruppe
1.3 kindliche Sexualität
1.4 Vorfall
1.5 Das Beratungsgespräch und der weitere Verlauf
2. Kindertageseinrichtung „zur Heimat“
2.1 Tagesstruktur
2.2 Die Stimmung in der Gruppe
2.3 kindliche Sexualität
2.4 Der Vorfall und das weitere Vorgehen
3. Kindertageseinrichtung Melanchthon
3.1 Tagesablauf
3.2 Die Stimmung in der Gruppe
3.3 kindliche Sexualität
3.4 Der Vorfall
3.5 Die Beratung und das weitere Vorgehen
4. Luisenkindergarten
4.1 Die Tagesstruktur
4.2 Die Stimmung in der Gruppe
4.3 Doktorspiele und der Umgang damit
4.4 Der Vorfall
4.5 Die Beratung und der weitere Verlauf
Kapitel IV: Auswertung der Ergebnisse und Folgerungen
1. Die Ausrichtung der Kindertageseinrichtung
2. Das Alter der Erzieherinnen
3. Der Umgang mit sexuellen Aktivitäten von Kindern
4. Das Wissen über sexuelle Übergriffe unter Kindern und der Umgang damit
5. Erfahrungen mit Strohhalm e.V.
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen sexueller Übergriffe unter Kindern im Kindergartenalter und beleuchtet die Rolle von Erzieherinnen in diesem Kontext. Ziel der Diplomarbeit ist es, das Verständnis für kindliche Sexualität zu schärfen, die Grenze zwischen altersgerechten sexuellen Erkundungen und grenzverletzendem Verhalten zu definieren und Ansätze für einen professionellen pädagogischen Umgang sowie Präventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, gestützt durch eine empirische Untersuchung von Beratungskontexten bei Strohhalm e.V.
- Kindliche Sexualität und ihre Abgrenzung zu erwachsener Sexualität
- Entwicklung und Bedeutung der Sexualerziehung in Kindertageseinrichtungen
- Definition, Ursachen und Folgen von sexuellen Übergriffen unter Kindern
- Die Arbeit des Vereins Strohhalm e.V. als Unterstützung für pädagogische Fachkräfte
- Empirische Analyse der Haltungen und Handlungsstrategien von Erzieherinnen nach sexuellen Übergriffen
Auszug aus dem Buch
1. Sexualität
Sexualität ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Identität und Persönlichkeitsentwicklung. Es ist der Wunsch nach körperlich-seelischer Lust, Wohlbefinden und Zärtlichkeit. „Sexualität ist auf kein bestimmtes Lebensalter begrenzt, sondern eine Lebensenergie, die den Menschen von der Geburt bis zum Tod speist“ (Kleinschmidt u.a., 1999, S. 23).
Wie Sexualität gelebt und ausgeübt wird ist individuell und nicht zuletzt eine Frage der persönlichen Einstellung, die wiederum gesellschaftlich beeinflusst ist.
„Die gesellschaftliche Formung der Sexualität vollzieht sich unter der Beteiligung vieler ‚Erzieher‘: Von Beginn des Lebens an wirken vor allem die Mütter und Väter und andere ‚primäre‘ Bezugspersonen mit der Art und Weise ihrer Zuwendung auf die sinnliche Entwicklung des Säuglings ein. Später kommen andere ‚Sozialisationsinstanzen‘ hinzu, im Kindergarten, in der Schule, durch Fernsehen und andere Medien, durch Gleichaltrige, Liebespartner…Und diese vielfältige Beeinflussung der individuellen Sexualentwicklung vollzieht sich unter konkreten historischen Bedingungen“ (Weller, K., 2003, S. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Begrifflichkeiten von Sexualität, grenzt kindliche von erwachsener Sexualität ab und analysiert die historische Entwicklung sowie die pädagogischen Anforderungen an die Sexualerziehung und Prävention sexueller Übergriffe.
Kapitel II: Anlage der Untersuchung: Hier wird der Verein Strohhalm e.V. vorgestellt und das methodische Vorgehen der empirischen Studie, basierend auf leitfadengestützten Interviews mit Erzieherinnen, begründet und erläutert.
Kapitel III: Betrachtung der Interviewthemen: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Interviews in vier verschiedenen Kindertageseinrichtungen, wobei Tagesstruktur, Stimmung, kindliche Sexualität sowie konkrete Vorfälle und Beratungsgespräche detailliert dargestellt werden.
Kapitel IV: Auswertung der Ergebnisse und Folgerungen: Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse synthesiert, Faktoren wie das Alter der Erzieherinnen und ihre Ausrichtung reflektiert und abschließende Schlussfolgerungen für die pädagogische Praxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Kindliche Sexualität, sexuelle Übergriffe, Kindergarten, Sexualerziehung, Strohhalm e.V., Prävention, Doktorspiele, pädagogischer Umgang, sexuelle Entwicklung, Schamgrenzen, Kinderschutz, sexuelle Grenzverletzung, empirische Untersuchung, Erzieherinnen, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Diplomarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem sensiblen Thema sexueller Übergriffe unter Kindern im Kindergartenalter und dem professionellen pädagogischen Umgang damit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung kindlicher Sexualität, die Notwendigkeit von Sexualerziehung als Präventionsmaßnahme sowie die Analyse der Praxis in Kindertageseinrichtungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Die Autorin möchte aufzeigen, wie Erzieherinnen kindgerecht mit Sexualität umgehen können, um zwischen normalen Erkundungsspielen und schädlichen Übergriffen zu unterscheiden und kindgerechte Schutzräume zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Für den empirischen Teil der Arbeit wurden teilstandardisierte, leitfadengestützte Interviews mit pädagogischen Fachkräften geführt, die Beratungserfahrungen beim Verein Strohhalm e.V. gesammelt haben.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Erläuterung des Erhebungsdesigns und eine detaillierte Auswertung von Interviews mit Fachkräften aus vier verschiedenen Kindertageseinrichtungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Kindliche Sexualität, sexuelle Übergriffe, Prävention, Sexualerziehung, pädagogische Fachkräfte und Kinderschutz.
Welche Bedeutung hat der Verein Strohhalm e.V. für die Untersuchung?
Der Verein dient als zentrale Anlaufstelle für Beratungsgespräche bei sexuellen Vorfällen; die Erfahrungen der Erzieherinnen mit dieser Beratung bilden einen Kernaspekt der empirischen Analyse.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "normalen" Doktorspielen und sexuellen Übergriffen?
Die Arbeit differenziert anhand der Kriterien Machtgefälle, Unfreiwilligkeit und der Absicht, Grenzen des anderen Kindes zu verletzen, wobei die Perspektive von Strohhalm e.V. als Orientierung dient.
- Arbeit zitieren
- Nancy Munsche (Autor:in), 2012, Sexuelle Übergriffe unter Kindern - Kinder als "Täter"?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205803