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Polnischer Antisemitismus zur Zeit der deutschen und sowjetischen Besatzung

Title: Polnischer Antisemitismus zur Zeit der deutschen und sowjetischen Besatzung

Essay , 2010 , 11 Pages , Grade: 13

Autor:in: Jana Piper (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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In der Forschungsliteratur wird diesem Gegenstand, vor allen Dingen in Polen, erst relativ spät Aufmerksamkeit geschenkt, was unmittelbar mit der sowjetischen Besetzung Polens bis 1989 zusammenhängt. Dieser war sehr daran gelegen diese Thematik weitestgehend zu tabuisieren, um ihre eigenes Geschichtsbild aufrecht erhalten zu können und eigenständige Reflexionen oder gar kritische Denkansätze bei der Bevölkerung zu verhindern. Des Weiteren fällt bei der näheren Betrachtung der Forschungsliteratur auf, dass auch diese zuerst einmal pointiert die verdrängten und vergessenen Ereignisse des Holocaust in Polen hervorhebt und in dieses Zusammenhang auch das Verhalten der Polen, ihre Hilfeleistung und Unterstützung der Juden, aber auch ihre Gleichgültigkeit und teilweise auch ihr Mitwirken an der Judenvernichtung diskutiert. Stellvertretend dafür ist zum Beispiel Jan Tomasz Gross Buch: „Nachbarn“, das die schrecklichen Geschehnisse in Jedwabne thematisiert, bei denen eine Unzahl von Juden, durch Teile der dort ansässigen polnischen Bevölkerung ermordet wurde. Dieses Buch löste eine starke Kontroverse in Polen aus, ermöglichte aber gleichzeitig ein erstes Hinterfragen der Täter-Opfer Rolle und führte zu einem Einschnitt, in den bis dahin existierenden, positiven Geschichtsmythos. Auf das Buch folgten weitere Bücher von Wissenschaftlern, die entweder versuchten Gross Darstellung zu relativieren oder zu bestärken, in dem sie genauere Zahlen zu nennen versuchten, andere Ereignisse zu Bekräftigung darstellten oder den Ablauf der Geschehnisse noch einmal genau rekonstruierten. Interessant ist jedoch, dass die meisten wenig oder nur pauschalisierend, die Gründe dieser Mitwirkung oder gleichgültigen Einstellung der Polen gegenüber der Juden hinterfragten. Hierauf soll sich nun meine Fragestellung dieses Essays beziehen: Kann man von einer antisemitischen Einstellung der Polen sprechen, die zu diesen Taten führte? Wenn ja, ist dieser Antisemitismus mit anderen Ländern zu vergleichen oder gibt es hier starke Differenzen, die hervorzuheben sind?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vor dem Zweiten Weltkrieg

Das Mittelalter

Nationalsozialistische Besatzungspolitik

Sowjetische Besatzungspolitik

Zielsetzung & Themen

Das Ziel dieses Essays ist es, die Entwicklung der antisemitischen Einstellung in der polnischen Bevölkerung während der deutschen und sowjetischen Besatzung zu analysieren und zu hinterfragen, ob diese Tendenzen mit anderen europäischen Ländern vergleichbar sind.

  • Historische Entwicklung des polnisch-jüdischen Verhältnisses vor dem Zweiten Weltkrieg
  • Einfluss der katholischen Kirche auf antijüdische Einstellungen in Polen
  • Besatzungspolitik der Nationalsozialisten und ihre Auswirkungen auf die polnische Gesellschaft
  • Sowjetische Besatzungspolitik und die Instrumentalisierung jüdischer Bevölkerungsgruppen
  • Differenzierung zwischen Antijudaismus und Antisemitismus im polnischen Kontext

Auszug aus dem Buch

Sowjetische Besatzungspolitik

Im Zusammenhang mit der Ermordung der Juden von Jedwabne wird in der Forschungsliteratur immer wieder diskutiert, ob die Juden mit der sowjetischen Besatzungsmacht kollaboriert haben und deswegen den Hass und den Neid der Polen auf sich gezogen haben. Thomas Gross widerlegt dieses Argument in seinem Buch „Nachbarn“ mit vielen Quellen. Dennoch berücksichtigt er nur oberflächlich die sowjetische Besatzungspolitik, die in Bezug auf die Behandlung von Polen und Minderheiten doch wesentliche Unterschiede gemacht hat und deren Propaganda und Maßnahmen sich vor allen Dingen gegen die polnische Bevölkerung richtete.7 Trotz der propagandistischen Versicherung, dass das Sowjetsystem keine nationalen oder ethnischen Unterschiede kennt, stilisierte die neue Administration alle Polen zum Ebenbild des Klassenfeindes, des ewigen Konterrevolutionär und bekämpfte sie.

Viele Polen wurden verfolgt, viele wurden grundlos aus dem Dienst im Staatsapparat entlassen und andere, besonders die, die in irgendeiner Art Widerstand leisteten wurden nach Sibirien deportiert. Die Minderheiten jedoch, so gab man zumindest vor, sollten in einem Kunststück gleichzeitiger Klassenemanzipation und nationaler Befreiung von der polnischen Vorherrschaft gelöst werden. Zu diesem Zwecke, und ohne Frage auch wegen dem Mangel an Fachpersonal, nahm man sie, besonders in der Anfangsphase, verstärkt in den Staatsdienst auf. Diese Entwicklungen wirkten sich sehr destruktiv auf die polnische Bevölkerung aus und führten zu einer Verstärkung der antijüdischen Einstellungen.

Zusammenfassung der Kapitel

Vor dem Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet das polnisch-jüdische Verhältnis vom Mittelalter bis in die 30er Jahre und zeigt den Einfluss von Religion und Politik auf die jüdische Integration.

Nationalsozialistische Besatzungspolitik: Hier wird der radikale Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten und dessen demoralisierende Wirkung auf die polnische Gesellschaft sowie deren Umgang mit der jüdischen Minderheit analysiert.

Sowjetische Besatzungspolitik: Dieses Kapitel untersucht die sowjetische Besatzung im Osten Polens, die Rolle der Juden in diesem System und wie die daraus resultierenden Spannungen antijüdische Tendenzen bei der polnischen Bevölkerung verstärkten.

Schlüsselwörter

Polen, Juden, Holocaust, Antisemitismus, Antijudaismus, Besatzungspolitik, Nationalsozialismus, Sowjetunion, Geschichte, Jedwabne, katholische Kirche, Integration, Kollaboration, Widerstand, Geschichtsbewusstsein

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit den historischen Wurzeln und der Entwicklung von antijüdischen Einstellungen in Polen während der Zeit der deutschen und sowjetischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind das polnisch-jüdische Verhältnis vor dem Krieg, der Einfluss der katholischen Kirche sowie die Auswirkungen der unterschiedlichen Besatzungsregime auf die polnische Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob von einer systematischen antisemitischen Einstellung in Polen gesprochen werden kann, die zu den Übergriffen führte, und ob diese mit Antisemitismus in anderen Ländern vergleichbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Essay angewandt?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Forschungsliteratur und zeitgenössischer Quellen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Besatzungspolitik der Deutschen und Sowjets und deren Instrumentalisierung antijüdischer Ressentiments in der polnischen Bevölkerung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Antisemitismus, Besatzungspolitik, Polen, Holocaust, Antijudaismus und historische Aufarbeitung definiert.

Welche Rolle spielt die katholische Kirche für das Verständnis der antisemitischen Einstellungen in Polen?

Die Autorin argumentiert, dass die katholische Kirche durch ihre starke emotionale Bindung und ihre Rolle als Meinungsbildnerin maßgeblich dazu beigetragen hat, antijüdische Vorstellungen in der Bevölkerung zu festigen.

Wie unterscheidet die Autorin den polnischen Antisemitismus von dem deutschen?

Sie schlägt vor, für den polnischen Kontext eher von "Antijudaismus" zu sprechen, da er religiös-ökonomisch geprägt war, während der deutsche Antisemitismus eine starke rassistische Komponente aufwies.

Warum wird das Thema Jedwabne in der Arbeit thematisiert?

Jedwabne dient als prominentes Beispiel für die gewaltsamen Ausschreitungen gegen Juden, anhand dessen die komplexe Dynamik zwischen Besatzungsmacht und polnischer Bevölkerung diskutiert wird.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin hinsichtlich der heutigen Aufarbeitung?

Die Autorin betont die Notwendigkeit einer verstärkten Bildungsarbeit, um Jugendlichen ein multiperspektivisches Geschichtsbild zu vermitteln und demokratische Werte in Polen zu stärken.

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Details

Title
Polnischer Antisemitismus zur Zeit der deutschen und sowjetischen Besatzung
College
University of Kassel
Grade
13
Author
Jana Piper (Author)
Publication Year
2010
Pages
11
Catalog Number
V205929
ISBN (eBook)
9783656328667
ISBN (Book)
9783656329381
Language
German
Tags
Antisemitismus Polen Zweiter Weltkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Piper (Author), 2010, Polnischer Antisemitismus zur Zeit der deutschen und sowjetischen Besatzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205929
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