Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Archaeology

"Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland

Title: "Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland

Scientific Essay , 2012 , 34 Pages

Autor:in: Iris Nießen (Author)

Archaeology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Sonderbestattungen“ spiegeln ganz besonders die Jenseitsvorstellungen der Menschen und deren kulturelle Ausprägungen. Obwohl diese je nach Raum und Zeit stark variieren können, hat sich der Begriff „Sonderbestattung“ für alle Epochen in der archäologischen Forschung durchgesetzt.

Die folgende Studie beschäftigt sich mit „Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland. Hierbei wird eine allgemeine Übersicht zum Quellenmaterial vorgestellt. Das besondere Augenmerk ist jedoch auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten männlicher und weiblicher "Sonderbestattungen" gerichtet.
Da diese spezielle Fragestellung in der Forschung bislang nicht berücksichtigt wurde, ist dem vorliegenden Aufsatz ein Katalog angehängt, welcher die Arbeitsgrundlage bildet. Der Katalog beinhaltet die „Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland, sofern die Gräber publiziert und die Literatur der Bearbeiterin zugänglich ist.

Zunächst wird auf den Begriff „Sonderbestattung" näher eingegangen, seine Entstehung erläutert, seine Kriterien und Merkmale diskutiert sowie eine Definition hergeleitet. Die Erläuterung des Forschungsstandes und der Quellenlage sind für spätere Interpretationen unentbehrlich.

Wichtig zum Verständnis von „Sonderbestattungen" sind die zu Grunde liegende mittelalterliche Jenseitsauffassung und die Vorstellung vom „lebenden Toten". Diese werden in den Kapiteln Der Tote als Rechtsperson und "Gefährliche Tote" - Wiedergänger und Nachzehrer vorgestellt.

Nach diesem theoretischen Überbau werden die Aspekte männlicher und weiblicher "Sonderbestattungen" direkt am Quellenmaterial untersucht. Hierbei spielen insbesondere die abweichenden Ausrichtungen, Ost-West oder Nord-Süd-Ausrichtung, und die abweichenden Totenlagen eine Rolle. Letztere ist in die Bauchlage, Seitenlage und Hockerstellung sowie in die Rückenlage mit ungewöhnlicher Position der Gliedmaßen unterteilt. Des Weiteren werden unterschiedliche Manipulationen am Skelett erläutert und der Aspekt der „Kindsbett"-Bestattungen diskutiert.

Die Beurteilung von „Sonderbestattungen“ ist sehr schwierig, da für Jede unterschiedlichste Gründe und Faktoren eine Rolle gespielt haben können, die heute aus dem archäologischen Quellenmaterial nicht mehr ersichtlich sind.
Zusammenfassend werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten männlicher und weiblicher „Sonderbestattungen" nochmals dargelegt und allgemein die Ergebnisse vorgestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff „Sonderbestattung"

3. Forschungsstand und Quellenlage

4. Zu Grunde liegende Vorstellungen

4.1 Der Tote als Rechtsperson

4.2 „Gefährliche Tote" - Wiedergänger und Nachzehrer

5. Aspekte männlicher und weiblicher „Sonderbestattungen“

5.1 Abweichende Ausrichtungen

5.1.1 Ost-West ausgerichtete Bestattungen

5.1.2 Nord-Süd ausgerichtete Bestattungen

5.2 Abweichende Totenlagen

5.2.1 Bauchlage

5.2.2 Seitenlage und Hockerstellung

5.2.3 Rückenlage mit ungewöhnlicher Position der Gliedmaßen

5.3 Manipulationen am Skelett

5.4 „Kindsbett“-Bestattungen

5.5 Sonstige

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der sogenannten „Sonderbestattungen“ in merowingerzeitlichen Gräberfeldern Süddeutschlands. Ziel ist es, eine Übersicht des verfügbaren Quellenmaterials zu erstellen und dabei insbesondere Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen männlichen und weiblichen Bestattungsformen herauszuarbeiten, um ein tieferes Verständnis für die damaligen Jenseitsvorstellungen zu gewinnen.

  • Definition und Kriterien von Sonderbestattungen
  • Analyse von Abweichungen in Ausrichtung und Totenlage
  • Untersuchung von Skelettmanipulationen und deren Deutung
  • Vergleich männlicher und weiblicher Bestattungsbefunde
  • Interpretation mittelalterlicher Jenseitsauffassungen

Auszug aus dem Buch

4.2 „Gefährliche Tote" - Wiedergänger und Nachzehrer

Wurden die Rechte eines Toten nicht ausreichend befriedigt so bestand die Gefahr, dass dieser als „gefährlicher Toter" und damit als Wiedergänger oder Nachzehrer gefürchtet werden musste. Potentielle Wiedergänger waren Selbstmörder, gewaltsam Verstorbene, Hexen, Rache- und Streitsüchtige. Aber auch Kinder und insbesondere im Kindbett verstorbene Frauen waren gefährlich, da sie als Personen galten, die sich schwer vom Leben trennen können und zu ihrer gewohnten Umgebung zurückkehren möchten.

Dies dokumentiert ein Auszug aus der Vita sancti Arnulfi. Dort heißt es, dass Bischof Arnulf vom Metz (614-629 Bischof, gestorben um 640) bei einer Reise mit König Dagobert ins Thüringerland auf den Vornehmen Noddilo traf, der nach Stammessitte beabsichtigte, einen totkranken Knaben aus seiner Verwandtschaft zu köpfen und dessen Leichnam zu verbrennen, was Arnulf durch Wunderheilung verhinderte. Mit Vernichtung des Leichnams hätte Noddilo verhindert, dass der Knabe als "gefährlicher Toter" wiederkehrt.

Wiedergänger können jedoch auch Arme Seelen sein, welche die Erlösung erwarten und dafür Fürbitten oder die Wiedergutmachung eines Unrechts verlangen. Die Deutung des Wiedergehens als Strafe und Bußzeit ist besonders im christlichen Kontext üblich. Konnte ein Wiedergänger nicht versöhnt werden, so wurde er gebannt. Die Vorstellung, dass tatsächlich der lebende Tote wiederkehrt, führte zu Abwehrmaßnahmen, die direkt am Leichnam verübt wurden, wie beispielsweise köpfen, umdrehen und fesseln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Sonderbestattungen ein, umreißt die Fragestellung zur Merowingerzeit in Süddeutschland und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Erstellung des Katalogs.

2. Begriff „Sonderbestattung": Dieses Kapitel diskutiert die Definition und Entstehungsgeschichte des Begriffs, wobei die Problematik der Abgrenzung zur „normalen“ Bestattungssitte beleuchtet wird.

3. Forschungsstand und Quellenlage: Hier wird skizziert, dass es kaum zusammenfassende Literatur gibt und die Quellen oft in Einzelfallpublikationen verstreut sind, was die Analyse erschwert.

4. Zu Grunde liegende Vorstellungen: Das Kapitel erläutert die mittelalterlichen Konzepte des Toten als Rechtsperson sowie die Angst vor gefährlichen Toten wie Wiedergängern und Nachzehrern.

5. Aspekte männlicher und weiblicher „Sonderbestattungen“: Dies ist das Hauptkapitel, in dem abweichende Ausrichtungen, Totenlagen, Skelettmanipulationen und Kindsbettbestattungen detailliert analysiert werden.

6. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden resümiert, wobei betont wird, dass geschlechtsspezifische Unterschiede schwer zu fassen sind und die Interpretation von Sonderbestattungen oft komplex bleibt.

Schlüsselwörter

Sonderbestattung, Merowingerzeit, Süddeutschland, Wiedergänger, Nachzehrer, Skelettmanipulation, Archäologie, Bestattungsritus, Jenseitsvorstellungen, Grabbeigaben, Bauchlage, Hockerbestattung, frühes Mittelalter, Anthropologie, Bestattungsarchäologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation untersucht archäologische Befunde von sogenannten „Sonderbestattungen“ in merowingerzeitlichen Gräberfeldern in Süddeutschland und analysiert die Hintergründe dieser abweichenden Bestattungspraktiken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kategorisierung von abweichenden Bestattungsformen, die Erforschung mittelalterlicher Jenseitsvorstellungen und der Umgang mit dem „gefährlichen Toten“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, eine systematische Übersicht des Quellenmaterials zu schaffen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede bei den Sonderbestattungen von Männern und Frauen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine kataloggestützte, vergleichende Analyse archäologischer Fundberichte aus verschiedenen Gräberfeldern in Bayern und Baden-Württemberg.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu abweichenden Ausrichtungen, ungewöhnlichen Totenlagen (wie Bauch- oder Seitenlage), Skelettmanipulationen und spezifischen Fällen wie Kindsbettbestattungen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sonderbestattung, Merowingerzeit, Archäologie, Wiedergänger und Bestattungsritus beschreiben.

Warum wurden bei einigen Toten die Füße durchstochen oder der Kopf abgetrennt?

Diese Maßnahmen werden als apotropäische Handlungen interpretiert, um den Toten symbolisch an sein Grab zu binden und ihn als „gefährlichen Toten“ oder Wiedergänger unschädlich zu machen.

Gibt es einen klaren Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Sonderbestattungen?

Die Studie stellt fest, dass markante geschlechtsspezifische Unterschiede nur schwer herauszuarbeiten sind, da sich viele Riten als Aberglaube quer durch die Geschlechter zogen.

Excerpt out of 34 pages  - scroll top

Details

Title
"Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland
College
University of Bamberg
Author
Iris Nießen (Author)
Publication Year
2012
Pages
34
Catalog Number
V205948
ISBN (eBook)
9783656330721
ISBN (Book)
9783656331223
Language
German
Tags
Sonderbestattung Wiedergänger Archäologie des Mittelalters Merowingerzeit Süddeutschland Gräberfelder Grab Archäologie Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Iris Nießen (Author), 2012, "Sonderbestattungen" der Merowingerzeit in Süddeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205948
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  34  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint