Carlo Goldoni - Il campiello und Le baruffe chiozzotte

Die Darstellung der Volkswelt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Einführung zu Goldoni

Il campiello
Einführung der Charaktere
Die Handlung
Analyse der Komödie

Le baruffe chiozzotte
Einführung der Charaktere
Die Handlung
Analyse der Komödie

Darstellung des „mondo popolare“

Bibliographie

Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll der Gegenstand der Untersuchungen die Darstellung des Volkes in Carlo Goldonis Werken „Il campiello“ und „Le baruffe chiozzotte“ sein.

Die Erstellung der Hausarbeit erfolgt im Rahmen des Seminars „Il teatro di Carlo Goldoni“ unter der Leitung von Dr. Barbara Garzia-Jansen, in welchem die Zusammenhänge mit Goldonis Schaffen in der Theaterwelt des 18. Jahrhunderts aufgezeigt werden.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung zu Goldoni werde ich auf die einzelnen Werke mit Hilfe einer Werkanalyse genauer eingehen und deren Inhalt sowie die Rahmenbedingungen klären. Nach der Analyse beider Werke folgt eine Darstellung des Titelthemas dieser Hausarbeit, der „rappresentazione del mondo popolare“.

Einführung zu Goldoni

Einer der größten und auch bekanntesten Schaffer des verschriftlichten italienischen Theaters ist ohne Zweifel Carlo Goldoni. Carlo Goldoni wurde im Jahr 17071 in Venedig geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Pavia und Modena fing er im Jahr 1734 an, sich der Theaterwelt Venedigs zu nähern, und verfasste im Jahr 1743 seine erste, völlig niedergeschriebene Charakterkomödie „La donna di garbo“. Nach weiteren erfolgreichen Komödien wie „Il servitore di due padroni“ schuf er im Jahr 1756 die Komödie „Il campiello“2 und im Jahr 1761 die Komödie „Le baruffe chiozzotte“3.

Nach der anfänglichen Aufnahme der Charaktere der Commedia dell‘Arte, wie sie in „Il servitore di due padroni“ noch gut zu sehen sind, kann man in den beiden hier behandelten Werken eine eindeutige Entfernung von der Starre und Unbeweglichkeit der Charaktere und Masken feststellen.

Das Schaffen der beiden Werke „Il campiello“ und „Le baruffe chiozzotte“ fällt in die Phase vor seinem Aufenthalt in Paris. In dieser Phase, in der er seine bekannten und reifen Komödien verfasste, war Goldoni tätig am Teatro San Luca4.

Il campiello

Bei „Il campiello“ handelt es sich um eine Komödie in fünf Akten. Sie wurde im Jahr 1756 in

Venedig verfasst5. Der erste Akt wird unterteilt in zwölf Szenen, der zweite Akt in elf Szenen, der dritte Akt ebenfalls in elf Szenen. Der vierte Akt ist etwas kürzer mit nur acht Szenen im Gegensatz zum fünften Akt, welcher neunzehn Szenen umfasst.

Der bei Goldoni übliche Nebentext „L‘autore a chi legge“ beschreibt in diesem Fall, dass es sich um die Karnevalszeit in Venedig dreht6. Außerdem ergibt sich aus dem Nebentext eine kurze Charakterisierung der Komödie, welche durch ihren populären Charakter auffällt und somit einen unerwarteten Erfolg für Goldoni darstellte. Des weiteren geht Goldoni auf das Spiel „il Lotto della Venturina“, welches in der Anfangsszene gespielt wird, ein und beschreibt außerdem den Schauplatz der gesamten Handlung, nämlich dencampiello,was im venezianischen Raum eine piazzettaalso ein kleines Plätzchen, abseits des Markusplatz, beschreibt7.

Die Tatsache, dass es sich um die Karnevalszeit in Venedig handelt, deutet darauf hin, dass mit einem Ausnahmezustand der Stadt gerechnet werden muss, eine Zeit, in der viele Fremde, wie auch derCavalierevon weit her nach Venedig kommen.

Einführung der Charaktere

Gasparinaist eine junge Venezianerin, deren Familie schon früh verstorben ist, weswegen sie bei ihrem OnkelFabrizio, der zusammen mit demCavaliereim Gegensatz zu allen anderen kein venezianisch sondern toskanisch spricht, amcampiellolebt.Gasparinaspricht, was eine Besonderheit ist, dasswie einzaus8.

Des weiteren istDonna Catte Panchianazusammen mit ihrer TochterLuciettazu nennen. Beide wohnen in einem Haus amcampiello.Der Vater der Familie war Obsthändler9 und ist schon vor Jahren verschieden, wasDonna Cattezu einer Witwe machte10.Luciettaist im Gegensatz zu ihrer alten Mutter im heiratsfähigen Alter.

Donna Pasqua Poleganaist mitCatteeine der Alten des Stückes. Auch sie hat eine Tochter,Gnese, was eine Kurzform von Agnese11 oder Agnesina12 ist.Gneseist sechzehn Jahre alt13 und wird somit in zwei Jahren verheiratet werden14. Wie alle anderen Charaktere der Kommödie lebt auch diese Familie am campiello.

Orsolaist die Mutter vonZorzetto, wobei der Name vermutlich die venezianisch Aussprache von Giorgietto darstellt.Orsolaist einefrittolera15 und verkauft somit Frittiertes.

Anzoletto, venezianisch für Angiolo16 und die entsprechende Diminutivform Angioletto17, ist von Berufmarzer18,was eine Art Händler oder Handwerker ist.

Der Cavaliere Astolfi19 ist ein Fremder in Venedig. Er entspringt einem neapolitanischen Adelsgeschlecht20 und reist schon seit drei Jahren durch die Welt, weshalb er kein Geld mehr besitzt21. Seine letzte Station ist der Karneval in Venedig.

Die letzte Sprechrolle wird vonSansugaausgefüllt, der der Wirt des Wirtshauses amcampiello22 ist, wo derCavalierezu Gast ist.

Des weiteren gibt es noch weitere Nebenrollen wie dieOrbi, die Musik machen, dieGiovani, die tanzen, dieFacchini, also Träger, undSimone, ein Verwandter vonLucietta23.Allesamt haben keine Sprechrolle.

Die Handlung

Der erste Akt beginnt mit dem schon erwähnten Spiel „Il lotto della Venturina“, was von allen Personen auf demcampiellogespielt außer vonAnzoletto,demCavaliere,FabrizioundSansuga. Hierbei wird allerhand Klatsch und Tratsch betrieben, wie es die Eigenart des gemeinen Volkes ist. CatteundPasquareden über die Absichten, ihre Töchter baldmöglichst zu verheiraten, nämlich LuciettaanAnzolettoundGneseanZorzetto. Des weiteren tritt derCavaliereauf und zeigt sich äußerst freundlich gegenüber allen Mädchen descampiellound besteht darauf, ihre Waren beim marzerzu bezahlen24. Es werden erste Absichten desCavalieredeutlich, Gasparina möglicherweise zu heiraten.

Der zweite Akt beginnt mit einem kurzen Streitgespräch zwischenPasquaundOrsola, bei welchem es um das Saubermachen geht. Letztendlich besprechen die Mütter eine eventuelle Heirat zwischenGneseundZorzetto, was in den folgenden SzenenGneseeröffnet wird. Des weiteren entflammt ein Streit zwischenAnzolettoundZorzetto, da Zorzetto im Auftrag vonLucietta derselben eine Blume vonGneseüberbringen soll,Anzolettojedoch denkt,Zorzettowerbe um Lucietta, die eigentlich ihm versprochen ist.

Im dritten Akt sagtAnzolettodie Heirat mitLuciettaihrer Mutter zu. In den folgenden Szene istAnzolettonicht zu sehen, ist aber auf der Suche nach einem Ring fürLucietta, von dem sie vorerst nichts wissen soll. Die Bewohner descampiellospielen ein anderes Spiel mit dem NamenSémola, werden hierbei aber von dem lesenden Fabrizio, der um Ruhe bittet, gestört. Als Friedensstifter tritt derCavaliereauf undAnzolettokann den Kauf des Ringes nicht verheimlichen. Es wird die Verlobung am selben Abend geplant.

Der vierte Akt behandelt zunächst die Beziehung zwischenCavaliereundGasparina.Des weiteren wirdFabriziosHaltung gegenüber den Venezianern deutlich. In der folgenden Szene findet die Verlobung, deren Kosten derCavaliereals Trauzeuge trägt, zwischenLuciettaund Anzolettostatt. Es handelt sich hierbei um ein umfangreiches Mahl mit viel Wein im Wirtshaus von Sansuga. Gasparinaerfährt in den folgenden Szenen von ihrem Onkel, welcher die Koffer packt um Venedig zu verlassen, dass sie adlig ist, was derCavalierezum Anlass nimmt, ihr einen Heiratsantrag zu stellen, wobei auch der Hintergedanken der Mitgift durchGasparinaeine Verlockung für ihn ist.

Im letzen und fünften Akt schließen derCavaliereundFabriziozunächst den Pakt, dass im Falle der Heirat derCavalieresich in die Abhängigkeit vonFabriziobegibt, da auchFabrizioum die Geldprobleme desCavaliereweiß. Nach einem weiteren Streit zwischen den zu verheiratenden willAnzolettodie Verlobung lösen. In diesem Streit nenntAnzoletto Zorzettoein Aas, was diesen veranlasst, handgreiflich zu werden. Eine Reihe von gewaltsamen Handgreiflichkeiten ist die Folge, wobei derCavalierewieder als Stifter des Friedens eintritt mit der Begründung, dass man sich an einem Hochzeitstag nicht prügle. Er verkündet außerdem, dassGasparinaund er sich verloben werden, was zum Ende der Komödie bei der Verlobung desCavaliereund der gesamtheitlichen Aussöhnung führt.

Analyse der Komödie

Um die Komödie klassisch zu analysieren muss man zunächst die Besonderheit der Komödie, nämlich die Fünfaktigkeit, betrachten. Laut der Einleitung Goldonis „L‘autore a chi legge“ hat er diese Komödie in fünf Akten verfasst, da es sich um ein Werk anlässlich der letzten Karnevalstage handelte25. Um das Publikum weiter zu erfreuen entschloss er sich, ein längeres Werk zu schreiben.

Außerdem hebt er hervor, dass er kein herkömmliches und gewöhnliches Reimschema wie etwa den üblichen Martelliano verwendete, aus dem einfachen Grund, dass die Hauptsprache des Werkes, das Venezianische, schon von einer solchen Grazie sei, dass dies völlig ausreiche26.

Eine weitere Besonderheit ist die Lösung von der streng-aristotelischen Maxime von Einheit von Ort und Zeit. Die Komödie erstreckt sich über mehrere Tage. Auch wenn der zentrale Schauplatz dercampielloist, so kann man doch durch eine starke Diversität eine zunehmende Lösung vom klassischen Drama erkennen.

[...]


1 Vgl. Goldoni, Carlo: Herren im Haus - Viel Lärm in Chiozza, Hrsg. Ernesto Grassi, Übersetzung und supplementärer Essay von Heinz Riedt, Rowohlt-Verlag, 1963, S.154.

2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Goldoni , letzter Zugriff: 2.6.2012.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Goldoni, Carlo: Herren im Haus - Viel Lärm in Chiozza, Hrsg. Ernesto Grassi, Rowohlt-Verlag, 1963, S.154.

5 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Goldoni , letzter Zugriff: 2.6.2012.

6 Vgl. Goldoni, Carlo: Il campiello, Simplicissimus Book Farm Srl, Milano, 2011, Pos. 7 von 1189.

7 Vgl. ebd. Pos. 7 von 1189.

8 Vgl. ebd. Pos. 23 von 1189.

9 Vgl. ebd. Pos. 149 von 1189.

10 Vgl. ebd. Pos. 871 von 1189.

11 Vgl. ebd. Pos. 300 von 1189.

12 Vgl. ebd. Pos. 161 von 1189.

13 Vgl. ebd. Pos. 204 von 1189.

14 Vgl. ebd. Pos. 619 von 1189.

15 Vgl. ebd. Pos. 29 von 1189.

16 Vgl. ebd. Pos. 469 von 1189.

17 Vgl. ebd. Pos. 547 von 1189.

18 Vgl. ebd. Pos. 31 von 1189.

19 Vgl. ebd. Pos. 930 von 1189.

20 Vgl. ebd. Pos. 832 von 1189.

21 Vgl. ebd. Pos. 837f. von 1189.

22 Vgl. ebd. Pos. 31 von 1189.

23 Vgl. ebd. Pos. 33ff. von 1189.

24 Vgl. ebd. Pos. 292ff. von 1189.

25 Vgl. ebd. Pos. 8 von 1189.

26 Vgl. ebd. Pos. 16 von 1189.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Carlo Goldoni - Il campiello und Le baruffe chiozzotte
Untertitel
Die Darstellung der Volkswelt
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Il teatro di Carlo Goldoni
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V205949
ISBN (eBook)
9783656330714
ISBN (Buch)
9783656331186
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
carlo, goldoni, darstellung, volkswelt
Arbeit zitieren
Friedemann B. Götz (Autor), 2012, Carlo Goldoni - Il campiello und Le baruffe chiozzotte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205949

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