Die Betrachtung des Algerienkrieges und die Anwendbarkeit des Imperialismus – Begriffs auf denselben


Seminararbeit, 2012
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Methodik

2 Begriffsklärung
2.1 Kolonialismus
2.2 Imperialismus

3 Die Algerische Geschichte bis zum Unabhängigkeitskrieg
3.1 Die Geschichte Algeriens vor Christus Geburt
3.2 Germanen, Römer, Araber, Spanier, Osmanen
3.3 Die französische Invasion
3.4 Die Kolonie
3.5 Zusammenfassung

4 Der Algerienkrieg der Vierten Republik
4.1 Erste Entwicklungen
4.2 Der Widerstand wächst
4.3 Radikalisierung auf beiden Seiten
4.4 Das Ende der Vierten Republik

5 Der Algerienkrieg unter de Gaulle
5.1 Wende in der Algerienpolitik
5.2 Erste Verhandlungen
5.3 Die Verträge von Évian

6 Der Algerienkrieg als Höhepunkt des Imperialismus?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Methodik

Am 18. März dieses Jahres jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung der Verträge von Évian. Trotz seines erheblichen Einsatzes an Material und Soldaten verliert Frankreich nach mehr als siebenjährigem Ringen den Krieg und entlässt Algerien am 5. Juli 1962 nach 132 Jahren Besatzung in die Unabhängigkeit.

Die vorliegende Seminararbeit betrachtet den Algerienkrieg und geht der Frage nach, ob dieser als ein verspäteter Höhepunkt des Imperialismus betrachtet werden kann. Im zweiten Kapitel soll für das allgemeine Verständnis und die Heranführung an die Fragestellung zunächst auf die Begriffe Kolonialismus und Imperialismus eingegangen werden, um schließlich anhand der Definitionen das Ergebnis der Arbeit erläutern zu können. Im dritten Kapitel wird die algerische Geschichte von den ersten Überlieferungen bis zur französischen Besatzung dargestellt. Dies ist bei einer geschichtswissenschaftlichen Arbeit unumgänglich, auch um besonders bei der algerischen Geschichte auf die nahezu dauerhafte Fremdherrschaft hinzuweisen. Da hier mit großen Zeitsprüngen gearbeitet wird, werden viele Jahreszahlen kurz und überblickend hintereinander genannt. Das vierte Kapitel schließlich behandelt den Algerienkrieg der Vierten Republik, während das fünfte Kapitel den Algerienkrieg unter Charles de Gaulle betrachtet. In diesen beiden Kapiteln sollen politische Aspekte im Vordergrund stehen. Um das Handeln der französischen Regierung näher beleuchten und um damit besser auf den Imperialismus eingehen zu können wird überblickweise auch Bezug auf das Militär genommen. Das letzte Kapitel schließlich fasst die Ergebnisse zusammen und soll ein Fazit liefern.

Die Betrachtungen sollen sich auf territorial - herrschaftliche Strukturen beschränken. Aufgrund der Begrenztheit der Arbeit werden kulturelle und soziale Entwicklungen, sowie die Bedeutung einzelner Personen, die Stimmen gegen den Krieg oder auch die Innenpolitik ausgeklammert. Entwicklungen in anderen Kolonien werden nicht erläutert.

2 Begriffsklärung

Beschäftigt man sich mit der algerischen Geschichte unter französischer Besatzung, so erscheint es als ratsam, zunächst die Begriffe Kolonialismus und Imperialismus kurz und allgemein zu definieren, ohne jedoch auf ganze Theorien zurückgreifen zu wollen.

2.1 Kolonialismus

Der Kolonialismus bezeichnet eine Außenpolitik der herrschaftlichen Inbesitznahme von außereuropäischen Territorien durch europäische Mächte und die Ausbeutung und Unterdrückung eines in Abhängigkeit gebrachten Volkes. Die Kolonien wurden als Rohstoffquellen und Absatzmärkte genutzt und dienten dem Nachschub an Sklaven. Häufige Merkmale sind wirtschaftliche Ausbeutung und eine missionarische Tätigkeit zur Erziehung der Bevölkerung zum Christentum. Bei der zeitlichen Einordnung soll sich nicht auf spezielle Jahre festgelegt werden. Allgemein kann gesagt werden, dass der Kolonialismus in all seinen Formen etwa vom Anfang des 16. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts reicht. Unabhängig vom wirtschaftlichen Nutzen oder Unnutzen waren Kolonien stets Prestigeobjekte gegenüber konkurrierenden Nationen.

2.2 Imperialismus

Der Imperialismus ist das höchste Stadium des Kolonialismus und dessen Perfektionierung. Er umfasst das Streben einer Nation und deren Führungsschicht nach größtmöglicher Machtausdehnung oder gar Weltherrschaft. Gekennzeichnet wird er durch den Wettlauf der industrialisierten Großmächte um die Territorien der Welt und deren staatsrechtlich legitimierte Kolonialisierung, die Abhängigkeit und Ausbeutung der Bewohner, militärische Interventionen und das Interesse an Rohstoffen und Absatzmärkten sowie die zivilisatorische „ Mission des wei ß en Mannes.“1 Besonders geprägt ist das Zeitalter des Imperialismus auch durch eine Siedlungspolitik, die die Kolonien administrativ enger an das Mutterland binden und die direkte Herrschaftsausübung ermöglichen soll. Eine große Bedeutung lässt sich dem Sozialdarwinismus und dessen Übertragung auf die Gesellschaft beimessen. Zeitlich eingrenzen lässt sich der klassische Imperialismus, als Höhepunkt des Kolonialismus und als Wettlauf der Großmächte um die Aufteilung der Welt, zwischen etwa 1880 und dem Ersten Weltkrieg.2 Erster Höhepunkt war die Berliner Kongokonferenz, die 1885 beendet wurde. Sie bildet die Grundlage für die Aufteilung Afrikas, denn hier manifestierte sich die Vorstellung eines „ Wettlaufs um Afrika “3. Nach dem ersten Weltkrieg, der ebenfalls einen Höhepunkt des Kolonialismus darstellt, war der Wettlauf mehrheitlich abgeschlossen. Eine eindeutige zeitliche Eingrenzung des Imperialismus ist aufgrund vieler verschiedener Theorien nur schwer möglich. Die oben genannte eignet sich aber in ihrer Form für diese Arbeit. Besonders nach 1945 kann man schon von, meist gewaltsamer, Entkolonialisierung sprechen, die sich aber mehrheitlich auf territorial- herrschaftliche Strukturen bezieht. Den wirtschaftlichen Imperialismus finden wir auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, teilweise sogar bis heute. So sind die ehemaligen Kolonien nun zwar unabhängige Staaten, dennoch sind in der Regel die ehemaligen Mutterländer Hauptabnehmer von Waren und Produkten. Man kann also von einer wirtschaftlichen Einflussnahme der Staaten der sogenannten Ersten Welt auf die ehemaligen Kolonien sprechen. Auch die Sprache der ehemaligen Mutterländer, deren etabliertes Bildungssystem und andere kulturelle Mitbringsel der Eroberer haben sich oft bis heute gehalten.

3 Die Algerische Geschichte bis zum Unabhängigkeitskrieg

3.1 Die Geschichte Algeriens vor Christus Geburt

Betrachtet man die Geschichte Afrikas, so fällt auf, dass sich speziell innerhalb der Grenzen des heutigen Algeriens verschiedene Herrschaften niedergelassen hatten. Nordostafrika war bereits im dritten Jahrtausend vor Christus besiedelt und kann somit auf eine lange Kulturgeschichte zurückblicken. Die Stämme der Berber siedelten etwa im Gebiet des heutigen Tunesiens, Nordalgeriens und Marokkos.4 Erste Spuren von Handelsplätzen hinterließen die Phönizier im 12. Jahrhundert vor Christus.5 202 vor Christus entstand das Königreich Numidien, das Rom im Kampf gegen das phönizische Karthago unterstützte.6 Bis 146 vor Christus schließlich war Karthago, das bis dato Tunesien und die algerische Küste militärisch - territorial und große Teile des Mittelmeeres wirtschaftlich kontrolliert hatte, vollständig von Rom erobert worden.7 Im letzten Jahrhundert vor Christus bis in das erste Jahrhundert nach Christus eroberte Rom Nordafrika, errichtete an der algerischen Küste die Provinzen Numidia und Mauretania und gliederte sie in das Wirtschaftsnetz ein.8 Es entstanden Handelsstraßen und Seehandelswege nach Rom und Sizilien. Die Region gehörte aufgrund seiner wirtschaftlichen Leistung zu jenen Regionen, die ihre Bedeutung im ersten Jahrhundert ausbauen konnten.9

3.2 Germanen, Römer, Araber, Spanier, Osmanen

Die Vandalen, ein ostgermanisches Volk, beherrschten Das Gebiet des heutigen Algeriens von 429 bis 534 nach Christus.10 Es gelang nun dem oströmischen Kaiser Justinian I. die verlorengegangenen Gebiete in Nordafrika teilweise zurück zu erobern.11 Doch nach dem Niedergang der römischen Macht wurden die Berberstämme wieder selbstständig. Auch diesmal ließen fremde Eroberer nicht auf sich warten. Etwa 120 Jahre später dehnten die Araber ihr Reich auf Kosten Afrikas und der Berber aus, und gelangten in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts sogar bis nach Spanien.12

Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert entstanden in Nordostafrika verschiedene Berberreiche, unabhängige Fürstentümer und Königreiche, die sich gegenseitig ablösten.13 Danach setzten sich hier Piraten und Janitscharen fest, sie gründeten eine militärische Republik. Spanien, das bis 1491 die arabische Herrschaft im Zuge seiner Reconquista von der Halbinsel vertreiben konnte, begann damit, nordafrikanische Städte zu erobern, besonders die im heutigen Algerien liegenden Städte Oran, Algier, Bugia und Bona zählten dazu.14 Mithilfe der Osmanen konnten die europäischen Eindringlinge bis 1708 wieder vertrieben werden, anschließend übernahmen die Osmanen die Kontrolle über das Gebiet.15 Deren Herrschaft konnte sich aber aufgrund der geografischen Ferne zur Hauptstadt Konstantinopel und der Kriege des Osmanischen Reiches nur unzureichend in Algerien durchsetzen, weswegen die Deis spätestens ab 1710 als faktisch unabhängig betrachtet werden können, wobei es hierzu allerdings unterschiedliche Meinungen gibt.16 Der Dei war ein Herrscher, der auf Lebenszeit gewählt wurde, aber dennoch in seiner Macht eingeschränkt war, er war „ ein reicher Mann, aber nicht Herr seiner Sch ä tze, Vater ohne Kinder, Gemahl ohne Frau, Despot ohne Freiheit, K ö nig von Sklaven und Sklave seiner Untertanen. “17

3.3 Die französische Invasion

Die in Algerien ansässigen Piraten beeinträchtigten den Handel im 17. Jahrhundert derart, dass die Europäer den Kampf gegen die Piraten aufnahmen. Allein Frankreich bombardierte Stützpunkte der Piraten in dieser Zeit fünfmal.18 Allerdings hatte die französische Regierung noch Schulden bei dem Dei. Die noch aus der Zeit Napoléons I. Stammten. Nach der diplomatischen Eskalation 1827, hier schlug der damalige Dei den französischen Konsul in Algier mit einem Fächer, verhängte Frankreich eine Blockade über Algier.19 Die Invasion erfolgte schließlich 1830. Zunächst wurden die Städte Algier, Oran, Annabar und Bone besetzt. Die Eroberung des Landes wurde allerdings stark von Aufständen beeinträchtigt. So konnte der Anführer der Aufständischen, Abd el - Kader, den Franzosen ab 1832 15 Jahre lang Widerstand leisten und gründete einen eigenen Staat und eine Armee, die sich den Franzosen lange erfolgreich widersetzte.20

3.4 Die Kolonie

1848, nach der Niederschlagung des Aufstandes, wurde Algerien, nachdem es bereits 1834 zu französischem Besitz erklärt worden war, administrativer Bestandteil Frankreichs und politisch, wirtschaftlich und militärisch an das Mutterland angegliedert, es entstanden französische Déparmtents. Die Eroberung Algeriens war damit aber noch nicht abgeschlossen. Aufstände erschwerten die Eroberung des Hinterlandes erheblich, sodass die Grenzen des heutigen Algeriens erst etwa 1900 als vollständig erobert betrachtet werden können.21 Aufstände wurde mit äußerster Brutalität niedergeschlagen.

[...]


1 Varnhorn, Beate (Hg.): Das aktuelle Wissen.de Lexikon. Band 10. Gütersloh und München. 2004. S. 146.

2 Vgl. Baumgart, Winfreid: DerImperialismus. Ideen und Wirklichkeit der englischen und französischen Kolonialexpansion 1880 - 1914. Wiesbaden. 1975. S. 2.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Bruckmüller, Ernst/Harmann, Claus (Hrsg.): Putzger. Historischer Weltatlas. 103. Auflage. Berlin. 2001. S. 22.

5 Vgl. Gieler, Wolfgang: Afrika - Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft. Frankfurt am Main. 2010. S. 44.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. Gieler: Afrika - Lexikon. 2010. S. 44.

8 Vgl. Bruckmüller/Hartmann (Hrsg.): Historischer Weltatlas. 2001. S. 38 ff.

9 Vgl. ebd., S. 39.

10 Vgl. Gieler: Afrika - Lexikon. 2010. S. 44.

11 Vgl. Vgl. Bruckmüller/Hartmann (Hrsg.): Historischer Weltatlas. 2001. S. 51.

12 Vgl. Vgl. ebd. S. 53.

13 Vgl. Gieler: Afrika - Lexikon. 2010. S. 44 f.

14 Vgl. Bruckmüller/Hartmann (Hrsg.): Historischer Weltatlas. 2001. S. 90.

15 Vgl. Varnhorn (Hg.): Das aktuelle Wissen.de. Band 1. 2004. S. 187.

16 Vgl. Gieler: Afrika - Lexikon. 2010. S. 45.; Nimschowski, Helmut: Der nationale Befreiungskrieg des algerischen Volkes (1954- 1962). Berlin. 1984. S. 5.

17 Vgl. Semjonow, Juri: Glanz und Elend des französischen Kolonialreiches. Berlin. 1942. S. 202.

18 Vgl. ebd. S. 200.

19 Vgl. ebd. S. 206.

20 Vgl. Nimschowski: Befreiungskrieg. 1984. S. 6.

21 Vgl. Varnhorn: Das aktuelle Wissen.de. Band 1. 2004. S. 188.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Betrachtung des Algerienkrieges und die Anwendbarkeit des Imperialismus – Begriffs auf denselben
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Europäische Studien)
Veranstaltung
Romanische Kulturwissenschaft- Das südliche Mittelmeer
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V205955
ISBN (eBook)
9783656328391
ISBN (Buch)
9783656329329
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Algerienkrieg, Krieg, Algerien, Vierte Republik, Fünfte Republik, Charles de Gaulle, Frankreich, Imperialismus, Kolonialismus, Afrika, Nordafrika, Politik, Außenpolitik, Mittelmeer, Kolonie, Nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Florian Kistner (Autor), 2012, Die Betrachtung des Algerienkrieges und die Anwendbarkeit des Imperialismus – Begriffs auf denselben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205955

Kommentare

  • Florian Kistner am 3.12.2012

    Das Original ist natürlich ordentlich formatiert. Und es heißt "des Imperialismus - Begriffs". Die Vorschau ist hier nicht richtig reingestellt worden.

Im eBook lesen
Titel: Die Betrachtung des Algerienkrieges und die Anwendbarkeit des Imperialismus – Begriffs auf denselben


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden