Diese beliebte Karikatur verdeutlicht eindrucksvoll, die an eine Lehrkraft gestellte Herausforderung, eine gerechte Anforderung an eine heterogene Lerngruppe zu stellen. Dabei ist es für die Lehrkraft zunächst notwendig, sich der Verschiedenartigkeit der Lernenden hinsichtlich ihrer Fähigkeiten bewusst zu werden und diese Heterogenität der Lerngruppe dann im Sinne dieser zielführend nutzbar zu machen. Die vorliegende Arbeit intendiert daher, die Bedeutung und die Potentiale der Differenzierung im Unterricht herauszustellen und das Modell der Differenzierung als Notwendigkeit für den Unterricht zu definieren.
Dazu soll neben der Definition der Begrifflichkeit und der Abgrenzung in verschiedene Arten der Differenzierung die Begründung für die Durchführung von Differenzierung im Unterricht, aus forschungspsychologischer Sicht legitimiert werden und sich nicht allein auf die vorhandene gesetzliche Verankerung stützen. Daran schließt sich die Darstellung ausgewählter Differenzierungsarten im Rahmen der inhaltlichen Ausrichtung und der quantitativen Restriktionen der Arbeit. Abschließend soll die Differenzierung im Unterricht auf ein anderes psychologisches Modell, das der Interessengenese übertragen werden.
Grundlegend für diese Arbeit waren vor allem die Untersuchungen von Wolfgang Klafki „Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik - Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik“, welche 2007 in Weinheim und Basel erschienen. Ferner wird auch der Arbeit von Manfred Bönsch „Erfolgreiches Lernen durch Differenzierung im Unterricht“, erschienen 2009 in Braunschweig, große Bedeutung gegeben. Zur exemplarischen Gestaltung von Unterrichtsbeispielen, welche die Differenzierung nutzbar machen, empfiehlt sich das Studieren der Internetseiten der einzelnen Bildungsserver. Besonders hervorgehoben wird dabei die Mat-erialiensammlung des Thüringer Bildungsservers.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Differenzierung – Begriffsdefinition und Abgrenzung
3. Die Notwendigkeit der Differenzierung
4. Möglichkeiten der Differenzierung
4.1 Die innere Differenzierung
4.1.1 Differenzierte Aufgabenstellungen
4.1.2 Differenzierte Unterrichtsgestaltung
4.1.3 Differenzierte Bewertung
4.2 Die äußere Differenzierung
4.2.1 Die Fachleistungsdifferenzierung
4.2.2 Die gleitende Differenzierung
4.2.3 Die flexible Differenzierung
5. Differenzierung im Unterricht als eine Möglichkeit der Interessengenese
6. Résumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die Potentiale der Differenzierung im schulischen Unterricht. Dabei wird das Ziel verfolgt, Differenzierung als pädagogische Notwendigkeit zu definieren, um der Heterogenität von Lerngruppen gerecht zu werden und durch den Abbau von einseitigen Selektionsstrategien eine ganzheitliche Förderung der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.
- Grundlagen und Begriffsdefinitionen der Differenzierung
- Notwendigkeit der Differenzierung aus forschungspsychologischer Sicht
- Methoden der inneren und äußeren Differenzierung
- Bedeutung der Differenzierung für die Interessengenese bei Lernenden
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Die gleitende Differenzierung
Das Modell der gleitenden Differenzierung wurde auch an Gesamtschulen realisiert und hat gegenüber der Fachleistungsdifferenzierung große Stärken. Der Grundgedanke des Modells ist der Klassenverband als Basisformation. Bei einem Unterrichtsfach mit wöchentlichem Umfang von 5 Stunden, werden beispielsweise 3 Unterrichtsstunden im Klassenverband gehalten. In den beiden verbleibenden Stunden werden lernschwächere von lernstärkeren Schülern geteilt. Während die stärkeren Schüler die Klasse verlassen und einen höheren Kurs bilden, welcher auch aus lernstarken Schülern mehrerer Klassen bestehen kann, bleibt der Rest im Klassenverband bei dem jeweiligen Fachlehrer, der sich nun gezielt um Lernende kümmern kann, da die Klasse etwa 1/3 kleiner ist. Die Durchführung des Additivkurses zeitgleich mit dem Kurs im Klassenverband garantiert zusammen mit einer guten Kooperation der Lehrkräfte ein permanentes unproblematisches Wechseln einzelner Schülerinnen und Schüler, nach ihren individuellen Bedürfnissen.
Das Potential dieses Prinzips liegt in der Freiheit je nach thematischem Schwerpunkt – im Fach Deutsch zum Beispiel: Rechtschreibung, Grammatik, Literatur, Kommunikation ect. – auf die Stärken und Schwächen der Lernenden angepasste Lerngruppen zu bilden, in welchen die Lernenden ohne großen organisatorischen Aufwand hin und her gleiten können.
Aus psychologischer Sicht ist dieses Modell der äußeren Differenzierung nach meiner Ansicht zu präferieren, da es lernschwache Schüler nicht aus der Gemeinschaft ausgrenzt, sondern integriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung der Heterogenität in Lerngruppen und legt das Ziel der Arbeit fest, das Modell der Differenzierung als pädagogische Notwendigkeit zu begründen.
2. Die Differenzierung – Begriffsdefinition und Abgrenzung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Differenzierung im schulischen Kontext und grenzt die innere von der äußeren Differenzierung ab.
3. Die Notwendigkeit der Differenzierung: Hier wird die Notwendigkeit der Differenzierung mit der Kritik am herkömmlichen, selektierenden Schulsystem begründet, das die Ganzheitlichkeit der Lernenden vernachlässigt.
4. Möglichkeiten der Differenzierung: Dieses Hauptkapitel unterteilt sich in die Vorstellung der inneren Differenzierung (Aufgaben, Gestaltung, Bewertung) und der äußeren Differenzierung (Fachleistungs-, gleitende und flexible Differenzierung).
5. Differenzierung im Unterricht als eine Möglichkeit der Interessengenese: Das Kapitel verknüpft die Differenzierung mit dem psychologischen Modell der Interessengenese und zeigt deren Bedeutung für die Lernmotivation auf.
6. Résumée: Das Resümee fasst die gewonnenen fachlichen und persönlichen Erkenntnisse zusammen und bekräftigt die Bedeutung der Differenzierung für die künftige Lehrerpraxis.
Schlüsselwörter
Differenzierung, Heterogenität, Pädagogik, Unterrichtsgestaltung, Innere Differenzierung, Äußere Differenzierung, Interessengenese, Lehr-Lernsituation, Selektion, Lernkompetenz, Individualisierung, Förderkonzept, Schulentwicklung, Leistungsbewertung, Lernmotivation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Differenzierung im schulischen Unterricht als Instrument, um der Verschiedenartigkeit von Lernenden gerecht zu werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Differenzierung, die Begründung ihrer Notwendigkeit, verschiedene Umsetzungsformen im Unterricht sowie die psychologische Verknüpfung mit der Interessengenese.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Modell der Differenzierung als notwendiges Prinzip für die Gestaltung von Lehr-Lernsituationen zu legitimieren und dessen Potential für die Förderung aller Schülerinnen und Schüler aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung didaktischer Konzepte von Bildungstheoretikern wie Wolfgang Klafki und Manfred Bönsch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung innerer Differenzierungsformen wie differenzierte Aufgabenstellungen und Unterrichtsgestaltung sowie äußerer Differenzierungsformen wie die gleitende und flexible Differenzierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Heterogenität, Individualisierung, Interessengenese und die Unterscheidung von innerer und äußerer Differenzierung geprägt.
Was unterscheidet die gleitende von der Fachleistungsdifferenzierung?
Die gleitende Differenzierung behält den Klassenverband als Basisformation bei und ermöglicht einen unproblematischen, an Schwerpunkten orientierten Wechsel, während die Fachleistungsdifferenzierung eher in feste, leistungshomogene Gruppen einteilt.
Wie trägt Differenzierung zur Interessengenese bei?
Differenzierung ermöglicht Erfolgserlebnisse, stärkt das Selbstkonzept und das Kompetenzerleben, was wiederum entscheidende Voraussetzungen für die Entwicklung von situativem hin zu dauerhaftem Interesse sind.
Warum wird im Text die "Sortierungsmaschinerie" des Schulsystems kritisiert?
Die Autorin kritisiert, dass durch starre, rein kognitiv orientierte Selektionsmechanismen soziale Schichtung reproduziert wird und die individuellen Stärken der Kinder nicht ganzheitlich betrachtet werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für ihre künftige Lehrtätigkeit?
Die Autorin sieht in der Differenzierung eine zentrale pädagogische Verantwortung und möchte insbesondere die gleitende Differenzierung kooperativ in ihrem künftigen Lehrerkollegium umsetzen.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Education Katja Neumann (Autor:in), 2012, Differenzierung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205962