Vergleich von Lew Nikolajewitsch Tolstois 'Drei Tode' und 'Der Tod des Iwan Iljitsch'


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Drei Tode

3 Der Tod des Ivan Iljitsch
3.1 Inhaltliche Analyse
3.2 Sprachliche Analyse

4 Vergleichende Aspekte der beiden Werke

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Leben heißt sterben. Gut leben heißt gut sterben.“[1] Dieser Satz stammt von einem der berühmtesten russischen Schriftsteller: Lev Nikolajewitsch Tolstoi. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob er diese Einstellung zu Leben, Sterben und somit zum Tod auch in seinen Werken zu erkennen gibt oder ob die Äußerung nur trivialer Bedeutung für Tolstoi war und ob sie sich im Laufe seines Lebens vielleicht sogar geändert hat. Für die Untersuchung dieser und anderer Fragen sollen ein früheres und ein späteres Werk von Tolstoi verglichen werden.

Zunächst sollen dazu beide in einer Einzelbetrachtung näher erforscht werden . Den Anfang soll dabei das frühere Werk Drei Tode bilden. Hier sollen unter anderem die stilistischen und rhetorischen Mittel, mit denen Tolstoi die Erzählung führt analysiert werden. Ein besonderes Augenmerk soll aber schon einem ersten Vergleich innerhalb der Erzählung gelten, da sie aus drei Geschichten, die die drei Tode beschreiben, zusammengesetzt ist. Der Kontrast zwischen schlechtem und gutem Tod soll dabei herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse dienen später dem eigentlichen Vergleich zwischen diesem und dem im nächsten Punkt behandelten Werk.

Anschließend soll dann Der Tod des Iwan Iljitsch näher betrachtet werden, wobei auch wieder auf sprachliche Mittel, wie Wiederholung, Personifikation und in diesem Fall auch die Bedeutung des Namens des Protagonisten eingegangen werden soll. Den Kern soll in diesem Punkt aber die Inhaltliche Analyse bilden. Auch hier soll herausgefunden werden, mit welchen Mitteln der (schlechte) Tod des Titelhelden dargestellt wird und welche Absichten Tolstoi in der Darlegung verfolgte.

Schließlich soll ein Vergleich zwischen den beiden behandelten Werken angestellt werden. Dazu dienen teilweise auch Ergebnisse aus den vorangegangenen Analysen und Vergleichen. Gegensätzliche Seiten sollen dabei allerdings nicht nur die beiden Werke darstellen, sondern vor allem die einzelnen Figuren daraus. Deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung ihrer Tode soll den Ausgangspunkt der Erforschung dienen.

Zur Untersuchung dienen als Quelle die Werke Tolstois in deutscher Übersetzung und als Sekundärliteratur Aufsätze und Abhandlungen über Lev Nikolajewitsch Tolstois genannte Werke.

2 Drei Tode

Die „Novellentrilogie“[2] Drei Tode wurde 1856 von Tolstoi verfasst und ist wie viele Werke von ihm durch metaphorische Ausdrucksweise gekennzeichnet. Es werden die Tode von Individuen unterschiedlicher Gattungen- zwei Menschen und eine Pflanze- anhand moralischer Normen konfrontiert. Demnach könnte der Titel auch „Drei Arten des Sterbens“ heißen. Durch die Beseelung des Baumes, bekommt die Erzählung einen parabel- bzw. gleichnishaften Charakter, dessen belehrende Art von Tolstoi aus dem Evangelium abgeleitet wurde.[3] Das kann mit Hilfe des folgenden Tagebucheintrages von ihm nachgewiesen werden: „...im Evangelium gelesen, nachgedacht und den >Baum< (gemeint ist Drei Tode) umgeschrieben.“[4]

Tolstoi setzt einige stilistische Mittel und rhetorische Figuren in der Erzählung ein, die hier nun näher erläutert werden sollen. Das wichtigste ist wohl die Personifikation bzw. die „Beseelung“ des Baumes. Ihm wird Leben eingehaucht und er wird im Vergleich zu den Menschen als gleichwertiges Geschöpft angesehen. Sein Sterben gleicht dem eines Menschen, da auch nach seinem Tod, die Überlebenden (in seinem Fall Bäume) mehr Platz an der Stelle einnehmen können, wo er stand. Genauso verhält es sich mit der Ofenecke, in der der arme Postkutscher Feja Chweodor stirbt.

Diese beiden Tode stehen im starken Gegensatz zu dem Tod der Adligen Maria Dmitrijewna. Sie hat sich „von der Natur abgewandt und in einem unechten christlichen Lippenbekenntnis gelebt“[5], während die anderen beiden hingegen sehr naturverbunden waren und deshalb schön und ruhig sterben konnten. Am schönsten stirbt jedoch der Baum, da Tolstoi bei seinem Tod eine eindrucksvolle Naturbeschreibung macht, obwohl der Baum sozusagen „ermordet“ wird, als man ihn fällt. Sein Holz wird für das Kreuz an Fedjas Grabe verwendet und dessen Stiefel werden dem jungen Kutscher Serioga zu Nutzen. Ihre Tode dienen anderen also wiederum zu einem Zweck und sie fügen sich somit in den Naturkreislauf ein.

Der Tod der Adligen Maria dagegen hat keinen Nutzen. Auch ihr Glaube kann ihr am Ende nicht mehr helfen, obwohl sie „lange und heiß“ betet (Textvorlage, S.277). Aber sogar in den letzten Momenten ihres Lebens hofft sie noch auf eine Rettung und will aufgrund des Rates eines Geistlichen nach einer Art „Wunderheiler“ schicken. Ihr Mann versteht sie jedoch nicht und sie wird sogar in diesem Augenblick noch unwillig. Das stellt Tolstois Einstellung zu dieser Art des christlichen Glaubens sehr gut dar: „Ausdrücklich ist die Novelle gegen die christliche Auffassung gerichtet, nach der der Tod der Eingang zum ewigen Leben und damit die Erlösung von dem irdischen ist.“[6] Tolstoi beschreibt die Adlige in einem Brief an seine Tante folgendermaßen: sie ist „[...]erbärmlich und widerwärtig, weil sie ihr Leben lang gelogen hat und auch noch vor dem Tod lügt. Das Christentum, wie sie es auffasst, kann die Fragen von Leben und Tod für sie nicht lösen.“[7]

Die drei Geschichten der Sterbenden sind erzähltechnisch miteinander verschränkte Episoden und Tolstoi schildert sie, um Wert und Sinn der Tode miteinander zu vergleichen.[8] Am Ende fügen sie sich zusammen und bauen auch aufeinander auf. Der Tod des Baumes kommt daher nur aufgrund des Todes von Fedja zustande, wie das schon erläutert wurde. Marias Tod steht in Verbindung zu dem Tod von Fedja, da sie in der Kutsche von Serioga gefahren wird. Der junge Kutscher scheint damit das Bindeglied zwischen allen drei Toden zu sein, den er fährt nicht nur mit der kranken Maria in seiner Kutsche und nimmt die Stiefel Fedjas, sondern fällt am Ende auch noch den Baum, ist also schließlich noch der unmittelbare Auslöser eines der Tode. „Der Erzählfaden dieser bewusst auf die kontrastierende Gegenüberstellung verschiedener Sterbestile hin angelegten Geschichte ist nicht sonderlich kompliziert, vielmehr betont schlicht und einfach gehalten [...].“[9]

„Mit dieser noch einer frühen Schaffensperiode des Dichters [L. N. Tolstoi] angehörenden Novelle nimmt ‚die wachsende Vorliebe’ des Dichters für das Thema Sterben und Tod ihren Anfang.“[10] Er wollte darin vermutlich ausdrücken, dass es individuelle Unterschiede zwischen den Reaktionen auf den herannahenden Tod gibt. Damit wiederlegt er natürlich die Meinung, dass der Tod alle gleich mache und trotzdem stellt er nicht in Frage, dass es keine Unterschiede innerhalb von Klassen- bzw. Ständegesellschaften in Zusammenhang mit dem Tod gibt.[11]

An diesem Werk Tolstois ist also erkennbar, dass der Schriftsteller an der christlichen Lehre einige Kritik übte und eher die Naturverbundenheit des Menschen anstrebte. „Aber der reale Anblick des Todes am Sterbebett des Bruders vernichtete in Tolstoi die Vorstellung der Harmonie von Leben und Tod im Kreislauf der Natur, die die Novellentrilogie aussprach.“[12] Er sieht den Tod durch diese Erfahrung nun als Vernichter, wodurch das Leben auch keinen Sinn mehr hat.[13] Diese neue Ansicht kann man auch in dem späteren Werk Der Tod des Ivan Iljitsch, was nun behandelt werden soll, erkennen.

[...]


[1] Bernhard Sill, Ethos und Thanatos: zur Kunst des guten Sterbens bei Matthias Claudius, Leo Nikolajewitsch Tolstoi, Rainer Maria Rilke, Max Frisch und Simone de Beauvoir, Pustet Verlag, Regensburg, 1999, S. 55

[2] Käte Hamburger, Tolstoi, Gestalt und Problem, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1963,

S. 63 und 64

[3] vgl. Wilhelm Lettenbauer, Tolstoi: Eine Einführung, Artemis- Verlag, München [u.a.], 1984,

S. 40/41

[4] ebd., S. 41

[5] Käte Hamburger, Tolstoi, Gestalt und Problem, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1963,

S. 63

[6] Käte Hamburger, Tolstoi, Gestalt und Problem, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1963,

S. 64

[7] Bernhard Sill, Ethos und Thanatos: zur Kunst des guten Sterbens bei Matthias Claudius, Leo Nikolajewitsch Tolstoi, Rainer Maria Rilke, Max Frisch und Simone de Beauvoir, Pustet Verlag, Regensburg, 1999, S. 70

[8] vgl. ebd., S. 68

[9] Bernhard Sill, Ethos und Thanatos: zur Kunst des guten Sterbens bei Matthias Claudius, Leo Nikolajewitsch Tolstoi, Rainer Maria Rilke, Max Frisch und Simone de Beauvoir, Pustet Verlag, Regensburg, 1999, S. 68

[10] ebd.

[11] Käte Hamburger, Tolstoi, Gestalt und Problem, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1963,

S. 64

[12] ebd.

[13] vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich von Lew Nikolajewitsch Tolstois 'Drei Tode' und 'Der Tod des Iwan Iljitsch'
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V206025
ISBN (eBook)
9783656332596
ISBN (Buch)
9783656333111
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, nikolajewitsch, tolstois, drei, tode, iwan, iljitsch
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Vergleich von Lew Nikolajewitsch Tolstois 'Drei Tode' und 'Der Tod des Iwan Iljitsch', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206025

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