Psychoanalytisches Angstkonzept nach Sigmund Freud - ein kurzer Überblick


Referat (Ausarbeitung), 2001
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalstverzeichnis

1 Biographie Sigmund Freuds

2 Angstauffassung im historischen Überblick

3 Konzepte der Angsttheorien
3.1 Graphische Darstellung beider Angsttheorien
3.2 Angsttheorie I [1895]
3.3 Die Drei Instanzen der menschlichen Psyche: Strukturhypothese [1923]
3.4 Angsttheorie II [1926]
3.4.1 Angsttheorie II/Teil 1
3.4.2 Graphische Darstellung Angsttheorie II/Teil 1
3.4.3 Angsttheorie II/Teil 2
3.4.4 Graphische Darstellung Angsttheorie II/Teil 2

4 Verschiedene Angstquellen

5 Helfer des Ichs gegen bedrohliche Angstimpulse: Abwehrmechanismen

6 Literaturverzeichnis

1 Biographie Sigmund Freuds

1856 wurde Sigismund Freud als ältestes von acht Kindern in Freiberg, Mähren (Tschechien) geboren.

Er war der Sohn eines Wollhändlers und galt als Liebling seiner Mutter, worauf er seine eigene Erfolgszuversicht zurückführte.

1980 zog die Familie nach Wien. Dort absolvierte Freud 1873 seine Matura und studierte anschließend Medizin an der Universität Wien. 1881 promovierte er zum Doktor der Medizin und begann 1882 unter Theodor Meynert an der Psychiatrischen Klinik als wissenschaftlicher Assistent zu arbeiten.

Mit seiner Frau Martha Bernays, die er 1886 heiratete, hatte er sechs Kinder, ihre jüngste Tochter Anna wurde später eine anerkannte Kinderpsychoanalytikerin (sie eröffnete 1937 gemeinsam mit Dorothy Burlingham einen Kindergarten für Kleinkinder, in dem sie ihre Studien über Aspekte kindlichen Essverhaltens begann).

Im gleichen Jahr 1886 zwangen ihn finanzielle Gründe und Aufstiegsbarrieren für Juden, seine erste eigene Praxis als Nervenarzt zu eröffnen und er begann, nervöse Patienten zu behandeln und sich mit dem therapeutischen Einsatz von Hypnose zu beschäftigen. Er selber setzte die Hypnose nie ein und lernte auch nicht sie zu beherrschen oder anzuwenden.

Freud war fasziniert von den Phänomen der hysterischen Erkrankung: Psychische Störungen mit starken somatischen Symptomen, die zur damaligen Zeit weit verbreitet waren. Sein zunehmendes Interesse an der Hypnose wurde geweckt durch einen Studienaufenthalt in Paris bei Jean Charcot (1885-1886) und danach durch die Zusammenarbeit mit Josef Breuer, beides anerkannte Leiter von Irrenhäusern. 1895 veröffentlichte Freud zusammen mit Josef Breuer die Studien über Hysterie.

1895 gelang Sigmund Freud auch die erste Analyse eines eigenen Traumes. Aus der Analyse seiner eigenen und der Träume seiner Patienten sowie deren Kindheitserinnerungen entstanden 1899 die ersten Exemplare der auf 1900 vordatierten Traumdeutung. Zwischen diesen beiden Geschehnissen verwendete Freud 1896 zum ersten Mal den Begriff der Psychoanalyse.

Seine gewagten und revolutionären Theorien und Erkenntnisse stießen in der damaligen Zeit, die beherrscht war vom viktorianischen Denken, auf große Widerstände unter Ärzten und Wissenschaftlern. Die Entwicklung seiner aufsehenerregenden Gedanken und Hypothesen sowie ihre Diskussion und Weiterentwicklung geschah zum großen Teil im Rahmen einer privaten Gruppe kompetenter Interessierter, der „Mittwochsgesellschaft“ (später psychoanalytische Vereinigung). Diese wurde 1902 gegründet und ihr gehörten neben den bekannten Psychologen C. G. Jung und A. Adler noch eine Reihe anderer Psychoanalytiker an, die erst später bekannt wurden.

Ein Wendepunkt in Sigmund Freuds Schaffensbiographie ist 1909 die Einladung der Clark University in Worcester, Massachusetts, anlässlich deren 20jährigen Gründungsfeier er gebeten wurde, eine Vortragsreihe zu halten ("Fünf Vorlesungen über Psychoanalyse"). Ihm wird die Ehrendoktorwürde verliehen. Diese Einladung zeugt von zunehmender offizieller internationaler Anerkennung seiner Arbeiten.

1933, als Hitler Reichskanzler wird, korrespondieren Freud und Albert Einstein über die Frage „Warum Krieg?“.

Der österreichische Kanzler Schuschnigg wird 1938 von Hitler zum Rücktritt gezwungen. Am 13. März wird Österreich nach einer Volksabstimmung an das Deutsche Reich „angeschlossen“. Eine Welle von politischen Verhaftungen und antisemitischen Verfolgungsaktionen bricht los. Sigmund Freuds Wohnung und die Wiener Psychoanalytische Vereinigung werden durchsucht. Anna Freud wird einen Tag lang von der Gestapo festgehalten und verhört. Schließlich emigriert Sigmund Freud mit seiner Familie nach London. Schon 1923 wurden die ersten Anzeichen von Mundhöhlenkrebs bei Freud entdeckt und 1930 erlitt er einen Herzanfall und musste daraufhin das Rauchen aufgeben. Am 23. September 1939 stirbt er dann in England im Alter von 83 Jahren. Sein letzter Tagebucheintrag vom 25. August lautete: „Kriegspanik“.

Nach dem ersten Weltkrieg fanden die Psychoanalyse und damit Freuds Theorien zunehmend mehr offizielle, breite Anerkennung. Die daraus entwickelte spezifische Therapieform, die Psychoanalyse, beeinflusste zunehmend die Psychiatrie und die Sozialwissenschaften.

Einige Aspekte und Behauptungen seiner theoretischen Konstrukte über die menschliche Psyche stießen jedoch nach wie vor auf extreme Ablehnung in weiten Kreisen der Gesellschaft, z. B. die Postulierung einer kindlichen Sexualität.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte Freud seine Theorien laufend weiter: Er prüfte, wendete an, verwarf, revidierte und entwickelte neu. Letzte grundlegende Veränderungen nahm er noch im Alter von 70 Jahren vor, an der Triebtheorie samt der Einführung eines selbständigen Aggressionstriebes, bei deren Erstentwicklung er stark unter dem Einfluss der Grauen des ersten Weltkrieges gestanden hatte.

2 Angstauffassung im historischen Überblick

Freud nahm grundsätzlich an, dass Angst eine biologisch ererbte Basis hat. Er war also der Auffassung, dass der menschliche Organismus die angeborene Fähigkeit habe, mit den psychologischen und physiologischen Manifestationen zu reagieren, die wir Angst nennen. Diese Fähigkeit hat eine entscheidende Funktion für das Überleben des Einzelnen. Freud stellt keine Überlegungen an über den Grundursprung oder die Natur der Angst, vielmehr über ihre Bedeutung und ihren Platz im psychischen Leben des Menschen und ihre pathologischen Formen.

Er schrieb in der Reihe „Neue Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, Angst sei „ein Affektzustand, also eine Vereinigung von bestimmten Empfindungen der Lust-Unlust-Reihe mit den ihnen entsprechenden Abfuhrinnervationen und deren Wahrnehmung, wahrscheinlich aber der Niederschlag eines gewissen bedeutungsvollen Ereignisses, durch Vererbung einverleibt.“ [Freud, S., G. W., Bd. 15, S. 87 f.].

In den Anfängen der Psychoanalyse hält Freud Angst für die Folge eines rein biologischen Prozesses. „Dies sind überhaupt nicht Vorgänge psychischer Natur, sondern physische Vorgänge“ mit „psychische[n] Folgen“ (Freud, S., G.W., Bd.1, S 67). Er postuliert die Ansicht, Angst trete in der Neurose aufgrund einer Störung der Abfuhr von Sexualspannung auf, resultierend aus einer Anhäufung unabgeführter Libido, die unmittelbar in Angst umgewandelt wird. Auch in dieser ersten Phase der Theorieentwicklung hat Freud allerdings schon die Vorstellung, dass ein geringes Maß an Unlust (Angst) als Signal zur Vermeidung weiterer Unlust wirke.

Später, nach dem Jahr 1923, lässt Freud in seinem Strukturmodell der psychischen Funktionen seine vorangegangene Hypothese fallen, denn sie erklärte zwar das Vorhandensein der Angst in den Angst- oder Aktualneurosen, nicht jedoch die Angst in den Psychoneurosen (Zwangsneurosen, Phobien), bei denen der Einfluss psychischer Ereignisse nicht auszuschließen ist. Er begründete die Ursache für eine Anhäufung von Spannung bei den Aktualneurosen physisch (z. B. Koitus interruptus) und nahm an, dass die Ursache der Psychoneurosen in der Verdrängung läge.

In seiner neuen, abgeänderten Theorie zur Angst unterscheidet Freud nun automatische Angst und die in den Psychoneurosen zentral wirkende Signalangst. Angst gilt nun als Ich-Funktion, Affekte sind keine Sicherheitsventile mehr, sondern werden vom Ich in Signale umgewandelt.

3 Konzepte der Angsttheorien

3.1 Graphische Darstellung beider Angsttheorien

Theorie I: Angst resultiert aus Verdrängung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Theorie II: Verdrängung resultiert aus Angst

3.2 Angsttheorie I [1895]

Angst bezeichnet in dieser Theorie eine pathologische Form von Furcht. Sie kann zwar dieselben Phänomene aufweisen wie normale Furcht vor äußerer Gefahr, hat aber einen gänzlich anderen Ursprung: Furcht vor äußerer Bedrohung ist eine aufgrund von Erfahrungen angelernte Reaktion, Angst sei umgewandelte Libido, also eine pathologische Manifestation von Triebenergie. Die Libido ist der psychische Aspekt des Sexualtriebes, die Energie als Substrat der Umwandlung des Sexualtriebes auf das Objekt (Verschiebung der Besetzung), auf das Ziel (Sublimierung) oder auf die Quelle sexueller Erregung (Vielfalt erogener Zonen). Sie sei die „Energie solcher Triebe, welche mit all dem zu tun haben, was man als Liebe zusammen fassen kann“ [Freud, S., G. W. Bd. 13, S. 98].

[...]

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Details

Titel
Psychoanalytisches Angstkonzept nach Sigmund Freud - ein kurzer Überblick
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Psychologisches Institut)
Veranstaltung
Seminar: Angst und Angstbewältigung
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V20610
ISBN (eBook)
9783638244411
ISBN (Buch)
9783638938884
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychoanalytisches, Angstkonzept, Sigmund, Freud, Seminar, Angst, Angstbewältigung
Arbeit zitieren
Katharina von Lingen (Autor), 2001, Psychoanalytisches Angstkonzept nach Sigmund Freud - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20610

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