Die Modalpartikel "eben"

Historische Entstehung, Rolle und Funktion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grammatikalisierungsinhalt im Bezug auf eben

2 Sprachgeschichte: Die historische Entwicklung ebens vom Adjektiv zur Modalpartikel

3 Rolle und Funktion der grammatischen Formen und Konventionen in Bezug auf eben
3.1 Polyfunktionalität von eben
3.2 Modalpartikeln
3.2.1 Eigenschaften der Modalpartikeln am Beispiel eben
3.3 Aufgabe und Funktion der Modalpartikeln
3.3.1 Spezielle Aufgabe und Funktion von eben als Modalpartikel

4 Literaturverzeichnis und Quellen

1 Grammatikalisierungsinhalt im Bezug auf eben

Grammatikalisierung beinhaltet im Fall des Lexems eben die Überführung eines autonomen Wortes in die Rolle und Funktion einer grammatischen Einheit. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Entwicklung von eben zur Modalpartikel nicht um eine Lexikalisierung, bei der ein neues Wort zum Beispiel für einen Sachverhalt entsteht, also ein neues Lexem, ein neuer sprachlicher Ausdruck.

Grammatikalisierung fokussiert

- Sprachgeschichte und Sprachwandel: Wie sind grammatische Formen und Konventionen historisch entstanden? (Abschnitt 2 dieser Arbeit)
- Die Rolle und Funktion grammatischer Formen und Konventionen: Wie werden sie aktuell verwendet und genutzt? (Abschnitt 3 dieser Arbeit)
- Sprachgestalt: Die Gestalt einer Sprache ist das Produkt von Grammatikalisierung. Wie geben die grammatischen Formen und Konventionen einer Sprache eine Gestalt?

Ich werde in dieser Arbeit die beiden ersten Punkten erläutern.

2 Sprachgeschichte: Die historische Entwicklung von eben vom Adjektiv zur Modalpartikel

Analog den Grammatikalisierungsprozessen anderer Lexeme lässt sich die Entwicklung von eben zur Modalpartikel anhand einer Metaphorisierung nachvollziehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zunächst existiert das Adjektiv eben als räumliche Beschreibung. Im nächsten Schritt wird etwas Zeitliches, also ein temporaler Sachverhalt mit Ausdrücken des Räumlichen dargestellt und anschließend werden auch abstraktere Inhalte mit Begriffen für räumliche Sachverhalte und Beziehungen formuliert.

So kann die Entwicklung zur Modalpartikel eben in drei Abschnitte gegliedert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Das Lexem eben wurde im Germanischen und Althochdeutschen als Adjektiv und als Adverb gebraucht.

Das Adjektiv eben existierte als solches mit geographischen Bezug (und als Adverb) seit dem 8. Jahrhundert. Zunächst im Althochdeutschen, der ältesten Stufe des Hochdeutschen vom 8. bis zum 12. Jahrhundert, als eban mit der Bedeutung von „’flach, ohne Erhebung’“ (Pfeifer, 1998). In dieser Phase bezieht es sich syntaktisch zumeist auf eine Nominalkonstruktion: Er schlief auf ebener Erde.

Zeitgleich wurde eban auch als Adverb genutzt im Sinne von „‚gerade, genau’“ (Pfeifer, 1998), es hatte also eine zweifache Funktion:

„Eben, ein Wort, welches in doppelter Gestalt üblich ist. (...) Als ein Bey= oder Nebenwort, und da bedeutet es (...) gleich (...) am häufigsten von der Oberfläche des Erdbodens. (...) Ein ebener Weg. (...) Etwas eben machen“. Oder es wird gebraucht „In figürlicher Bedeutung, (...) hübsch, fein, von der Gesichtsbildung. (...) Jüngling ebener Gestalt “. Die zweite Anwendung findet eben „Als ein bloßes Nebenwort, oder Adverbium. (...) Gleich (...) Als es der Natur der Dinger eben kommt (...) 1483 (...) Es gilt alles eben viel. (...) Genau, (...)Jemanden gar eben ansehen.“ (Documenta Linguistica, 1990).

Rein als Adjektiv fand man analoge Begriffe auch im Gotischen, einer ostgermanischen Mundart ibns, im Altnordischen jafn oder jamn, im Altenglischen efen und im Altfriesischen even oder iven.

Die Bedeutung war ursprünglich gleich und später gleichmäßig hoch. Die Herkunft ist ungeklärt, vielleicht ist es verwandt mit dem lateinischen aem-ulari was nacheifern bedeutet oder dem lateinischen im-itari, was nachahmen bedeutet. [Mackensen, 1985]

Im Bereich des Möglichen ist auch ein Bezug zum kymrisch-walisischen iawn, was gerecht, passend bedeutet oder zum kornischen ewn- bzw. zum bretonischen Maskulinum effen, dessen Bedeutung gleich ist. Diese Herkunft wirkt semantisch einleuchtend, ist allerdings lautlich unwahrscheinlich. Auch das mittelirische emonm Zwillingspaar, Zwilling’ könnte Ursprung sein. [Kluge, 1999]

Später, in der Zeit des Mittelhochdeutschen, der Sprachform des Hochdeutschen zwischen 1150 und 1500, findet man dann das morphologisch dem unseren gleichende Lexem ebene(e).

2. Sicher scheint zu sein, dass sich zumindest eine Variante des temporalen Gebrauchs vor den Modalpartikeln entwickelte. Erste mit eben angedeutete zeitliche Bezüge laassen sich schon recht früh finden:

„es kommt mit gar uneben [unpassend]“ (Hätzerlin, 46).

„es sei denn zeit und eben [passend]“ (Pilatus, 169).

„er blieb bestehn, die magd ansach ein ebne [ziemlich lange, eine ganze weile] weil, darnach er sprach.“ (Luther 4, 67). [Deutsches Wörterbuch, 1984]

Einen gerichteten temporalen Sinn, mit der Bedeutung von im direkt vorangegangenen Moment, jetzt gerade, nimmt eben im Mittelhochdeutschen an. Erste eindeutige temporale Verwendungen finden sich im 13. Jahrhundert:

“swer uf der waren minne trit will eben setzen sinen fouz,...“ (Konrad von Würzburg, Herzmaere 1266)

Eben dient nun dazu, „eine Zeit sehr genau zu bestimmen, in welcher etwas geschehen ist. Da das Thor eben zugeschlossen war. Wir haben eben seiner gedacht, eben jetzt. Du warst eben weg=gegangen, den Augenblick zuvor.“ (Documenta Linguistica, 1990, S. 1629). Nun bezieht sich eben auf den ganzen Satz: Eben hat er geschlafen. (J. v. Lingen, Januar 2002).

Auch die Nutzung von eben als Adverb besteht fort. Die adverbielle Anwendung erschließt sich aus Belegen des Mittelhochdeutschen, die zeigen, dass eben als Synonym für das Wort genau, gerade gebraucht wurde. „Merke eben darauf, was ich Dir zeigen will. (...) Ich kann es so eben nicht wissen.“ (Documenta Linguistica, 1990, S. 1628).

Zudem wird eben im Mittelhochdeutschen auch schon alleinstehend gebraucht und zwar als Bestätigung eben! und Bekräftigung eben deshalb. [Pfeifer, 1998].

3. Die Nutzung ebens als Modalpartikel entwickelte sich wahrscheinlich erst im Frühneuhochdeutschen. Diese neue Funktion als Modalpartikel entstand in der Zeitspanne zwischen dem 13. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Nun stellt eben, in Erweiterung zu den vorherigen Funktionen, einen Bezug zum Außersprachlichen, zur Situation, zum Hintergrund und zum Kontext her: Das rechnet sich eben nicht. (H. Breden, Dezember 2001):

Es ist umstritten, ob die Modalpartikel eben sich aus der temporalen Bedeutung ableitete oder vom adverbiell genutzten eben im Sinne von genau, gerade. Die beiden möglichen Entwicklungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Mittelhochdeutschen finden sich Beispiele dafür, dass der Gebrauch von eben oft nicht eindeutig ist: Es wird sowohl als Synonym für genau, also adverbiell verwendet als auch für soeben, also temporal [Diewald, 1997, S. 93].

„Es geschieht Dir eben recht. (...) Ich wollte eben gerne ein Wort mit ihm allein reden. (...) Er ist eben so groß als ich.“ (Documenta Linguistica, 1990, S. 1628).

”so bistu eben vil.” (Angelus Silesius, Cheribinischer Wandersmann 1675).

Anstelle des Verweises auf einen zeitlichen Zusammenhang steht nun der (Rück-)Bezug auf außertextliche, implizite Zusammenhänge wie den Kommunikationskontext, die soziale Interaktion und das allgemeine Weltwissen. Es ließen sich ja auch schon im Ursprungslexem in Beziehung zu setzende Komponenten finden: Zumindest zwei Bezugspunkte sind die Voraussetzung, um aus ihrer Relation etwas als flach, glatt also eben zu kategorisieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Modalpartikel "eben"
Untertitel
Historische Entstehung, Rolle und Funktion
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für Deutsche Literatur und Sprache)
Veranstaltung
Hauptseminar: Grammatikalisierung und Grammatikalisierungen im Deutschen
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V20615
ISBN (eBook)
9783638244442
ISBN (Buch)
9783638759281
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modalpartikel, Hauptseminar, Grammatikalisierung, Grammatikalisierungen, Deutschen
Arbeit zitieren
Katharina von Lingen (Autor), 2002, Die Modalpartikel "eben", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20615

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