Ethische Urteilsbildung zum Thema "Toleranz gegenüber Homosexualität"


Essay, 2012

13 Seiten


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Toleranz
2.2 Homosexualität
2.3 Ethische Urteilsbildung

3 Öffentliche Aussagen zum Thema „Homosexualität“
3.1 Religion
3.2 Wissenschaft
3.3 Politik

4 Eigene Ethische Urteilsbildung

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Homosexualität scheint, trotz aufklärerischen Gedankens und einer oft betonten „toleranten Gesellschaft“, immer noch ein Tabuthema zu sein. Gerade in Deutschland, wo verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander treffen, sind unterschiedliche Auffassungen zu finden. Mehrere Statistiken zeigen, dass die Toleranz gegenüber der Homosexualität in Deutschland zwar stetig steigt, jedoch in einigen Teilen der Erde homosexuelle Menschen oft noch mit dem Tod bestraft werden. Ist Homosexualität eine Krankheit oder nur eine Neigung, die sich von der Heterosexuellen unterscheidet?

Dieses Essay wird sich mit diesem Thema auseinandersetzen und verschiedene Meinungen benennen, die sich für oder gegen eine Toleranz gegenüber Homosexualität äußern. Hierzu werden Beispiele aus den Bereichen der Religion, der Wissenschaft und der Politik aufgelistet, die veranschaulichen sollen, wie stark sich die Meinungen bezüglich dieses Themas unterscheiden. Im Teilbereich der Religion finden sich Positionen aus dem Islam und der katholischen sowie evangelischen Kirche wider. Die Genforschung wird im Fokus der Wissenschaft beschrieben und der Bereich der Politik wird mit Auffassungen aus dem Iran und den heutigen Rechten der Homosexuellen in Deutschland untergliedert.

Im zweiten Kapitel werden zunächst Definitionen zu „Toleranz“, „Homosexualität“ und „Ethische Urteilsbildung“ gegeben, um im anschließenden dritten Kapitel die Sichtweisen aus den oben genannten verschiedenen Bereichen zu betrachten und zu verstehen. Abgeschlossen wird das Essay mit einer eigenen ethischen Urteilsbildung, die sich mit den genannten Positionen aus Religion, Wissenschaft und Politik auseinandersetzt und eigene Aspekte und Gedanken festhält.

2 Definitionen

2.1 Toleranz

Toleranz stammt ursprünglich von dem lateinischen Wort tolerare ab und bedeutet so viel wie Duldsamkeit. Tolerant ist derjenige, der weltoffen ist und keinen anderen Menschen ausgrenzt. Die Toleranz ist ein schwieriger kognitiver Prozess, der mit einer kritischen Auseinandersetzung in Verbindung steht. Beispielsweise muss die eigene Meinung und Haltung gegenüber eines Sachverhaltes oder eines Problems hinterfragt werden, um das Fremde verstehen und tolerieren zu können. Jedoch ist zu erwähnen, dass sich die Toleranz von der Akzeptanz deutlich abgrenzt. Von Toleranz wird dann gesprochen, wenn eben nicht, wie bei der Akzeptanz alles befürwortet oder bei der Ablehnung alles negiert wird, sondern ein friedliches Miteinander trotz Meinungsverschiedenheit herrscht. Gleichgültigkeit grenzt sich demnach auch von der Toleranz ab. Heiner Hastedt Professor für Praktische Philosophie an der Universität Rostock, hat all diese Punkte zusammengefasst und eine für ihn geltende Definition der Toleranz erstellt:

„Toleranz beinhaltet zugleich Ablehnung und Geltenlassen von Haltungen und Handlungen von Personen mit dem Ergebnis einer Duldung oder einer friedlich bleibenden Koexistenz, eventuell sogar gesteigert bis hin zum gegenseitigen Respekt. Toleranz unterscheidet sich sowohl von Anerkennung und Wertschätzung - denen das Moment der Ablehnung fehlt - als auch von bloßer Gleichgültigkeit und Beziehungslosigkeit.“1

2.2 Homosexualität

Homosexualität ist ein Begriff, der vor allem in zwei Zusammenhänge zu verstehen ist: Einmal das gleichgeschlechtliche sexuelle Verhalten, womit das erotische Begehren gegenüber Personen des eigenen Geschlechts gemeint ist, und zum anderen die hierauf aufbauende Bezeichnung der Identität. Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen wird in den verschiedenen Kulturen und Epochen unterschiedlichen behandelt. Bereits in der Antike lassen sich homosexuelle Beziehungen nachweisen.

Doch neben der Zustimmung und Praktizierung der Homosexualität gibt es auch Positionen, die strikt gegen die homosexuelle Neigung waren. Eine besondere Rolle spielen hierbei die drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam, die sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart beweisen, dass sie gegenüber der Homosexualität keine Toleranz zeigen. Der sexuelle Verkehr zwischen zwei Männern gilt bis heute in den heiligen Schriften als „Sünde“ und wird teilweise in einigen Staaten verfolgt und sogar mit der Todesstrafe bestraft. Bekannt wurde der Begriff der Homosexualität erst durch den österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny, woraufhin im 19.Jahrhundert mehrere Autoren den Begriff der Homosexualität, der heute verwendet wird, definierten. Auch bei Tieren konnte diese Neigung festgestellt werden, ob dies jedoch bei Mensch und Tier genetisch bedingt ist, wird bis heute untersucht. Genaue Erkenntnisse gibt es bisher nicht, wobei es Positionen gibt, die behaupten, dass der Schlüssel zu dieser Frage in der Genforschung liegt. Andere Forscher sind zu der Meinung gelangt, dass die Homosexualität erst durch die äußeren Einflüsse auf den Menschen geweckt wird.

In Deutschland wird die Homosexualität weitestgehend toleriert und akzeptiert. Sie ist Bestandteil der multikulturellen Gesellschaft und räumt mittlerweile sogar das Recht ein, heiraten zu dürfen. Die homosexuelle Heirat wird nicht als Ehe bezeichnet, sondern als „eingetragene Partnerschaft“. Schwule und Lesben dürfen demnach verheiratet sein, haben dennoch nicht dieselben Rechte wie ein heterosexuelles Paar in einer Ehe. Diese Ungleichheit führt immer noch zu Diskussionen: Obwohl von der Politik und der Kirche oftmals betont wird, dass alle Menschen gleich sind, werden trotzdem weiterhin Unterschiede zwischen heterosexuell und homosexuell lebenden Menschen gemacht.

Im Kapitel 3 dieses Essays werden einige Positionen dargestellt, die sich sowohl für die Toleranz und Akzeptanz der Homosexualität in der Gesellschaft, als auch gegen sie aussprechen.

2.3 Ethische Urteilsbildung

Die ethische Urteilsbildung besteht aus 5 verschiedenen Schritten, die dazu dienen sollen, ein Problem oder einen Sachverhalt neutral zu beobachten und anschließend kritisch zu hinterfragen, um daraus seine eigene Position zu wählen.

Bevor eine erste Meinung entsteht, sollte zunächst mit kühlem Kopf an die Sache gegangen werden. Es muss klar sein, worum es sich in diesem Sachverhalt überhaupt handelt, wie der Ausgangspunkt aussieht. Ist dies geklärt, so muss die Frage gestellt werden, welcher größere Zusammenhang dieser Situation angehört. Hierbei können verschiedene Faktoren (familiär, persönlich, psychisch, gesellschaftlich, politisch,…) berücksichtigt werden. Im darauf folgenden Schritt werden mögliche Handlungsmöglichkeiten überlegt, wie zum Beispiel dieses Problem behandelt werden kann. Bei der Herausstellung der Alternativen werden erstmals persönliche Gedanken eingebunden.

Der 4.Schritt ist für die ethische Urteilsbildung von großer Bedeutung: Um zu einer Entscheidung zu kommen, muss der Sachverhalt mit den möglichen Handlungsalternativen mit den bestehenden Normen verglichen werden. Im Beispiel der Homosexualität werden somit die Pro- und Contra-Argumente der Toleranz gegenüber der Homosexualität mit den Menschenrechten verglichen und analysiert. Gesellschaftliche Normen sind ein Gegenbeispiel, da hierbei nicht entschieden werden kann, ob es in jedem Fall richtig ist oder für jemanden bindend sein muss. Wurde das Problem auf die Normen hin geprüft, so kann nun eine entscheidende Meinung gebildet werden, die alle vorherigen Schritte beinhaltet und zusammenfasst.

In dieser eigens angefertigten Abbildung finden sich die soeben beschrieben Schritte der ethischen Urteilsbildung wieder. Die Pfeile zwischen den einzelnen Schritten verdeutlichen, dass zunächst ein Schritt abgeschlossen sein muss, damit zum nächsten Schritt übergangen werden kann.

[...]


1 vgl. Hastedt 2012, S.13

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ethische Urteilsbildung zum Thema "Toleranz gegenüber Homosexualität"
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V206151
ISBN (eBook)
9783656347033
ISBN (Buch)
9783656348207
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Essay diente als Leistungsnachweis eines Seminars.
Schlagworte
Homosexualität, Ethik
Arbeit zitieren
Mario Wieland (Autor), 2012, Ethische Urteilsbildung zum Thema "Toleranz gegenüber Homosexualität", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206151

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