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Christian Thomasius: Zweites Monatsgespräch vom Februar 1688 - Eine sprachliche Analyse

Title: Christian Thomasius: Zweites Monatsgespräch vom Februar 1688 - Eine sprachliche Analyse

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 28 Pages , Grade: 2

Autor:in: Katharina von Lingen (Author)

German Studies - Linguistics
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Die Monatsgespräche („Frymüthige Lustige und Ernsthaffte iedoch Vernunfft- und Gesetz-mäßige Gedancken Oder Monats-Gespräche, über allerhand, fürnehmlich aber Neue Bücher, Durch alle zwölff Monate dess 1688. und 1689. Jahres durchgeführt von Christian Thomasius“, Halle 1690) veröffentlichte Christian Thomasius in der Zeit der Frühaufklärung.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." (Immanuel Kant; Was ist Aufklärung?; 1784). Dieser Entwicklung sollten auch die Monatsgespräche des Christian Thomasius dienen. Der Begriff der Aufklärung steht für die Grundidee, alle Objekte, sozialen Verhältnisse, Wissenschaften und Theorien durch den Verstand zu überprüfen und in Konsequenz entsprechend zu festigen, zu verwerfen oder zu verändern. Grundlage dieser Weltvorstellung ist zum einen das voraussetzungslose Denken der Philosophen, die sich in Folge mit ihren Überlegungen und Fragen zu der Welt und Gott nicht mehr nach dem richten, was in der Bibel geschrieben ist oder von den Kirchenvätern gelehrt wird. Zum anderen spielt die Internationalität eine wichtige Rolle, die einen geistigen Austausch zwischen den Kulturnationen ermöglicht, so dass Gelehrte und Künstler verschiedener Nationen kommunizieren können in Form von Briefwechseln und dem Austausch von Druckwerken. Zudem gehört zur Denkbewegungen der Aufklärung die Absicht, auch das Volk, also die Öffentlichkeit, zu informieren, zu unterrichten und zu belehren und dadurch ergibt sich ihre Popularisierung.

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Inhaltsverzeichnis

1 Zur Person: Christian Thomasius 1655-1728

2 Historische Einordnung der Monatsgespräche

3 Das Monatsgespräch Februar 1688

4 Argumentationswörter in dem Monatsgespräch Februar 1688

4.1 Explizite Rednerhandlungen und –einstellungen

4.2 Sprachhandlungsverben

5 Mittel der Abschwächung und Metakommunikation

5.1 Modalausdrücke

5.2 Sprache und Formulierungsstrategien als Selbstschutz

5.3 Metakommunikative Sprachmittel

6 Spezielle Argumentationshandlungen

6.1 Toleranzimplizierende Formulierungen

6.2 Hypothesen

6.3 Traditionelle Aussageverknüpfungen

7 Argumentationsstil

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Strukturen und Argumentationsstrategien in den „Monatsgesprächen“ von Christian Thomasius aus dem Februar 1688, um den Übergang zu einer modernen deutschen Wissenschaftssprache in der Frühaufklärung zu beleuchten.

  • Analyse expliziter Rednerhandlungen und Sprachhandlungsverben bei Thomasius.
  • Untersuchung von Mitteln der Abschwächung und Metakommunikation als Strategien der Höflichkeit und des Selbstschutzes.
  • Darstellung spezifischer Argumentationshandlungen wie Toleranzimplizierung und Hypothesenbildung.
  • Erörterung des polylogischen Argumentationsstils als didaktisches Mittel zur Förderung der Leserverantwortung.

Auszug aus dem Buch

Argumentationsstil

Dieses Monatsgespräch Februar 1688 wird von Christian Thomasius in polylogischer Form dargestellt: Mehrere fiktive Personen führen Diskussionen über verschiedene Themen.

Die unterschiedliche Herkunft der einzelnen Gesprächpartner spielt eine wichtige Rolle, denn jeder argumentiert von seinem persönlichen Standpunkt aus, zeigt seinen jeweils individuell sozialisierten Blickwinkel in Bezug auf das Thema auf. Jeder ist von unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen geprägt und bezieht dementsprechend Stellung, argumentiert beeinflusst durch seine ganz eigene Perspektive, sein Weltverständnis.

Thomasius bevorzugt die methodische Fähigkeit des Argumentierens statt bloßer Regelkenntnis und Regelanwendung. „Er bemühte sich didaktisch um die Vermittlung zwischen Philosophie und bildungsbürgerlicher Konversation...“ [Polenz, 1994].

Thomasius wählt eine polylogische Ausdrucksform, damit das Urteil dem Leser selbst überlassen bleibt. Am Ende des intensiven Austausches der Gesprächsbeteiligten stehen keine Einigung, keine definitiven Antworten oder keine gemeinsam anerkannte Einsicht. Somit liegt die entscheidende Bedeutung nicht in einem Ergebnis der Diskurse, sondern in den Diskussionen selbst; in der Tatsache des vernünftigen, argumentativen Austausches.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Zur Person: Christian Thomasius 1655-1728: Dieses Kapitel skizziert die Biografie und das Wirken von Thomasius als Jurist und Mitbegründer der deutschen Aufklärung.

2 Historische Einordnung der Monatsgespräche: Hier wird das Werk als populärwissenschaftliche Zeitschrift in den Kontext der frühaufklärerischen Bestrebungen eingeordnet.

3 Das Monatsgespräch Februar 1688: Das Kapitel beschreibt den Inhalt des untersuchten Monatsgesprächs, in dem fiktive Charaktere über Steuern und die deutsche Sprache debattieren.

4 Argumentationswörter in dem Monatsgespräch Februar 1688: Es werden die expliziten Sprachhandlungen und die Vielfalt der verwendeten Sprachhandlungsverben bei Thomasius analysiert.

5 Mittel der Abschwächung und Metakommunikation: Dieses Kapitel behandelt Strategien zur Distanzierung von Aussagen und zur Textorganisation mittels Modalverben und Metakommunikation.

6 Spezielle Argumentationshandlungen: Hier werden toleranzimplizierende Formulierungen, Hypothesen und klassische Aussageverknüpfungen als zentrale Bausteine der Argumentation erläutert.

7 Argumentationsstil: Die Untersuchung schließt mit der Analyse der polylogischen Form und deren Wirkung auf die Eigenverantwortung des Lesers.

Schlüsselwörter

Christian Thomasius, Monatsgespräche, Frühaufklärung, Argumentationsstil, Sprachhandlungsverben, Metakommunikation, Abschwächung, Wissenschaftssprache, Polylog, Vernunft, Aufklärung, Sprachgeschichte, Rhetorik, Argumentationsstrategien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachlichen und argumentativen Merkmale in einem speziellen Text von Christian Thomasius aus dem Jahr 1688, um die Entwicklung der deutschen Wissenschaftssprache in der Frühaufklärung aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Argumentationswörtern, Abschwächungsstrategien, metakommunikativen Mitteln sowie der spezifischen Argumentationsstruktur in den „Monatsgesprächen“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Methode des Argumentierens bei Thomasius aufzuzeigen, die darauf abzielte, den Leser zur eigenständigen Meinungsbildung und zum kritischen Denken anzuregen, statt starre Wahrheiten zu vermitteln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine linguistische und sprachgeschichtliche Analyse, indem sie das Originaldokument zeichengenau auf Sprachhandlungsverben, rhetorische Mittel und argumentative Strukturen hin untersucht und diese in den historischen Kontext einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von expliziten Rednerhandlungen, Strategien der Abschwächung und des Selbstschutzes sowie in eine differenzierte Betrachtung spezieller Argumentationsformen wie Hypothesen und Aussageverknüpfungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Frühaufklärung, Argumentationsstil, Metakommunikation, Polylog, Wissenschaftssprache und Vernunft.

Welche Bedeutung hat das "Monatsgespräch Februar 1688" konkret für die Argumentationsanalyse?

Dieses spezifische Gespräch dient als Fallbeispiel, um die polylogische Form darzustellen, in der verschiedene Charaktere konträre Standpunkte einnehmen, was Thomasius erlaubt, den Leser als impliziten Diskussionspartner einzubinden.

Warum spielt die Höflichkeit eine Rolle für den Argumentationsstil bei Thomasius?

Aufgrund der Zensur und der gesellschaftlichen Gefahren für aufklärerische Gedanken in Deutschland diente der "Höflichkeitskult" und eine indirekte Sprache als notwendiger Selbstschutz für die Intellektuellen der Zeit.

Wie unterscheidet sich Thomasius’ Ansatz vom klassischen Wissenschaftsideal?

Thomasius markiert den Übergang zum modernen Ideal, indem er nicht länger autoritär belehrt, sondern dem Leser Material bietet, um auf Basis eigener Vernunft zu argumentieren und zu urteilen.

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Details

Title
Christian Thomasius: Zweites Monatsgespräch vom Februar 1688 - Eine sprachliche Analyse
College
University of Hannover  (Seminar für Deutsche Literatur uns Sprache)
Course
Entwicklung einer deutschen Wissenschaftssprache in der Frühaufklärung
Grade
2
Author
Katharina von Lingen (Author)
Publication Year
2002
Pages
28
Catalog Number
V20618
ISBN (eBook)
9783638244473
ISBN (Book)
9783638679695
Language
German
Tags
Christian Thomasius Zweites Monatsgespräch Februar Eine Analyse Entwicklung Wissenschaftssprache Frühaufklärung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina von Lingen (Author), 2002, Christian Thomasius: Zweites Monatsgespräch vom Februar 1688 - Eine sprachliche Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20618
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