Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich im Rahmen des Seminars "Ganztagsschulkulturen" mit den Begriffen, welche die Grundlage für das Seminar stellen, wie auch mit der im Seminar behandelten Literatur. Im Weiteren erfolgt die Auseinandersetzung mit dem in der Gruppenarbeitsphase bearbeiteten Interview einer Lehrkraft an einer Ganztagsschule.
Um eine sinnvolle Erfassung des gesamten Themas zu ermöglichen, werde ich in der vorliegenden Arbeit zunächst auf das von mir durch Rezeption der Literatur bedingte Verständnis des Begriffs "Schulkultur" eingehen. Wichtig im Bereich des Verständnisses von Schulkultur erscheint dabei zunächst die unterschiedliche Sichtweise aus Schüler- bzw. Lehrerperspektive. Zudem ist der Zusammenhang mit den sozialen Milieus, auf denen Bourdieu seine Begriffsdefinition des Habitus stützt und diesen für eine erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Schulkarriere verantwortlich macht von Bedeutung. Darüber hinaus soll bereits in diesem Kapitel versucht werden, den Begriff der Ganztagsschule verständlich zu machen und damit eine Definition von "Ganztagsschulkultur" zu entwickeln. Anhand des in diesem Kapitel hergestellten Begriffsverständnisses soll im folgenden Gliederungspunkt auf den Zusammenhang zwischen "Theorie" und "Praxis" eingegangen und das im Seminar bearbeitete Interview mit einer Lehrkraft untersucht werden. Hierbei haben wir mit dem Erstellen einer Tabelle, in der wir alle für uns relevanten Aspekte aufgelistet haben, einen eigenen Weg der Analyse gewählt, der uns die Arbeit erleichtert hat. Diese Tabelle enthält wichtige Zitate aus den in Gliederungspunkt zwei vorgestellten Texten und die Bezüge zum Interview. Diese Aufstellung erleichterte dann die Auswahl der von uns für die Analyse gewählten Textpassage im Interview, die ebenfalls zu unseren drei gefunden Hauptaspekten der Gewalt (Schülergewalt), der Grenzziehung und dem kulturellen Kapital Bezüge aufweist.
Im Anschluss an die Analyse dieser Textstelle soll dann zunächst eine Definition von „GanztagsSchulkultur“ aus der Sicht des Lehrers "Böhme" gegeben werden, ehe abschließend auf dieser Grundlage ein eigenes Verständnis von „Ganztagsschulkultur“ unter Einbezug der Diskussionsergebnisse aus dem Seminar dargestellt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Theoretische Grundlagen zum Thema „Schulkultur“
2.1 Schulkultur bei Zinnecker
2.2 Schulkultur bei Helsper
2.3 Schulkultur bei Bourdieu
2.4 Herleitung eines eigenen (Ganztags-)Schulkulturverständnisses aus den Quellen
3. Erläuterung des analysierenden Vorgehens
4. Untersuchung des Interviews
4.1 Beschreibung des bearbeiteten Interviews
4.2 Darstellung der im Interview gefunden Bezüge zu den bearbeiteten Texten
4.3 Erläuterung und Analyse der ausgewählten Textstelle
4.4 Eigenes GanztagsSchulkulturverständnis auf Basis des aus dem Interview folgenden Verständnisses
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich im Rahmen des Seminars „GanztagsSchulkulturen“ mit der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Schulkultur auseinander und verbindet diese theoretischen Ansätze mit der praktischen Analyse eines Interviews einer Lehrkraft an einer Ganztagsschule, um ein fundiertes Verständnis von „GanztagsSchulkultur“ zu entwickeln.
- Verständnis von Schulkultur auf Basis theoretischer Ansätze (Zinnecker, Helsper, Bourdieu)
- Kritische Analyse des Interviews einer Lehrkraft an einer Ganztagsschule
- Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis in Bezug auf „GanztagsSchulkultur“
- Identifikation zentraler Problemaspekte wie Schülergewalt, Grenzziehung und kulturelles Kapital
- Herleitung eines praxisorientierten, unabhängigen Konzepts für Ganztagsschulkultur
Auszug aus dem Buch
4.3 Erläuterung und Analyse der ausgewählten Textstelle
„B: Das Lehrer die AGen geben? Natürlich. Weil die, wir merken es ja, die meisten jedenfalls, die Agen, die von externen Trainern gegeben werden, haben keine große Akzeptanz. Und die Menschen, die das machen, die kommen mit unserem Schülerklientel, genauso wie ich vor 17 Jahren, noch gar nicht zurecht. Viele gehen nach der zweiten oder dritten Übungsstunde, verlassen sie das Haus und kommen nie wieder. Wir haben öfter mal Agen wechseln müssen, weil die AG-Leiter gesagt haben, unter diesen Bedingungen nicht. Während wir Lehrer, kennen auch unser Klientel, wir können eher damit umgehen und wir sind auch eher akzeptiert als Respektspersonen, das heißt, wenn der Lehrer was sagt, ist das noch was ganz anderes, als wenn das der Trainer XY sagt. Der wird halt öfter mal links liegen gelassen, beziehungsweise ignoriert, was der sagt.“
Anhand dieser Textstelle lassen sich folgende Bezüge zu den Grundlagentexten herstellen: Zunächst nimmt in dieser Passage die Grenzziehung eine zentrale Rolle ein. Dies zeigt sich bereits in den Zeilen 21 ff., in denen die externen Trainer als ein Problem für die Funktion und Auswirkung von „Ganztagsschule“ gesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Das Kapitel führt in das Seminarthema ein und erläutert die Absicht, durch Literaturrezeption und die Analyse eines Lehrkräfte-Interviews ein Verständnis für „GanztagsSchulkultur“ zu erarbeiten.
2. Theoretische Grundlagen zum Thema „Schulkultur“: Hier werden die zentralen theoretischen Positionen von Zinnecker, Helsper und Bourdieu vorgestellt und auf ihre Anwendbarkeit für die Lehrkräfteperspektive geprüft.
2.1 Schulkultur bei Zinnecker: Fokus auf das Verhältnis von Schul- und Freizeitwissen sowie den Erwerb kulturellen Kapitals am Nachmittag.
2.2 Schulkultur bei Helsper: Untersuchung der kritischen Sichtweise auf den weit gefassten Schulkulturbegriff und die Belastung durch pädagogische Schulprogramme.
2.3 Schulkultur bei Bourdieu: Erörterung der Vermittlung von kulturellem Kapital, Bildungsungleichheit und der Rolle von Lehrkräften als Beurteiler von Schulkarrieren.
2.4 Herleitung eines eigenen (Ganztags-)Schulkulturverständnisses aus den Quellen: Zusammenführung der theoretischen Ansätze zur Definition eines eigenen Verständnisses von Schulkultur als ganzheitliches Zusammenleben.
3. Erläuterung des analysierenden Vorgehens: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, bei der Textbezüge durch Tabellenarbeit zwischen Literatur und Interview hergestellt wurden.
4. Untersuchung des Interviews: Detaillierte Darstellung des untersuchten Datenmaterials und der methodischen Eingrenzung auf relevante Schwerpunkte.
4.1 Beschreibung des bearbeiteten Interviews: Vorstellung der Rahmenbedingungen des Interviews mit Herrn „Böhme“ an der Rheinschule.
4.2 Darstellung der im Interview gefunden Bezüge zu den bearbeiteten Texten: Übersicht der Verknüpfung von Interviewaussagen mit theoretischen Thesen in Tabellenform.
4.3 Erläuterung und Analyse der ausgewählten Textstelle: Tiefgehende Analyse einer Textpassage hinsichtlich Grenzziehung und kulturellem Kapital.
4.4 Eigenes GanztagsSchulkulturverständnis auf Basis des aus dem Interview folgenden Verständnisses: Ableitung einer Definition von Ganztagsschulkultur, die auf verbindlicher, neigungsentsprechender Förderung basiert.
5. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über den Erkenntnisgewinn des Seminars und die Diskrepanz zwischen Schulkonzepten und gelebter Realität.
Schlüsselwörter
Ganztagsschulkultur, Schulkultur, kulturelles Kapital, Bourdieu, Zinnecker, Helsper, pädagogische Praxis, Schulalltag, Schülergewalt, Lehrerrolle, Bildungsungleichheit, Schulprogramm, Lehrkräfte, Sozialisation, Grenzziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis von „GanztagsSchulkultur“ durch eine Verknüpfung theoretischer Konzepte mit der Analyse eines Interviews einer Lehrkraft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Gewalt an Schulen, Grenzziehungen innerhalb des Schulalltags und die Vermittlung von kulturellem Kapital.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein eigenständiges Verständnis von „GanztagsSchulkultur“ zu entwickeln, das eine unabhängige Förderung von Schülern ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine tabellenbasierte Auswertung vorgenommen, um Textbezüge zwischen der theoretischen Literatur und dem transkribierten Interview herzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einbettung bei Bourdieu, Zinnecker und Helsper sowie der praktischen Analyse eines Interviews mit einem Lehrer der Rheinschule.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ganztagsschulkultur, kulturelles Kapital, soziale Herkunft und Bildungsungleichheit.
Wie bewertet der befragte Lehrer „Böhme“ das Ganztagskonzept seiner Schule?
Der Lehrer kritisiert das Konzept der Schule deutlich als „Baustelle“ und bezweifelt, dass die Rheinschule die Kriterien einer funktionalen Ganztagsschule erfüllt.
Warum spielt die Rolle externer Trainer laut der Analyse eine besondere Rolle?
Externe Trainer haben laut Interview weniger Akzeptanz bei den Schülern und werden oft nicht als Respektspersonen wahrgenommen, was die Vermittlung von kulturellem Kapital erschwert.
Welche Diskrepanz stellt die Autorin im Fazit fest?
Die Autorin stellt fest, dass die offiziellen Schulprogramme oft stark von der gelebten Realität abweichen und von Schülern sowie Lehrern kaum mitgetragen werden.
- Arbeit zitieren
- Corinna Waterkamp (Autor:in), 2011, GanztagsSchulKulturen – Analyse von Feldforschungsdokumenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206216