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Elitenbildung. Eine Frage der sozialen Herkunft

Title: Elitenbildung. Eine Frage der sozialen Herkunft

Intermediate Diploma Thesis , 2002 , 26 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Dipl.-Soz. Sabine Lurz (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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„Who is who“, ursprünglich seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Auflistung berühmter Zeitgenossen, ist zum Schlagwort für eine Gruppe von Personen geworden, die durch ihr Handeln einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft geleistet haben, der sie von der Masse abhebt. Die Tatsache, dass Nachschlagewerke dieser Art jährlich veröffentlicht werden, z.B. in Deutschland „Die 1000 größten Unternehmen“ von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verdeutlicht das allgemeine Interesse an dieser elitären Klasse. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Elitenforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften bereits zu einem eigenständigen Themengebiet geworden ist.

Dem Interesse daran, was diese Gruppe von den Mitmenschen in der Gesellschaft unterscheidet, wird nicht erst seit dem modernen Zeitalter mit der Tendenz der Individualisierung nachgegangen: schon Niccolò Machiavelli beschrieb im 16. Jahrhundert in seiner Abhandlung „Der Fürst“ jene Eigenschaften, die ebendiesem die Stabilität seiner Herrschaft sichern sollen. Eine Theorie zum sozialen Phänomen „Elite“ nimmt bei der ersten Gesellschaftsanalyse der deutschen Gesellschaft nach 1945, in Ralf Dahrendorfs „Gesellschaft und Demokratie“, bereits ein ganzes Kapitel ein. Der französische Klassiker der Soziologie, Pierre Bourdieu, gehört mit seiner Theorie der „herrschenden Klasse“ und seinem 1982 erschienenen Buch „Die feinen Unterschiede“ bis heute noch zur Pflichtlektüre der Forscher, die sich mit dem Thema Elite beschäftigen. Die Potsdamer Elitestudie von 1995 und die drei Mannheimer Elitestudien von 1968, 1972 und 1981, als Forschungsarbeiten, auf deren empirische Daten sich Wissenschaftler heute berufen, zeigen die Bedeutung dieses Themas für eine Gesellschaft, die sich im Laufe der letzten 200 Jahre in wachsendem Maß ausdifferenziert hat, so dass eine eindeutige Aufteilung in soziale Schichten schwer fällt.
Von wesentlichem Interesse in diesem spezifischen Themengebiet ist neben der Frage nach den Charakteristika von Eliten diejenige nach dem Zugang zu diesen elitären Zirkeln: welche Voraussetzungen sind unabdinglich und - Jahrhunderte nach Feudalismus und Monarchie in Deutschland - welche Rolle spielt die soziale Herkunft? Ganz so einfach ist diese Frage trotz des Vorherrschens demokratischer Grundwerte selbst in westlich geprägten Gesellschaften nicht von der Hand zu weisen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eliten an sich

2.1 Dichotomisierung der Gesellschaft in Masse und Elite

2.2 Alles eine Frage der Macht

2.3 Elitenpluralismus und Einflussstruktur

2.4 Leistung und Erfolg

3. Sozialprofil der Eliten in Deutschland

3.1 Geschichtlicher Abriss

3.2 Eliten in BRD und DDR nach 1945

3.3 Theoretische und demokratische Forderungen

3.4 Vorteile gehobener sozialer Herkunft

3.5 Vergleich des Sozialprofils der Eliten 1981 und 1995

4. Bildung, soziale Herkunft und Elitestatus

4.1 Bedeutung von Bildung

4.2 Bildungsexpansion und Folgen

4.3 Bildung und soziale Ungleichheit

4.4 Zusammenhang von Elitezugehörigkeit, sozialer Herkunft und Ausbildung

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hypothese, inwieweit die Elitenbildung in Deutschland von der sozialen Herkunft der Individuen abhängt. Dabei wird analysiert, welche Rolle Bildung als Vermittlungsinstanz zwischen sozialer Herkunft und dem Aufstieg in gesellschaftliche Spitzenpositionen spielt und ob eine echte Chancengleichheit in der Praxis existiert.

  • Definition und Charakteristika des Elitebegriffs in den Sozialwissenschaften.
  • Historische Entwicklung und aktuelle Struktur der Eliten in Deutschland.
  • Die Bedeutung von Bildungstiteln und sozialem Kapital für den Elitezugang.
  • Empirische Untersuchung des Zusammenhangs von Herkunft, Bildung und Elitestatus.
  • Kritische Reflexion der Chancengleichheit und demokratischer Ideale.

Auszug aus dem Buch

2.2 Alles eine Frage der Macht

In den Sozialwissenschaften herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass die hervorstechendste Eigenschaft von Eliten deren Macht ist. Diese wird als die Chance angesehen, innerhalb einer sozialen Beziehung bestimmte Vorstellungen durchzusetzen und damit soziale Prozesse zu beeinflussen. Eliten sind Träger gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Macht, personifizieren daher die Entscheidungszentren, von deren Einfluss viele oder auch alle Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind.

Zentrale Positionen dieser Art sind auf einen kleinen „elitären“ Kreis beschränkt, der in der Bundesrepublik Deutschland etwa 2000 Personen umfasst (Dahrendorf, 1965, S. 277). In seinem Modell sozialer Schichtung (s. Anhang 1) wird graphisch verdeutlicht, wie gering sich dieser Anteil von maximal einem Prozent an der Gesamtbevölkerung ausnimmt. Die Theorie der Ausübung von Macht eine r kleinen Minderheit wurde schon von dem Florentiner Niccolò Machiavelli vertreten. Seine Auffassung von Herrschaft mit dem Ziel von Macht und Erhaltung der Privilegien - nicht aber (unbedingt) dem Wohl einer Gesellschaft - hat viele spätere Theoretiker beeinflusst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Elitenforschung ein und verortet das Thema im historischen sowie soziologischen Kontext, um die Forschungsfrage zur Bedeutung der sozialen Herkunft zu motivieren.

2. Eliten an sich: Das Kapitel definiert den Elitebegriff, diskutiert Macht als zentrale Eigenschaft, erörtert den Elitenpluralismus und analysiert Leistung sowie Erfolg als Indikatoren für den Status.

3. Sozialprofil der Eliten in Deutschland: Es wird ein historischer Überblick gegeben, die Besonderheiten der Nachkriegseliten in BRD und DDR beleuchtet und der empirische Wandel der Elitenzusammensetzung seit 1981 verglichen.

4. Bildung, soziale Herkunft und Elitestatus: Dieses Kernkapitel untersucht den Einfluss von Bildungsexpansion und sozialer Ungleichheit auf die Rekrutierungschancen verschiedener Schichten für den Elitestatus.

5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf weitere Charakteristika wie den Frauenanteil und die spezifische Bedeutung von Ausbildungswegen für die Elitenrekrutierung.

Schlüsselwörter

Elitenbildung, soziale Herkunft, Macht, Elitenforschung, Chancengleichheit, Bildungsexpansion, Sozialprofil, Meritokratie, Humankapital, Rekrutierung, soziale Schichtung, Elitestatus, Führungspositionen, Demokratie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Personen und deren Möglichkeiten, gesellschaftliche Spitzenpositionen zu erreichen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen den theoretischen Elitebegriff, die historische Entwicklung der deutschen Eliten nach 1945 sowie die Rolle von Bildung als Selektionsmechanismus.

Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?

Die zentrale Frage lautet, ob die Elitenbildung in Deutschland tatsächlich auf meritokratischen Prinzipien beruht oder ob die soziale Herkunft nach wie vor eine determinante Rolle spielt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse soziologischer Theorien sowie den Vergleich empirischer Daten aus verschiedenen Elitestudien, insbesondere der Mannheimer Elitestudien und der Potsdamer Elitestudie.

Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung des Elitebegriffs, eine historische Analyse der deutschen Elitekonstellationen sowie eine vertiefende Untersuchung über den Einfluss des Bildungssystems.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind insbesondere soziale Herkunft, Elitenrekrutierung, Bildungsexpansion, Meritokratie und soziale Ungleichheit.

Welche Bedeutung kommt laut der Autorin dem „kulturellen Kapital“ zu?

Das kulturelle Kapital, etwa in Form von Habitus, Auftreten und Sprache, gilt als entscheidender Startvorteil für Angehörige höherer sozialer Schichten beim Aufstieg in Eliten.

Wie bewertet die Arbeit die Wirkung der Bildungsexpansion?

Obwohl die Bildungsexpansion grundsätzlich den Zugang zu Bildung verbessert hat, stellt die Arbeit fest, dass sie soziale Ungleichheiten in der Praxis teilweise nur verschoben und nicht aufgehoben hat.

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Details

Title
Elitenbildung. Eine Frage der sozialen Herkunft
College
University of Marburg  (Institut für Soziologie)
Grade
1.3
Author
Dipl.-Soz. Sabine Lurz (Author)
Publication Year
2002
Pages
26
Catalog Number
V20622
ISBN (eBook)
9783638244510
ISBN (Book)
9783638646819
Language
German
Tags
Elitenbildung Frage Herkunft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Soz. Sabine Lurz (Author), 2002, Elitenbildung. Eine Frage der sozialen Herkunft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20622
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