Soldaten, Bürger, Barrikaden. Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49


Seminararbeit, 2009
13 Seiten

Leseprobe

„Euer Beruf ist es, unseren deutschen Brüdern in Baden die Hand zu reichen, unsere errungenen gesetzlichen Freiheiten gemeinschaftlich mit ihnen zu schützen und dem Eindringen bewaffneter Schaaren, die nur den Samen der Zwietracht und der Anarchie unter uns auszustreuen beabsichtigen, mit aller Kraft zu begegnen.“[1]

Die Worte eines bayrischen Generalleutnants machen deutlich, wie ernst es den bayrischen Führungskräften im Frühjahr 1849 ist. Die Konterrevolution soll mit allen Mitteln verhindert werden, das Heer soll endlich Sicherheit und Ordnung wiederherstellen. In der hier vorgelegten Hausarbeit befasse ich mich mit den Soldaten, Bürgern und ausgewählten Barrikadenkämpfen während der Revolution von 1848/49. Doch welche Bedeutung hatte das Heer während der Revolution von 1848/49? Welche Neuerungen gab es ab dem 19. Jahrhundert? Diese Fragen möchte ich im nun folgenden Text beantworten und mich dabei immer wieder auf Soldaten und Barrikadenkämpfe zur Zeit der Revolution von 1848 beziehen. Im größeren Zusammenhang betrachtet geht es also um eine Analyse eines Organes, sowie um die Darstellung der wichtigsten Kämpfe im Jahre 1849 beispielsweise in Preußen, Hannover oder Bayern. Anhand von diesen Beispielen soll deutlich werden, wie sich Soldaten und Bürger während der Zeit der Barrikadenkämpfe verhielten. Im Folgenden beziehe ich mich auf immer wieder auf das Buch „Soldaten, Bürger, Barrikaden. Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49“, welches von Sabrina Müller verfasst wurde. Zusammen mit anderen Autoren, etwa Thomas Merkel und Christian Jansen u.a., arbeitete sie an dem Buch „Die Revolutionen von 1848/49“. Die Texte stellen die Themen wissenschaftlich dar, sind dennoch gut verständlich und darüber hinaus bringen die Autoren Einzelbeispiele an, die das Thema noch mehr verbildlichen. Anhand dieses Kriteriums wählte ich diesen Text als Grundlage für meine Arbeit.

Eine Antwort auf diese Fragen zu erhalten ist von großer Bedeutung, denn die Revolution von 1848/49 geht als erster Einigungsversuch der deutschen Bevölkerung in die Geschichte ein und brachte zukunftsrelevante Ergebnisse hervor. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Rufe nach nationaler Einheit und Freiheiten immer lauter, sodass sich schließlich im Jahre 1815 die ersten Burschenschaften zusammenschlossen. Weitere große Ereignisse wie zum Beispiel das Wartburgfest 1817 oder der Frankfurter Wachensturm von 1833 begünstigen die national liberalen Strömungen und zeigen somit, dass die Bürger für ihren geeinten Nationalstaat kämpfen wollen. Dennoch hatten es die Revolutionäre zu Beginn dieses Aufbruchs in eine neue Zeit schwer, denn sie wurden durch restaurative Bestimmungen, etwa durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819, enorm eingeschränkt. Somit gilt dieser erste Versuch einer Einigung als Grundstein für die spätere Reichseinigung im Jahre 1871. Schließlich muss der Gedanke einer Bewegung zu erst in den Köpfen der Bevölkerung fest verankert sein, sodass daraus eine bedeutungsschwere Bewegung entstehen kann. Eine wunderbare Darstellung zu jenem Thema liefert hierbei Sabrina Müller mit ihrem Buch „Soldaten, Bürger, Barrikaden. Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49“. In diesem Buch, was zugleich Ausgangspunkt für meine Hausarbeit ist, beschreibt sie Heer und Barrikadenkämpfe ziemlich analytisch, schwenkt aber des Öfteren in kleine, fast schon liebevoll beschriebene, Details ab und vermittelt dem Leser so ein klares, nachvollziehbares Bild der damaligen Verhältnisse.

Im Folgenden werde ich mich also mit der Analyse des Heeres und dessen Neuerungen beschäftigen, werde also beispielsweise auf Bedeutung, Motive und Alltag des Heeres eingehen. Im Anschluss gebe ich einen Überblick zum Status quo im Frühjahr 1849 und schließlich befasse ich mich mit den Aufständen in Sachsen und Baden, sowie mit denen in Preußen, Hannover und Bayern. Anhand dieser Reihenfolge wird deutlich, wie die Soldaten die Revolution und somit auch die national liberalen Bestrebungen Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend prägten.

Das Militär besteht jeher aus einer Mischung ganz unterschiedlicher Menschen. Verschiedenste soziale Schichten werden unter einer Befehlsgewalt vereinigt und kämpfen für ihre Regierung. So bestand das Heer zu einem Großteil aus Bauern und Tagelöhnern, die man im unteren Teil der Gesellschaft ansiedeln kann. Sie galten als die Revanchisten, also als Leute mit großem Protestpotential. Die Bauern etwa dienten mit wenig Engagement, da sie sich während ihres Dienstes nicht um ihre Höfe kümmern konnten und somit die Ernte, und somit auch ihr Lebensunterhalt, gefährdet waren. Eine andere Gruppe im Heer stellten die Handwerksgesellen und Studenten dar. Sie galten als gebildet und erklärten beispielsweise ihren Kameraden die Flugschriften, die zu Protesten und Aufständen aufriefen. So wird also deutlich, dass die Soldaten nicht nur die Exekutivgewalt des Monarchen darstellten, sondern dass sie auch durchaus bereit waren, gegen ihren Befehlshaber vorzugehen. Prinzipiell gab und gibt es auch heute noch zwei verschiedene Gruppierungen im Heer. Zum einen sind da die Berufssoldaten, die ihr Leben in den Dienst der Waffe stellen und somit ihren Befehl enthusiastisch ausführen. Und zum anderen sind es die Pflichtdienstleistenden, die ihren vorgeschriebenen Dienst ableisten müssen und so auch negativ eingestellt sein können. Sie können also durchaus Mitglieder der revolutionären Gesellschaft sein und somit ihre Gedanken und Vorstellungen innerhalb der Kameraden verbreiten und daher Aufstände von Soldaten initiieren. Das Militär galt bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als innenpolitisches Machtmittel des Monarchen. Dieses Ansehen ändert sich leicht, nämlich war es in Zeiten der Revolution dahingehend befugt, Aufstände nieder zu schlagen. Dieses restaurative Vorgehen schränkte die Meinungs- und Willensfreiheit des Volkes enorm ein. Um die Aufstände nieder zuschlagen, wurden sogenannte Bundestruppen benötigt, die zur Zeit des Deutschen Bundes noch unter dem Befehl des alten Bundestages standen, später jedoch von der provisorischen Zentralgewalt der Paulskirchenversammlung geführt wurden. Ein Beispiel für eine Niederwerfung eines Aufstandes ist die Unterdrückung demokratischen Regierung in Baden im Sommer 1849. Deutlich soll werden, dass jegliche Aktionen mit einem revolutionären Charakter umgehend unterdrückt wurden. Die offizielle Begründung dieses harten Vorgehens lautete, dass man die Bürger vor Rebellen schützen wollte. Allerdings gab es auch ein inoffizielles Motiv, nämlich dass man die errungenen Märzforderungen wieder unterdrücken wollte, um so die revolutionären Bestrebungen hin zu einem liberalen Nationalstaat zu unterbinden. Ein neues Vorgehen bei der Ausbildung stellte die „innere Führung“ dar. Die Soldaten sollten diszipliniert werden, indem ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Offiziersrang und den Rekruten bestand. Die Neuerung bestand darin, dass die Rekruten weitestgehend menschlisch behandelt wurden. Natürlich braucht die Ausbildung zum Soldaten auch eine gewisse Strenge und Härte, aber man versuchte die Soldaten nicht mehr als nötig zu schikanieren. Dieses gute Verhältnis zwischen Offizier und Soldat stärkte natürlich auch die Moral und der Ausbilder konnte seine Militärs entscheidend beeinflussen. Der Soldat wurde von revolutionären Kameraden umworben, gegen die Missstände aktiv vorzugehen. Die Ansatzpunkte für Kritik waren unter anderem das Verlangen nach Bürgerrechten und der Schutz vor Willkür. War die Willkür der Offiziere gegeben und waren die Bürgerrechte verwehrt, so konnte man sich sicher sein, dass es bald zu einem Aufstand im Heer kommen würde. Ein Beispiel für solch eine Allianz ist die Garnison in Heilbronn. Es kam am 14. Juni 1848 zu einem Treffen des 8. Württembergischen Infanterie-Regiments mit Heilbronner Bürgern im Wirtshaus. Sie wollten eine Petition erstellen, in der man sich für eine bessere Behandlung der Soldaten aussprach. Einer unter ihnen war der Unteroffizier Hartmann, der arretiert wurde und somit den Anlass für die Protestbewegung lieferte. Man demonstrierte gegen diese Ungerechtigkeit, einen Soldaten ohne gerichtliche Bestimmungen zu verhaften und man verlangte seine Freilassung. Dieses Beispiel zeigt die Missstände, die ein junger Soldat hinnehmen musste. Dazu zählen unter anderen noch schlechte Bezahlung, miserable Unterkünfte und schlechtes Essen. Im Zuge der neuen Form der Ausbildung wurden auch diese Verhältnisse geändert. Man versuchte sich den Soldaten möglichst lang als gegenrevolutionäres Element zu erhalten. Denn schließlich waren es auch die Soldaten, die schnellstmöglichen Zugang zu den Waffen hatten und somit das Volk schnell in Waffen bringen könnten. Daraus ergibt sich schlussendlich, dass man bestrebt war, den Soldaten möglichst weit entgegen zu kommen, sodass sie weiter unter der Herrschaft des Monarchen für die Krone kämpfen konnten. Doch nicht überall konnten sie ausreichend beschwichtigt werden. So kam es zum Beispiel in Baden zum 3. Badischen Aufstand, ein Militäraufstand, der durch preußische Truppen im Juli 1849 niedergeschlagen wurde.

[...]


[1] Vgl. Müller, Sabrina: Soldaten, Bürger, Barrikaden Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49, in: Mergel, Thomas; Jansen, Christian (Hrsg.):Die Revolutionen von 1848/49. Erfahrung - Verarbeitung - Deutung, Göttingen 1998, S. 40.

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Details

Titel
Soldaten, Bürger, Barrikaden. Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49
Hochschule
Technische Universität Dresden
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V206239
ISBN (eBook)
9783656333180
ISBN (Buch)
9783656333272
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barrikaden, Allianzen, Konflikte, 48er Revolution
Arbeit zitieren
Stefan Gnehrich (Autor), 2009, Soldaten, Bürger, Barrikaden. Konflikte und Allianzen während der Revolution von 1848/49, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206239

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