Die Kneipe der "Simpsons" - ein Fokus auf "Moe's Tavern"


Seminararbeit, 2003
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Moe’s Taverne – ein Rundgang

3. Die Stammgäste im Porträt

4. Der Wirt – ein ständig schwitzender Einwanderer

5. Die Gaststars – Cameos als Ruhestörer

6. Das Angebot – Duff, Duff und nochmals Duff

7. Die Motive der Kneipenbesucher – Flucht vor dem Alltag und mehr

8. Die Gesprächsthemen

9. Familie Simpson und die Taverne

10. Fazit: Die Bedeutung von Moe’s Taverne für Springfield – mehr als nur eine Kneipe

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die „Simpsons“ sind mittlerweile ein Teil der amerikanischen und auch der deutschen Alltagskultur geworden. Jugendlichen gilt der verhinderte Rebell Bart Simpson oder auch der notorische Versager und überforderte Familienvater Homer Simpson als Idol, Cineasten erfreuen sich an den zahlreichen liebevoll umgesetzten Filmzitaten und die Feuilleton-Schreiber jubeln über ernst zu nehmende Meta-Referenzen und eine unterhaltende Form der Kritik an den Auswüchsen der amerikanischen Gesellschaft. Als ein Fixpunkt der Animationsserie aus der Feder von Matt Groening darf Moe’s Taverne gelten, die in Springfield – dem fiktiven Schauplatz der Serie – für einen kleinen, aber feinen Kundenkreis frisch gezapftes „Duff“-Bier aus der ortsansässigen Brauerei bereit hält. Hier entspinnen sich Geschichten, hier ist für die zumeist männlichen Gäste neben dem Wohnzimmer der einzige Ort, an dem sie ohne die im prüden Amerika beim Genuss von leichten und harten Drogen obligatorischen Gewissensbisse Alkohol konsumieren können. Ein Refugium für das animierte Proletariat von Springfield wie sich noch herausstellen wird und gleichzeitig ein genau gezeichnetes Symbol für die amerikanische Trink- und Alltagskultur. Diese Arbeit will ein Fokus auf diesen Ort sein und die Geschichten der Figuren beleuchten, die einen Großteil ihrer (Frei-)Zeit dort verbringen.

2. Moe’s Taverne – ein Rundgang

Schlicht und einfach „MOE’S“ prangt auf dem Schild über der Schwingtür, die den Gästen sowohl das Eintreten als auch den volltrunkenen Abgang erleichtern soll. Die Zeichner der Animationsserie „Simpsons“ haben der Taverne ein reichlich unattraktives äußeres Erscheinungsbild verpasst: Eine einstöckige Kaschemme mit Anflügen von Fachwerk-Imitat, mit Flachdach versehen und bunten, kaum lichtdurchlässigen Fenstern soll die typische heruntergekommene amerikanische Nachbarschaftskneipe symbolisieren.[1] Sie befindet sich unstrittig in der Walnut Street von Springfield, in entfernter Nachbarschaft zur örtlichen Grundschule, der Springfield Junior High School, die auch Bart Simpson besucht.[2]

Der Gehweg vor der Bar ist mit billigen Betonplatten gebaut worden und natürlich ist am Straßenrand direkt vor der Wirtschaft ein Gully für eventuelle Notfälle zu finden. Nur selten fehlt in den Einstellungen, welche die Taverne von außen zeigen, der Wagen von Homer Simpson, den er stets direkt vor der Tür parkt, um – das Klischee des lauffaulen Amerikaners bedienend – keinen Schritt zu viel zu laufen.

In der Kneipe erwartet den animierten Gast und den Fernsehzuschauer ein stilsicheres Interieur. Die lange Theke mit den Barhockern für die Stammgäste entbehrt jedem Modegeschmack. In prominenter Position direkt über der Bar ist der Fernseher aufgehängt, so dass Gäste und Wirt keine Sportsendung verpassen und diese zudem aus bequemer Sitz- oder Standposition goutieren können. Ein Billardtisch in der Mitte des Gastraumes steht für den seltenen Fall bereit, dass ein Gast Zerstreuung abseits eines Glases Bier wünscht. Erleuchtet wird die „Sportstätte“ von einer Billardlampe, die den Schriftzug der Duff-Brauerei trägt. Sie scheint neben dem schwachen Lichtschein durch die Fenster die einzige Lichtquelle zu sein. Als weitere Ausstattungsmerkmale sind ein Zigarettenautomat neben dem Eingang, ein Dartbrett, ein Push-Can-Abfallbehälter sowie ein Liebestesterautomat zu nennen. Links neben der Theke ist das Telefon angebracht, neben dem Fernseher die einzige Verbindung zur animierten Außenwelt von Springfield. Eine Musikbox im hinteren Teil der Bar spielt auf Geldeinwurf hin, der ob der finanziellen Situation der Stammgäste nicht überstrapaziert wird, Evergreens. Die Wände der Bar sind mit diversen Duff-Werbeschildern und mehreren Wimpeln des Baseballteams „Springfield Atoms“ verziert.

Unter dem Fernseher prangt ein Schild, welches darauf hinweist, dass dienstags Ladies Night ist. Ein Treppenwitz, da es nahezu ausgeschlossen ist, dass sich Frauen freiwillig in die Taverne verirren, obwohl diese Sitte bereits in der ersten Staffel für Moes Kneipe gilt.[3]

Moe’s Taverne verfügt im hinteren Teil über Toiletten, wobei die höchst selten genutzte Damentoilette dem Wirt als Büro für gewisse Nebentätigkeiten und das gelegentliche Ausfüllen der Steuererklärung dient und Moes bester Kunde Barney in einer weiteren Episode dort eine Bleibe in unmittelbarer Nähe zum Zapfhahn gefunden hat.[4]

Zur räumlichen Gestaltung befinden Dröge/Krämer-Badoni, vielleicht zum Glück für den Barkeeper und Inhaber Moe, dass sie zumindest für Stammgäste keine große Rolle spielt: „In erster Linie sind die Gäste sich selber wichtig: Für sie verwandelt sich die Kneipe von einem physikalischen Raum in einen sozialen Raum.“[5]

Wichtig für die Gästestruktur einer Kneipe ist die Verortung im Gefüge einer Stadt. So wird u.a. zwischen Arbeiterkneipen, Nachbarschaftskneipen und Szenekneipen unterschieden. Eine Arbeiterkneipe ist im ursprünglichen Sinn geographisch in unmittelbarer Nähe von großen arbeitsintensiven Werkstätten, Werken, Fabriken etc. angesiedelt und entsprechend finden sich per definitionem nach Dienstschluss die Arbeiter zum Feierabendbier. Diese Art der Kneipe ist allerdings auf Grund der sich wandelnden Arbeitswelt mit einem Trend zu weniger arbeitsintensiven Produktionsmethoden vom Aussterben bedroht und nur noch höchst selten anzutreffen.

Die Nachbarschaftskneipe fügt sich im Idealfall in die Typologie eines Wohnviertels ein und ist nicht selten als Eckkneipe Anlaufstelle für Stamm- und Zufallsgäste aus dem näheren Wohnumfeld und ist noch weit häufiger als die Arbeiterkneipe in Städten und Dörfern anzutreffen.

Die Szenekneipe hingegen ist, wie auch hier in Leipzig zu beobachten, vielmehr auf gute Erreichbarkeit in Innenstadt-Nähe und nicht selten auf einen gewissen Kneipen-Meilen-Faktor angewiesen, während das Publikum sich auch aus der weiteren Umgebung rekrutiert und kaum noch strenge Muster von dominant männlichen Gästestrukturen feststellbar sind. Diese Form der Gastronomie wiederum unterliegt einem Trend, der mit Erlebnisgastronomie zu umschreiben ist und nicht von ungefähr auch in Bezug auf Moe und seine Kneipe Verwendung findet.

Moe’s Taverne hat von den ersten zwei genannten Typen etwas. Sie ist trotz der nur mittelbaren nähe zum Springfielder Kernkraftwerk Ziel von dort Arbeitenden und soll wohl auch Züge einer typischen Nachbarschaftskneipe tragen, was sich allerdings nicht in signifikanter Laufkundschaft äußert, zumal die direkte Umgebung eher Gewerbegebiets-Charakter trägt. Mehrmals versucht Moe, seine Kneipe auf das Niveau der dritten Kategorie zu heben, was aber seine Sentimentalität in Bezug auf seine Stammgäste und sein fehlendes Geschick in Sachen moderner Gastronomie immer wieder aufs Neue torpedieren. Alles in allem ist Moe’s Taverne sowohl von der Lage in der Stadt als auch von der Inneneinrichtung eine Bar, der nicht gerade ein Ruf wie Donnerhall vorauseilt. Ein Umstand, der sich auf das Publikum und somit auch auf den geschäftlichen Erfolg des Inhabers auswirkt.

3. Die Stammgäste im Porträt

Die Taverne ist untrennbar mit dem Namen und dem Lebenslauf eines gebürtigen Norwegers verbunden: Barney Gumble. Seine herausragende Eigenschaft ist der stete und übermäßige Genuss von Alkohol in Moes Kneipe. Er verkörpert in der Serie den Trinker, der trotz seiner Abhängigkeit einige bemerkenswerte Fähigkeiten vorweisen kann und auch sonst nicht unsympathisch gezeichnet wird. Allerdings wurde bei seinem äußeren Erscheinungsbild viel Wert auf einen hohen Authentizitäts-Faktor gelegt: mit schütterem Haar, übergewichtig, offenem Hemdkragen mit freiem Blick auf das wallende Brusthaar, ständig von einem irrlichternden Blick begleitet und mit verlotterten Kleidungsstücken behangen begegnet er den anderen Springfieldern und dem Zuschauer. Sein akustisches Markenzeichen ist ein ausdauerndes Rülpsen, welches seinen teils geistreichen Einlassungen folgt und seine kehlige Stimme, die auch den Eindruck erwecken soll, dass er als Trinker körperlich nicht mehr der Fitteste ist.

In Barney wurde der gescheiterte Genius von den Simpsons-Machern in der Serie verewigt, der in einer Kleinstadt gestrandet ist. Barneys Genie zeigt sich in seiner künstlerischen Ader, die in preisverdächtigen autobiografischen Dramen[6] oder in der Ex-Mitgliedschaft des „The Be-Sharps“-Quartetts[7] ihren Ausdruck findet. Ein beliebtes Motiv der Simpsons-Storyliner sind die verzweifelten Versuche von Barney, von seiner ganz privaten, persönlichen Droge loszukommen. Unvergessen sein Gelöbnis, nie mehr zu trinken und der darauf folgende erste Preis für seinen Beitrag zum Springfielder Filmfestival, der ihm einen Tanklastzug Duff einbrachte, welches er dann doch am liebsten intravenös eingeflößt haben wollte.[8]

Mit anderen Worten: Barney, nach eigener Aussage 40 Jahre alt,[9] ist als Stammgast nicht mehr aus Moes Taverne weg zu denken. Zwar behauptete Moe einmal, seine Zeche stünde bei 14 Milliarden Dollar[10], doch seine finanzielle Liquidität scheint zumindest durch regelmäßige Spenden bei der Springfielder Samenbank dauerhaft gegeben zu sein.[11]

Barneys Liebe zu Moe ging manchmal so weit, dass er ihm einen Blumenstrauß zum Valentinstag schenkte.[12] Mit steigendem Alkoholgenuss fällt ihm allerdings die Unterscheidung zwischen Freund und Feind und die Wahrnehmung von sprachlichen Feinheiten wie Ironie zunehmend schwer, was schon einmal in einem veritablen Niederschlag für den Ex-Profiboxer und Hausherren Moe enden kann.[13] Barney ist zudem auf seine Art und Weise Kind geblieben, was sich in einem einfachen Gemüt und einer leicht zu weckenden Begeisterungsfähigkeit äußert. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er in einer Folge als Riesenbaby für einen Baby-Laden Handzettel verteilte. Seine damalige Arbeitskleidung: Lila Mützchen und eine überdimensionale Windel.[14] In dieser Episode wird auch die Wurzel allen Übels gezeigt, als sich Homer auf seine Verdienste um Barney besinnt: Kurz vor den High-School-Prüfungen bot Homer seinem Kumpel ein Dose „Duff“ an, um „locker“ zu werden. Wie sich erst später herausstellen sollte, war dies der Beginn einer steilen Karriere als Trinker.[15]

[...]


[1] Vgl. Gruteser et al (2001): S.172f.

[2] Vgl. <http://www.snpp.com/guides/city.profile.html> (zuletzt aufgerufen am 23.4.2003)

[3] Vgl. Folge 7G10.

[4] Barney verfügt eigentlich über eine heruntergekommene Wohnung, vgl. Folge 3F18.

[5] Dröge/Krämer-Badoni (1987), S.66.

[6] Vgl. Folge 3F18.

[7] Vgl. Folge 9F21.

[8] Vgl. Folge 3F18.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Folge 9F11.

[12] Vgl. Folge 9F13.

[13] Vgl. Folge 8F13.

[14] Vgl. Folge 9F07.

[15] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Kneipe der "Simpsons" - ein Fokus auf "Moe's Tavern"
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Gesellschaftskritik in US-Animationsserien
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V20632
ISBN (eBook)
9783638244602
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit versucht, den Gästen und dem Besitzer der Kneipe der Simpsons mit Hilfe von Kneipensoziologie akademisch und fan-analytisch näher zu kommen. Kneipenkultur in den Köpfen der Simpsons-Macher verbunden mit Erkenntnissen aus den Pubs der nicht-animierten Welt. Es war definitiv die Hausarbeit mit dem größten Fun-Faktor.
Schlagworte
Kneipe, Simpsons, Fokus, Tavern, Gesellschaftskritik, US-Animationsserien
Arbeit zitieren
Konrad Rüdiger (Autor), 2003, Die Kneipe der "Simpsons" - ein Fokus auf "Moe's Tavern", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20632

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