Krieg! Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung!“
In der vorliegenden Arbeit wird die Kunst sowie die Kriegsbegeisterung der Künstler im Ersten Weltkrieg näher beleuchtet. Es wird untersucht, in welche Richtung sich die Kunst sowie die Einstellungen der Künstler im Verlaufe des Krieges entwickeln: Was führte zu der vor allem im künstlerischen Milieu entstehenden Kriegseuphorie, von der Thomas Mann im aufgeführten Zitat spricht? Erfüllen sich die Erwartungen der Künstler an den Krieg? Mit diesen Fragen wird sich diese Arbeit unter anderem beschäftigen.
Um ein Verständnis für die damals erhoffte Bedeutung des Krieges bezüglich Kunst und Kultur bekommen zu können, wird zunächst die Ausgangslage und somit die kulturelle, speziell künstlerische Situation im Kaiserreich erläutert. Anschließend werden die Veränderungen des künstlerischen Ausdrucks während des Krieges herausgearbeitet.
Darüber hinaus wird dargestellt, inwieweit und in welcher Form sich die Künstler am Krieg beteiligten.
Die Arbeit schließt mit einem resümierenden Fazit, in dem die Frage aufgegriffen wird, was sich nun tatsächlich innerhalb der Kunst durch den Krieg verändert hat bzw. inwieweit die erhofften Neuerungen eingetreten sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kunst und Kultur im Kaiserreich
3. Kunst im Krieg
3.1 Beginn
3.2 Das Jahr 1915 – Zuversicht und Idealismus
3.4 Das Jahr 1916 – Das Wendejahr
3.5 Das Jahr 1917 – Manifestierung des Widerstands
4. Künstler und der Krieg
4.1 Kriegserfahrungen
4.2 Kriegsmaler
4.3 Propagandakunst
5. Fazit: Der Krieg als „Schule des Talents“
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Kunst sowie die Einstellung der Künstler während des Ersten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, wie die anfängliche Kriegseuphorie im künstlerischen Milieu entstand und ob sich die Erwartungen der Künstler an den Krieg erfüllten, während gleichzeitig die kulturelle Ausgangslage im Kaiserreich und die Veränderung des künstlerischen Ausdrucks im Verlauf des Konflikts beleuchtet werden.
- Kulturelle Situation und Richtungsdebatte im Kaiserreich
- Kriegsbegeisterung und ideologische Instrumentalisierung der Kunst
- Einfluss des Ersten Weltkriegs auf den künstlerischen Ausdruck
- Die Rolle der Kriegsmaler und Propagandakunst
- Wandlungsprozesse und Krisenerfahrungen der Künstler
Auszug aus dem Buch
3.1 Beginn
Die gewünschte Einheit und Geschlossenheit waren genau die Qualitäten, die dann im August 1914 feierlich mit dem Kriegsausbruch assoziiert wurden. In der bildenden Kunst hatte es deutliche Vorahnungen eines globalen Konflikts und Voraussahnungen der Katastrophe gegeben, die auch in apokalyptischen Visionen eines Weltbrands auch künstlerisch festgehalten wurden (siehe hierzu: Ludwig Meidner: Apokalyptische Landschaft, 1912/13).
Der Krieg wurde jedoch von der Mehrzahl der Kunstschaffenden als ein glückliches Ereignis begrüßt. Es regte sich das Verlangen, „einen politischen Konflikt zum Austragungsort eines nationalen Selbsterhaltes in der Kultur zu erheben.“ Mit dem militärischen Sieg Deutschlands verband man die Erwartung des Anbruchs einer deutschen Weltherrschaft, was ebenso für den kulturellen Bereich gelten sollte.
Viele Intellektuelle deuteten den Krieg als „Heiler der Kultur“ oder als „reinigendes Gewitter“. Man hoffte also, dass sich der verwirrende Richtungskonflikt durch den Krieg lösen und sich ein deutscher Eigenweg entwickeln würde. Zudem wünschte man eine Versöhnung oder einen Ausgleich der verschiedenen Kunstströmungen. Kultureller Hauptgegner – war wie schon erwähnt – Frankreich. Dieses Feindbild war kein leichtes Unterfangen, denn viele der deutschen Künstler genossen ihre Ausbildung in Frankreich.
Ab August 1914 war schließlich innerhalb des gesamten kulturellen Milieus nichts mehr ohne eine Beziehung zum Krieg überhaupt denkbar. In den zahlreichen Kultur- und Kunstzeitschriften schrieb man kaum mehr über die Kunst an sich, sondern viel mehr über die patriotischen Pflichten, die nun auch die Künstler erfüllen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kriegsbegeisterung und die Entwicklung der Kunst im Ersten Weltkrieg ein und umreißt die zu untersuchenden Fragestellungen.
2. Kunst und Kultur im Kaiserreich: Dieses Kapitel beschreibt die Suche nach einer einheitlichen kulturellen Identität und den damit verbundenen Richtungskampf zwischen Akademiekunst und modernen Strömungen.
3. Kunst im Krieg: Hier wird die Entwicklung der Kunst von der anfänglichen Kriegsbegeisterung im Jahr 1914 über die Ernüchterung im Jahr 1916 bis hin zum manifestierten Widerstand 1917 analysiert.
4. Künstler und der Krieg: Dieses Kapitel befasst sich mit den persönlichen Erfahrungen der Künstler an der Front, der Rolle der Kriegsmaler und der staatlich gelenkten Propagandakunst.
5. Fazit: Der Krieg als „Schule des Talents“: Das Fazit resümiert, dass die erhofften Neuerungen der Kunst ausblieben und die alten künstlerischen Differenzen sowie die durch den Krieg geprägten Wunden fortbestanden.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Kunst, Kaiserreich, Kriegseuphorie, Expressionismus, Impressionismus, Kriegsmaler, Propagandakunst, Kulturgeschichte, künstlerischer Ausdruck, Widerstand, Identitätssuche, Avantgarde, Fronterfahrung, nationale Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle und Entwicklung der Kunst sowie die Einstellungen der Künstler während des Ersten Weltkriegs im Kontext der deutschen Kulturgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Situation der Kunst im Kaiserreich, die Begeisterung der Intellektuellen für den Krieg, die künstlerische Verarbeitung von Kriegserfahrungen und die Instrumentalisierung durch staatliche Propaganda.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob sich die im Krieg erhofften künstlerischen und kulturellen Erneuerungen tatsächlich realisierten oder ob der Krieg lediglich bestehende Konflikte verschärfte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kulturhistorische Analyse, die auf einer Auswertung von Publikationen, zeitgenössischen Zeitschriften und Kunstdebatten der Epoche basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des kulturellen Kontextes des Kaiserreichs, die chronologische Entwicklung der Kunst während des Krieges und die spezifische Situation der Künstler an der Front und in der Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erster Weltkrieg, Kunst, Expressionismus, Kriegseuphorie, Propagandakunst und künstlerische Identitätssuche.
Warum wurde der Expressionismus zum „Herz des Widerstandes“?
Im Verlauf des Krieges wurde der Expressionismus verstärkt als Ausdruck einer pazifistischen Grundüberzeugung und als Mittel zur Dekonstruktion der kriegsbedingten Weltzerstörung begriffen.
Welche Bedeutung hatte die Bezeichnung „Kriegsmaler“?
Der Begriff war kein Ehrentitel, sondern ein Sammelbegriff für Künstler, die in offiziellem Auftrag an der Front tätig waren, um das Geschehen zu dokumentieren, wobei ihre Werke oft von der harten Realität abwichen.
- Arbeit zitieren
- Anne-Sophie Schmidt (Autor:in), 2010, Der Erste Weltkrieg und die Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206376