Die Ausbreitung und Wirkung des französischen Symbolismus

Am Beispiel von Dichtungen Stefan Mallarmés und Stefan Georges


Referat (Ausarbeitung), 2010
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die kosmopolitische Dimension des Symbolismus

3. George und Mallarmé
3.1 George und der deutsche Symbolismus
3.2 Der Einfluss Mallarmés
3.2.1 Die Dichtung des Stefan Mallarmé
3.2.2 Mallarmésche Elemente in der Dichtung Georges

4. Fazit

Literaturangaben

Anhang: Autre Éventail de Mademoiselle Mallarmé und Auf der Terrasse

1. Einleitung

„Symbolisten: […] der Künstler kann eine ganz andere Ursache, ein anderes äußeres Ereigniß finden, welche sei­nem Zustande ganz fremd sind, aber welche das nämliche Gefühl, die näm­liche Stimmung erwecken und den nämlichen Erfolg im Gemüthe bewirken würden. Das ist die Technik der Symbolisten. Die al­te Technik nimmt das Gefühl selbst oder seinen äußeren Grund, und Gegen­stand zu ihrem Vorwurfe – die Technik der Symbolisten nimmt einen ande­ren und entlegenen Gegenstand, aber der von dem nämlichen Gefühle begleitet sein müßte.“[1]

Genau um diese Technik, die Hermann Bahr hier beschreibt, soll es in der vorliegenden Arbeit gehen.

Sie beschäftigt sich mit der Ausbreitung einer Literatur- und Kunstbewegung des 19. Jahrhunderts – dem Symbolismus.

Zunächst soll die kosmopolitische Dimension dieser Gegenbewegung des Naturalismus beschrieben werden. Es wird gezeigt, wie die Bewegung sich von Frankreich ausgehend verbreitet und schon zu Beginn unter Einfluss verschiedener europäischer Literatur- und Kunstrichtungen stand.

Darüber hinaus soll näher auf den deutschen Symbolismus und dessen Wegbereiter Stefan George eingegangen werden. Anhand der Gegenüberstellung zweier Gedichte wird geprüft, inwieweit George sich in seiner Dichtung tatsächlich an seinem Vorbild Stefan Mallarmé orientiert. In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst.

2. Die kosmopolitische Dimension des Symbolismus

Im Gegensatz zur Strömung des Impressionismus, die zunächst als ausschließlich französisch betrachtet werden kann, lässt sich in der Bewegung des Symbolismus eine geographisch breitere Dimension erkennen.[2]

So finden sich die Wurzeln der symbolistischen Bewegung außerhalb Frankreichs. Zum einen hat die angloamerikanische Kultur, insbesondere durch Edgar Poe, Thomas Carlyle, Swinburn und der reformatorischen Künstlergruppe der Präraphaeliten einen großen Einfluss auf die Ausbildung der neuen Strömung.[3]

Darüber hinaus trägt auch die deutsche Kultur zum Entstehen des Symbolismus bei. Hier gilt es vor allem den Einfluss der deutschen Romantik durch Wagner und Schopenhauer zu erwähnen.[4]

Die spirituelle Ausprägung des Symbolismus hat ihren Ausgang im russischen Roman.[5]

Die kosmopolitische Dimension der Bewegung lässt sich jedoch vor allem zu jener Zeit in Frankreich, insbesondere in Paris feststellen. Die französische Hauptstadt kann als Anziehungspunkt der symbolistischen Künstler verschiedener Nationen bezeichnet werden und somit ist bald erkennbar, dass viele Protagonisten des französischen Symbolismus ausländische Wurzeln besitzen. Als Beispiel lässt sich der Grieche Jean Moréas nennen, Verfasser des Manifests des französischen Symbolismus.[6] Darüber hinaus lassen sich Francis Vielé-Griffin und Stuart Merrill erwähnen.[7] Die beiden Amerikaner spielen eine große Vermittlerrolle zwischen Europa und Amerika. Auch Téodor Wyzewa, Dichter polnischer Herkunft, kann als Beispiel dienen. Er publiziert gemeinsam mit Édouard Dujardin die bekannte Zeitschrift La revue wagnérienne.

Ein weiteres Indiz für die kosmopolitische Ausrichtung des französischen Symbolismus ist die Tatsache, das zwei Drittel der in französischer Sprache dichtender Symbolisten belgischen Ursprungs ist.[8]

Neben der kosmopolitischen Atmosphäre in Frankreich lässt sich eine Ausdehnung der Bewegung auf viele europäische Länder erkennen – nicht immer wird die neue Stilrichtung jedoch mit dem Begriff Symbolismus betitelt. In Belgien spricht man beispielsweise vom Jeune Belgique, in Skandinavien vom Young Scandinavia.[9]

Als eine wichtige Ursache für die rasche Ausbreitung der neuen literarischen Bewegung kann die Tatsache gelten, dass um die Jahrhundertwende in viele Länder ähnliche gesellschaftliche Umwälzungen erkannt werden können. Künstler und Literaten verschiedener Nationen erleben die Entwicklung der Technik, die Mechanisierung und die fortschreitende Industrialisierung und suchen nach einer geeigneten Ausdrucksform ihrer Erfahrungen. Der Symbolismus dient ihnen als künstlerische Lösung der aufkommenden gesellschaftlichen und politischen Probleme. Darüber hinaus suchen zu jenem Zeitpunkt viele Künstler nach einer neuen Ausdrucksform, da das künstlerische Schaffen oft nur noch eine Nachahmung von schon Geschaffenem darstellt. Die Strömungen dieser Zeit hatten sich selbst überlebt und so heißen Schriftsteller und Künstler den Symbolismus als Werkzeug gegen den Traditionalismus und Konservativismus willkommen.[10]

Die bezeichnensten Auswirkungen hat der französische Symbolismus auf die belgischen, russischen, englischen und deutschen Künstler.

In Deutschland spielen vor allem die drei Dichter Stefan George, Hugo von Hoffmannsthal und Rainer Maria Rilke eine herausragende Rolle.[11] Der deutsche Symbolismus wird in dieser Arbeit noch genauer untersucht.

Bezüglich des englischen Symbolismus ist die schon erwähnte Künstlergruppe, die Präraphaeliten, der Schriftsteller John Ruskin sowie Arthur Symons hervorzuheben. Letzterer breitet den französischen Symbolismus mit seiner Studie The Symbolist Movement in Literature bis nach Japan aus.[12]

Der französische Symbolismus beeinflusst des Weiteren das Goldene Zeitalter in Russland. Der Dichter Valéry Brioussov entdeckt Charles Baudelaire, Paul Verlaine sowie Maurice Maeterlinck und führt die franko-belgische Bewegung in Russland ein.[13] Darüber hinaus gilt es Alexandre Blok zu erwähnen, dessen Werk Cantiques de la Belle Dame die beiden Strömungen Parnass und Symbolismus zugleich in Russland bekannt werden lässt.[14]

Im Hinblick auf die belgischen Symbolisten ist zu konstatieren, dass diese vor allem zu einer europäischen Orientierung des Symbolismus beitragen. Jedoch bewahren herausragende Künstler wie Emile Verhaeren, Georges Rodenbach, Maurice Maeterlink und Van Leberghe immer auch die nationalen Besonderheiten einer belgischen Literatur in französischer Sprache. Für den belgischen Symbolismus ist bezeichnend, dass hier weniger der Inhalt, sondern vielmehr die Form thematisiert wird. Auch das übersetzen von Bildern bzw. Gemälden in Worte kann – vor allem durch Verhaeren – als Charakteristikum genannt werden.[15]

Den Fragen, inwieweit die literarische Bewegung in Deutschland eine Rolle spielt und welchen Einfluss der französische Symbolismus auf die deutschen Ausprägungen hat, soll im Folgenden nachgegangen werden.

3. George und Mallarmé

3.1 George und der deutsche Symbolismus

Um die Jahrhundertwende wird sich Deutschland seines literarischen, vor allem dichterischen Rückstandes bewusst. Zwischen 1880 und 1890 entstehen zahlreiche neue literarische Strömungen, die kaum in ein Muster oder eine Reihenfolge zu bringen sind.[16] In diesem vielfarbigen Neben- und Durcheinander gelangt auch die „art pur, détaché des déclamations sociales comme des joliesses artistes“[17], die sich vornehmlich gegen den Naturalismus richtet, nach Deutschland. Bezeichnend ist die Nähe des literarischen Symbolismus zur künstlerischen Strömung, die so auch in Frankreich zu erkennen ist.

Personen, auf die der Symbolismus in Deutschland Bezug nimmt, sind Hölderlin, Novalis und Nietzsche.[18] Die äußeren Voraussetzungen für eine symbolistisch-poetische Bühne schafft Wagner mit seiner Reform des Theaters.[19]

Als wichtigste Vertreter des deutschen Symbolismus lassen sich – neben Stefan George – Hugo von Hofmannsthal[20], Rainer Maria Rilke[21] und Karl Gustav Vollmoeller[22] nennen. Ihnen dienen als Vorbilder vor allem die französischen Symbolisten Mallarmé, Valéry, aber auch der Vorreiter des Symbolismus Charles Baudelaire.[23] Auch Vertreter, die der stofflich bestimmten Neuromantik oder dem literarischen Jungendstil zugerechnet werden, sind zum Teil vom Symbolismus beeinflusst. Für andere Schriftsteller hingegen – wie Hermann Hesse, Thomas und Heinrich Mann – bedeutet der Symbolismus lediglich eine Übergangsphase.

[...]


[1] Bahr, Hermann: Symbolisten. In: Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft und Literatur. Jg. 9 (1892), Nr. 38. S. 577.

[2] Vgl. Illouz, Jean-Nicolas: Le Symbolisme. Paris 2004. S. 64f.

[3] Vgl. ebd.: 66f.

[4] Vgl. ebd.: 65.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. Citti, Pierre: La Mésintelligence. Essais d'histoire de l'intelligence française du symbolisme à 1914. Saint-Étienne 2000. S. 72.

[8] Vgl. Peyre, Henri: Que sais-je? La littérature symboliste. Presse Universitaires de France 1976. S. 107.

[9] Vgl. Charguina, Ludmilla: The Typology of Symbolism in Central and Eastern Europe. In: Actes du VIIIe Congrés de l’Association Internationale de Littérature Comparée. Budapest 1976. S. 545.

[10] Vgl. Szabolcsi, Miklós: On the spread of symbolism. In: The symbolist movement in the literature of European languages. Hg. v. Anna Balakian. 1984. S. 184.

[11] Vgl. Peyre: 107f.

[12] Vgl. Citti: 77.

[13] Vgl. Peyre: 117.

[14] Vgl. Citti: 73 und Illouz: 67.

[15] Hess, Elizabeth: The symbolist movement in Belgium. In: The symbolist movement in the literatur of European languages. Hg. v. Anna Balakian. Budapest 1984. S. 565 ff.

[16] Vgl. David, Claude: Stefan George. Sein dichterisches Werk. München 1967, S. 35 ff.

[17] Vgl. Citti: 74.

[18] Vgl. Illouz: 66.

[19] Wais, Kurt: German poets in the proximity of Baudelaire and the symbolists. In: The symbolist movement in the literatur of European languages. Hg. v. Anna Balakian. Budapest 1984. S. 145.

[20] „C’est en Hoffmannsthal, que le symbolisme trouve son expression la plus belle et la plus profonde.“ Citti: 75.

[21] In seinen Cahiers de Malte Laurid Brigge findet sich die typisch symbolistische Spannung zwischen „vivre et faire oeuvre poétique “ wieder. Citti: 75.

[22] Er wendet die symbolistischen Stilmittel auch auf das Drama an.

[23] Vgl. Peyre: 108.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Ausbreitung und Wirkung des französischen Symbolismus
Untertitel
Am Beispiel von Dichtungen Stefan Mallarmés und Stefan Georges
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V206377
ISBN (eBook)
9783656335498
ISBN (Buch)
9783656336075
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausbreitung, wirkung, symbolismus, beispiel, dichtungen, stefan, mallarmés, georges
Arbeit zitieren
Anne-Sophie Schmidt (Autor), 2010, Die Ausbreitung und Wirkung des französischen Symbolismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206377

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Ausbreitung und Wirkung des französischen Symbolismus


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden