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Die Schuldfrage in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘

Titel: Die Schuldfrage in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 23 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Claus Sölvsteen (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die legendenhafte Erzählung von Hartmann von Aue, Gregorius, beinhaltet zwei Inzestfälle und zwei entsprechende Bußleistungen. Diese für die Erzählung sehr zentralen Handlungselemente haben viele Forscher zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Schuld und Buße“ in Gregorius veranlasst. Grundlegende Probleme bei dieser „Schuldfrage“ sind, erstens dass Hartmanns Text keineswegs eindeutig ist, zweitens dass es den meisten heutigen Lesern schwer fällt, eine Schuld bei Gregorius überhaupt zu identifizieren, und drittens dass die Lesart und das Verständnis der Erzählung davon stark beeinflusst sind, ob man den Text als Legende oder als episches Werk liest.
Da die Gattungszuordnung des Gregorius die Lesart und Interpretation des Werkes stark beeinflusst, werden vor der Präsentation der verschiedenen Schuldfragepositionen einige Implikationen der verschiedenen relevanten Leserrollen und Gattungszuordnungen kurz dargestellt (Kapitel 2).
Eine wichtige, aber auch umstrittene, Forschungsposition in der Schuldfrage ist diejenige, die Gregorius als Legende liest, und die eine persönliche Schuld bei Gregorius identifizieren will. Diese Position tendiert dazu, vorzugsweise theologische Argumente vorzuführen, das Werk als theologische Programmschrift zu lesen und den literarischen Text selbst als zweitrangig zu behandeln. Des Überblicks halber werden nur die Grundannahmen dieser Position angegeben und diskutiert (Kapitel 3).
Andere Forschungspositionen finden, dass Gregorius keine persönliche Schuld hat, und sie tendieren dazu, das Werk literarisch zu lesen, weswegen ihre Gattungsauffassungen eher in Richtung Roman als in Richtung Legende gehen. Zu diesen Positionen gehören Forscher, die literaturwissenschaftlich oder sozialgeschichtlich orientiert sind. Unter diesen episch orientierten Forschern werden einige zentrale Positionen dargelegt (Kapitel 4).
Ziel des Aufsatzes ist, einen Überblick über wesentliche Problemstellungen innerhalb der Schulddiskussionen zu geben. Eine „endgültige“ Lösung einer Diskussion, die die Forscher über 100 Jahre intensiv beschäftigt hat, ist nicht angestrebt. Trotzdem ist es die Hoffnung, dem Leser dieser Arbeit die Botschaft vermitteln zu können, dass die Gattungszuordnung für die Interpretation des Werkes von zentraler Bedeutung ist, und dass man mit Vorteil Gregorius als episches Werk lesen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leserrollen und Gattungsüberlegungen

3. Die theologische Position

3.1 Zentrale Voraussetzungen der theologischen Position

3.2 Kritik der theologischen Position

4. Die gesellschaftsorientierte/sozialgeschichtliche Position

5. Vergleich des Gregorius mit La vie du pape saint Grégoire

6. Die Kontingenz Gottes

7. Summierung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Schuldfrage in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘ und analysiert kritisch die verschiedenen Forschungspositionen, wobei insbesondere die Gattungszuordnung als zentrales Interpretationsinstrument für eine moderne, literarische Lesart hervorgehoben wird.

  • Analyse der Gattungsdebatte (Legende vs. episches Werk)
  • Kritische Auseinandersetzung mit der theologischen Position zur Schuldfrage
  • Untersuchung sozialgeschichtlicher Interpretationsansätze
  • Vergleichende Analyse mit der altfranzösischen Vorlage ‚La vie du pape saint Grégoire‘
  • Erforschung der erzähltechnischen Rolle von Gottes Kontingenz

Auszug aus dem Buch

3.2 Kritik der theologischen Position

Schon um 1900 gab es Forscher, die postulierten, dass die zeitgenössische Kirche die in Abschnitt 3.1 erwähnten Schuldursachen nicht schuldhaft fand, weswegen entweder Hartmann eine archaisch-volkstümliche Haltung repräsentierte oder ganz einfach mit seinem Werk gescheitert war, weil nicht nur die Kirche, sondern auch das damalige Publikum keine Schuld sehen konnte. Seitdem hat man eine veritable „Jagd“ auf theologische Schuldbeweise getrieben, aber trotzdem hat man bis jetzt keine eindeutigen Beweise gefunden. Und jetzt, etwa 100 Jahre später, äußert Knapp ein Urteil über Gregorius, das in seiner Substanz demjenigen von Hauck ähnelt:

Nach jahrzehntelangem Umgang mit dem Gregorius will es mir […] scheinen, als habe Hartmann selbst vergeblich an der französischen Vorlage abgearbeitet, die von einem traditionellen, um 1190 kaum noch zu vermittelnden Sündenverständnis lebt, ja als habe er durch seine Ansätze zu einer psychologischen und sozialen Ausdeutung der Geschichte die unüberbrückbaren Widersprüche in dem Text nur noch deutlicher hervortreten lassen, ohne sie auflösen zu können.

Ist die Forschung nach 100 Jahren zu der Konklusion gekommen, die bereits 1913 formuliert wurde – dass Hartmanns Gregorius irgendwie gescheitert ist? Wenn man nach einer theologisch untermauerten persönlichen Schuld suche, würde ich dazu neigen, Knapps Meinung zu teilen. Es wird nämlich der theologischen Position immer schwieriger zu behaupten, dass Gregorius um 1200 aus der Sicht der Kirche oder des Volkes schuldig war, was jetzt näher erläutert werden soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Schuldfrage bei Gregorius und Darlegung der zentralen Forschungsproblematik bezüglich Gattungszuordnung und Lesart.

2. Leserrollen und Gattungsüberlegungen: Analyse der Bedeutung von Lesertypen und Gattungsinformationen für die Interpretation mittelalterlicher Texte.

3. Die theologische Position: Darstellung der Grundannahmen, die Gregorius als sündige Figur in einem theologischen Kontext betrachten.

3.1 Zentrale Voraussetzungen der theologischen Position: Auflistung der vier wesentlichen Schuldursachen und der Instanzen, die über die Sündhaftigkeit urteilen.

3.2 Kritik der theologischen Position: Auseinandersetzung mit der Forschung, die die theologischen Schuldbeweise als historisch bedingt oder als Fehlinterpretation zurückweist.

4. Die gesellschaftsorientierte/sozialgeschichtliche Position: Untersuchung der Handlungen im Gregorius durch soziologische und machtstrukturelle Erklärungsmodelle.

5. Vergleich des Gregorius mit La vie du pape saint Grégoire: Kontrastierende Gegenüberstellung von Hartmanns Text und seiner altfranzösischen Vorlage zur Identifikation bewusster Änderungen.

6. Die Kontingenz Gottes: Analyse der Wiederholungsstrukturen im Werk und der Bedeutung der gottgewollten Unwägbarkeit für die menschliche Existenz.

7. Summierung: Fazit der Arbeit, das die Notwendigkeit einer epischen, nicht legendenhaften Lesart des Gregorius unterstreicht.

Schlüsselwörter

Gregorius, Hartmann von Aue, Schuldfrage, Buße, Legende, Artusroman, Gattungszuordnung, theologische Position, sozialgeschichtliche Analyse, La vie du pape saint Grégoire, Kontingenz, Inzest, Sündhaftigkeit, Mittelalterliche Literatur, Rezeptionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die seit über 100 Jahren kontrovers diskutierte Schuldfrage des Protagonisten in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Das Spannungsfeld zwischen theologischen Deutungsansätzen, soziologischen Analysen der höfischen Welt und der literarischen Gattungsbestimmung des Werkes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Gattungszuordnung die Interpretation maßgeblich beeinflusst und eine epische Lesart gegenüber einer rein theologischen vorzuziehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch Forschungsberichte gestützt wird und einen komparativen Vergleich mit der altfranzösischen Vorlage anstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der theologischen Schuldposition, deren Kritik, eine sozialgeschichtliche Perspektive sowie den Vergleich mit ‚La vie du pape saint Grégoire‘.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schuld, Buße, Gattungsfrage, Kontingenz Gottes, Gregorius, Hartmann von Aue, episches Werk.

Warum spielt die Gattungsfrage eine so zentrale Rolle?

Weil die Einordnung als Legende oder Roman entscheidet, ob Handlungen als religiöse Heilsgeschichte oder als menschlich-weltliche Entwicklung interpretiert werden.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Schuld?

Der Autor argumentiert, dass Gregorius keine persönliche Schuld trägt und die Interpretation als literarische Figur das überzeugendere Potenzial bietet.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Schuldfrage in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Deutsches Seminar, Mediävistik )
Note
1,3
Autor
Claus Sölvsteen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V206385
ISBN (eBook)
9783656338918
ISBN (Buch)
9783656339861
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schuldfrage hartmanns
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Claus Sölvsteen (Autor:in), 2010, Die Schuldfrage in Hartmanns von Aue ‚Gregorius‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206385
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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