Soziale Felder bei Pierre Bourdieu - Ein Überblick


Essay, 2012

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Das Feld
2.2 Akteure
2.3 Kapital

3. Macht, Kräfte und Spiele
3.1 Macht
3.2 Kräfte
3.3 Spiele

4. Schlussbemerkung

5. Literatur

1. Einleitung

Mit dem Begriff des "Feldes" entwickelt der französische Soziologe Pierre Bourdieu ein theoretisches Modell, mit Hilfe dessen er versucht darzustellen, wie soziales Handeln funktioniert.

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Idee des sozialen Feldes geben, dabei die wichtigsten Begrifflichkeiten klären und diskutieren, inwiefern das Feld ein Ort von Macht, Kräften und des Spiels ist.

2. Hauptteil

2.1 Das Feld

Der Begriff des sozialen Feldes ist bei Bourdieu als eine Art Universum zu verstehen, dem verschiedene Felder untergeordnet sind.

Diese Felder sind als Mikrokosmos zu sehen. Sie gehorchen spezifischen sozialen Gesetzen, die von den Akteuren des jeweiligen Feldes selbst bestimmt werden. Dazu später mehr, wenn es um die Frage des "Spiel-Feldes" geht.

Bourdieu beschreibt das Feld also als Mikrokosmos, welches eingebettet ist in einen Makrokosmos. Der Makrokosmos besitzt ebenfalls eigene Gesetze, die aber nicht mit denen des Mikrokosmos identisch sein müssen. Wichtig ist die Aussage, dass der Mikrokosmos (also das Feld) "relativ autonom"[1] ist, sich jedoch niemals vollständig von den Zwängen des Makrokosmos lösen kann.

Der Begriff der Autonomie ist für Bourdieu wichtig, denn er prägt die gesamte Ausgestaltung des Feldes. Von Autonomie kann man sprechen, wenn das Feld die Fähigkeit besitzt, äußere Zwänge zu brechen - also zu verändern.

Als äußere Zwänge gelten, neben Gesetzen, vor allen Dingen Zeit und Geld.

Je autonomer ein Feld ist, desto eher kann es äußere Zwänge "bis zur Unkenntlichkeit"[2] verändern.

2.2 Akteure

Ein Feld umfasst alle Akteure, die einen Beitrag im jeweiligen Feld leisten. Beispielsweise ist ein Akteur im literarischen Feld jeder, der Literatur erzeugt.[3]

Diese recht offene Definition hat den Vorteil, kaum normative Wertungen in den einzelnen Feldern treffen zu müssen. Trotzdem kann natürlich die Frage gestellt werden, was – am Beispiel bleibend – Literatur denn überhaupt sei. Die Geschichte zeigt, dass im Mittelalter jegliche Form von Schrift als Literatur galt, egal ob Roman, Lied, oder Brief.

In heutiger Betrachtung wird der Begriff der Literatur kontroverser diskutiert – die wenigsten Akteure im literarischen Feld würden den Verfasser eines Einkaufszettels zum eigenen Feld zählen. Allerdings wird eben jener Verfasser des Einkaufszettels auch kaum den Anspruch erheben, als Akteur des Feldes betrachtet zu werden. Ein wichtiger Aspekt bei der Frage der Mitgliedschaft eines Feldes wird mit dem Begriff der illusio eingeführt. Damit ist das Interesse, eine Position im Feld zu besetzen, gemeint.[4]

Allerdings nicht einfach irgendeine Position, sondern eine, mittels derer der Akteur Einfluß auf das Feld und seine Akteure hat, also Macht gewinnt.

Außerdem nennt Bourdieu den Habitus als Kriterium für die Zugehörigkeit zu einem Feld. Im Gegensatz zur Theorie der rationalen Entscheidungswahl ist es hier nicht die subjektive Wahl des besten Kosten/Nutzen-Verhältnisses[5], die menschliches Handeln bedingt, sondern der sogenannte Habitus. Akteur ist, wer die spezifischen Regeln verinnerlicht hat, wer ähnliche Vorlieben, Geschmack, Sprache und Lebensstil hat wie andere Mitglieder dieser Gruppe[6]. Der Habitus wird durch Sozialisation geformt und ist dem Akteur insofern nicht bewusst, als dass er zur Erklärung von Handlungen herangezogen wird. Allerdings fällt dem Akteur auf, wenn er auf einen Menschen mit einem sehr anderen Habitus trifft, da sich das Verhalten beider unterscheidet. Zwar kann man nach Bourdieu am Habitus eines Akteurs erkennen, wie sein sozialer Rang / seine Stellung ist, allerdings ist der Habitus durchaus veränderbar. Wird ein Kind aus sehr einfachen Verhältnissen von einer besser gestellten Familie adoptiert, so sind die Unterschiede in Verhalten am Anfang sicherlich sehr deutlich, werden aber mit der Zeit abnehmen und nach einer gewissen Zeit durch die Sozialisation nicht mehr erkennbar sein.

[...]


[1] Bourdieu, Pierre: Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des wissenschaftlichen Feldes. Konstanz 1998, S. 18.

[2] Bourdieu, Pierre: Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des wissenschaftlichen Feldes. Konstanz 1998, S. 19.

[3] Vgl. Bongaerts, Gregor: Verdrängungen des Ökonomischen. Bielefeld 2008, S. 124.

[4] Vgl. Fuchs-Heinritz, Werner / König, Alexandra: Pierre Bourdieu: Eine Einführung. Konstanz 2005, S. 145.

[5] Vgl. Franz, Stephan : Grundlagen des ökonomischen Ansatzes: Das Erklärungskonzept des Homo Oeconomicus. In: Universität Potsdamm (Hrsg.): International economics working paper. 2004-02, S. 4.

[6] Vgl. Bourdieu, Pierre: Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des wissenschaftlichen Feldes. Konstanz 1998, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Soziale Felder bei Pierre Bourdieu - Ein Überblick
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V206472
ISBN (eBook)
9783656337676
ISBN (Buch)
9783656338253
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bourdieu, Feld, Felder, Kräfte, Macht, Spiel, Akteur, Kapital
Arbeit zitieren
Moritz Sehn (Autor), 2012, Soziale Felder bei Pierre Bourdieu - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206472

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