Die irische Missionierung auf dem Festland von 600-750 n.Chr.


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Motive der Peregrinatio

3. Einblick in die Missionsarbeit der irischen Mönche am Beispiel Columban des Jüngeren

4. Abschlussdiskussion: Missionierung – Wo wurden Erfolge erzielt?

5. Zusammenfassung

6. Quellen
6.1. Literatur

1. Einleitung

Mit dieser Arbeit zur irischen Missionierung auf dem Festland in seiner „Kernzeit“ vom

6.-8. Jahrhundert werde ich versuchen, mehrere Probleme der damaligen Zeit zu analysieren.

Eine erste Frage wird sein, aus welchen Gründen die irischen Mönche sich berufen gefühlt haben, in einer „fremden Welt“ ihren Glauben zu verbreiten. Also worauf beruht dieser Missionsgedanke, die peregrinatio ? Ich denke, um diese Frage beantworten zu können, wird es nötig sein, sich teilweise mit der Bibel auseinanderzusetzen.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit wird die Ideologie des berühmten irischen Kirchenvaters Columban und dessen Klosterbewegung, besonders im nordgallischen Raum, bilden.

Denn wie ist eine solche „Massengründung“ von Klöstern überhaupt aus heutiger Sicht zu erklären? Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend?

Ergänzendermaßen möchte ich versuchen, die Art und Weise der Missionierung zu beleuchten, denn hier spiegelt sich das „Hauptanliegen“ der irischen Mönche wieder.

Dies kann nicht außeracht gelassen werden.

Das Thema: „ Die irische Missionierung auf dem Festland von 600-750 n.Chr.“ halte ich aus dem Grund für interessant, da durch die irischen Mönche eine neue Epoche der Klostergeschichte eröffnet wurde. Und das Klosterwesen sowie das Kirchenwesen erhielten im Frühmittelalter unter anderem durch die irischen Mönche eine völlig neue Prägung, z.B. auch für die Sozial- und Mentalitätsgeschichte der damaligen Menschen.

Das aktuellste und nach meiner Ansicht entscheidenste Forschungsthema zu der irischen Missionierung stellt die Einflussnahme der Missionare auf die kulturelle Entwicklung des Abendlandes dar.

Diese Frage möchte ich zum Abschluss meiner Untersuchungen etwas näher beleuchten und damit ein Gesamtbild der Bedeutung der irischen Missionierung entwerfen.

2. Die Motive der irischen Peregrinatio

Die Motivation für eine Wanderschaft des irischen Mönches im sechsten Jahrhundert muss aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. In der Sekundärliteratur „versteifen“ sich die Autoren exemplarisch an manchen Persönlichkeiten der damaligen Zeit und schildern deren institutive Beweggründe, sich auf eine peregrinatio pro christi[1] zu begeben.

Diese fallen oft sehr unterschiedlich aus und so ist es schwer, ein Allgemeinbild zu skizzieren, welches die Motivation für die irischen Festlandsmissionierung erklärt.

Doch eben ein solches möchte ich versuchen wiederzugeben, doch vorher will ich die Ansichten der Autoren darstellen.

Dafür ist es notwendig den Begriff der Peregrinatio zu erläutern. Dieser lässt sich eindeutig bestimmen und am besten mit dem Wort Wanderschaft übersetzen.[2] Für den Peregrinus gibt es hingegen mehrere Deutungen. Er ist entweder eine gläubige Person, welche in der Fremde sein Heil sucht, oder er tritt als monastischer Missioniar auf. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um Pilger, die heilige Stätten, wie Rom und Jerusalem, aufsuchten, um dort geistige Erfüllung zu finden. Dieses Motiv verfolgten die irischen Mönche nicht. Sie gehörten der zweiten Gruppe an. Für diese Personen war die Peregrinatio der Gang in die Fremde ohne eine Wiederkehr.[3] Warum also nahmen die Mönche dieses Opfer auf sich?

In der Fremde erhofften sie das sogenannte weiße Martyrium zu finden. Letztendlich bedeutet dies, den Tod in der Fremde zu erwarten, um in das „ewige Vaterland einzugehen“.[4]

Doch worauf beruht dieser Gedanke und warum ist das Martyrium für den irischen Mönch gerade in der Fremde zu suchen?

Ich denke die Antwort lässt sich nur in der Bibel finden. Denn die Mönche beziehen sich mit ihrer Exilierung aus dem Vaterland auf das Neue Testament, in dem Jesu Christi ebenso seine Heimat verließ, um auf Wanderschaft zu gehen und den christlichen Glauben verbreitete. Sie imitierten also ihren Gott und opferten sich ihm, um ihm so nah wie möglich zu kommen.

Für die irischen Mönche war jedoch die Missionierung kein Motiv, um auf das Festland zu siedeln. Meines Erachtens war dies eher eine Begleiterscheinung, doch dazu später.

Nach Trautwein existierten neben dem weißen noch das grüne und das rote Martyrium.[5]

Das grüne Martyrium bedeutet, dass sich der Mensch durch Buße und Reue mittels Fasten und gleichartiger Alternativen von seinen Sünden reinigt. Der gewaltsame Tod für Christi war natürlich nicht der Wunsch der Mönche, doch durch das rote Martyrium gewann das Opfer in späterer Zeit höchste Anerkennung. So geschehen bei dem Patron der Würzburger Diozöse, dem heiligen Kilian, der im achten Jahrhundert dem Zorn seiner aristokratischen Herrscherin gewaltsam zum Opfer fiel.[6]

Oftmals wird versucht die Motivation zur Peregrinatio der irischen Mönche durch deren „angeborene Wanderlust“[7] zu erklären, was ich persönlich als sehr fragwürdig hinstellen möchte. Bei der Wanderschaft selbst besaßen die Mönche keine Rechte sowie Ansprüche auf Volksgemeinschaft, die sie beim Austritt aus den Clans verloren. Dafür aber erhielten sie den Pilgerschutz und das biblische Gastrecht, welche jedoch in heidnischen Gebieten weniger Anerkennung fanden.[8]

Ebensowenig plausibel klingt für mich das Motiv einer geistigen Erneuerung des Kontinents nach dem Fall Roms.[9] Sicherlich würde dies zeitlich mit dem sechsten Jahrhundert gut in Einklang zu bringen sein, doch zog der einzelne irische Mönch nicht aus einem solchen Interesse in die Ferne. Da ist es schon eher wahrscheinlicher, dass die irischen Mönche zu einer Mission aufbrachen, um das „Heil zu säen“ unter den heidnischen Völkern.[10]

Bei ihrer Missionsreise setzten die irschen Mönche zumeist über England und Schottland auf das Festland über. Selten segelten sie direkt an die Küsten Galliens.[11]

Der typische, wandernde und predigende irische Mönch führte lediglich in einer Kapsel Reliquien von Heiligen und in einem kleinen Ledersack Abschriften aus der Bibel und Gebetsbücher mit sich.[12] Auf ihren Reisen, die fast ausschließlich zu Fuß statt fanden, wurden die Mönche von dem Volk als vox populi[13] betrachtet, unter anderem auch deshalb, weil sich die Mönche in der jeweiligen Volkssprache verständigen konnten.

Aus der Bibel, die er stets bei sich trug, erhielt der Mönch meiner Ansicht nach seinen wahren Beweggrund, sich für eine Peregrinatio zu entscheiden. Er berief sich mit ziemlicher Sicherheit auf das Buch Genesis im Alten Testament, in dem steht: „Der Herr sprach zu Abraham: Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters und zieh in ein Land, das ich dir zeigen werde.“[14]

[...]


[1] Osterrieder, M.: Sonnenkreuz und Lebensbaum.Irland der Schwarzmeerraum und die Christianisierung der europäischen Mitte, Stuttgart, 1995, S.39

[2] Löwe, H.: Religiösität und Bildung im frühen Mittelalter. Westliche Peregrinatio und Mission, Weimar, 1994, S.97

[3] Angenendt, A.: Die Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahr 800 (Die Iren und Europa, Bd.1), Stuttgart, 1982, S. 54

[4] Trautwein, D.: Heil von den Inseln.Bonifacius und die Iroschotten, Konstanz, 1993, S.56

[5] Trautwein, D.: Heil von den Inseln.Bonifacius und die Iroschotten, Konstanz, 1993, S.56

[6] Wendehorst, A.: Die Iren und die Christianisierung Mainfrankens, in: Löwe, H. (Hrsg.), Die Iren und Europa im frühen Mittelalter, Bd.2, Stuttgart, 1982, S.326

[7] Osterrieder, M.: Sonnenkreuz und Lebensbaum.Irland der Schwarzmeerraum und die Christianisierung der europäischen Mitte, Stuttgart, 1995, S.44

[8] Trautwein, D.: Heil von den Inseln.Bonifacius und die Iroschotten, Konstanz, 1993, S.64

[9] Osterrieder, M.: Sonnenkreuz und Lebensbaum.Irland der Schwarzmeerraum und die Christianisierung der europäischen Mitte, Stuttgart, 1995, S.39

[10] Prinz, F.: Peregrinatio, Mönchtum und Mission, in: KGMG 2/1, S.448

[11] Prinz, F.: Zum fränkischen und irischen Anteil an der Bekehrung der Angelsachsen, in: ZKg, Bd. 95 (1984), S. 325

[12] Meyer-Sickendiek, I.: Gottes gelehrte Vaganten.Die Iren im frühen Mittelalter, Düsseldorf, 1996, S.162

[13] Meyer-Sickendiek, I.: Gottes gelehrte Vaganten.Die Iren im frühen Mittelalter, Düsseldorf, 1996, S.146

[14] Höffner, J.: Die Bibel.Altes und neues Testament, Freiburg/Basel/Wien, 1980

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die irische Missionierung auf dem Festland von 600-750 n.Chr.
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
PS Das Merowingerreich
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V20651
ISBN (eBook)
9783638244749
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Missionierung, Festland, Merowingerreich
Arbeit zitieren
Oliver Zachert (Autor), 2003, Die irische Missionierung auf dem Festland von 600-750 n.Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20651

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