Zunächst werde ich auf die politische und die daraus resultierende gesellschaftliche Situation
in Portugal eingehen. Wichtig ist dies, um Hintergrundinformationen für die folgenden Kapitel
zu geben. Aus diesem Grund wird besonders auf die Geschichte zwischen 1930 und 1974
eingegangen, da diese von entscheidender Bedeutung für das Verständnis des Verhältnisses
zwischen der gesellschaftlich-politischen Situation und der Situation der Frau in Portugal ist.
In Kapitel zwei werden einzelne Geschichten aus dem Buch Neue Portugiesische Briefe analysiert
und interpretiert.
Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werden Verknüpfungen zwischen den einzelnen Geschichten
hergestellt und diese mithilfe von Gedichten und Romanen der drei Autorinnen untermauert.
Darauf aufbauend soll die These meiner Hausarbeit herausgearbeitet werden, die
besagt, dass Männer und Frauen in den einzelnen Geschichten sowohl Opfer als auch Täter
der Situation in Verbindung mit Politik und Gesellschaft sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die politische und gesellschaftliche Situation in Portugal im 20. Jahrhundert
2.1 Geschichtliche Hintergründe ab dem Jahre 1930 bis zur Nelkenrevolution im Jahre 1974
3. Analyse
3.1 „Die Mutter“
3.1.1 Die Bedeutung von Mariana und Maria – ein Wortspiel
3.1.2 Vergangenes und Gegenwärtiges – Mariana / Maria im Zwiespalt
3.1.3 Schutzlosigkeit und ihre Folgen
3.2 „Psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Mariana A.“
3.2.1 Die Bedeutung der écriture féminine
3.2.3 Gedicht von Maria Teresa Horta
3.2.4 Das Symbol des Hundes
3.2.5 Die metaphorische Mariana A.
3.3 „Der Vater“
3.3.1 Das Bild des Vaters im politischen Kontext
3.3.2 Der Vater: Opfer und Täter zugleich?
4. Die Verknüpfung der einzelnen Geschichten
4.1 A costa dos murmúrios
4.2 Ema und die Verbindung zu den drei Autorinnen der Neue[n] Portugiesische[n] Briefe
5. Einschätzung der Neue[n] Portugiesische[n] Briefe
6. Schlussbetrachtung
7. Abstract in portugiesischer Sprache
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert drei ausgewählte Kurzgeschichten aus den Novas Cartas Portuguesas von Maria Teresa Horta, Maria Isabel Barreno und Maria Velho da Costa. Ziel ist es, das individuelle Erleben der Frauenfiguren in Bezug zum historisch-gesellschaftlichen Kontext des Salazar-Regimes zu setzen und die These zu untermauern, dass die Protagonisten in diesen Geschichten gleichzeitig Opfer und Täter einer repressiven politischen und gesellschaftlichen Struktur sind.
- Historische Aufarbeitung der Salazar-Diktatur und ihrer Auswirkungen auf die Frauenrolle.
- Analyse der Kurzgeschichten „Die Mutter“, „Psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Mariana A.“ und „Der Vater“.
- Untersuchung von Identitätsverlust, Sprachlosigkeit und psychischer Traumatisierung in einer patriarchalen Gesellschaft.
- Vergleichende Analyse durch Einbezug weiterer Werke wie A costa dos murmúrios und Ema.
- Erörterung der Rolle der „Drei Marias“ als Wegbereiterinnen für ein gesellschaftliches Umdenken.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Die Mutter“
In der ersten der insgesamt drei Geschichten wird eine Frau beschrieben, die sich als erwachsene Frau von ihrer Mutter unterdrückt fühlt. Die Rede ist von Mariana, die zwischendurch auch als Maria bezeichnet wird und die mit ihrem Sohn in einer namenlosen Stadt an Glasscheiben entlang durch den Regen läuft. Durch Ihre Ausweglosigkeit überkommt sie zum Ende der Geschichte eine seltsame Wut, die dazu führt, dass sie völlig von Sinnen ihren Sohn an den Glasscheiben verletzt. Nachdem sie sich dessen bewusst geworden ist, beginnt sie zu schreien und wacht schließlich auf, da alles nur ein Traum war.
Die Unterdrückung der Mutter wird anfangs noch nicht deutlich, da Mariana in der eigentlichen Geschichte einen herzlichen Brief an ihre Mutter schreibt, den sie noch mit „Freundin“ unterschreibt. Hier wird auch deutlich, dass sie von ihrer Mutter nicht als eigenständige Frau betrachtet wird, da die Mutter sie als ungeschickt bezeichnet, was Mariana selbst wiederholt. Im Laufe der Geschichte wird dem Leser verständlich gemacht, dass sie nur ihre wahren Gefühle zu verstecken versucht und eigentlich einen regelrechten Hass gegenüber ihrer Mutter verspürt. Dies wird unter anderem in einem weiteren Brief an ihre Mutter deutlich, in dem es heißt, dass sie sich gezwungen bzw. aufgefordert fühlt, wieder „nach Hause“ zu kommen und sie dieses Zuhause als Gefängnis beschreibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik, der ausgewählten Kurzgeschichten sowie der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Rolle von Männern und Frauen als Opfer und Täter im politischen Kontext.
2. Die politische und gesellschaftliche Situation in Portugal im 20. Jahrhundert: Analyse der Diktatur unter Salazar, des isolationistischen Estado Novo und der restriktiven Frauenpolitik bis zur Nelkenrevolution 1974.
3. Analyse: Detaillierte Interpretation der drei ausgewählten Geschichten „Die Mutter“, „Psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Mariana A.“ und „Der Vater“ im Hinblick auf patriarchale Strukturen.
4. Die Verknüpfung der einzelnen Geschichten: Zusammenführende Analyse, die aufzeigt, dass sowohl die männlichen als auch die weiblichen Figuren Opfer eines Systems sind, welches Gewalt als Reaktionsform auf psychische und soziale Defizite hervorbringt.
5. Einschätzung der Neue[n] Portugiesische[n] Briefe: Würdigung des Werks als mehrstimmige, gesellschaftskritische Selbstanalyse der Frau im 20. Jahrhundert.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion darüber, inwiefern die behandelten Strukturen der Unterdrückung auch über das Ende der Salazar-Ära hinaus nachwirkten.
7. Abstract in portugiesischer Sprache: Zusammenfassende Darstellung der Thesen und Ergebnisse der Arbeit in portugiesischer Sprache.
Schlüsselwörter
Portugal, Salazar-Diktatur, Frauenrechte, Neue Portugiesische Briefe, Geschlechterrollen, Patriarchat, Unterdrückung, Identitätsverlust, Traumatisierung, Opfer-Täter-Dichotomie, Literaturanalyse, Nelkenrevolution, Feminismus, écriture féminine, soziale Isolation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Rollenverständnis und die gesellschaftliche Situation von Frauen in Portugal während der Salazar-Diktatur anhand ausgewählter Geschichten aus den Novas Cartas Portuguesas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von politischer Unterdrückung auf das Individuum, die patriarchale Familienstruktur, das Konzept des „Opfer-Täter-Verhältnisses“ und die Rolle der Frau in der portugiesischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politisch-gesellschaftliche Repressionen die Psyche der Individuen beeinflussen und dazu führen, dass sowohl Männer als auch Frauen in zerstörerischen Zyklen aus Gewalt und Ohnmacht gefangen bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die literarischen Texte in ihren historischen, soziopolitischen Kontext (Diktatur, Kolonialkriege) einbettet und mit Sekundärliteratur zur Frauenbewegung und Identitätsforschung verknüpft.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Kurzgeschichten „Die Mutter“, „Psychiatrisches Gutachten über den Geisteszustand der Mariana A.“ und „Der Vater“ sowie deren thematische Verknüpfung untereinander und mit weiteren literarischen Werken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Salazar-Regime, Identitätssuche, Geschlechterrollen, systemische Gewalt, écriture féminine und die „Drei Marias“ als Symbol für intellektuellen Widerstand.
Inwiefern beeinflusst der historische Kontext der Salazar-Ära die untersuchten Geschichten?
Das Salazar-Regime propagierte ein traditionelles Frauenbild, das die Frau auf den Haushalt beschränkte und ihre politische Partizipation unterband, was in den Geschichten als „Gefängnis“ metaphorisch verarbeitet wird.
Welche Rolle spielt die „Opfer-Täter-Zweideutigkeit“ in der Argumentation der Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass die Unterdrückung durch das System dazu führt, dass Individuen, die eigentlich Opfer sind, durch den ausgeübten Druck selbst zu Tätern an ihren Angehörigen werden, um aus ihrem psychischen Dilemma zu entfliehen.
- Quote paper
- Sarah de Carvalho Hartmann (Author), 2012, Opfer und Täter zugleich – Analyse dreier Geschichten vor dem historisch-gesellschaftlichen Kontext im Portugal der 1970er-Jahre , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206521