Jugendkriminalität, Gesellschaft und Gewalt


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriff und Bedeutung der Kriminalität
1.1 Was ist Kriminalität?
1.2 Bedeutung der Jugendkriminalität
1.3 Jugendkriminalität in Deutschland

2. Gewalt als Erscheinungsform der Jugendkriminalität
2.1 Begriff von Gewalt
2.2 Erscheinungsformen von Gewalt
2.3 Ursachen für Gewalt
2.3.1 Biographische Kontinuität und frühkindliche Entwicklung
2.3.2 Familiärer Hintergrund
2.3.3 Schulische Faktor und Peer-Groups

3. Fallreflexion

Literatur

Einleitung

Kriminalität insgesamt und Jugendkriminalität insbesondere ist ein unvermeidbarer gesellschaftlicher Prozess. Unserer Gesellschaft ist heterogen. In der existieren unterschiedliche, abgesehen von Subkulturen, mitunter einander widersprechende, Kollektiven und Gemeinschaften, Normen und Regeln. Aber es gibt auch solche Normen und Regeln, die für alle gleich sind. Gerade Verstoß gegen diese Normen wird von meisten der Gesellschaftmitglieder als asozial betrachtet.

Jugendalter ist die Zeit der Herausbildung des Charakters einer Person. In dieser Periode wird der Einfluss der sozialen Umgebung von besonderer Bedeutung. Verhalten der Jugendlichen ist dabei die äußere Ausprägung des schwierigsten Prozess der Charakterentstehung. Jugendalter ist wie eine Übergangsperiode, in der die Aneignung der „erwachsenen Rolle“ passiert. In dem Alter wird die Entwicklung von Jugendlichen von so vielen Faktoren (z.B. Umgebung, Peer-Groups, Familie, biologische Erbe, persönliche Besonderheiten, soziale und finanzielle Lage usw.) beeinflusst, die wiederum im weiteren Leben das Verhaltensmuster und Lebensanstellungen prägen. Durch abfällige und delinquente Erfahrungen in der Kindheit entsteht die Bildung der kriminellen Stereotype bei Jugendlichen. Mangel an elterlicher Sorge und Aufmerksamkeit und gleichzeitiges Anliegen, um jeden Preis die Anerkennung der Gruppe zu gewinnen, schieben die Jugendlichen zum Alkohol- und Drogenkonsum sowie zu der Selbstbehauptung durch Ausüben der rechtswidrigen und zeitweise aggressiven und gewaltsamen Taten.

In meiner Hausarbeit möchte ich zuerst über Jungenkriminalität allgemein und dann insbesondere über Jungenkriminalität in Deutschland sprechen. Ich möchte nicht nur den Begriff der Kriminalität und ihre Bedeutung erklären, sondern auch einige statistische Daten aufführen, die heutige Situation in Deutschland spiegeln. Im zweiten Kapitel beschreibe ich eine der häufigsten Erscheinungsformen von Jungenkriminalität - Gewalt. Nach der Begriffsbestimmung ist es sehr wichtig die Erscheinungsformen von Gewalt zu nennen und über ihre primären Ursachen zu diskutieren. Drittes Kapitel meiner Arbeit ist eine Fallreflexion. Ich möchte mich mit dem Fall von Sascha S. auseinandersetzen. Ich werde nicht nur mein Verhältnis zu dem Fall äußern, sondern auch Schritt für Schritt die möglichen Vermutungen und Vorschläge aufstellen, wie man in dieser Situation professionell und pädagogisch handeln könnte.

1. Begriff und Bedeutung der Kriminalität

1.1 Was ist Kriminalität?

„Kriminalität ist ein menschliches Verhalten, das einen anderen oder die Gemeinschaft verletzt und deshalb unter Strafe gestellt ist (Crimen = lat. das Verbrechen) bzw. die Gesamtheit dieser Verhaltensweisen als soziale Erscheinung.“ (Hellmer 1975, S. 1)

Joachim Hellmer unterscheidet in seinem Buch „Jugendkriminalität“ zwei Begriffen der Kriminalität: materielle und formelle. Unter materiellem Kriminalitätsbegriff versteht der das inhaltliche Kriterium des Begriffes (=Strafwürdigkeit), bzw. dass eine Person oder Gemeinschaft verletzt oder mindestens ernstlich gefährdet wird. Dabei muss das Verhalten nicht unbedingt als „abweichend“ bezeichnet werden, denn es gibt abweichendes Verhalten, das nicht kriminell ist (z.B. Selbstmord, Homosexualität u.a.) und umgekehrt kriminelles Verhalten, das nicht abweichend ist (Züchtigung von Kindern, Wirtshausschlägerei usw.) Ebenso wenig kann man die Kriminalität mit „Verwahrlosung“ identifizieren, da es nicht kriminelle (wie z. B. Prostitution, Trunksucht) und kriminelle (Tötung auf Verlangen, Beleidigung, politische Delikte usw.) Verwahrlosungsformen geben. Außerdem deckt sich die Kriminalität auch nicht mit „unmoralischem“ Verhalten. Einerseits darf sich der Begriff „Kriminalität“ nicht zu weit von Moralischen Grundlagen und Sitten der Gesellschaft entfernen, weil sonst seine sozialpädagogische Funktion verloren geht. Andererseits gehen in einer pluralistischen Gesellschaft die Vorstellungen über moralisches und unmoralisches Handeln zu weit auseinander. Das inhaltliche Kriterium des Begriffes reicht aber nicht aus um den Kriminalitätsbegriff genau zu bestimmen. Dafür ist es wichtig den formellen Kriminalitätsbegriff zu betrachten. Unter dem versteht man, dass eine gewisse Rechtsicherheit nur in dem Fall erreicht werden kann, wenn das Verhalten ausdrücklich unter Strafe gestellt wird. Die Grenzen ab den die Strafbarkeit eintritt, müssen für jedermann bekannt gegeben werden, sonst kann das Strafrecht keine sozialpädagogische Funktion aufweisen (vgl. Hellmer 1975, S. 1).

Im quantitativen Sinne wird die Kriminalität als „die Summe aller mit Strafe bedrohten Normenverstöße in einem bestimmten Zeitraum, von einer bestimmten Gruppe in einer festgelegten Region“ (Zirk 1999, S. 13) verstanden.

1.2 Bedeutung der Jugendkriminalität

Unter Jugendkriminalität werden im Allgemeinen „strafrechtlich relevante Verstöße“ (Lorenz 2008, S.1) der Jugendlichen bezeichnet. Unter „Jugendlichen“ versteht das Gesetz Personen, „die zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn“ (§ 1 JGG) sind, und unter bestimmten Voraussetzungen, auch die Heranwachsende, die „zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt“ (§ 1 JGG) sind.

Die Bedeutung der Jugendkriminalität als soziales Phänomen, liegt darin, dass sie eher ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse ist und weist auf den Kontrollmangel, nichtgenügendes kulturelles und soziales Leben und wertlose Atmosphäre in der Gesellschaft hin. „Durch Kriminalität entstehen nicht nur seelische, körperliche und Materielle Schäden auf Kosten einzelner Personen und der Gesellschaft, sondern die soziale Substanz wird durch Sicherheits- und Vertrauensschwund angegriffen und gemindert.“ (Hellmer 1975, S. 3)

Die Gefahr der Jugendkriminalität ist, dass sie „die Wurzel des Rückfallverbrechertums ist“ (Hellmer 1975, S. 3). Laut Statistik sind 85% der sog. chronischen Kriminellen bereits im Entwicklungsalter bzw. in ihrer Jugend mit dem Gesetz einmal oder mehrmals in Konflikt geraten (vgl. Hellmer 1975, S. 3). Der Bedarf der Gesellschaft in dem Fall ist ein Einstieg in eine lebenslange kriminelle Karriere zu verhindern und mittels der erforderlichen erzieherischen Maßnahmen, die jungen Menschen wieder auf den richtigen Weg zurückzuführen (vgl. Zirk 1999, S. 12).

Nach Hellmer liegt die besonders negative Bedeutung der Jugendkriminalität darin, dass der Anteil der Gewaltkriminalität höher als bei den Erwachsenen ist. Für die Jugendliche ist die Gewalt das „am nächsten stehende Mittel zur Durchsuchung seiner Strebungen“ (Hellmer 1975, S. 17).

1.3 Jugendkriminalität in Deutschland

Im Jahr 2006 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 520 271 junge Menschen ab 14 bis unter 21 Jahren als Tatverdächtige registriert. Das waren knapp ein Viertel der 2 283 127 insgesamt registrierten strafmündigen Tatverdächtigen (vgl. Lorenz 2008, S. 1; PKS 2006, S. 72).

Seit Anfang der 1990er Jahren haben sich die Tatverdächtigenzahlen junger Menschen ab 14 bis unter 21 Jahren erheblich und zunächst kontinuierlich erhöht; seit 2004 geht die Tendenz wieder leicht nach unten. (vgl. Lorenz 2008, S. 2). Laut aktuellem PKS Bericht 2009 ist die Gesamtzahl der tatverdächtigen Jugendlichen und Heranwachsenden bis 476 549 gesunken (vgl. PKS 2009, S. 12 ff). Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Opfer- und Täterstudien sowie Zahlen der Unfallversicherer legen allerdings nahe, dass es sich bei der Zunahme registrierter Gewaltkriminalität lediglich um eine Verschiebung von den nicht registrierten zu den polizeilich bekannt gewordenen Straftaten handelt. Insgesamt sei die Zahl der Gewaltdelikte auch junger Menschen über die Zeit nahezu unverändert geblieben. Der Grund für den Anstieg der registrierten Gewaltkriminalität ist die geringere Toleranz gegenüber der Gewalt und ein geändertes Anzeigeverhalten. Der Anstieg der registrierten Gewaltkriminalität sei auf die - gesellschaftlich erwünschte - geschwundene Toleranz gegenüber Gewalt und ein geändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen (vgl. Lorenz 2008, S. 2).

2. Gewalt als Erscheinungsform der Jugendkriminalität

2.1 Begriff von Gewalt

Wenn man versucht so einen vielsichtigen Begriff wie „Gewalt“ zu differenzieren, stößt man normalerweise auf Mehrzahl von Ansätzen und Möglichkeiten. Der Begriff der „Gewalt“ ist primär aus dem Wort „walten“ bzw. „verwalten“ entstanden. Laut Duden hängt der Ausdruck mit antiquierten „Regiment führen“ (Duden zit. in Rupp 2007, S. 35) zusammen. Im Grunde genommen lässt sich der Begriff der Gewalt oft durch eine negative Kraftwirkung beschreiben, die mit Macht zu tun hat. Im positiven Sinne hat der Gewaltbegriff mit dem Recht und der Befugnis zu tun über jemanden oder über irgendetwas zu bestimmen und zu herrschen, wie z.B. Gewaltmonopol des Staates, im Sinne der Begriffe der legislativen, exekutiven und richterlichen Gewalt (vgl. Rupp 2007, S. 35 f.).

In meiner Hausarbeit ist aber Gewalt im negativen Sinne zu betrachten, bzw. „als Handlung oder als Unterlassung oder Duldung, die Gefühle beim Gegenüber, also dem von der Gewalt Betroffenen, auslöst, die zwanghaftes Handeln oder Denken zu Folge hat“ (Rupp 2007, S. 36). Mit anderen Worten gesagt, kann Gewalt durch offene und eindeutige, aber nicht immer psychische Erscheinungsform der Aggression erklärt werden.

[...]

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Details

Titel
Jugendkriminalität, Gesellschaft und Gewalt
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1.7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V206543
ISBN (eBook)
9783656337508
ISBN (Buch)
9783656337249
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendkriminalität, Gewalt, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Roman R (Autor), 2011, Jugendkriminalität, Gesellschaft und Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206543

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