Diversität in der beruflichen Benachteiligtenförderung

Schulsozialarbeit als Arbeitsfeld – Struktur, Aufgaben, Methoden


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,7

Roman R (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklungsgeschichte und Begriffsbestimmung
1.1 Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit
1.2 Begriffs- und Zielbestimmung.

2. Struktur der Schulsozialarbeit
2.1 Rechtsgrundlagen und Funktionsbereiche der Schulsozialarbeit
2.2 Träger von Schulsozialarbeit

3. Aufgaben der Schulsozialarbeit

4. Methoden der Schulsozialarbeit
4.1 Sozialpädagogische Einzelfallhilfe
4.2 Soziale Gruppenarbeit
4.3 Gemeinwesenorientiere Arbeit

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die rasante gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnten, hat stark viele verschiedenen Sphären unseres Lebens beeinflusst: der wirtschaftliche Struktur- wandel hat den Arbeitsmarkt verändert, es herrscht Arbeitslosigkeit und Ausbildungs- platznot, dementsprechend werden die beruflichen Perspektiven von Jugendlichen unsicherer. Familie ist auch getroffen, bzw. hat ihre Bedeutung als zentrales Sozialisa- tionsfeld verloren und ihre elementaren Aufgaben müssen außerfamiliäre Institutionen übernehmen. Diese gesellschaftlichen Veränderungen hindern in der ersten Linie die Kinder und Jugendlichen ihre Zukunftsmöglichkeiten realistisch einzuschätzen und das Leben konstruktiv planen zu können. Dazu kommt noch ein enormer Leistungs- druck, der entweder von den Eltern oder von der Schule ausgeübt wird. Also steigt die Zahl derjenigen Kindern und Jugendlichen, „ die an den gesellschaftlichen Chancen und Möglichkeiten nicht teilnehmen können, weil sie in sozial benachteiligten Ver- hältnissen aufwachsen“ (Verein für Kommunalwissenschaften 1996, S. 3). In der Situ- ation scheint ganz nachvollziehbar zu sein, dass der Bildungs- und Erziehungsauftrag Schule stark erschwert wird und die Jugendhilfe seinerseits gefordert wird, die Folgen dieses Wandlungsprozesses durch sozialpädagogisches Handeln zu glätten. Zwar haben die beiden Bereiche mit den selben Kindern und Jugendlichen zu tun, weisen aber eher eine Tendenz der Abgrenzung von einander auf (vgl. Verein für Kommunalwissenschaften 1996, S. 2 ff.). In meiner Hausarbeit geht es um die Schulsozialarbeit - einem Kooperationsfeld von Schule und Jugendhilfe.

In dem ersten Kapitel möchte ich die Geschichte der Schulsozialarbeit angehen und die wichtigen Entwicklungsetappen beschreiben. Im Folgenden geht es um die Begriffs- und Zielbestimmung, was natürlich sehr wichtig ist um zu verstehen, was genau Schulsozialarbeit ist und welche Besonderheiten die aufweist. In dem zweiten Kapitel beschreibe ich die rechtlichen Grundlagen sowie Trägerschaften der Schulso- zialarbeit und im dritten ihre wesentlichen Aufgaben. Folglich stelle ich zusammenge- fasst drei Hauptmethoden der Schulsozialarbeit vor: Sozialpädagogische Einzelfallhil- fe, soziale Gruppenarbeit und gemeinwesenorientierte Arbeit. Im Fazit fasse ich zu- sammen, welche positive Beiträge Schulsozialarbeit zur Schulentwicklung beigetragen hat.

1. Entwicklungsgeschichte und Begriffsbestimmung

1.1 Kurzer Exkurs in die Geschichte

Die Entwicklung der heutigen Schulsozialarbeit in Deutschland geht auf einen Aufsatz von Abels mit dem Titel „Schulsozialarbeit - ein Beitrag zum Ausgleich von Sozialisationsdefiziten“ zurück, der im Jahr 1971 veröffentlich wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die amerikanische „School Social Work“ schon eine lange Geschichte und hat dementsprechend die Schulsozialarbeit in Deutschland konzeptionell und be- grifflich beeinflusst (vgl. Schermer 2001, S. 1; Speck 2006, S. 15; Speck 2007, S. 9).

Als entscheidender Ausgangspunkt für diese Entwicklungen gilt die Bildungs- reform der 70er Jahre. Eins der zentralen Zielen der Reform war „Kinder und Jugend- liche aus bildungsfernen Schichten zu mobilisieren, um herkunftsbedingte Benachtei- ligungen im Schulsystem zu überwinden und Bildungsreserven besser auszuschöpfen“ (Raab 1994, zit. in Olk 2000, S.19). Die ersten Projekte der Schulsozialarbeit strebten demzufolge „das bildungspolitische Ziel“ (Olk 2000, S.19). Die Annahme der Bil- dungsreform war, dass bei der entsprechenden Unterstützung von allen Kindern und Jugendlichen (bzw. bei der Milderung der negativen Auswirkungen einer leistungs- und selektionsorientierten Schule für sozialbenachteiligte Schichten der Gesellschaft) die gleichen Lernziele erreicht werden können und die Chancengleichheit entsteht, dafür sollten aber sozialpädagogische Hilfen für die Benachteiligten und Integrations- gefährdete organisiert werden (vgl. Olk 2000, S.19; Schermer 2001, S. 2). Da, aller- dings, von der Bildungsreform erwarteter sozialpädagogischer Optimismus, empirisch keine Anwendung gefunden hat, wurde die Diskussion um Schulsozialarbeit nachge- lassen und erst in den 80er bzw. 90er Jahren wieder aufgegriffen worden. (vgl. Scher- mer 2001, S. 2).

Die erneute Auseinandersetzung mit Schulsozialarbeit wurde von veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bzw. von deutlicher Zunahme an Verhaltensauffälligkeit erweckt. Solche Auffälligkeiten wie Aggressivität und Drogenabhängigkeit wurden immer öfter in der Literatur mit der „veränderten Kindheit“ verbunden. (vgl. Mühlum 1995, zit. in Schermer 2001, S. 2). In den 80er Jahren wurden vielfältige Fortbildungs- und Forschungsprojekte sowie Publikationen zur Schulsozialarbeit und außerdem die ersten Formen „der Kooperation von Jugendhilfe und Schule als eine Art „Wende-“ und „Übergangszeit“ (Olk 2000, S. 25) entwickelt.

Am 26. Juni 1990 mit dem Kinder- und Jugendgesetz (§ 81 Nr. 1 SGB VIII) wurde die Jugendhilfe verpflichtet mit der Schule als gleichberechtigte Partner jeweils mit eigenem Selbstverständnis und fachlicher Kompetenz zusammenzuarbeiten (vgl. Verein für Kommunalwissenschaften 1996, S. 6). Außerdem kam in den 90er Jahren zur deutlichen Entwicklung der Schulsozialarbeit bzw. Forschungsaktivitäten in die- sem Bereich, sowie das politische Interesse hat spürbar zugenommen. Ein Aufstieg auf praxisbezogene Ebene weist sich insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern auf. Es ging um die Verringerung von Belastungen und Problemen ostdeutscher Schüler (Verunsicherung, auffälliges Verhalten usw.), sowie um die Vermeidung der Aufga- benbeschränkung (z.B. Reduzierung von Freizeitangeboten) der Schule (vgl. Speck 2007, S. 12 f.).

Heutzutage ist bereits unzweifelhaft, dass auf der fachpolitischen Ebene ein hohes Erfordernis für Schulsozialarbeit vorhanden ist. Auf der fachlichen Ebene lässt sich aber die notwendige Weiterentwicklung erkennen (vgl. Speck 2007, S. 13).

1.2 Begriffs- und Zielbestimmung

Nach Speck und Schermer fehlt dem Arbeitsfeld Schulsozialarbeit immer noch sowohl ein unumstrittener und hinreichender Begriff als auch ein relativ inhaltliches Verständnis. Außerdem steht der Begriff der Schulsozialarbeit mit folgenden Begriff- lichkeiten in Konkurrenz: z.B. „Sozialarbeit in der Schule“ (Glanzer 1993; Prüß 1995), „schulbezogene Jugendsozialarbeit“ (BAG-JAW 1996), „schulbezogene Jugendar- beit“ (SGB VIII §11 Abs.3 Nr.3), „Schul soziale Arbeit“ (Witteriede 2003), „sozialpä- dagogisches Handeln in der Schule“ (Braun/Wetzel 2000) usw. Diese Begrifflichkei- ten können durch historische Vorbelastung des Begriffes Schulsozialarbeit, die starke Betonung des Jugendhilfecharakters des Arbeitsfeldes sowie durch die unterschiedli- chen Zielsetzungen erklärt werden (vgl. Speck 2005, zit. in Speck 2007, S. 23 f.; Schermer 2003, S. 7).

Als eine der ersten Grundbestimmungen kann, Schermers Meinung nach, fol- gende Definition angenommen werden: „Schulsozialarbeit ist der Versuch, soziale Probleme und Spannungen, denen besonders Kinder und Jugendliche aus unterprivile- gierten - häufig auch aus unvollständigen Familien ausgesetzt sind und die vor allen Dingen durch den Selektionscharakter der Schule entstehen, durch Einzelfall - bzw. soziale Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzufangen, Stigmatisierungs- tendenzen abzubauen und so einer Ausgliederung bestimmter Kinder und Jugendlicher bzw. Gruppen in der Schule entgegenwirken.“ (Stickelmann 1981, zit. in Schermer 2003, S. 7) Aus dem Definitionsversuch folgt deutlich ein Verständnis für Schulsozi- alarbeit und zwar, dass die eine kompensatorische Einrichtung ist, die Schüler mit Problemen unterstützen und ihre Integration fördern soll (vgl. Schermer 2003, S. 8).

Weiterfolgende Definitionen ordnen die Schulsozialarbeit in den Zuständig- keitsbereich der Jugendhilfe zu. Z.B. Drilling beschreibt Schulsozialarbeit als „ein eigenständiges Handlungsfeld der Jugendhilfe, das mit der Schule in formalisierter und institutionalisierter Form kooperiert. Schulsozialarbeit setzt sich zum Ziel, Kinder und Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens zu begleiten, sie bei einer für sie befriedigenden Lebensbewältigung zu unterstützen und ihre Kompetenzen zur Lösung von persönlichen und/oder sozialen Problemen zu fördern. Dazu adaptiert Schulsozial- arbeit Methoden und Grundsätze der Sozialen Arbeit auf das System Schule.“ (Dril- ling 2001, S. 95). Olk, Bathke & Hartnuß definieren Schulsozialarbeit auch als „eine Aufgabe der Jugendhilfe“ (Olk 2000, S. 178).

Wulfers verwendet den Begriff der Schulsozialarbeit „als ein Oberbegriff, der alle Aktivitäten einschließt, die dazu geeignet sind, Konflikte und Diskrepanzen bei SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen auf der Grundlage adäquater Methoden der Schulsozialarbeit (bzw. Schulsozialpädagogik) innerhalb der Schule oder auf die Schule bezogen abzubauen. So kann die unterschiedliche, soziale und psychische Situ- ation der genannten Personengruppen verbessert werden. Die gewählten Aktivitäten sollten gleichzeitig zu einer Öffnung der Schule nach innen und außen beitragen und eine soziale Verbesserung des Schullebens bewirken. Eine Zusammenarbeit mit ande- ren öffentlichen und privaten Einrichtungen, die in diesem Bereich arbeiten, ist unab- dingbar.“ (Wulfers 1996 zit. in Speck 2006, S. 21) Bemerkenswert ist, dass Wulfers die zuvor genannten Definitionen der Schulsozialarbeit von Stickelmann erweitert, bzw. Konflikte und Spannungen allgemein zum Gesamtbereich der Schulsozialarbeit zählt, ergänzend den Adressantenkreis mit Schülern, Eltern, Lehrern und Schule als Institution, fügt er als einsetzbare Methodeninventar auch Gemeinwesenarbeit ein (vgl. Schermer 2003, S. 8).

Also besteht in der Fachdiskussion (unabhängig von der begrifflichen Unklar- heit und den unterschiedlichen Formen der Durchführung der Schulsozialarbeit in der Praxis) bei alledem eine Einigkeit darüber, dass für eine erfolgreiche Tätigkeit im Rahmen der Schulsozialarbeit die Institution Schule und die darin unterrichtenden Lehrkräfte als Kooperationspartner zusammenarbeiten sollen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Diversität in der beruflichen Benachteiligtenförderung
Untertitel
Schulsozialarbeit als Arbeitsfeld – Struktur, Aufgaben, Methoden
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V206544
ISBN (eBook)
9783668326088
ISBN (Buch)
9783668326095
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulsozialarbeit, Schule, Jugendhilfe, Ausbildungsplatznot, Ausbildungsplätze, Förderung
Arbeit zitieren
Roman R (Autor), 2011, Diversität in der beruflichen Benachteiligtenförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206544

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