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Individuum und Gesellschaft

Das Problem der Vermittlung

Titel: Individuum und Gesellschaft

Magisterarbeit , 2007 , 82 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Nicole Borchert (Autor:in)

Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Allgemein wird im umgangssprachlichen Gebrauch unter dem Begriff Vermittlung eine Art Schlichtung verstanden, welche von einer dritten Instanz zwischen zwei Parteien ausgeht. So soll beispielsweise eine dritte, vermeintlich neutrale Person zwischen zwei in Streit geratene Menschen „vermitteln“, indem sie beide Seiten anhört und die Diskussion auf ein friedliches Ende hin lenkt. Dabei versucht diese Person die Interessen beider Parteien zu berücksichtigen und möglichst eine Einigung herbeizuführen, die den Bedürfnissen beider entspricht.
Der lateinische Terminus Mediation, der übersetzt „Vermittlung“ bedeutet, be-schreibt die „harmonisierende Vermittlung bei persönlichen oder sozialen Konflikten“, wie zum Beispiel zwischen Scheidungsparteien (Duden Band 5: 615).
Die verschiedenen Verwendungsweisen des Begriffes stimmen dahin gehend überein, dass Vermittlung etwas ist, was zwischen zwei Seiten beziehungsweise zwischen zwei oder mehreren Subjekten stattfindet. Vermittlung gehört demnach auch zur sozialen Interaktion und setzt eine Beidseitigkeit in dem Sinne voraus, dass eine gegenseitige Bezugnahme erfolgen muss. Was durch diesen Prozess generiert wird, trägt zwar Teile von beiden Seiten in sich, ist aber dennoch etwas völlig „Neues“, das weder dem einen noch dem anderen ähnlich ist.
Sprechen wir in diesem Kontext von „Vermittlung“, impliziert eine gegenseitige Bezugnahme auch eine wechselseitige Einflussnahme beziehungsweise Beeinflussung. Dies hat weiter gedacht zur Folge, dass durch die Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft beide Parteien stetig eine mehr oder weniger gravierende Veränderung erfahren; der gesellschaftliche Kontext hat Einfluss auf das Verhalten und Denken der einzelnen Person, sowie die Verhaltensweisen der Mitglieder einer Gesellschaft diese selbst transformieren. Individuum und Gesellschaft befinden sich seit jeher in einem korrelativen Verhältnis, das auch als ein Abhängigkeitsverhältnis zu beschreiben ist. Einerseits hat man oft das Gefühl, durch die in einer Gemeinschaft notwendige Anpassung ein Stück „Freiheit“ aufzugeben, auf der anderen Seite wird uns gerade in diesem gesellschaftlichen Bereich auch wieder eine gewisse Freiheit eingeräumt. Diese Diskrepanz zwischen Anpassung und dadurch subjektiv eingebüßte, aber gleichzeitig auch daraus resultierende Freiheit macht Vermittlung, verstanden als reflexive Bezugnahme zwischen dem Einzelnen und dem sozialen Umfeld, zu einem komplexen Unterfangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Was ist Vermittlung?

1.2 Die Ausgangsproblematik

1.3 Zielsetzung und Herangehensweise

1.4 Anmerkungen zum Aufbau dieser Arbeit

2. Donald W. Winnicott und die psychoanalytische Pädagogik

2.1 Leben und Werk

2.2 Die Theorie der emotionalen Entwicklung

3. Der Beginn der Vermittlung

3.1 Ich und Selbst

3.2 Ich-Integration

3.3 Omnipotenzerfahrung und Realitätsprinzip

3.4 Von der absoluten zur relativen Abhängigkeit

3.5 Übergangsphänomene und –objekte

4. Vermittlungen des Selbst

4.1 Vermittlung als soziale und individuelle Aufgabe

4.2 Das „wahre Selbst“ – Der Kern der Identität

4.3 Das „gefügige Selbst“ und Vermittlung

4.4 Das „falsche Selbst“

4.4.1 Zur Konstitution des falschen Selbst

4.4.2 Formen des falschen Selbst und die Gefahr der Spaltung

5. Voraussetzungen für Vermittlung

5.1 Spiel, Kreativität und der „potenzielle Raum“

5.2 Der Beitrag der Umwelt

6. Zusammenfassung: Vermittlung bei D.W. Winnicott

7. George H. Mead und die Sozialpsychologie

7.1 Mead als Sozialpsychologe und Sozialphilosoph

7.2 Der symbolische Interaktionismus

8. Identitätsentwicklung

8.1 Identität: „I“ und „Me“

8.2 Subjektivität und Identität

8.3 Zur Konstitution des Ichs

8.4 Selbstbewusstsein

9. Voraussetzungen für Vermittlung

9.1 Spielen und Kreativität

9.2 Die Rolle der Umwelt

9.2.1 Identität als gesellschaftlicher Prozess

9.2.2 Sozialität

10. Zusammenfassung: Vermittlung bei G.H. Mead

11. Resümee

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das grundlegende Problem der Vermittlung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Ziel ist es, durch einen exemplarischen Vergleich der psychoanalytischen Entwicklungstheorie von D.W. Winnicott und der sozialpsychologischen Theorie des Selbst von G.H. Mead aufzuzeigen, wie das Verhältnis zwischen subjektiver Identität und gesellschaftlicher Integration theoretisch und praktisch begriffen werden kann.

  • Psychoanalytische Perspektive der emotionalen Entwicklung nach D.W. Winnicott
  • Sozialpsychologischer Behaviorismus und symbolischer Interaktionismus nach G.H. Mead
  • Bedeutung von frühkindlichen Entwicklungsprozessen für die Konstitution des „wahren“ und „falschen“ Selbst
  • Vergleichende Analyse der Rolle von Umwelt, Spiel und Kreativität für die Identitätsbildung
  • Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen einer „gelungenen“ Vermittlung

Auszug aus dem Buch

3.3 Omnipotenzerfahrung und Realitätsprinzip

Die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist zunächst als eine absolute zu beschreiben. Die naturgegebene Einheit Mutter-Kind kann nur als Ganzes betrachtet werden, wodurch es den Säugling an sich „nicht gibt“ (vgl. Davis/Wallbridge 1995: 57). Auch das Kind selbst vermag sich nur in und durch diese emotionale und körperliche Verbundenheit mit der Mutter wahrzunehmen, Winnicott spricht hier von der Phase der „Verschmolzenheit“ (vgl. Reifungsprozesse, 125f.). In dieser Phase, welche sich für Winnicott schon als Teil der Integration darstellt, kann das Kind noch nicht zwischen sich selbst und der umgebenden Umwelt differenzieren.

Was ihm widerfährt, erlebt der Säugling als Wirkung seiner „Macht“ und als Reaktion auf seine Bedürfnisse. Aus der Perspektive des Säuglings existiert zunächst nur er selbst, wobei die Mutter als Teil seiner Selbst empfunden wird; Winnicott spricht hier von „primärer Identifikation“ (Babys und ihre Mütter, 24). Das Kind erlebt eine absolute Macht, die Macht der Einheit Kind-Mutter. Es sieht sich selbst als „Schöpfer“ dieser Einheit, die für ihn die ganze Welt darstellt. Die mütterliche Versorgung ist für den Säugling Ausdruck seiner Omnipotenz, alle Objekte seine Schöpfung. Voraussetzung für dieses Allmachtserleben ist die Fürsorge der Mutter; sie ermöglicht, dass der Säugling als „Schöpfer“ tätig wird, da sie es ist, die seinen Bedürfnissen nachkommt, wodurch das Kind die vermeintliche „Projektion“ seiner Omnipotenz erlebt. Diese Projektion, welche eigentlich eine Illusion darstellt, ist für die gesunde Entwicklung des Säuglings von großer Bedeutung (vgl. Reifungsprozesse, 49).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert den zentralen Begriff der Vermittlung und stellt die Forschungsfrage bezüglich der Vereinbarkeit von individuellem Eigensinn und gesellschaftlichem Integrationsauftrag.

2. Donald W. Winnicott und die psychoanalytische Pädagogik: Biografischer Abriss und Einführung in seine Theorie der emotionalen Entwicklung, die das Kind als aktives Wesen betrachtet.

3. Der Beginn der Vermittlung: Analysiert die frühkindliche Entwicklung vom „Ich“ über die „Ich-Integration“ bis hin zur ersten Wahrnehmung einer externen Umwelt.

4. Vermittlungen des Selbst: Unterscheidet zwischen dem „wahren Selbst“ als Identitätskern und dem „gefügigen“ bzw. „falschen Selbst“ als Anpassungsmechanismus.

5. Voraussetzungen für Vermittlung: Diskutiert die Bedeutung des Spiels und des „potenziellen Raums“ sowie die essenzielle Rolle einer fürsorglichen Umwelt.

6. Zusammenfassung: Vermittlung bei D.W. Winnicott: Fasst die theoretischen Erkenntnisse zu Winnicotts Ansatz der emotionalen Entwicklung und der Rolle der mütterlichen Fürsorge zusammen.

7. George H. Mead und die Sozialpsychologie: Einführung in Meads sozialpsychologische Sichtweise und den symbolischen Interaktionismus.

8. Identitätsentwicklung: Erläutert die Dynamik zwischen „I“ und „Me“ als konstitutive Phasen der Identität im gesellschaftlichen Prozess.

9. Voraussetzungen für Vermittlung: Untersucht die Bedeutung von Spiel, Kommunikation und Sozialität bei Mead im Hinblick auf die Perspektivenübernahme.

10. Zusammenfassung: Vermittlung bei G.H. Mead: Resümiert Meads Ansatz zur Entstehung von Identität durch die Verinnerlichung der „Haltungen anderer“.

11. Resümee: Vergleicht die Ansätze von Winnicott und Mead und betont die Notwendigkeit einer reflexiven Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Vermittlung, Individuum, Gesellschaft, Identität, Winnicott, Mead, Selbst, wahres Selbst, falsches Selbst, Integration, Sozialisation, spielerische Entwicklung, Symbolischer Interaktionismus, emotionale Entwicklung, Bedürfnisbefriedigung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen und seinem sozialen Umfeld, wobei die Frage im Zentrum steht, wie eine Vermittlung zwischen individueller Identität und gesellschaftlichen Anforderungen gelingen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Selbst, die Bedeutung der frühkindlichen Phase, die Mechanismen der Identitätsbildung durch soziale Prozesse sowie die Rolle von Kreativität und Spiel als Vermittlungsinstanzen.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist ein systematischer Vergleich der Theorien von D.W. Winnicott und G.H. Mead, um aufzuzeigen, wie sich der Mensch innerhalb einer Gemeinschaft zu einem Subjekt mit einer stabilen Identität entwickelt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine komparative, analytische Methode, bei der zentrale Begriffe und Thesen beider Wissenschaftler aus der Primärliteratur gegenübergestellt und auf ihre Kompatibilität sowie ihre jeweiligen Schwerpunkte hin geprüft werden.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden zunächst die psychoanalytischen Konzepte Winnicotts (Ich-Integration, wahres/falsches Selbst) und anschließend die sozialpsychologischen Ansätze Meads (I/Me-Differenzierung, symbolischer Interaktionismus) detailliert analysiert und in Beziehung gesetzt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Vermittlung“, „Potenzialität“, „Integration“, „soziale Resonanz“, „Symbolbildung“ und „Perspektivenübernahme“.

Wie unterscheidet Winnicott das „wahre“ vom „falschen“ Selbst?

Das wahre Selbst ist der Kern der Identität und Quelle der Spontanität, während das falsche Selbst als Schutzmechanismus oder soziale Rolle fungiert, die zur Anpassung dient, aber bei zu starker Dominanz das wahre Selbst verdrängen kann.

Was bedeutet Meads Unterscheidung von „I“ und „Me“?

Das „I“ repräsentiert die spontane, reaktive und unbestimmte Seite des Selbst, während das „Me“ die internalisierte, gesellschaftlich geprägte Gruppe von Rollen und Haltungen darstellt, die der Einzelne eingenommen hat.

Warum ist das Spiel für beide Autoren so entscheidend?

Für beide ist das Spiel ein essenzielles „Übungsfeld“: Bei Winnicott dient es als potenzieller Raum der Kreativität zur Selbstfindung, bei Mead als strukturelle Vorbereitung zur Übernahme gesellschaftlicher Rollen und Perspektiven.

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Details

Titel
Individuum und Gesellschaft
Untertitel
Das Problem der Vermittlung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Allgemeine Pädagogik)
Note
1,7
Autor
Nicole Borchert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
82
Katalognummer
V206673
ISBN (eBook)
9783656335955
ISBN (Buch)
9783656336334
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vermittlung Individuum Gesellschaft Selbst Identität psychoanalytisch Kindheit Entwicklung Ich-Integration Omnipotenz Sozialpsychologie Symbolischer Interaktionismus Subjektivität Sozialität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nicole Borchert (Autor:in), 2007, Individuum und Gesellschaft , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206673
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