Die Epilepsie ist eine fast schon „philosophische“ Erkrankung, die nicht nur 1000 Namen besitzt, sondern auch auf eine über tausendjährige Kulturgeschichte zurückblicken kann. Keine andere Krankheit war so oft Gegenstand in Kunst, Literatur und Wissenschaft wie das epileptische Anfallsleiden.
Das vorliegende Epilepsie-Update, das im Rahmen eines kognitionswissenschaftlichen Seminars im Jahre 2012 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entstand, ist ein interdisziplinäres Kurzlehrbuch. Es referiert den aktuellen wissenschaftlichen Stand aus verschiedenen Perspektiven und ist so für einen breiteren Leserkreis gedacht. Die oft gepriesene ‚Interdisziplinarität‘ ist gerade für die Analyse eines derartig komplexen Untersuchungsgegenstandes wie der Epilepsie eine Möglichkeit, ein „altbekanntes“ Phänomen auf neue Weise zu entdecken.
Inhaltsverzeichnis
1 Epilepsie – Die „Krankheit der 1000 Namen“
Eine kulturhistorische Analyse
2 Moderne Epilepsie-Forschung
2.1 Epidemiologie
2.2 Pathophysiologie
2.3 Anfallssemiologie
2.4 Epilepsieformen
2.5 Diagnostik
2.6 Therapie
2.7 Sozialmedizinische Aspekte
3 (Epileptische) Devianz in der öffentlichen Wahrnehmung
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses interdisziplinären Kurzlehrbuchs ist es, das komplexe und kulturhistorisch tief verwurzelte Phänomen der Epilepsie aus der Perspektive verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu beleuchten, um den aktuellen Forschungsstand sowohl für Natur- als auch für Geisteswissenschaftler zugänglich zu machen und neue Einsichten in das altbekannte Leiden zu ermöglichen.
- Kulturhistorische Entwicklung und Namensgebung der Epilepsie
- Moderne wissenschaftliche Ansätze in der Epilepsie-Forschung (Epidemiologie, Pathophysiologie, Diagnostik)
- Klinische Einordnung und Therapiekonzepte bei epileptischen Anfällen
- Sozialmedizinische Herausforderungen und Stigmatisierung von Epileptikern
- Soziologische Analyse der Epilepsie als Form der „Devianz“ in der Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
1 Epilepsie – Die „Krankheit der 1000 Namen“
In der ganzen Medizingeschichte gibt es keine Krankheit, die mehr Synonyme hat als die ‚Epilepsie‘. Diese Tatsache kommt selbst in einer der zahlreichen Krankheitsbezeichnungen zum Ausdruck, die man für sie geschaffen hat – „Krankheit der 1000 Namen“. Die Namenspluralität lässt sich wahrscheinlich durch zwei wesentliche Aspekte erklären: Wenn man auf der einen Seite die epidemiologische Datenlage zur Krankheitsprävalenz, also der durchschnittlichen Häufigkeit, betrachtet, so kann man feststellen, dass in einem historisch konstanten Verhältnis ungefähr 1 % der Menschen von Epilepsie betroffen sind. Damit waren epileptische Anfälle in der Krankengeschichtsschreibung keine seltenen Erscheinungen. Auf der anderen Seite ist das dramatisch wirkende Krankheitsbild äußerst vielfältig und bizarr, sodass die umstehenden Personen einen nachhaltigen Eindruck bekamen, der sich in den Namen wiederfindet.
Bei der „Krankheit der 1000 Namen“ bietet es sich nun in besonderer Weise an, eine kulturhistorische Untersuchung durch die Analyse der Krankheitsbezeichnungen zu bewerkstelligen. Das ist insofern ein geeigneter Zugang, da sich hinter jedem Namen ein kulturell geprägtes Krankheitskonzept verbirgt. Im nächsten Abschnitt („Moderne Epilepsie-Forschung“) wird sich dann zeigen, wie nahe – oder fern – die Erklärungsmodelle zur heutigen Pathophysiologie der Epilepsie sind. Diese Methode ist nicht neu, jedoch war die Analyse bisher recht unvollständig vonstattengegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Epilepsie – Die „Krankheit der 1000 Namen“: Dieses Kapitel beleuchtet die kulturhistorische Entwicklung des Krankheitsverständnisses und analysiert, wie unterschiedliche Bezeichnungen über Jahrtausende hinweg kulturell geprägte Konzepte widerspiegeln.
2 Moderne Epilepsie-Forschung: Das zentrale Kapitel fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand zusammen, von epidemiologischen Daten und pathophysiologischen Mechanismen bis hin zu Diagnostik, Anfallsformen, Therapiemöglichkeiten und sozialmedizinischen Aspekten.
3 (Epileptische) Devianz in der öffentlichen Wahrnehmung: Hier wird die Epilepsie aus soziologischer Sicht als Phänomen der „Devianz“ und „Labeling“ diskutiert, wobei die Konstruktion von Stigmatisierung innerhalb der Gesellschaft kritisch hinterfragt wird.
Schlüsselwörter
Epilepsie, Anfallsleiden, Kulturgeschichte, Neurowissenschaften, Pathophysiologie, Anfallssemiologie, Diagnostik, Therapie, Antiepileptika, Sozialmedizin, Stigmatisierung, Devianz, Labeling Approach, Aura, Epilepsieformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Es handelt sich um ein interdisziplinäres Kurzlehrbuch, das Epilepsie aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln betrachtet und den aktuellen Wissensstand verständlich zusammenfasst.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Werk ab?
Das Buch behandelt die Kulturgeschichte der Krankheit, moderne medizinische Forschungsergebnisse zu Ursachen und Therapie sowie die soziologische Betrachtung der öffentlichen Wahrnehmung von Epilepsie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen einen interdisziplinären Zugang zu bieten, um ein altbekanntes Phänomen neu und ganzheitlich zu entdecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Der Autor stützt sich auf eine interdisziplinäre Zusammenschau, die kulturhistorische Analysen mit neurowissenschaftlicher Evidenz und soziologischen Theorien verknüpft.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die moderne Epilepsie-Forschung, wobei Themen wie Epidemiologie, Pathophysiologie, Anfallssemiologie, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten detailliert dargelegt werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Epilepsie, Pathophysiologie, Anfallsleiden, Kulturgeschichte, Devianz und interdisziplinäre Forschung.
Was bedeutet der Begriff „Krankheit der 1000 Namen“ im Kontext des Buches?
Dies bezieht sich auf die enorme Fülle an historischen Bezeichnungen für Epilepsie, die durch die Vielfalt der Anfallssymptome und kulturell geprägte Interpretationen der Krankheit entstanden sind.
Wie wird die soziale Stigmatisierung von Epileptikern erklärt?
Der Autor nutzt hierzu den „Labeling Approach“, der beschreibt, wie die Gesellschaft durch Zuschreibungen von Normabweichungen ein Stigma konstruiert, das die Betroffenen weiter aus dem sozialen Gefüge ausgrenzt.
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- Sebastian Wendt (Author), 2012, Epilepsie-Update, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206678