Das Leben in den Industrienationen, also auch in Deutschland, spielt sich immer stärker in den Städten ab. So leben in Deutschland heute bereits 88 % der Bevölkerung in Städten.1 Damit einhergehend ist auch die soziale Rolle, die sozialen Funktionen, die die Stadt und die
Stadtinstitutionen ihrer Bevölkerung bieten muss, gewachsen.
Durch die soziale Arbeit in Stadtteilen, kurz genannt sei nur die Settlement Arbeit in England und die community organisation in den USA, wurde der Begriff der Gemeinwesenarbeit als Zweig der sozialen Arbeit ausgearbeitet und geprägt. Daher sind die beiden Begriffe Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit sehr eng verknüpft.
In vielen Städten beziehungsweise in vielen Stadtteilen existieren große soziale Probleme. Einige Stadtteile sind geprägt von einer hohen Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfängerquote. Diese Stadtteile sind oft unterentwickelt, haben eine schlechte Bausubstanz und geringe
ökonomische und kulturelle Möglichkeiten. Woher rühren diese Probleme? Wie werden sie von den unterschiedlichen Institutionen angegangen? Welche Lösungsmodelle gibt es? Diesen Fragen versuche ich mit dieser Arbeit nachzugehen. Im ersten Kapitel möchte ich die Stadtentwicklung ab 1850 darlegen. Anschließend gehe ich auf aktuelle Entwicklungen und Problemlagen in den Städten, insbesondere in Großstädten ein. Dabei kommen sowohl das Armutsproblem in den Städten,
die ‚Theorie der geteilten Stadt’ als auch Begriffe wie Segregation und Urbanisierung zum tragen. Anschließend erläutere ich das Programm der ‚Sozialen Stadt’ die Entwicklung, Prognosen und Chancen, sowie ihre Bedeutsamkeit für die soziale Arbeit, für die Gemeinwesenarbeit. Im nächsten Kapitel erkläre ich den Begriff des Quartiermanagement und werde dabei der Frage nachgehen, ob dieser Begriff lediglich eine Umbenennung der klassischen Gemeinwesenarbeit ist oder tatsächlich eine Alternative zur Gemeinwesenarbeit darstellt. Zur Verdeutlichung möchte ich zum Abschluss ein konkretes Beispiel eines Programmgebiets der ‚Sozialen Stadt’ veranschaulichen. Dies geschieht am Beispiel der Stuttgarter Stadtteile Freiberg und Mönchfeld.
1http://www.g-o.de/geobin/
frameset.pl?id=00001&frame1=titelgo.htm&frame2=menue04.htm&frame3=kap4/40la0025.htm, 9.7.2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stadtentwicklung
2.1 Geschichte der Stadtentwicklung ab 1850
2.2 Urbanisierung und Suburbanisierung
2.3 Segregation und die Auflösung der Innenstädte
2.4 Armut in der Stadt
2.5 Theorie der ‚geteilten Stadt’
3. Das Programm ‚Die soziale Stadt’
3.1 Gründung des Programms, Ziele und Charakteristika der Gebiete
3.2 Chancen und Grenzen der ‚Sozialen Stadt’
4. Quartiersmanagement
5. Praxisbeispiel zu Quartiersmanagement und Stadtentwicklung Anhand eines Projektes im Rahmen der ‚Sozialen Stadt’
5.1 Das Programmgebiet
5.2 Die einzelnen Projekte in Freiberg/ Mönchfeld
5.2.1 Bürgerbeteiligung
5.2.2 Aufwertung und Sanierung des Ladenzentrums ‚Kaufpark Freiberg’
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen moderner Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit, um Lösungsansätze für soziale Problemlagen in städtischen Quartieren zu identifizieren und die Rolle des Quartiersmanagements kritisch zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung der Stadtplanung und Urbanisierungsprozesse.
- Analyse sozialer Segregation und Armutsproblematiken in Großstädten.
- Evaluierung des Programms „Die soziale Stadt“ als integrativer Ansatz.
- Vergleich von Quartiersmanagement und klassischer Gemeinwesenarbeit.
- Praktische Fallstudie am Beispiel der Stuttgarter Stadtteile Freiberg und Mönchfeld.
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Bürgerbeteiligung
In den Stadtteilen existierten bereits vor der Aufnahme als Programmgebiet der ‚Sozialen Stadt’ einige Arbeitsgruppen und –kreise wie z.B. ‚Runde Tische’. Mit der Aufnahme in das Programm wurde das Bewohnerengagement weiter verstärkt.
Auf der Auftaktveranstaltung zur Offenen Bürgerbeteiligung 1999 wurden vier Arbeitskreise gegründet: Gemeinschaftliches Miteinander, Infrastruktur (inkl. Arbeit, Mobilität und Verkehr), Soziale und kulturelle Einrichtungen sowie Wohnen und Wohnumfeld.
Daneben gab es vier weitere Arbeitskreise, in denen Kinder und Jugendliche ihre Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die Entwicklung ihres Stadtteils kundtun konnten. Bis zur Abschlussveranstaltung im Februar 2000 nahmen 168 Personen (davon 41% Kinder und Jugendliche) an der Arbeitskreisen teil.
Über 30 Projekte und Maßnahmen wurden in den Arbeitskreisen formuliert, diese wurden in einem Schlussplenum der Öffentlichkeit präsentiert. Alle Projekte haben einen klaren Anfangs- und Endzeitpunkt, weswegen eine Erfolgskontrolle im Sinne von Realisiert bzw. nicht Realisiert möglich ist.
Projekte, die auf die Ideen und Vorschläge der Bewohner zurückgehen, schaffen einen hohen Identifikationsgrad. Es sollen realistische Vorstellungen über die langfristigen Entwicklungen im Quartier entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Stadt als Lebensraum und definiert die Verknüpfung von Stadtentwicklung mit der Gemeinwesenarbeit.
2. Stadtentwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung seit 1850 nach und analysiert Probleme wie Segregation, Suburbanisierung und Armut.
3. Das Programm ‚Die soziale Stadt’: Hier werden die Ziele, der Aufbau und die Herausforderungen des staatlichen Programms zur Förderung benachteiligter Stadtgebiete vorgestellt.
4. Quartiersmanagement: Es wird diskutiert, ob Quartiersmanagement eine neue Methode oder lediglich eine Weiterentwicklung der klassischen Gemeinwesenarbeit darstellt.
5. Praxisbeispiel zu Quartiersmanagement und Stadtentwicklung Anhand eines Projektes im Rahmen der ‚Sozialen Stadt’: Anhand von Stuttgart-Freiberg/Mönchfeld wird die praktische Umsetzung von Bürgerbeteiligung und städtebaulicher Aufwertung verdeutlicht.
6. Resümee: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet das Programm sowie die Rolle des Quartiersmanagers als interdisziplinäre Aufgabe.
Schlüsselwörter
Gemeinwesenarbeit, Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Quartiersmanagement, Segregation, Urbanisierung, Stadtteilentwicklung, Bürgerbeteiligung, Armut, soziale Integration, Stuttgarter Stadtteile, Stadterneuerung, Wohnungsbaupolitik, soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Problematik in städtischen Räumen und untersucht, wie moderne Ansätze wie die „Soziale Stadt“ und das Quartiersmanagement darauf reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Stadtplanung, soziale Segregation, die Rolle der Quartiersmanager und die Förderung der Bewohneraktivierung in benachteiligten Stadtgebieten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie die soziale Lebensqualität in unterentwickelten Quartieren durch integrierte Konzepte wiederhergestellt und erhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zu historischen und theoretischen Aspekten der Stadtentwicklung sowie eine Fallstudie, um die Theorie mit der Praxis abzugleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Genese der Stadtentwicklung, die „Theorie der geteilten Stadt“, die Analyse des Programms „Soziale Stadt“ und die Definitionen des Quartiersmanagements.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind insbesondere Gemeinwesenarbeit, Stadtentwicklung, Quartiersmanagement und soziale Integration.
Wie funktioniert die Bürgerbeteiligung in Freiberg/Mönchfeld konkret?
Bürgerbeteiligung erfolgt über Arbeitskreise und Einzelprojektgruppen, in denen Bewohner Ideen sammeln, diskutieren und diese in ein Gremium (Arbeitskreisbeirat) einbringen, das die Verwaltung berät.
Warum wird das Ladenzentrum in Freiberg als Beispiel angeführt?
Es dient als konkretes Beispiel für den Erfolg der „Sozialen Stadt“ bei der Bekämpfung eines Abwärtstrends durch bauliche Aufwertung und die Ansiedlung von Ankermietern.
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- Nicolai Neijhoft (Author), 2003, Gemeinwesenarbeit: Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Quartiersmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20669