Gemeinwesenarbeit: Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Quartiersmanagement


Seminararbeit, 2003

19 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Stadtentwicklung
2.1 Geschichte der Stadtentwicklung ab 1850
2.2 Urbanisierung und Suburbanisierung
2.3 Segregation und die Auflösung der Innenstädte
2.4 Armut in der Stadt
2.5 Theorie der ‚geteilten Stadt’

3. Das Programm ‚Die soziale Stadt’
3.1 Gründung des Programms, Ziele und Charakteristika der Gebiete
3.2 Chancen und Grenzen der ‚Sozialen Stadt’

4. Quartiersmanagement

5. Praxisbeispiel zu Quartiersmanagement und Stadtentwicklung Anhand eines Projektes im Rahmen der ‚Sozialen Stadt’
5.1 Das Programmgebiet
5.2 Die einzelnen Projekte in Freiberg/ Mönchfeld
5.2.1 Bürgerbeteiligung
5.2.2 Aufwertung und Sanierung des Ladenzentrums ‚Kaufpark Freiberg’

6. Resümee

7. Literaturliste

1. Einleitung

Das Leben in den Industrienationen, also auch in Deutschland, spielt sich immer stärker in den Städten ab. So leben in Deutschland heute bereits 88 % der Bevölkerung in Städten.[1] Damit einhergehend ist auch die soziale Rolle, die sozialen Funktionen, die die Stadt und die Stadtinstitutionen ihrer Bevölkerung bieten muss, gewachsen.

Durch die soziale Arbeit in Stadtteilen, kurz genannt sei nur die Settlement Arbeit in England und die community organisation in den USA, wurde der Begriff der Gemeinwesenarbeit als Zweig der sozialen Arbeit ausgearbeitet und geprägt. Daher sind die beiden Begriffe Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit sehr eng verknüpft.

In vielen Städten beziehungsweise in vielen Stadtteilen existieren große soziale Probleme. Einige Stadtteile sind geprägt von einer hohen Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfängerquote. Diese Stadtteile sind oft unterentwickelt, haben eine schlechte Bausubstanz und geringe ökonomische und kulturelle Möglichkeiten. Woher rühren diese Probleme? Wie werden sie von den unterschiedlichen Institutionen angegangen? Welche Lösungsmodelle gibt es? Diesen Fragen versuche ich mit dieser Arbeit nachzugehen.

Im ersten Kapitel möchte ich die Stadtentwicklung ab 1850 darlegen.

Anschließend gehe ich auf aktuelle Entwicklungen und Problemlagen in den Städten, insbesondere in Großstädten ein. Dabei kommen sowohl das Armutsproblem in den Städten, die ‚Theorie der geteilten Stadt’ als auch Begriffe wie Segregation und Urbanisierung zum tragen.

Anschließend erläutere ich das Programm der ‚Sozialen Stadt’ die Entwicklung, Prognosen und Chancen, sowie ihre Bedeutsamkeit für die soziale Arbeit, für die Gemeinwesenarbeit. Im nächsten Kapitel erkläre ich den Begriff des Quartiermanagement und werde dabei der Frage nachgehen, ob dieser Begriff lediglich eine Umbenennung der klassischen Gemeinwesenarbeit ist oder tatsächlich eine Alternative zur Gemeinwesenarbeit darstellt.

Zur Verdeutlichung möchte ich zum Abschluss ein konkretes Beispiel eines Programmgebiets der ‚Sozialen Stadt’ veranschaulichen. Dies geschieht am Beispiel der Stuttgarter Stadtteile Freiberg und Mönchfeld.

2. Stadtentwicklung

2.1 Geschichte der Stadtentwicklung ab 1850

Ab 1850 setzt in Deutschland ein bis dahin nicht gekanntes rasantes Städtewachstum ein. Gründe dafür sind zum einen die Industrielle Revolution, zum anderen große Fortschritte in Medizin und Hygiene. Während bisher die Produktionsstätten aufgrund von Wasseranbindung eher außerhalb der Städte gesiedelt haben, konzentrieren sich diese nun im Zusammenhang mit Dampfmaschine und Eisenbahn in den Städten. Auf die Industrie folgt der Handel, das Versicherungs- sowie das Bankwesen in die Großstädte, wodurch auch eine vollkommen neue Sozialstruktur innerhalb der Städte entsteht.

Auf diese starke quantitative Zunahme der Stadtbevölkerung ist man in Deutschland weder politisch noch rechtlich vorbereitet, so dass erst im ausgehenden 19 Jahrhundert einige wissenschaftliche Arbeiten zu Städtebau- und Stadtentwicklung entstehen.[2]

Im ausgehenden 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert nimmt das Tempo des Industrialisierungsprozess immer stärker zu, was die Stadtentwicklung vor eine Vielzahl von Problemen stellt.

Rasch entwickeln sich zwei vollkommen unterschiedliche Lösungsansätze. So setzt sich der englische Sozialreformer Ebenezer Howard für eine Begrenzung der Kernstädte bei gleichzeitiger Anlage von neuen Städten im Umland ein. Diese sogenannten ‚Gartenstädte’ sollen überschaubar bleiben, Arbeitsplätze und Wohnraum bieten. sowie von der freien Landschaft umschlossen sein. Aus diesen Vorstellungen entwickeln sich ‚Gartenstadtgesellschaften’ wie die englische Garden-City-Association von 1899 oder die ‚Deutsche Gartenstadtgesellschaft’ von 1902.

Ein anderes Lösungsmodell, ein Lösungsmodell für die Großstadt selbst, ist das Neighbourhood-Unit-Konzept von Clarence Arthur Perry aus dem Jahr 1929. Darin schlägt er vor, die Großstadt in kleineren Zellen zu organisieren, um so die Anonymität in den Großstädten aufzuheben.

Diese beiden Konzepte finden bereits in der Aufbauphase in den fünfziger Jahren ihren Niederschlag als Konzeption der gegliederten und aufgelockerten Stadt. Die Konzentration in der Stadtentwicklung liegt dabei auf der Wohnungsbaupolitik, dem Wiederaufbau zerstörter Wohnungen.

Aufstrebender Wohlstand und zunehmende Motorisierung ermöglichen ab Ende der fünfziger Jahre einer immer größer werdenden Bevölkerungsschicht die Kernstädte zu verlassen. Dadurch kommt es allmählich zu einer strikten Trennung der Grundfunktionen Wohnen, Arbeiten, Versorgen und Erholen; es entstehen monofunktionale Wohngebiete.

Dies führt in den weiteren Jahren zu einer großen Verkehrsbelastung, im Zuge derer zwischen 1960 und 1975 die Verkehrsanbindungen stark ausgebaut werden. Weiterhin entstehen, vor allem am Rande der Großstädte, immer größere monotone Wohnsiedlungen mit einer hohen Bevölkerungsdichte, zum Beispiel das Märkische Viertel in Berlin, Neu-Perlach in München, Chorweiler in Köln, Steilshoop in Hamburg.[3]

Diese Phase bezeichnet Oelschlägel als ‚Wachstumsphase’. Parallel zur Erweiterung kommen Flächenabriss und Kahlschlagsanierung, die Sanierung von sogenannten ‚rückständigen’ Vierteln, welche durch neue Stadtstrukturen ersetzt werden sollten. Dabei gibt es auch vereinzelten Wiederstand, der zum Teil durch Gemeinwesenarbeiter unterstützt wird. Als Beispiel sei das Frankfurter Westend genannt. Durch die Kahlschlagsanierung kommt es vereinzelt zu Wohnungsengpässen. Dies und die Mängel der Trabantenstädte führen ab den 70er Jahren zu kleinräumiger Sanierung. Hinzu kommt durch das Städtebaufördergesetz von 1971 „(...) die Beteiligung von Mietern, Eigentümern und Gewerbetreibenden des Quartiers vorgeschrieben.“ Die Stadtentwicklung konzentriert sich also direkt auf die einzelnen Quartiere.

Ab 1980 sind vor allem die wirtschaftlichen Entwicklungen für die Stadtentwicklung maßgebend. Die (vermeintlichen) Bedürfnisse der Wirtschaft und des Marktes genießen Priorität in der Stadtentwicklung. So entwickelt sich Stadtmarketing als Stadtplanung in den Mittelstädten, sowie die Planung und Durchführung von Großprojekten (Bsp. Neue Mitte Oberhausen) in den Großstädten.[4]

In der Stadterneuerung versteht sich die Stadtentwicklung seit dieser Zeit „in zunehmendem Maße als eine Verknüpfung städtebaulicher, ökologischer, kulturpolitischer und umweltrelevanter Aspekte (...).“[5]

2.2 Urbanisierung und Suburbanisierung

Urbanisierung lässt sich als Prozess städtebaulicher Erschließung neuer Stadtviertel in Folge der Industrialisierung beschreiben. Dies bedeutet eine Konzentration industrieller und gewerblicher Funktionen in den Städten, sowie eine Ausdehnung städtischen Lebens in das Umland, da weite Teile der Bevölkerung zwar nach wie vor im Umland wohnen, jedoch in der Stadt arbeiten. Der Urbanisierungsprozess führt so also zu einer starken Polarisierung von privatem Leben und dem öffentlichen Leben, damit auch zu Anonymität.[6]

Suburbanisierung ist dagegen der umgekehrte Prozess. Es kommt zu einer Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der eigentlichen Stadt in das städtische Umland. Im Gegensatz zur Urbanisierung ist die Suburbanisierung also nicht nur ein Prozess der Expansion der Stadt in ihr Umland, sondern auch Dekonzentration von Bevölkerung, Produktion, Verwaltung und Handel.

Diese Verteilung geschieht meist zu Ungunsten der Kernstadt. Es kommt zum Verlust von Arbeitsplätzen in der Kernstadt, zu einer Veränderung der Einzelhandelsstruktur und zu Segregation.

Gründe dafür sind in erster Linie in der Verfügbarkeit größerer zusammenhängender Flächen außerhalb der Städte und in der enormen Zunahme des Motorisierungsgrades der Bevölkerung zu suchen.[7]

2.3 Segregation und die Auflösung der Innenstädte

In der aktuellen Stadtentwicklung verlagern sich die städtischen Funktionen aus der Stadt. Wo früher ein zentraler Standort für Betriebe unerlässlich war, existieren nun keine eindeutigen Standortanbindungen mehr und wenn doch, dann sind es nicht die Innenstädte. Als Beispiel dient die schnelle Konzentration des Einzelhandels: es entstehen immer mehr, immer größere Einkaufsflächen außerhalb der Städte mit riesigen Parkflächen. Gleichzeitig bieten diese Einkaufszentren nicht nur eine gigantische Produktpalette, sondern befriedigen gleichzeitig auch andere Bedürfnisse wie Kultur, Gastronomie und Erlebnis.

Dafür können die Innenstädte weder Fläche noch Verkehrsanbindung bereitstellen. Deshalb ist eine Konkurrenz zu den außerhalb gelegenen ‚Stadtsimulationen’ kaum möglich, was gleichzeitig eine destruktive Auswirkung auf die Innenstädte hat. Durch den Prozess der Auflösung der Innenstädte müssen auch die Auswirkungen auf die Menschen in der Stadt untersucht werden. In vielen europäischen Städten ist eine Armutswanderung in die Kernstädte bei gleichzeitiger Randwanderung junger, finanzstarker Familien zu beobachten. Wenn dann noch Arbeitsplätze in traditionellen Branchen verloren gehen, die durch die Ansiedlung neuer Branchen nicht kompensiert werden können, zeigt dies ein weiteres Problem: Es kommt zu einer Trennung von Beschäftigungsentwicklung und Arbeitslosigkeit in der Region und zu einer Verfestigung von Armutsstrukturen. Diese Prozesse führen zu Segregation, „zu einer Teilung der Stadt in – vereinfacht gesprochen – arme und reiche Quartiere.“[8] Dabei werden vor allem die Stadtquartiere zu sozialen Problemfeldern, die Bewohner werden von der Dynamik des Erwerbslebens und damit einhergehend von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die Menschen werden in einem bestimmten Viertel ausgegrenzt.[9] Dies führt zum nächsten Problemfeld in Städten, der Armut.

[...]


[1] http://www.g-o.de/geo-bin/frameset.pl?id=00001&frame1=titelgo.htm&frame2=menue04.htm&frame3=kap4/40la0025.htm, 9.7.2003

[2] Exemplarisch genannt sei R. Baumeisters „Stadterweiterungen in technischer, baupolizeilischer und wirtschaftlicher Beziehung“ von 1876 und das „Handbuch des Städtebaus“ von J. Stübben aus dem Jahre 1890.

[3] Köhl, Beck, 1996

[4] Oelschlägel, 2001, S. 24

[5] Pfotenhauer, Erhart, 2000, S.251

[6] Meyers Taschenlexikon, 1981, Bd. 23, S. 23

[7] Vgl. http://www.uni-flensburg.de/geo/wisogeo/siedl6.htm, 26.05.03

[8] Oelschlägel, 2002, S. 338

[9] Vgl. Oelschlägel, 2002, S.337f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gemeinwesenarbeit: Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Quartiersmanagement
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart  (Sozialwesen)
Note
1,2
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V20669
ISBN (eBook)
9783638244909
ISBN (Buch)
9783656201809
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gemeinwesenarbeit, Stadtentwicklung, Soziale, Stadt, Quartiersmanagement
Arbeit zitieren
Nicolai Neijhoft (Autor), 2003, Gemeinwesenarbeit: Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Quartiersmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20669

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