Kulinarischer Tourismus in Sachsen-Anhalt: Leistungsangebote, Vertrieb und Potentialermittlung


Bachelorarbeit, 2012
76 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kulinarischer Tourismus – Ein sich entwickelndes touristisches Themenfeld
1.1. Aufbau und Methodik der Bachelorarbeit zum Thema Kulinarischer Tourismus in Sachsen-Anhalt...
1.2. Die theoretische Darstellung des kulinarischen Tourismus.
1.3. Inhalte und Merkmale zum kulinarischen Tourismus und seine Ausprägungen….
1.4. Die Emotionale Bindung zu Region und deren Marken
1.5. Einordnung des kulinarischen Tourismus in das System des Tourismus…
1.6. Geschäftsfelder des kulinarischen Tourismus

2. Leistungsangebote zum kulinarischen Tourismus in Sachsen-Anhalt
2.1. Sachsen-Anhalt „Wir stehen früher auf“ – Eine Tourismusregion im Aufbau
2.2. Sachsen-Anhalts kulinarische Spezialitäten und deren regionale Bedeutung
2.2.1. Kulinarische Leistungsangebote in der Altmark
2.2.2. Kulinarische Leistungsangebote in der Elbe-Börde-Heide und Magdeburg
2.2.3. Kulinarische Leistungsangebote im Harz
2.2.4. Kulinarische Leistungsangebote in Anhalt-Wittenberg
2.2.5. Kulinarische Leistungsangebote in Halle-Saale-Unstrut
2.3. Sachsen-Anhalts kulinarische Leistungsangebote
2.4. Zusammenstellung der Vertriebswege bestehender kulinarischer Leistungsangebote im Land Sachsen-Anhalt
2.4.1. Direkter Vertrieb der kulinarischen Leistungsangebote in Sachsen-Anhalt
2.4.2. Indirekter Vertrieb der kulinarischen Leistungsangebote in Sachsen-Anhalt
2.5. Zusammentragung der indirekten und direkten genutzten Vertriebswege für kulinarische Angebote in Sachsen-Anhalt

3. Erstellung eines Stärken- und Schwächenprofils zum kulinarischen Tourismus in Sachsen-Anhalt
3.1. Strategische Interpretation – Ermittlung einer Stärken/Schwächen und Chacen/Risiken Analyse für den kulinarischen Tourismus in Sachsen-Anhalt
3.2. Ansätze der Darstellung des Potentials für den kulinarischen Tourismus in dieser Destination…..
3.3. Sachsen-Anhalt eine sich entwickelnde Tourismusdestination mit Potentialen für den kulinarischen Tourismus

I Abbildungsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Literatur- und Quellenverzeichnis

IV Anhang

I Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kulinarik und Tourismus Zuordnungsprozess-Modell emotionale Bindung

Abbildung 2: Aufteilung des Tourismus unter Einschließung des kulinarischen Tourismus

Abbildung 3: Touristische Regionen innerhalb Sachsen-Anhalts

Abbildung 4: Top 10 Aktivitäten der Urlaubsgäste in den Destinationen

Abbildung 5: Vertriebswege im Tourismus

Abbildung 6: Informationssuche zu Reiseaufenthalten

Abbildung 7: Vertriebswege kulinarischer Leistungsanbieter

Abbildung 8: SWOT-Überblick

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort zur Bachelorarbeit von Frau Kirsten Janek

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

mit Freude nehmen wir Ihr Interesse an der Thematik Kulinarischer Tourismus zur Kenntnis. Vor zwei Jahren haben wir, das Institut für Hospitality am Baltic College in Schwerin, den kulinarischen Tourismus als Bestandteil und Weiterentwicklung des Kulturtourismus aufgegriffen und begonnen es sukzessive wissenschaftlich zu bearbeiten.

Mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten, Studienarbeiten im Rahmen des Lehrprozesses und Studienabschlussarbeiten zum Bachelor of Arts, wird versucht ein sich entwickelndes Gesamtbild zum kulinarischen Tourismus strukturell zu entwickeln aufzuzeigen, welches noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Einer dieser Bausteile wurde mit dieser Bachelorarbeit hervorragend geschaffen.

Die Autorin hat mit dem Thema ein sehr interessantes Problem der Branchenentwicklung für Deutschland als Ganzes in der Arbeit aufgegriffen und beschäftigt sich mit der Thematik im Wesentlichen aus zwei Gesichtspunkten, der wissenschaftstheoretischen Betrachtung, durch Ableitung der Thematik aus dem Wissen um den Kulturtourismus dem theoretischen Aspekt und dem Regionalitätsaspekt.

Am Beispiel des Bundeslandes Sachsen-Anhalt wird auf 52 Nettotextseiten mit fünf Anlagen das Thema der Arbeit:

„Zum kulinarischen Tourismus in Sachsen-Anhalt –

Leistungsangebote, Vertrieb und Potentialermittlung“

umfänglich erfasst und in klarer logischer Gedankenfolge wissenschaftlich bearbeitet.

Der kulinarische Tourismus ist ein Themengebiet der Tourismuswirtschaft, welches uns in den nächsten Jahren noch vielfältig auf allen drei Ebenen beschäftigen wird, in der Forschung (Wissenschaftsebene, Theorie), der Entwicklung (administrative Ebene, kulinarische Leitbilder) und in der praktischen Anwendung (wirtschaftliche Ebene, Leistungsangebote) in der gesamten Tourismusbranche. Dafür gibt sehr starke und überzeugende ‚Argumente.

Kulinarischer Tourismus

- basiert immer auf erdverbundenen Ausgangsprodukten. Essen & Trinken kommt aus unserer Mutter Erde, ist regional bedingt.
- basiert auf einer wichtigen Triebkraft des Menschen, den Genuss. Die Genussfähigkeit und die Genussfreude sind wünschens- und erstrebenswerte Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen. Sie sind alltäglich erlern- und trainierbar.
- basiert auf dem Bestreben zur Ausprägung der Qualitätsspitze. Er orientiert sich an der Suche des Menschen nach den besten Leistungen um die Lebensmittel (im ursprünglichen Sinn) aus den durch die Natur gegebenen Voraussetzungen und dem akkumulierten Wissen der Menschen zur permanenten Verfeinerung der natürlichen Produkte und des menschlichen Könnens.

Damit wird der kulinarische Tourismus zum natürlichen Schatzgräber der nachhaltigen Leistungen einer Region auf dem Weg zur Entwicklung von Genussregionen.

Prof. Dr. Gerald Wetzel

Studiengangsleiter Hotel- und Tourismusmanagement

und Leiter des Institutes für Hospitality

1. Kulinarischer Tourismus – ein sich entwickelndes touristisches Themenfeld

„ Ein Land sehen genügt nicht, man muss es auch hören und schmecken, es durch alle Poren in sich eindringen lassen.“ Michel Onfray, Versuch einer alimentären Autobiographie

In diesem Sinne gilt diese Arbeit als eine Einladung in ein liebenswertes Land, das zum Kernland der deutschen Geschichte und Kultur gehört. Nicht nur die visuelle Erkundung ist gemeint, sondern eine über alle fünf Sinne, also auch über den Weg der Geschmacksnerven. Zur systematisch-theoretischen Vorgehensweise wurde die These aufgestellt: Akteure kulinarischer Leistungsangebote und Anbieter von Spezialitäten sowie Einheimische der Region spielen eine zentrale Rolle und tragen Verantwortung gegenüber ihrer Tourismusdestination. Es stellt sich die Frage, ob diese Akteure die Attraktivität und Verweildauer von Touristen beeinflussen und bis dato Leistungsangebote die kulinarischen Geschäftsfelder abdecken, um ein ansprechendes Angebot am Markt zu positionieren. Spielt also der kulinarische Tourismus in Sachsen-Anhalt überhaupt eine zentrale Rolle in der Vermarktung und nehmen nicht nur die Sachsen-Anhalter diese Form des Kulturtourismus bewusst wahr? Deshalb beschäftigt sich der Autor dieser Arbeit mit den Leistungsangeboten, Vertriebswegen und möglichen Potentialen zum kulinarischen Tourismus. Die aufgestellte These wird dabei in diesen drei Abschnitten jeweils separat betrachtet.

Der kulinarische Tourismus sollte als Teil des Kulturtourismus für die Tourismusdestination Sachsen-Anhalt eine zentrale Rolle einnehmen. Einerseits als Heimatland des Autors begründet sich die Wahl der Destination, andererseits besteht mehr als persönliches Interesse an neuen Angebotsmöglichkeiten in anderen touristischen Bereichen wie den des Kulinarischen. Der Autor hat das Ziel eine zusammenfassende Darstellung bisheriger Erfahrungen zu bringen und mögliche Handlungsansätze daraus zu entwickeln. Die Arbeit bildet einen Einstieg in den Bereich Kulinarik für Anbieter der Region und eine Anregung für weitere Forschungen in diesem Bereich. Es sollen die Vorteile des Kulinarischen für die Destination herausgearbeitet werden und das Potential für Akteure, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und das Land mit seinen touristischen Schätzen noch attraktiver zu gestalten. Dazu werden die Vorgehensweise und der thematische Aufbau der Arbeit im nächsten Unterpunkt kurz erläutert.

1.1. Aufbau und Methodik der Bachelorarbeit zum Thema kulinarischer Tourismus in Sachsen-Anhalt

Die Bachelorarbeit ist inhaltlich strukturiert, d.h. die Kapitel systematisch aufeinander aufgebaut. Es wurde die o.g. These vorangestellt und Fragen wurden aufgeworfen, die zur Klärung fachlicher Aspekte beitragen sollen. Die angewandte Methodik und einleitende Begriffserklärungen werden an gegebener Stelle jeweils erläutert. Aus dem geschaffenen einheitlichen Konsens erfolgt die theoretische Aufarbeitung der Thematik. Zum Verständnis der Erarbeitung werden im ersten Teil der Arbeit einzelne Begriffe definiert, z.T. in den spezifischen Kontext eingebunden und anhand dessen erläutert. Die theoretischen Grundlagen dienen zum Verständnis und bilden die Basis, um sich eigenständig in das Thema einzuarbeiten, sich dessen anzunehmen und um es reflektieren zu können. Dabei wird die Wichtigkeit des Themas noch einmal verdeutlicht und bestehende Tatsachen zum kulinarischen Tourismus durch eigene Gedankengänge methodisch erweitert.

Im zweiten Abschnitt der Arbeit werden bestehende Leistungsangebote erfasst und einzelnen Regionen und Geschäftsfeldern zugeordnet. Diese ausgewählten Beispiele dienen zur Verdeutlichung der bestehenden Grundvoraussetzungen zur Promotion von kulinarischen Angeboten. Diese Beispiele basieren auf Angeboten, die überwiegend zur Durchführung von Gruppenveranstaltungen geeignet sind und veranstaltet werden. Das ist die wichtigste Grundlage zur Nutzung von kulinarischen Angeboten im Bereich Busreisen. Dazu werden das Bundesland und die einzelnen Regionen jeweils in einem Kurzportrait veranschaulicht. Nach dieser Erfassung werden die dafür zugänglichen Vertriebswege zusammengetragen und erläutert. Diese werden vertiefend betrachtet und kritisch bewertet.

Basierend auf dem bis dato generieten Wissen, wird im letzten Teil der Arbeit eine Potentialermittlung vorgenommen. Eine SWOT-Analyse dient zur Grundlage der Betrachtung. Hierzu werden die bereits erarbeiteten Themenfelder – Leistungsangebote und Vertrieb – aufgegriffen und ein gepflegt, neben weiteren relevanten Aspekten, die die Potentialermittlung beeinflussen. Dabei wird die Wichtigkeit des kulinarischen Tourismus für das Land Sachsen-Anhalt noch einmal verdeutlicht. Die zusammenfassende Schlussfolgerung eröffnet eine rückblickende Betrachtung sowie Diskussion der wichtigsten Ergebnisse in Bezug auf die in der Einleitung entwickelten Fragestellungen sowie eine sachliche Stellungnahme zur These.

Zum Thema kulinarischer Tourismus gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt wenig und unvollständiges Material. Daher sind die genutzten Quellen neben englischsprachige

Literatur, Publikationen, Ergebnisse von Konferenzen und wissenschaftliche Veröffentlichungen auf denen aufgebaut wird. Auf Grund der Quellen und der Arbeit zum kulinarischen Tourismus kam es zum Austausch mit Kommilitonen, die themenverwandte Forschungen betreiben. Diese wurden dem Autor auch zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung gestellt.

1.2. Die theoretische Darstellung des kulinarischen Tourismus

Der kulinarische Tourismus ist eine bestehende Verknüpfung von Essen und Trinken mit Kultur und Erholung. Diese Tourismusform beinhaltet das Erleben einer Region mit allen Sinnen, wobei der Verzehr von Speisen und Getränken im Mittelpunkt der Reise steht. Der kulinarische Tourismus ist eine sich im Aufbau befindende Tourismusform, die sich aus einem Nischensegment zu einer Attraktion einer Reise entwickelt. Zu diesem Thema bestehen bis dato keine konkreten und weiterführenden Untersuchungen, die eine repräsentative Definition des kulinarischen Tourismus ergeben. Für die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft ist der Begriff des kulinarischen Reisens ein bisher unbekanntes Hauptreisemotiv. Die Mehrzahl der Touristen kann sich mit dieser Form des Kulturtourismus gegenwärtig noch nicht identifizieren, erhebt jedoch den Anspruch auf eine Vielfalt an regionalen Produkten in der besuchten Reisedestination. Diese Beschreibung zeigt einen kurzen Abriss dessen, was der kulinarische Tourismus beinhaltet. In diesem Abschnitt der Arbeit wird sich mit den theoretischen Grundlagen des kulinarischen Tourismus auseinandergesetzt und gezeigt, in welchen Ausprägungen dieser zu finden ist.

1.3. Inhalte und Merkmale zum kulinarischen Tourismus und seine Ausprägung

Laut Kathrin Schrott kann der kulinarische Tourismus nur aus dem Zusammenspiel von Authentizität und Qualität existieren.[1] Schlägt man im Lexikon nach dem Wort „kulinarisch“ kann man lesen, dass dieses aus dem Lateinischen übersetzt wird, auf die feine Küche der Kochkunst Bezug nimmt und mit dem Wort „feinschmeckerisch“ assoziiert wird.[2]

Das Essen ist eine Attraktion wie ein Museum. Daher sollte das Essen und Trinken von Touristen als wichtige Komponente nicht unterschätzt werden. Jeder Reisende isst und trinkt. Der Verzehr von Speisen ist folglich allgegenwärtig. Von der Reiseindustrie und den Food & Beverage – Vermarktern wird das leicht übersehen. Ein Grund dafür ist das selbstverständliche Essverhalten des Menschen, gewöhnlich dreimal täglich. Der kulinarische Tourismus ist daher ein jungfräulicher Tourismuszweig, der zwei Verwandte – Gastronomie und Tourismus, aber auch einen entfernten Vetter – die Gastfreundschaft „heiratet“.[3] Stellt sich somit die Frage, welche Verantwortung bei den Akteuren von Beherbergungsstätten und ihrer Umgebung liegt. Der Besucher soll durch einzigartige und unvergessliche kulinarische Speisen einen bleibenden Eindruck gewinnen, d.h. eine Destination erstens bekannter zu machen und zweitens das Potential des Wiederkehrens in diese Destination erhöhen.

Der Begriff des kulinarischen Tourismus wurde erstmals durch die Akademikerin Lucy Long im Jahr 1998 geprägt. Sie formte den Zusammenhang des Erlebens einer anderen Kultur durch ihre Speisen. Das gemeinsame Essen und Trinken galt allezeit als wichtiges Verständigungsmittel, welches den Feinschmeckern die Möglichkeit bot eine neue Kultur durch ihre traditionellen Speisen zu entdecken und gleichzeitig einen Einblick in die Gastwirtschaftlichkeit des Gegenübers zu erhalten.[4] Der kulinarische Tourismus ist eine neuartige Tourismusform, die dem Gast ermöglicht, besonderes Essen und Trinken mit Kultur und Erholung in Einklang zu bringen. Diese etablierte Reisemotivation kann einen bisher unbekannten Nutzen für Tourismusregionen bringen. Durch regionale Köstlichkeiten kann ein bleibender Eindruck bei den Reisenden hinterlassen werden und zufriedene, aber auch unzufriedene Gäste können als „lebende Reklame“ agieren. Denn die Neugier wird in Gesprächen geweckt und die Geschmäcker sind und bleiben verschieden. Der moderne kulinarische Tourist ist jedoch nicht ausschließlich auf den Besuch von Restaurants und Bars zu kompensieren, vielmehr legt er Wert auf ein kulinarisches Erlebnis, welches in seiner Erinnerung bleibt. Dabei zählt der Preis nicht grundsätzlich für gute oder hochwertige Qualität der Speisen.[5] Im Vordergrund steht das Zusammenspiel aus Regionalität, Qualität und Authentizität. Aufgrund dessen werden regionale Spezialitäten zu etwas Besonderem und Außergewöhnlichen, welche die Regionen repräsentieren und die Urlauber locken. Die Gäste interessieren sich dabei zunehmend für die Entstehungsgeschichte und den Herstellungsprozess der Köstlichkeiten. Je mehr der Gast in das Erlebte eingebunden wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er länger bleibt und/oder wiederkommt. Der Urlauber möchte wissen, wo die regionalen Speisen herkommen, wie sie verarbeitet werden und die damit verbundenen Abläufe und Prozesse näher kennenlernen.[6]

Die sich ändernden Kauf- und Konsumverhaltensweisen, sowie die zunehmend gesättigten Märkte in vielen Branchen, stellen neue Herausforderungen für die Unternehmen und Tourismusregionen dar. Diese Wettbewerbssituation wird auch im kulinarischen Tourismus sichtbar. Dem stetig homogener werdenden touristischen Angebot und der zunehmenden Konkurrenz steht der Trend zu einem geänderten Nachfrageverhalten gegenüber. Der „moderne“ Tourist ist anspruchsvoller. Er verspürt den Wunsch nach Zusatznutzen zum herkömmlichen Angebot, er denkt flexibler und kurzfristiger. Der heutige Tourist ist unabhängig, erfahren und sensibel gegenüber den Preisen. Es zeigt sich eine Orientierung nach kurzlebigen, aber intensiven Formen der Unterhaltung, Erholung und des Erlebens. Traditionelle Werte und Normen gelten dabei als überholt. Der Gast sucht im Urlaub und in seiner Freizeit nach sensueller Anregung, Selbstverwirklichung und emotionalen Erlebnissen.[7]

Folgende Fakten des kulinarischen Tourismus sind festzuhalten:

- Reise in eine Destination
- Bewusster Verzehr von regionalen Spezialitäten
- Reisemotivation verbunden mit Kultur und Erholung
- Interesse für Lebensmittel und Esskulturen, deren Entstehung und Produktionsweise
- Verbunden mit einem kulinarischen Erlebnis

Daraus lässt die nachstehende Definition für den kulinarischen Tourismus ableiten:

Das Motiv zum kulinarischen Tourismus ist verbunden mit der Reise in eine Destination, an dem ein bewusster Verzehr von regionalen Spezialitäten stattfindet im Einklang mit der Erkundung von Kultur und Erholung dieser Destination. Dabei liegt das Interesse der Reisenden in der Entstehung und Produktionsweise der Lebensmittel und Esskultur in Verbindung mit einem kulinarischen Erlebnis.

Die Bedeutung der kulinarischen Reisen ist in den letzten Jahren angestiegen und ist weiter auf Erfolgskurs. Das Wesen der Erlebnisgastronomie sowie Wein- und Gourmetreisen haben an Popularität gewonnen und sind vom Grundbedürfnis zu einem Art Lifestyle-Event geworden. Die Restaurants und gastronomischen Betriebe haben sich zu Orten des sinnlichen und kulinarischen Erlebens entwickelt, in denen der Besucher die Urlaubsdestination mit allen Sinnen erleben kann. Der Genuss und die Kulinarik sind damit zu einem entscheidenden Merkmal der touristischen Kaufentscheidung fundiert.[8]

1.4. Die Emotionale Bindung zu Regionen und deren Marken

Affektive und kognitive Reaktionen spielen bei dem Besuch einer Region in Hinsicht auf das zukünftige Konsum- und Einkaufsverhalten eine entscheidende Rolle. Anhand von zahlreichen Studien ist bekannt, dass ein lehrreiches, interessantes oder einfach genussvolles Erlebnis beim Kunden Loyalität zur Marke hervorruft und diese stärken kann. Zur effizienten Nutzung des Marketings müssen Determinanten zur emotionalen Bindung bekannt sein. Dafür müssen einzelne Faktoren die eine Bindung auslösen können bzw. stärker aber auch beeinträchtigen können, identifiziert werden. Deshalb gilt es die Zufriedenheit der Reisenden immer wieder zu hinterfragen. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht den Prozess, den der Besucher oder Konsument während seines Aufenthalts in einer Destination durchlebt, um eine Nahbeziehung zu einer Marke oder z.B. einem regionalen kulinarischen Produkt aufzubauen. Es zeigt zwei wichtige Faktoren, die durch ein touristisches Erlebnis die Produktbindung hervorrufen und entscheidend beeinflussen. Erstens wird angenommen das Vergnügen, Zufriedenheit (affektive Erfahrungen) die ursächliche Zuschreibung von Emotionen beeinflussen und zweitens, dass das Image der regionalen Dachmarke ebenfalls als direkt beeinflussender Faktor aus affektiven (Gefühls-) Zuschreibungen wirkt.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Literatur konnten folgenden Hypothesen abgeleitet werden.

H1: Unbewusste kausale Zuschreibungen beeinflusst durch Region und regionale kulinarische Produkte sprechen für die Effekte des touristischen Erlebnisses bezüglich emotionaler Bindung zur regionalen Marken.

H2: Bekanntheit und Stärke der regionalen Marke beeinflussen Affektionen des touristischen Erlebnisses positiv.

H3: Konsumenten, die die regionale Marke als bekannt und stark einschätzen, schreiben der Marke als solches eher ein positives touristisches Erlebnis zu als diejenigen, die die Marke als schwach einstufen.

H4: Konsumenten, die ein positives touristisches Erlebnis mit einer schwach etablierten Dachmarke in Verbindung setzten, werden diese Erfahrung eher der Region zuordnen, als solche die die Region mit einer starken Marke in Zusammenhang bringen.

H5: Verbraucher mit geringer Bindung an die Region, werden positive Aspekte des touristischen Erlebnisses eher den kulinarischen Spezialitäten der Region zuschreiben als solche mit hoher Bindung an die Region. Entsprechend dazu wird angenommen, dass die geografische Entfernung des Reisenden zur Region auch Auswirkungen auf die affektiven Erlebnisse mit der regionalen Marke hat.

H6: Abnehmer aus größerer geografischer Entfernung werden das positive touristische Erlebnis vorrangig von den Spezialitäten der Region zukommen lassen, als solche aus geringerer geografischer Entfernung.

Vorangegangene Studien zeigen, dass die unbewusste grundsätzliche Zuschreibung zu einem Produkt auf die Markenstärke und das Image zurück zu führen ist. Ein regionales Produkt wird somit von den umgebenen Einflüssen, einem Erlebnis verbunden mit Vergnügen, freudiger Erregung und Zufriedenheit beeinflusst. Daraus ist abzuleiten, dass Konsumenten von regionalen kulinarischen Produkten diese nicht nur aus Erfahrungen in der Tourismusregion beziehen. Sie bilden zudem darauf aufbauend, emotionale Bindungen zu regionalen Marken und der Region an sich.[10]

Die kulinarischen Spezialitäten einer Region haben folglich eine erheblichen Einfluss darauf, wie der Tourist die besuchte Destination erfährt, welche Erinnerungen er für sich nimmt und ob er letztlich in Region wieder kehrt. Das Produkt des kulinarischen

Essen und Trinken ist somit Bestandteil des touristischen Gesamtprodukts.[11] Der Gast erlebt seinen Urlaub als ein Gesamterlebnis. Dabei beeinflussen den Reiseaufenthalt mehrere Angebotsfaktoren:

- Reizvolle landschaftliche Gegebenheiten
- Beherbergungs- und Verpflegungsleistungen
- Möglichkeiten für Erholungsaktivitäten
- Möglichkeiten des Kultur- und Kunstgenusses
- Unterhaltungserlebnisse usw.

Diese Gästebedürfnisse lösen eine Komplementärsituation aus, d.h. die einzelnen Angebotselemente ergänzen sich nicht nur, sondern bedingen auch einander und sind somit voneinander abhängig. So besteht die Möglichkeit, dass ein negativ erlebter Angebotsfaktor zu Lasten des touristischen Gesamtangebotes geht und eine Beeinträchtigung aller touristischen Anbieter auslöst. Der umgekehrte Falls ist natürlich dabei auch möglich und nicht unbeachtet zu lassen.[12] Daraus ist abzuleiten, dass der kulinarische Tourismus eine klare Verantwortung gegenüber den anderen Angebotsfaktoren hat, um dem Gast ein gutes Gesamtangebot zu bieten. Essen und Trinken kann somit als Träger nationaler Kultur und deren Vermarktung als Teil des Gesamten fundieren und letztlich als emotionales Bindemittel zur Region und deren Marken wirken.Zeige mehr Weniger zeigen

1.5. Einordnung des kulinarischen Tourismus in das System des Tourismus

Im Tourismus wird gegenwärtig nicht mehr nur zwischen Reisen und Ferien machen differenziert, sondern es besteht vielmehr aus die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Personen ergeben.[13] Die Definition zum Tourismus wurde von der Welttourismusorganisation (UNWTO) im Jahr 1993 aufgestellt: „Tourismus umfasst die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zur Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.“[14] Die Abbildung zwei zeigt eine mögliche Unterteilung des Tourismus eine Beziehung des kulinarischen Tourismus und seinen Eigenschaften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Tourismus lässt sich in mehrere Tourismusarten untergliedern. In dieser Abbildung kommt dem kulinarischen Tourismus eine besondere Bedeutung zu, neben dem Geschäftstourismus und dem Tagesausflugstourismus. Der kulinarische Tourismus kann jedoch auch als eine Unterform des Kulturtourismus angesehen werden. Der Begriff der Kultur ist weit gefasst und war in den letzten Jahren einem ständigen Wandel ausgesetzt. Erstmals wurde der Begriff des „Kulturtourismus“ Ende der 1980er-Jahre erwähnt, in Förderprogrammen der Europäischen Union. Aufgrund des Wandels des Kultur-Begriffs und der unterschiedlichen Intensität des touristischen Interesses an der Kultur, ist es bisher nicht gelungen, eine allgemein anerkannte Definition zu erarbeiten. Der Inbegriff der Kultur bezieht sich auf materielle und immaterielle Elemente der Hochkultur – kulturelle Aktrationen wie historische Kunstwerke aus bildender Kunst, Malerei, Musik, Architektur usw.[15]

Grundsätzliche Merkmale des Kulturtourismus lassen sich wie folgt festhalten:

- das Interesse der Touristen an Kultur
- die Besichtigung kultureller Einrichtungen
- die Teilnahme an Kulturveranstaltungen
- die zentrale Rolle einer fachlich fundierten Informationsvermittlung.

Der Kulturtourismus erweist sich somit als sehr vielfältig. Deswegen wurde neben einer begrifflichen Abgrenzung zum Tourismus eine Gliederung des kulturtouristischen Angebotes erarbeitet. Siehe Anlage 1. Nach den Reise- bzw. Ausflugsmotiven wurden die Arten des Kulturtourismus abgeleitet.

- Objekt - Kulturtourismus
- Gebiets - Kulturtourismus
- Ensemble - Kulturtourismus
- Ereignis - Kulturtourismus
- Gastronomischer - Kulturtourismus
- Fern – Kulturtourismus

Daraus ist abzuleiten, dass der kulinarische Tourismus eine Form des Kulturtourismus darstellt. Der Besuch der regionale Küche und Verbrauch von regionalen Produkten sind zu den Attraktionen der Kulturgüter und Elemente der Alltagskultur, wie der Verzehr von regionalen Speisen einzuordnen. Neben Besichtigung von Objektkulturen beispielsweise Kirchen und Ausstellungen oder der Besuch von Veranstaltungen oder Festspielen im Ereignis – dem Kulturtourismus zugehörig, ist der Verzehr von regionalen Köstlichkeiten und die Erkundung der gastronomischen Kultur fester Bestandteil des allgemeinen Kulturtourismus. Das Reisemotiv des kulinarischen Tourismus verläuft fließend zu den einzelnen Reisearten und ist deshalb nicht abzugrenzen. So wie sich der breite Begriff des Kulturtourismus im Wandel befindet, entwickelt sich der Bereich des kulinarischen Tourismus mit. Daher ist der momentane Trend, Kulinarik als festes Urlaubsmotiv zu etablieren, im Aufbau.

Der kulinarische Tourismus im Kulturtourismus gehört zu den Faktoren des Soziokulturellen, welcher u.a. verbunden ist mit Brauchtum, Mentalität und regionaler Esskultur. Diese soziokulturellen Entwicklungen sind zudem abhängig von den in der Region lebenden Menschen. Für die positive Zunahme des Trends „Kulinarischer Tourismus“ sind somit auch die Einheimischen und ihre Geschichte maßgeblich.[16]

1.6. Die Geschäftsfelder des kulinarischen Tourismus

Der kulinarische Tourismus ist das Streben nach Einzigartigen und unvergesslichen Erlebnissen beim Essen und Trinken. Es ist z.B. das Zusammenspiel aus Kulturtourismus und Agrotourismus. Der Agrotourismus ist eine Wachstumsbranche und basiert auf landwirtschaftlicher Arbeit. Er bezieht sich teilweise auf Aufenthalte auf einem Bauernhof. Es schließt eine Vielzahl von Aktivitäten ein, wie den Kauf von direkt auf dem Bauernhof erzeugten Gütern darüber hinaus pflückt man Obst selbst oder füttert Tiere.[17] Dies verdeutlicht, dass der kulinarische Tourismus ein festes Netzwerk aus mehreren Faktoren wie die Landwirtschaft ist. Aber auch aus politischen Entscheidungsträgern, die Lebensmittelproduzenten, die Gastronomie an sich und touristische Unternehmen. Dieses Netzwerk ist die Voraussetzung zur Positionierung von kulinarischen Angeboten einer Destination am Markt.

Zur Entwicklung eines ansprechenden kulinarischen Produkts, hat die International Culinary Tourism Association in Zusammenarbeit mit FoodTrekker Publishing folgende kulinarisch dominierende Geschäftsfelder herausgearbeitet.[18] Diese veranschaulichen, dass sich der kulinarische Tourismus in 13 grundlegende Geschäftsfelder einteilen lässt, die dazu beitragen, Köstlichkeiten zu einem Erlebnis zu arrangieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Katrin Schrott, Online-Publikation, http://www.genuss-magazin.eu/?id=2500,4923635- , Stand April ´12

[2] Vgl. Neues Grosses Lexikon in Farbe,1992, S. 476

[3] Vgl. Wolf, 2006, S.1

[4] Vgl. Wolf; 2006: S.1

[5] Vgl. Wolf; 2006; S.2

[6] Vgl. Katrin Schrott, Online-Publikation, http://www.genuss-magazin.eu/?id=2500,4923635, Stand April ´12

[7] Vgl. Brunner-Sperdin, 2008, S.1

[8] Vgl. Hermann Paschinger, Online-Publikation, http://50plushotels.wordpress.com/tag/kulinarische-endeckungsreisen/, Stand April ´12

[9] Vgl. Dreyer, 2011, S.50 f.

[10] Vgl. Dreyer, 2011, S.52 f.

[11] Vgl. Hermann Paschinger, Online-Publikation, http://50plushotels.wordpress.com/tag/kulinarische-endeckungsreisen/, Stand April ´12

[12] Vgl. Luft, 2007, S.24

[13] Vgl. Bieger, 2008, S.1

[14] Freyer, 2009, S. 2

[15] Vgl. Steinecke, 2007, S. 2 f.

[16] Steinecke, 2006, S. 23 f.

[17] Vgl. Wikipedia, Online Publikation, http://translate.google.de/translate?hl=de&langpair=en%7Cde&u=http://en.wikipedia.org/wiki/Culinary_tourism, Stand Mai ´12

[18] Vgl. International Culinary Tourism Association, Food Trekker Publishing, 2011

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Kulinarischer Tourismus in Sachsen-Anhalt: Leistungsangebote, Vertrieb und Potentialermittlung
Hochschule
Baltic College University of Applied Sciences - Campus Schwerin
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
76
Katalognummer
V206718
ISBN (eBook)
9783656407782
ISBN (Buch)
9783656408345
Dateigröße
6883 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulinarischer, tourismus, sachsen-anhalt, leistungsangebote, vetrieb, potentialermittlung
Arbeit zitieren
Kirsten Janek (Autor), 2012, Kulinarischer Tourismus in Sachsen-Anhalt: Leistungsangebote, Vertrieb und Potentialermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206718

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