2.0.1 Historie der Schizophrenie
im Altertum wurden die Symptome der Schizophrenie beschrieben mit Geisteskrankheit, Verrücktsein, Irresein und Wahnsinn. Im Jahre 1896, wurden schizophrene Symptome wie Hebephrenie, Katatonie, Paranoia von Emil Kraepelin aufgrund der ungünstigen Prognose als Dementia praecox (das zur Demenz führende Irresein) zusammengefasst und gegen günstiger verlaufende, z.B. manisch-depressive Erkrankungen abgegrenzt. Dieser Begriff verlor seine Daseinsberechtigung, da diese Erkrankung weder unbedingt fortschreitend ist, noch einen Abbau bis zu einem dementen (verblödeten) Zustand bedeutet. Der Begriff Schizophrenie (griechisch für Bewusstseinsspaltung oder „gespalten“ von schizo und „Seele“ von phren) geht auf den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zurück (1911).1
2.0.2 Beschreibung der Schizophrenie
Die grundsätzliche Störung der Schizophrenie, liegt in einer mangelhaften Einheit, in einer Zersplitterung und Aufspaltung des Denkens, Fühlens und Wollens und des subjektiven Gefühls der Persönlichkeit. Eugen Bleuler (1857-1939) „Kennzeichen für Schizophrenie ist der Zusammenbruch des integrativen Gefüges der Funktionsbereiche der Persönlichkeit. Verschiedene Aspekte der Persönlichkeit des Betroffenen liegen miteinander im Widerstreit, und das Verhalten wird von den Rückmeldungen von Seiten der Umwelt nicht gesteuert, es ist davon unabhängig. Wenn eine Person aufhört, die Rückmeldungen ihres Tuns zu beachten, kann sich ihr gesamter Bestand von Verhaltesweisen verändern. Wahrnehmungen ohne sensorische Reizgrundlage (Halluzinationen) treten u.a. auf. Gefühle entstehen, ohne dass entsprechende Reize vorliegen, oder sie bleiben aus, obwohl die Reize gegeben sind; Gedanken und Sprache folgen nicht mehr der aristotelischen Logik oder den anerkannten grammatikalischen und stilistischen Regeln. Es kann zu einer Verzerrung der Zeitperspektive kommen, die sich wiederum auf die Wahrnehmung kausaler Zusammenhänge auswirkt… Schizophrene zeigen gegenüber Wahrnehmungsreizen eine erhöhte Sensitivität, die größere Irritierbarkeit zur Folge hat und zur ,,Reizüberflutung“ durch externe Stimulierung führt. Das macht es für diese Menschen schwierig, in ihrer sensorischen Umwelt Konstanz vorzufinden. Gestörte Denkmuster können das Ergebnis der Unfähigkeit sein, Ereignissen oder Vorgängen anhaltende Aufmerksamkeit zu widmen.
1 Sinngemäß ,,Psychiatrie fast" (S. Grüner) + Internetseite: www.neuro24.de/schizonhrerne.htm
Inhaltsverzeichnis
1. Beschreibung der Institution
1.1 Beschreibung der ergotherapeutischen Abteilung
2. Allgemeines Krankheitsbild
2.0 Bezeichnung und Definition
2.0.1 Historie der Schizophrenie
2.0.2 Beschreibung der Schizophrenie
2.1.Ursachen
2.2. klinisches Bild, pathologische Veränderungen
2.2.1 Grundlegende Erkenntnisse bezüglich der Symptomatik schizophrener Erkrankungen:
2.2.2. Psychopathologische Kriterien und Regeln für die Diagnostik der Schizophrenie nach ICD-10
2.2.3. Formen der Schizophrenie nach ICD-10
2.2.4. Definition Hebephrene Schizophrenie (nach ICD 10)
2.2.5. Einführung in das Thema: Hebephrenie
2.3. Verlauf
2.4. Prognose
2.5. Behandlung allgemein
2.5.1. „Verhandeln statt Behandeln“
2.5.2 Die wichtigsten Behandlungsmethoden
3. Spezielles Krankheitsbild
3.1. Angaben zur Person
3.1.1. Diagnose
3.1.2. Kurze Erläuterung zu der Nebendiagnose Tourette-Syndrom (F 95.2)
3.2. soziale und beruflicher Anamnese
3.2.1 Biographie tabellarisch
3.3. medizinische Anamnese
3.4. Medikation
3.5. Eigenanamnese
4. Eigene Gedanken zum Krankheitsbild / Störungsbild
5. Ergotherapeutische Befundaufnahme
5.1. Erster Eindruck vom Patienten
5.1.1. Äusseres Erscheinungsbild
5.2. Emotionaler Bereich
5.3. Sozioemotionaler Bereich
5.4. Kognitiver Bereich
5.5. Motorik
5.6. Perzeption
5.7. Selbständigkeit
5.8. Arbeitssituation
5.9. Besonderheiten
5.10. Aktuelle Krankheitssymptome
6. Ergotherapeutische Befundaufnahme im psychosozialen Bereich
6.1. Differenzierter persönlicher Eindruck
6.1.1. Äusseres Erscheinungsbild
6.1.2. Ausdrucksverhalten Stimme
6.1.3. Ausdrucksverhalten Körpersprache
6.2. Emotionaler Bereich
6.3. Verhalten zu Therapeuten
6.4. Verhalten zu Mitpatienten
6.5. Sozioemotionaler Bereich
6.6. Kognitiver Bereich
6.7. Perzeptiver Bereich
6.8. Psychomotorischer Bereich
6.9. Lebenspraktischer Bereich
6.10. Freizeitbereich
6.11. Arbeitsverhalten
7. Einordnen in ein Modell
8. Behandlungsplan
8.1. Bewertung des Befundes im Hinblick auf die Zielplanung
8.2. Rehaziel, Richtziel
8.3. zwei Grobziele mit jeweils zwei zugeordneten Feinzielen
8.4. Ergotherapeutische Maßnahmen
8.4.1. Behandlungsmethoden mit Begründung
8.4.2. Therapeutische Medien und Mittel mit Begründung
8.4.3. Behandlungskriterien mit Begründung
8.5. Behandlungsdurchführung
8.6. Selbstwahrnehmung des Therapeuten
9. Beschreibung der Behandlungseinheit
9.1. mind. ein Grobziel mit zwei zugeordneten Feinzielen
9.2. Ergotherapeutische Maßnahmen
9.2.1. Behandlungsmethode mit Begründung
9.2.2. therapeutische Medien und Mittel mit Begründung
9.2.3. Behandlungskriterien / und –verlauf mit Begründung
10.Vorschläge für die weitere Behandlung
11. Reflexion des gesamten Praktikums
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Praktikumsbericht hat zum Ziel, die ergotherapeutische Arbeit in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie darzustellen, indem exemplarisch ein Fallbeispiel eines jungen Patienten mit hebephrener Schizophrenie analysiert und der individuelle Behandlungsplan evaluiert wird.
- Strukturelle Beschreibung der ergotherapeutischen Abteilung und deren Behandlungsansätze
- Medizinische und psychiatrische Grundlagen der Schizophrenie, insbesondere der hebephrenen Form
- Detaillierte ergotherapeutische Befundaufnahme eines Patienten (Herr P.) in verschiedenen Funktionsbereichen
- Planung, Durchführung und Reflexion einer spezifischen ergotherapeutischen Behandlungseinheit
Auszug aus dem Buch
2.2.5. Einführung in das Thema: Hebephrenie
Zunächst möchte ich eine kurze Einführung in das Thema (Hebephrenie) geben, indem ich einen Brief beifüge, den ein 16-jähriger Jugendlicher aus der psychiatrischen Klinik an seinen Freund geschrieben hat.
„Lieber Friedrich! Ich bin in F. in der Kinderklinik, genauer gesagt in der Psychiatrischen und Nervenklinik. Wir, d.h. die, die auf unserer Station sind, haben alle irgendwelche Schwierigkeiten, die aus dem gewöhnlichen Rahmen der Schwierigkeiten herausfallen. Ich, als erstes Beispiel, habe die ‚Schwierigkeit’, dass ich in den vergangenen 4 Jahren fast täglich onaniert habe und dabei sowieso von Natur aus ängstlich bin: das Ergebnis wirst Du Dir leicht vorstellen können, ich habe mich mit der Onanietätigkeit verschlossen, habe einfach nicht die Entschlossenheit gehabt mich jemanden wirklich anzuvertrauen und mit diesem Kraft zu haben, zu ‚siegen’. Ich werde immer entmutigt, wenn ich feststelle, dass meine Eltern in meiner ganzen Jugend und Kindheit zu ‚sanft’ mit mir umgegangen waren bzw. sind. Sie meinten es (vielleicht) sicher nicht schlecht, aber doch konnte es nicht gut gehen. Meine Eltern waren immer, außer in den letzten Jahren, trotz meiner (wahrscheinlich aus purem Blödsinn begangenen) Streiche, wie ‚Mostfässer auslaufen lassen’, ‚lebendiges Huhn im Sandkasten ersticken lassen’, ‚Eier Mengenweise stehlen’, ‚anderen Mädchen Honigbrote in die Haartracht kleben’, offenbar fest davon überzeugt, dass aus mir, dem ‚anständigen, braven’ Jungen ein ‚ganzer’ Kerl werden würde. Aber unglücklicherweise ging die Rechnung meiner Eltern nicht auf; ich muss sehen, wie sie resignieren, wie sie enttäuscht sind! Lieber Friedrich, wenn ich ‚als’ zu Dir gekommen bin, da hatte ich immer ein unentschlossenes, scheinbar ‚tatkräftiges’ Gefühl, und ich war, ob Du es glaubst oder nicht, tatsächlich froh, als ich wieder fortfuhr, heimfuhr, wobei gesagt werden muss, dass ich auch nicht allzu gern dem Heim entgegenfuhr, kurz gesagt, es lag [in] mir eine unwahrscheinliche Unentschlossenheit (diese war überhaupt in mir vorhanden). Und in der Schule hast Du es ja immer gesehen... Lieber F., viele Grüße, schreibe bitte auch!“
„In diesem Brief wird deutlich, mit welcher Anstrengung der Patient versucht sich zu formulieren, einer beginnenden Ich-Diffusion (=Unklarheit über das eigene Ich) Herr zu werden, welches ein wichtiges diagnostisches Kriterium darstellt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Beschreibung der Institution: Einführung in die Rehbergparkklinik in Herborn, deren Trägerschaft, das Einzugsgebiet sowie die verschiedenen Stationen und therapeutischen Angebote.
2. Allgemeines Krankheitsbild: Umfassende theoretische Darlegung des schizophrenen Formenkreises, inklusive Historie, Ursachen, klinischem Bild und diagnostischen Kriterien nach ICD-10.
3. Spezielles Krankheitsbild: Darstellung der Anamnese, Medikation und Eigenanamnese des spezifischen Patienten (Herr P.), der als Fallbeispiel für den Bericht dient.
4. Eigene Gedanken zum Krankheitsbild / Störungsbild: Reflexion des Autors über die subjektive Belastung durch die Erkrankung und die Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Betroffenen.
5. Ergotherapeutische Befundaufnahme: Erstkontakt und systematische Erhebung der Ressourcen und Beeinträchtigungen des Patienten in Bereichen wie Motorik, Perzeption und Selbständigkeit.
6. Ergotherapeutische Befundaufnahme im psychosozialen Bereich: Vertiefende Analyse des Sozial- und Arbeitsverhaltens sowie kognitiver Aspekte des Patienten im Kontext der therapeutischen Interaktion.
7. Einordnen in ein Modell: Ein Kapitel, das im vorliegenden Dokument als entfallen gekennzeichnet ist.
8. Behandlungsplan: Definition von Rehabilitations- und Grobzielen für den Patienten sowie Darlegung der gewählten ergotherapeutischen Methoden und Medien.
9. Beschreibung der Behandlungseinheit: Konkrete Planung einer therapeutischen Sitzung, inklusive Zielsetzung, zeitlichem Ablauf und Beschreibung des eigenen therapeutischen Verhaltens.
10.Vorschläge für die weitere Behandlung: Empfehlungen für den weiteren Therapieprozess, insbesondere hinsichtlich der interdisziplinären Zusammenarbeit und Einbindung des sozialen Umfelds.
11. Reflexion des gesamten Praktikums: Abschließende persönliche Reflexion über den Lernprozess während des Praktikums sowie Dank an die Anleiterin und den Patienten.
Schlüsselwörter
Ergotherapie, Schizophrenie, Hebephrenie, Psychiatrie, Rehabilitation, Fallbeispiel, Befundaufnahme, Behandlungsplanung, soziale Integration, Symptomatik, psychische Erkrankungen, psychiatrische Klinik, therapeutische Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Praktikumsbericht grundsätzlich?
Der Bericht dokumentiert ein Praktikum in einer psychiatrischen Fachklinik, wobei der Schwerpunkt auf der ergotherapeutischen Behandlung eines jungen Patienten mit hebephrener Schizophrenie liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die psychiatrischen Grundlagen der Schizophrenie, die ergotherapeutische Befundaufnahme, die Zielplanung und die praktische Durchführung sowie Reflexion therapeutischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung des therapeutischen Prozesses und die Erstellung eines strukturierten Behandlungsplans, um die Grundarbeitsfähigkeiten und soziale Teilhabe des Patienten zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dem Bericht verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die durch Anamneseerhebung, ergotherapeutische Befundung nach verschiedenen Skalen sowie die evidenzbasierte Planung und Evaluation einer konkreten Behandlungseinheit methodisch gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Krankheitsbild der Schizophrenie sowie eine detaillierte klinische Fallbeschreibung des Patienten "Herr P." inklusive seiner Therapieziele und Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ergotherapie, Schizophrenie, Hebephrenie, Befundaufnahme, Behandlungsplanung, soziale Integration und psychiatrische Rehabilitation.
Warum wird die "kompetenzzentrierte Methode" gewählt?
Diese Methode wird gewählt, da sie darauf abzielt, verloren gegangene Fähigkeiten durch gezielte handwerkliche oder lebenspraktische Aufgaben zu reaktivieren und Defizite in den Bereichen Konzentration und Ausdauer abzubauen.
Welche Besonderheit weist der Patient im sozialen Kontakt auf?
Der Patient zeichnet sich durch ein häufiges und teilweise "scharmantes" Streben nach Bestätigung durch das "Handgeben" aus, zeigt jedoch auch sprunghafte Gedankengänge und ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich in Gespräche zu flüchten, um therapeutischen Aufgaben auszuweichen.
- Quote paper
- Mario Schepp (Author), 2003, Bericht zum Praktikum Psychosoziale Behandlungsverfahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20672